Top 10 der kuriosesten Polizeigeschichten in BW
: Hochzeits-Chaos, bizarre Selbstjustiz und Sprengstoff auf der Autobahn

In Baden-Württemberg hat die Polizei auch im Jahr 2023 viel zu tun gehabt. In diesem Rückblick erinnern wir abseits der größten Nachrichten des Jahres an kuriose Vorfälle, die eventuell vergessen wurden.
Von
Nico Pannewitz
Stuttgart
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Im Jahr 2023 klickten in Baden-Württemberg viele Handschellen - teilweise aus kuriosen Gründen.

© ronstik/adobe.stock.com (Symbolbild)

Der Prozess und Skandal um einen Inspekteur der baden-württembergischen Polizei, die Angst des Landtags vor dem AfD-Abgeordneten Udo Stein, die Ausschreitungen bei einer Eritrea-Veranstaltung in Stuttgart, ein Handgranatenwurf bei einer Trauerfeier oder die unglaublichen Hintergründe der Witwenmorde im Kreis Schwäbisch Hall: Dies sind nur einige der Polizeigeschichten, die 2023 die Schlagzeilen in Baden-Württemberg dominiert haben.

Allerdings hat es im abgelaufenen Jahr noch viele weitere kleinere Ereignisse gegeben, die von kurios bis geradezu bizarr reichen. In dieser Liste erinnern wir an 10 Polizeigeschichten, die Menschen zum Schmunzeln gebracht oder ihnen die Sprache verschlagen haben.

Platz 10: Liebeskummer ist wie ein Feuer

Wer schon mal Herzschmerz hatte, weiß: Die Emotionen können überwältigend sein. Ein Fall von Liebeskummer sorgte im Juni in Ehingen gar für einen kleinen Brand. Auf einer Wiese hatte jemand Liebesbriefe verbrannt und damit ein Feuer verursacht. Aufmerksame Bürger traten die Flammen aus, die Polizei ließ Nachsicht walten. Es gab keine Anzeige gegen Unbekannt – der Liebeskummer war genug Strafe.

Platz 9: Klingelstreich geht übel aus

Absolut keinen Spaß verstand ein Mann im Januar, als er in Neresheim eine Gruppe Kinder beim Klingelputzen erwischte. Als die Jungs Reißaus nahmen, verfolgte er sie – allerdings nicht zu Fuß, sondern im Auto. Und nicht nur das: Einen zwölfjährigen Jungen aus der Gruppe fuhr er sogar an. Der Bub musste mit einer Beinverletzung ins Krankenhaus, sein Verfolger machte sich aus dem Staub – wurde aber von der Polizei aufgespürt.

Platz 8: Einer geht noch rein

An der Schweizer Grenze zu Weil am Rhein hat eine Gruppe Reisender die Tragfähigkeit ihres Auto wahrlich überstrapaziert. So staunte ein Zöllner nicht schlecht, als bei seiner Kontrolle aus dem Wagen mit sieben Sitzen insgesamt 23 Menschen ausstiegen. Trotz Bußgeld durfte die verantwortliche Großfamilie später weiterreisen – allerdings nicht mehr zusammen in nur einem Vehikel.

Platz 7: Einsam und vergessen

Sich unbeachtet zu fühlen, ist allein noch kein Grund, die Polizei zu rufen. In bestimmten Fällen kann der Notruf aber doch notwendig werden, wenn man vergessen wird. So geschehen im August in Tübingen, als eine 21-Jährige in einem Fernreisebus ihre Ankunft am ZOB verschlief. Nachdem die anderen Fahrgäste ausgestiegen waren, schloss der Busfahrer das Fahrzeug ab und ging in die Pause, ohne zuvor noch mal den Innenraum zu kontrollieren. Der eingesperrten Frau blieb nach ihrem Aufwachen daher nichts anderes übrig, als Passanten auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich an einem Novemberabend in Michelfeld, dieses Mal in einem Bekleidungsgeschäft. Eine Kundin hatte beim Anprobieren in der Umkleidekabine so die Zeit vergessen, dass das ahnungslose Personal das Licht ausmachte und sie im Gebäude einschloss. Das Problem wurde aber schnell gelöst: Als die Frau versuchte, aus dem Geschäft zu gelangen, wurde der Sicherheitsdienst alarmiert und konnte die Situation auflösen.

Platz 6: Ungewöhnliche Besucher sorgen für Schrecken

Die Entdeckung gewöhnlicher Spinnen ist für manche Menschen schon genug, um einen Schock zu bekommen – wie für eine Autofahrerin, die im Juli bei Aalen beim Anblick eines solchen Krabbeltiers in ihrem Wagen die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und einen Unfall baute.

Mitunter stoßen Menschen aber doch auch auf ungewöhnliche Besucher – wie z.B. Skorpione. Ob in einem Mehrfamilienhaus, einer Vespertasche oder im Wohnzimmer: Mehrfach tauchten die stachelbewehrten Spinnentiere im Jahr 2023 in Baden-Württemberg auf. Wie die exotischen Tiere in den Südwesten Deutschlands gelangten? Dieselbe Frage stellten sich viele auch im August in Empfingen, als an einem Badesee über 14 Exemplare der Gattung Königspython gefunden wurden. Die ungiftigen Würgeschlangen wurden dort offenbar ausgesetzt, stellten aber keine Gefahr für Besucher dar.

Platz 5: Jugendliche zeigen viel kriminelle Energie

Dass Teenager nicht immer vernünftiges Verhalten an den Tag legen, ist kein Geheimnis. Dass sie dabei manchmal auch Dummheiten begehen, die strafrechtlich relevant sind – wie vor der Polizei flüchten oder Benzin anzünden und in den Gully kippen – ebenfalls nicht. Wie viel kriminelle Energie manche Jugendliche allerdings haben, mag manche auch im Jahr 2023 verwundert haben. So brach ein 16-Jähriger im Februar in ein Ulmer Geschäft ein und bediente sich. Noch eine Schippe drauf legte eine Gruppe aus 13 bis 15-jährigen Mädchen in Heilbronn, die gemeinsam zwischen Juli und August über 23 Straftaten beging.

Der spektakulärste Fall dürfte sich aber im Kreis Göppingen abgespielt haben. Hier entwendete ein 15-Jähriger in Donzdorf, Geislingen und Süßen ingesamt über ein Dutzend Autos und entführte diese für Spritztouren – für die er freilich keine Fahrerlaubnis besaß.

Platz 4: Hochzeiten, die daneben gehen

Es soll der schönste Tag im Lebens des Paars sein, manchmal ist aber plötzlich die Polizei da: Auch im Jahr 2023 hat es bei einigen Hochzeiten in BW minderschwere bis gefährliche Komplikationen gegeben. In mehreren Fällen fielen Schüsse aus Autokorsos oder bei Feiern – ein nerviger wie illegaler Hochzeitstrend. Eine der Autokolonnen feuerte im Juli nach einer Hochzeit zudem nicht nur eine Schreckschusspistole ab, sondern fuhr auch auf die Autobahn, wo sie mit Tempo 40 auf der rechten Fahrbahn den Verkehr zum Erliegen brachte.

Aber auch andere Dinge können bei einer Hochzeit schiefgehen. Bei einer Trauungsfeier im Juli in Reutlingen mussten elf Personen nach einer missglückten „Bengalo-Show“ ärztlich behandelt werden – die Rauchfackeln hatten ihnen Brandverletzungen zugefügt. Viel besser ging das Missgeschick eines Brautpaars im September in Ehingen aus: Braut und Bräutigam hatten eine Box voller Hochzeitsgeschenke in der Stadt verloren. Glücklicherweise stieß die Polizei zufällig auf die Präsente und konnte sie dem Pärchen zuzückbringen.

Platz 3: Mysteriöse Stromschläge in Zügen

Nachdem eine Frau im August bei einer Zugfahrt von Stuttgart nach Karlsruhe einen Stromschlag erhalten hatte, häuften sich nach und nach ähnliche Meldungen von anderen Bahnstrecken und in Zügen unterschiedlicher Bahnbetreiber. Die Vermutung: Unbekannte hatten in den öffentlichen Verkehrsmitteln Steckdosen manipuliert. Die Bundespolizei schaltete sich ein, die Zuggesellschaften verschärften ihre Kontrollen.

So schnell wie die Fallzahl angestiegen war, so schnell sank sie aber auch wieder. Und die genauen Ursachen der Vorfälle liegen nach wie vor im Dunkeln. Polizei und Zuggesellschaften konnten bislang keine klaren Manipulationen an Zugsteckdosen feststellen.

Platz 2: Selbstjustiz kann teuer werden

Manchmal ist das wahre Leben bizarrer als Fiktion. Eine Geschichte aus Rammingen schlägt eindeutig in diese Kerbe. Weil ein Mann seine Wohnung auch ein halbes Jahr nach seinem Auszug nicht völlig geräumt hatte, schickte sein Vermieter ihn auf eine unliebsame, digitale „Schnitzeljagd“. Er verteilte die zurückgelassenen Eigentümer seines Ex-Mieters an verschiedenen Örtlichkeiten im Ort und schickte ihm die Geo-Daten zu, um die Habseligkeiten einsammeln zu können. Der „Schatzsucher“ erstattete kurzerhand Klage wegen „Diebstahls“ und auch die Polizei war von der originellen „Selbstjustiz“ des Vermieters nicht sonderlich begeistert.

Platz 1: Transporter verlieren die kuriosesten Dinge

Wenn Lastwagen und andere Transporter in Unfälle verwickelt werden, landet ihre Ladung nicht selten auf der Fahrbahn. Abseits von Getränkekisten, die Scherbenmeere auf den Straßen verursachen oder gefährlicher, besonders schwerer Ware bieten manche Vorfälle aber auch besonders ungewöhnliche Anblicke.

So überschwemmten im Mai bei Ilshofen und im August in Biberach tausende Liter Milch und mehrere Tonnen Mais den Asphalt. Im Februar musste zudem tonnenweise exotisches Obst von der Autobahn bei Neuenstein gekratzt werden.

Die spektakulärste Ladung hatten aber wohl zweifellos zwei Lastwagen der US Army an Bord, die im Februar auf der A6 zwischen Kirchberg und Satteldorf verunglückten: tonnenweise Raketen und Sprengstoff. Glücklicherweise hatte das Transportgut keine Zünder dabei und wurde nicht beschädigt, so dass es einfach umgeladen werden konnte.