Wegen der hohen Inzidenzwerte hat es sich bereits angedeutet, nun ist es gewiss: Deutschland stuft Spanien und die Niederlande als Hochinzidenzgebiete ein. Die Corona-Zahlen und die Inzidenzwerte stiegen zuletzt in den meisten Länders Europas wieder an – Regeln wurden in vielen Ländern wieder verschärft. Auch die Delta-Variante des Coronavirus ist mittlerweile in den meisten Ländern in Europa dominant. Die Konsequenz der teils explosionsartig steigenden Corona-Zahlen in Spanien und dessen beliebten Urlaubszielen Mallorca, Ibiza und den Kanaren ist nun die Hochstufung zum Hochinzidenzgebiet. Das gab das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitagnachmittag bekannt. Auch die Niederlande fallen in diese Kategorie.
Für Urlauber, die bereits eine Reise gebucht haben, ergeben sich nun einige Fragen. Das gilt es nun bei und nach einer Einreise in ein Hochinzidenzgebiet zu beachten bei der Rückkehr und Quarantäne für Kinder und Geimpfte.

Hochinzidenzgebiet Spanien und Niederlande – Hochstufung ab Dienstag

Die Bundesregierung stuft Spanien und die Niederlande nicht schon ab Sonntag, sondern von Dienstag, 27. Juli 2021, an als Corona-Hochinzidenzgebiet ein. Die neue Einstufung für Spanien und die Niederlande soll am Dienstag um 0 Uhr wirksam werden. Betroffen sind auch die spanischen Inselgruppen der Kanaren und der Balearen einschließlich der Ferieninsel Mallorca sowie die niederländischen Überseegebiete in der Karibik. Diese EInstufung schreibt verschärfte Auflagen bei der Rückreise nach Deutschland vor, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag bekanntgab. Die Entscheidung folgt auf einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen in beiden Ländern in den vergangenen Wochen. Aktuell liegt der Inzidenzwert in Spanien und den Niederlanden über 350.

Hochinzidenzgebiet Spanien: Coronavirus breitete sich stark aus

Ganz Spanien, also auch die Kanaren und Mallorca, gilt nun angesichts der hohen Inzidenzen als Hochinzidenzgebiet. Das kann problematisch werden für ungeimpfte Touristen. Die Reisebranche fürchtet ums Geschäft und die Lieblingsinsel deutscher Touristen, Mallorca, blickt mit Bangen in die Zukunft.
Seit Ende Juni sind die Corona-Zahlen praktisch überall in Spanien rapide in die Höhe geschossen. Das Land hat mit die schlechtesten Werte in ganz Europa. Binnen eines Monats wurden rund 515.000 Neuinfektionen gezählt, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 42 im Juni auf jetzt 338, auf den Balearen mit Mallorca liegt sie sogar bei 375. Vor allem junge, ungeimpfte Menschen infizierten sich bei Partys und Musikfestivals, meist mit der ansteckenderen Delta-Variante.
Aber auch die Impfkampagne zeigt Wirkung. 62,6 Prozent der 47 Millionen Einwohner haben mindestens eine Corona-Impfung verabreicht bekommen, 53,5 Prozent sind vollständig geimpft. Während die Infektionszahlen förmlich explodierten, stieg die Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern nur von gut 2800 auf jetzt knapp 8000. Die Corona-Todesfälle binnen sieben Tagen nahmen von 59 auf 92 zu.

Wie viele Deutsche sind im Spanien-Urlaub?

Nach Angaben des Reiseverbands DRV machen aktuell etwa 200 000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub. Davon etwa 60 Prozent auf den Balearen, 30 Prozent auf den Kanaren und der Rest auf dem Festland. Hinzu kommen insgesamt geschätzt etwa 200 000 Individualurlauber aus Deutschland in dem Land.

Delta-Variante in Spanien: Touristen Gefahr im Ausland ausgesetzt

Schon länger dominiert die in Indien entdeckte Delta-Variante auch in Deutschland. In einer zufällig für Erbgutanalysen ausgewählten Stichprobe lag ihr Anteil nun bei 84 Prozent, schreibt das RKI. Das ist ein weiterer Zuwachs im Vergleich zur Vorwoche, als der Anteil noch rund zwei Drittel betragen hatte.
Zunehmend werden, so berichtet die Nachrichtenagentur DPA, laut RKI auch Fälle bekannt, in denen die Betroffenen dem Virus wahrscheinlich im Ausland ausgesetzt waren. Die häufigste Angabe derzeit sei Spanien. Das beliebte Urlaubsziel weist wesentlich höhere Inzidenzen als Deutschland auf.

Niederlande Hochinzidenzgebiet: Wirksam ab Dienstag

Die Niederlande galten erst seit vergangenen Sonntag als einfaches Risikogebiet. Die Bundesregierung hat nun das ganze Land inklusive der autonomen Länder und der karibischen Teile des Königreichs der Niederlande zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Die Inzidenz in den Niederlanden liegt derzeit jenseits der 300.
Die Niederlande hatten zum 26. Juni fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Der Anstieg der Neuinfektionen wird mit der Verbreitung der Delta-Variante begründet. Noch führte das aber nicht zu mehr Patienten in den Krankenhäusern. Von den Neuinfektionen sind den Angaben zufolge vor allem Jugendliche betroffen. Viele haben sich demnach in Diskotheken und Nachtclubs angesteckt.

Neue Hochinzidenzgebiete: Tourismusbeauftragter verteidigt Einstufung

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hat die Einstufung Spaniens und der Niederlande als Hochinzidenzgebiete verteidigt. „Das macht Reisen sicher und - soweit es in einer Pandemie geht - auch planbar“, sagte Bareiß der „Bild“-Zeitung (Samstag). Zwar sei es „bedauerlich“, dass die Inzidenzen in Spanien und den Niederlanden so stark gestiegen seien. Aber die Einstufung in die verschiedenen Risikogebiete erfolge nach „transparenten Regelungen“. Die Einreisebestimmungen müssten zudem mit den Entwicklungen in der Pandemie immer wieder neu bewertet werden.

Hochinzidenzgebiet Georgien

Alle übrigen Neueinstufungen der Risikogebiete und Hochinzidenzgebiete gelten – anders als im Fall von Spanien und der Niederlande – bereits ab Sonntag, 25.07.2021. Das gilt auch für die Hochstufung von Georgien zum Hochinzidenzgebiet. Einfache Risikogebiete werden demnach ganz Dänemark außer Grönland, die französischen Regionen Provence-Alpes-Côte d'Azur, Okzitanien und Korsika sowie das Überseegebiet Martinique. Daneben betrifft die Einstufung ganz Irland sowie Malta und Monaco. Alle Infos zu den neuen Risikogebieten des RKI gibt dieser Artikel:

Definition Hochinzidenzgebiet: Welche Bedeutung hat diese Einstufung?

Das RKI veröffentlicht jeden Freitag die neuen Corona-Einstufungen der Bundesregierung für das Ausland. Für Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete gilt seitens des Auswärtigen Amtes eine Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen. Bei einer Reisewarnung handelt es sich laut des Auswärtigen Amts um einen dringenden Appell, eine Reisen nicht zu unternehmen. Die Reisewarnung ist jedoch kein Reiseverbot. Wer einen Urlaub in ein Risikogebiet antreten möchte, entscheiden in eigener Verantwortung. Rät das Auswärtige Amt also ab, liegt das an den begleitenden Umständen im Reiseland, etwa an einer erschwerten Einreise oder einer Quarantäne.

Land wird zum Hochinzidenzgebiet: Folgen für Rückkehr, Test, Quarantäne, Geimpfte

Die Einstufungen zum Hochinzidengebiet haben Folgen für die Quarantäneregeln. Wer sich in einem Hochinzidenzgebiet aufgehalten hat und nach Deutschland einreist, muss einen Nachweis über ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen. Der Antigen-Schnelltest darf höchstens 48 Stunden alt sein, ein PCR-Test maximal 72 Stunden. Wer weder vollständig geimpft, noch genesen ist, muss für 10 Tage in Quarantäne. Ein zweiter Corona-Test kann frühestens fünf Tage nach Einreise, also Rückreise nach Deutschland, gemacht werden, sodass sich die Quarantäne dann um fünf Tage verkürzt.
Anstelle eines Corona-Tests können Reiserückkehrer auch einen Nachweis für eine vollständige Impfung oder eine Genesung vorlegen. Ein Nachweis kann über das Einreiseportal der Bundesrepublik übermittelt werden. Geimpfte und Genesene müssen auf diese Weise nicht in eine zehntägige Quarantäne.

Ab wann gelten Länder als Hochinzidenzgebiet?

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt nach einer gemeinsamen Analyse und Entscheidung durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.
Als Hochinzidenzgebiet stuft die Bundesregierung Länder ein, die besonders hohe Fallzahlen haben. Indiz ist meist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen – 7-Tage-Inzidenz – von über 200. Die Einstufung geschieht allerdings nicht immer sofort bei Erreichen dieser Inzidenz, es ist also keine Momentaufnahme. Maßgeblich seien, wie das Auswärtige Amt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagt, stabile Trends. Es werde, wie das RND berichtet, die Entwicklung der Inzidenz über wenigstens eine Woche herangezogen.

Hochinzidenzgebiet: Urlaub stornieren? Das gilt jetzt

Viele Menschen haben sich auf ihren Urlaub auf Mallorca, den Kanaren oder an der Costa Blanca gefreut. Doch nun wird Spanien zum Hochinzidenzgebiet. Ergibt sich aus dieser Hochstufung das Recht, die gebuchte Pauschalreise ohne Stornogebühren abzusagen - sofern man dies denn möchte?
Die kurze Antwort: Das kann durchaus möglich sein. Aber eine höchstrichterliche Entscheidung gibt es dazu noch nicht.

Wann darf ich eine Pauschalreise kostenlos stornieren?

Generell gilt: Die Reise muss durch sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt sein. So sieht es das in Deutschland geltende Pauschalreiserecht vor. Wann dies der Fall ist, lässt sich aber nicht immer so genau sagen.
Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt als starkes Indiz für außergewöhnliche Umstände. Vor der Pandemie bedeutete die Warnung der Bundesregierung de facto ein kostenloses Stornorecht.
Als aber lange Zeit jedes Corona-Risikogebiet eine Reisewarnung bekam, änderte sich dieser Automatismus. Mittlerweile kommt es auch darauf an, ob die Reisewarnung schon zum Zeitpunkt der Buchung bestand. Dann ergibt sich nach Ansicht mancher Gerichte nicht unbedingt ein kostenloses Rücktrittsrecht. Denn das Risiko war von Anfang an bekannt. Dieser Auffassung schließt sich zum Beispiel auch das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) in Kehl an.

Was heißt das nun konkret für Spanien?

Die Reisewarnung ist ein Indiz für außergewöhnliche Umstände, aber nicht das einzige. Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen. Die vom Gesetz geforderten unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände müssen laut EVZ objektiv gegeben sein und auch noch zum Zeitpunkt der Reise bestehen. Entscheidend sei die Situation vor Ort.
- Erster Faktor: Für Spanien wird nun formal erneut eine Reisewarnung ausgesprochen. Die Warnungen waren für einfache Risikogebiete aufgehoben worden, nicht aber für Hochinzidenzgebiete.
- Zweiter Faktor: Ungeimpfte Urlauberinnen und Urlauber müssen laut der geltenden Einreiseverordnung der Bundesregierung mindestens fünf Tage in Quarantäne, wenn sie aus einem Hochrisikogebiet heimkehren. Die notwendige zweite Impfung, um diesem Szenario zu entgehen, lässt sich in der Regel auch nicht einfach vorziehen. Und Kinder unter zwölf Jahren können sich ohnehin nicht impfen lassen.
Nach Ansicht des EVZ dürfte dieser Punkt aber nicht in die Beurteilung einfließen, weil die Quarantäne erst zu Hause ansteht. Es gebe aber auch Juristen, die in einer unabwendbaren Quarantäne eine Störung der Geschäftsgrundlage nach Paragraf 313 BGB sehen. Hier bleibt abzuwarten, wie Gerichte das bewerten werden.
- Dritter Faktor: Angesichts der hohen Fallzahlen in Spanien besteht ein höheres Corona-Infektionsrisiko als noch vor wenigen Wochen. Zudem führen die Behörden wieder strengere Maßnahmen ein.
„Das sind alles Faktoren, mit denen Urlauber bei der Buchung ihrer Spanien-Reise noch nicht rechnen mussten“, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Sich als Reiseveranstalter auf die bekannte Gefahr durch Corona zu berufen, reicht seiner Ansicht nach nicht.
Degotts Einschätzung lautet daher: „Pauschalurlauber haben eher gute Chancen, kostenlos von ihrer Reise zurücktreten zu können.“
Das EVZ sieht das ähnlich: „Reisende können aus unserer Sicht kurz bevorstehende Pauschalreisen in Länder, für die eine Reisewarnung ausgesprochen wird, grundsätzlich unter Berufung auf außergewöhnliche Umstände kostenlos stornieren.“ Kurz bevorstehend heißt hier: ungefähr ab vier Wochen vor Reiseantritt.
Anders beurteilt das die Reisewirtschaft: „Die Hochstufung eines Zielgebietes in ein Hochinzidenzgebiet begründet aus Sicht des Deutschen Reiseverbands nicht automatisch das Recht auf eine kostenlose Stornierung“, erklärt DRV-Sprecherin Kerstin Heinen und verweist auf das Ausstehen eines höchstrichterlichen Urteils. „Grundsätzlich bemühen sich die Reiseveranstalter, individuelle, kundengerechte Lösungen herbeizuführen“, ergänzt sie.

Was gilt für Individualtouristen?

Wer seinen Urlaub eigenständig gebucht hat, für die oder den gilt das Pauschalreiserecht nicht. Das heißt konkret: Solange der gebuchte Flug stattfindet, ergibt sich kein kostenloses Rücktrittsrecht. Reisende können hier lediglich vom gebührenfreien Umbuchen Gebrauch machen, das die meisten Fluggesellschaften anbieten.
Für Unterkünfte gilt: Wer ein Hotel mit kurzfristiger Storno-Option gebucht hat, kann diese Möglichkeit nutzen. Ansonsten fallen die Stornierungsgebühren wie vertraglich vereinbart an. Das Gleiche gilt für Ferienwohnungen. Solange die Unterkunft geöffnet und auch erreichbar ist, ergibt sich allein durch die Einstufung eines Landes als Hochrisikogebiet noch kein Gratis-Stornorecht.
Jeder Individualreisende muss also eigenverantwortlich entscheiden, ob er die Reise absagt, verschiebt oder antritt - und die möglichen finanziellen Folgen dieser Entscheidung in Kauf nehmen.

Urlaub im Sommer 2021 trotz Corona: Welche regeln gelten in anderen Ländern und Regionen?

In vielen Ländern gelten aktuell wegen hoher Inzidenzwerte strenge Corona-Regeln. Einige Länder sind als Risikogebiete eingestuft worden. Wo ist Urlaub im Sommer 2021 also überhaupt noch möglich? Und welche Bestimmungen gelten an beliebten Urlaubszielen aktuell? Eine Übersicht: