Steuert Deutschland auf einen neuen Lockdown zu? Politiker und Wissenschaftler wie der Virologe Christian Drosten drängen darauf. Kanzlerin Angela Merkel wie auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) plädierten beide vor und während der Generaldebatte im Bundestag dafür, weitergehende Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zu ergreifen. Denn: Am Mittwoch, den 9.12.2020, gibt es einen neuen Höchstwert an Todesfällen. Nach den jüngsten Werten des RKI starben deutschlandweit beinahe 600 Menschen mit dem Coronavirus. Somit wurde der bisherige Höchstwert der Todesfälle binnen 24 Stunden überschritten. Genau vor einer Woche, am Mittwoch, den 2.12.20, meldete das RKI 487 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden. Wie sehen die Corona-Zahlen für Deutschland heute im Detail aus? Ein Überblick über die Neuinfektionen, 7-Tage-Inzidenz und die Zahl der Genesenen am Mittwoch, den 9.12.2020.
Kanzlerin Angela Merkel plädierte im Bundestag für einen härteren Lockdown in Deutschland.
Kanzlerin Angela Merkel plädierte im Bundestag für einen härteren Lockdown in Deutschland.
© Foto: DPA

Corona Zahlen in Deutschland heute - Die aktuellen Fallzahlen vom Mittwoch, 9.12.2020

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst täglich die aktuelle Corona-Lage für Deutschland, bewertet nach eigenen Angaben auf der Homepage „alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein“. Zudem stellt das RKI Empfehlungen für die Fach­öffentlich­keit zur Verfügung wie Fallzahlen und Informationen zu allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen, Diagnostik und Teststrategie und Prävention in Gesundheitseinrichtungen.
  • Neuinfektionen: Laut RKI-Angaben haben sich deutschlandweit mindestens 20.815 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am Dienstag hatte es 14.054 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gegeben. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es heute 18.630 Neuinfektionen. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Bestätigte Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen: Wie „Zeit Online“ berichtet, registrierten die Ämter 132.883 neue Fälle in den letzten sieben Tagen.
  • Infizierte: Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie in Deutschland beträgt laut jüngsten Werten des RKI 1.218.524 Fälle.
  • Tote: Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, liegt bei 19.932. Das sind 590 Tote mehr als am Vortag – ein neuer Rekord. Am vergangenen Mittwoch (2.12.2020) waren binnen eines Tages 487 Tote gemeldet worden - das war der bisherige Rekord seit Beginn der Pandemie.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 902.100.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde heute nicht vom RKI bekanntgegeben (Stand: 9.12.2020; 7.19Uhr). Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Corona-Zahlen: So werden die Todesfälle ermittelt

Mit 590 Toten wurde heute der bisherige Höchstwert der Todesfälle binnen 24 Stunden in Deutschland erneut überholt. Doch wie kommt die Zahl der Coronabedingten Todesfälle zustande? Wie das RKI erklärt, werden Sterbefälle gezählt, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus entweder die Ursache für den Tod war oder ein Zusammenhang zwischen einer Vorerkrankung und einer Corona-Infektion besteht. Daher ist bei der Zahl der Corona-Todesfälle immer die Rede von Menschen, die mit oder an dem Virus gestorben sind.

Corona Deutschland: Wird es an Weihnachten doch keine Lockerungen geben?

Doch keine Lockerungen über Weihnachten und Silvester? Kommt ein harter Lockdown für Deutschland direkt nach Heiligabend, wie es die Leopoldina vorgeschlagen hat? Diese Fragen beschäftigen Politik, Wirtschaft und die Bevölkerung derzeit. Die Corona-Zahlen, sowohl bei den Neuinfektionen als auch bei den Todesfällen, gehen trotz des seit Anfang November geltenden Teil-Lockdowns nicht zurück. Ein erneutes Treffen der Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel, um über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise in Deutschland zu beraten, wird noch in dieser Woche erwartet.

Virologe Christian Drosten will Verschärfung des Corona-Lockdowns

Viele Politiker fordern derzeit schon einen harten Lockdown. So zieht auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann einen harten Lockdown nach Weihnachten in Betracht. Der Virologe Christian Drosten unterstützt diese Idee. „Es ist schon so, dass wir jetzt unbedingt etwas tun müssen“, sagte er am Dienstagabend im „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Außerdem warnt er davor, dass sich die Infektionszahlen durch Weihnachten erhöhen könnten.

Corona Impfung: Erste Patientin in Großbritannien geimpft

In Großbritannien hat derweil die erste Patientin den neuen Impfstoff gegen das Coronavirus erhalten. In Deutschland wird mit den ersten Impfungen im Januar 2021 gerechnet. Nachdem Anfang Dezember mehrere Hersteller die Zulassung ihres Impfstoffs in der EU beantragt hatten, hatten sich in Deutschland Bund und Länder für einen möglichen Start erster Impfungen noch vor dem Jahreswechsel vorbereitet.

Corona in den Bundesländern: Aktuelle Infektionszahlen im Dashboard

Wie viele Infizierte gibt es heute in den einzelnen Bundesländern? Das Dashboard des RKI weist auf seiner interaktiven Karte auch die Corona-Zahlen für einzelne Bundesländer aus. Die Angaben werden täglich um 0 Uhr aktualisiert.
In seinem Dashboard weist das RKI die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen aus.
In seinem Dashboard weist das RKI die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen aus.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Verfassungsschutz Baden-Württemberg beobachtet „Querdenker“

Aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen gehen viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland auf die Straßen. Die bekannteste Protest-Gruppe sind die sogenannten „Querdenker“. Die Bewegung radikalisiere sich zunehmend und werde von Reichsbürgern, Selbstverwaltern, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern unterwandert, heißt es aus Sicherheitskreisen. Dem will der Staat nicht tatenlos zusehen. Baden-Württemberg macht den Anfang.

Inzidenz und Neuinfektionen - Die Kennzahlen der Corona-Pandemie erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 23.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit liegt sie inzwischen bei 139.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.

Handelsverband warnt vor Lockdown mit Ladenschließungen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt vor der Schließung aller Nicht-Lebensmittelgeschäfte wegen der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen. Eine Schließung der Geschäfte sei für eine effektive Pandemiebekämpfung nicht notwendig und würde im Weihnachtsgeschäft für enormen wirtschaftlichen Schaden sorgen, teilte der HDE am Dienstag mit. Dieser könnte sich auf bis zu eine Milliarde Euro Umsatz pro Tag belaufen.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei neben der Woche vor Heiligabend die umsatzstärkste Zeit des Weihnachtsgeschäfts, erklärte der HDE. Viele Händler machten in November und Dezember ein Viertel ihres Jahresumsatzes. Offene Läden und die wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie seien kein Widerspruch, betonte der Verband und verwies auf umfassende Hygienekonzepte.
Sollten dennoch Ladenschließungen angeordnet werden, plädiert der HDE dafür, diese frühestens nach dem 24. Dezember, besser erst ab Januar, für einen vorab klar definierten, überschaubaren Zeitraum umzusetzen. „Dann sind aber auch entsprechende staatliche Hilfen für die betroffenen Händler gefordert. Ansonsten kommt es zu einem Flächenbrand in unseren Innenstädten“, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Hier solle die Politik dann analog zu den Hilfen für die Gastronomie in den Monaten November und Dezember vorgehen, forderte er.

Corona Hotspot Sachsen: Gründe für die hohen Zahlen

In Sachsen sind die Corona-Zahlen seit langem hoch. Neben Bayern ist Sachsen die Corona-Hochburg Deutschlands. Für die Gründe der hohen Fallzahlen gibt es nun mehrere Spekulationen. Was könnte für den Anstieg an bestätigten Fällen ausschlaggebend sein? Besteht hier ein Zusammenhang zu Corona-Leugnern? Mehr dazu hier.
Die Werte des RKI Dashboards zu Sachsen.
Die Werte des RKI Dashboards zu Sachsen.
© Foto: Screenshot RKI Dashboard