• Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist seit Wochen stabil auf hohem Niveau
  • Vielen Politikern und Experten bereitet vor allem aber eine andere Zahl Sorge: die der Todesfälle
  • Daher steht Deutschland offenbar vor einem weiteren harten Lockdown - einige Bundesländer wie Sachsen haben bereits reagiert
  • Am Mittwoch, 9.12.2020, ist vom RKI ein neuer Rekord bei den Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 veröffentlicht worden
In der Corona-Pandemie schauen mit Blick auf Weihnachten gerade viele Menschen in Deutschland gebannt auf das Infektionsgeschehen. Wie entwickelt sich die Zahl der Neuinfektionen? Wie die der Intensivbetten? Wie viele Todesfälle hat es im Zusammenhang mit Corona gegeben?
Es ist insbesondere der letztgenannte Wert, der Politikern und Experten aktuell großen Anlass zur Sorge bereitet und die Diskussion über einen harten Lockdown kräftig befeuert. Denn: Die Zahl der neuen Corona-Sterbefälle in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Innerhalb eines Tages seien 590 Tote verzeichnet worden, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwochmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mit. Der bisherige Höchstwert war vor einer Woche erreicht worden, als das RKI 487 neue Todesfälle gemeldet hatte. Zeit Online meldete am Morgen sogar 623 neue Corona-Sterbefälle, so dass die Gesamtzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 bei mehr als 20.000 läge. Die Zahlen vom RKI liegen noch knapp unter dieser Marke.
Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den Angaben der Landkreise. Sie sind weniger stark von verzögerten Meldeketten betroffen als die Daten des RKI und können daher abweichen.

Corona Zahlen in Deutschland heute - Die aktuellen Fallzahlen vom Mittwoch, 9.12.2020

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst täglich die aktuelle Corona-Lage für Deutschland, bewertet nach eigenen Angaben auf der Homepage „alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein“. Zudem stellt das RKI Empfehlungen für die Fach­öffentlich­keit zur Verfügung wie Fallzahlen und Informationen zu allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen, Diagnostik und Teststrategie und Prävention in Gesundheitseinrichtungen.
  • Neuinfektionen: Laut RKI-Angaben haben sich deutschlandweit mindestens 20.815 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am Dienstag hatte es 14.054 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gegeben. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es heute 18.630 Neuinfektionen. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Bestätigte Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen: Wie „Zeit Online“ berichtet, registrierten die Ämter 132.883 neue Fälle in den letzten sieben Tagen.
  • Infizierte: Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie in Deutschland beträgt laut jüngsten Werten des RKI 1.218.524 Fälle.
  • Tote: Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, liegt bei 19.932. Das sind 590 Tote mehr als am Vortag – ein neuer Rekord. Am vergangenen Mittwoch (2.12.2020) waren binnen eines Tages 487 Tote gemeldet worden - das war der bisherige Rekord seit Beginn der Pandemie.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 902.100.


Drosten zu Corona-Zahlen in Deutschland: „Müssen unbedingt etwas tun“

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich der Virologe Christian Drosten für eine rasche Verschärfung der staatlichen Auflagen ausgesprochen. „Es ist schon so, dass wir jetzt unbedingt etwas tun müssen“, sagte der Charité-Wissenschaftler im jüngsten „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die Weihnachtszeit zu einem Anstieg der Fallzahlen führe. Werde jetzt nicht nachreguliert, drohe „Ende Januar und über den gesamten Februar hinaus“ ein Lockdown mit massiven Folgen für die Wirtschaft.
Drosten ist einer der Experten, der an einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina mitgewirkt hat. Darin wird empfohlen, die Feiertage und den Jahreswechsel für einen „harten Lockdown“ zu nutzen. Vom 24. Dezember bis mindestens 10. Januar sollte „in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen“. Bereits ab 14. Dezember müssten Kontakte auf ein „absolutes Mindestmaß“ reduziert werden. Drosten sagte, während des Lockdowns im Frühjahr seien die Kontakte in Deutschland um 63 Prozent reduziert worden, derzeit seien es aber nur 43 Prozent. „Das reicht einfach nicht aus.“
Das Papier der Leopoldina sollte vielleicht verstanden werden als „deutliche und letzte Warnung der Wissenschaft“, sagte Drosten. Entscheide sich die Politik anders, habe sie sich nicht mehr für die Wissenschaft entschieden. Neben anderen sind auch der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, und der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar Wiestler, unter der Stellungnahme aufgeführt. Aus Expertensicht sind die Neuinfektionszahlen trotz des seit Anfang November geltenden Teil-Lockdowns weiter zu hoch.
Familien, die weit voneinander entfernt lebten, sollten sich Drosten zufolge in diesem Jahr vielleicht nicht unbedingt über die Feiertage besuchen. Er bekräftigte außerdem, dass Schnelltests nur eine Momentaufnahme seien: „Wenn man solche Antigen-Tests benutzen will für Familienbesuche, dann muss man im Prinzip sich jeden Morgen testen damit.“ Seit einiger Zeit rät Drosten dazu, sich vor Besuchen, etwa bei den Großeltern, vorsorglich in Quarantäne zu begeben.