Lebensarbeitszeit in Europa
: In welchem Land wird am wenigsten gearbeitet? - Der große Europa-Vergleich

Eine Studie hat jetzt die Lebensarbeitszeit in den 27 EU-Staaten untersucht. Die deutsche Platzierung in diesem Vergleich überrascht durchaus.
Von
Daniel Steiger
Berlin
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In welchem Land arbeiten die Menschen am wenigsten? Antworten liefert unser großer Europa-Vergleich.

Peter Endig/dpa

Wieviele Stunden gehen die Menschen in ihrem ganzen Leben arbeiten? Das hat für die Länder der Europäischen Union im Oktober 2023 eine Studie untersucht. Und die Deutschen bekommen im Vergleich nicht gerade den Titel der Arbeits-Europameister verliehen - ganz im Gegenteil. In welchem Land in der EU am meisten und wo am wenigsten gearbeitet wird, zeigt unser großer Europa-Vergleich.

In welchem europäischen Land wird am meisten gearbeitet?

Europaweit gibt es laut einer aktuellen Untersuchung immense Unterschiede sowohl bei der jährlichen als auch der Lebensarbeitszeit. Herausgefunden hat dies das Münchner Roman Herzog Institut (RHI). Und das ist laut dieser Studie die Übersicht der „geschätzten Lebensarbeitszeit pro Erwerbstätigen in Stunden“ für die Länder der Europäischen Union:

  • Estland: 71.331 Stunden
  • Island: 65.784 Stunden
  • Irland: 65.285 Stunden
  • Schweiz: 64.218 Stunden
  • Griechenland: 63.935 Stunden
  • Tschechien: 63.845 Stunden
  • Polen: 62.799 Stunden
  • Portugal: 62.784 Stunden
  • Niederlande: 61.646 Stunden
  • Kroatien: 61.540 Stunden
  • Ungarn: 61.503 Stunden
  • Schweden: 61.344 Stunden
  • Litauen: 60.575 Stunden
  • Finnland: 59.770 Stunden
  • Vereinigtes Königreich: 59.594 Stunden
  • Slowakei: 59.527 Stunden
  • Slowenien: 59.417 Stunden
  • Spanien: 59.148 Stunden
  • Norwegen: 58.668 Stunden
  • Rumänien: 56.952 Stunden
  • Lettland: 56.839 Stunden
  • Dänemark: 56.211 Stunden
  • Frankreich: 55.302 Stunden
  • Österreich: 55.266 Stunden
  • Italien: 54.546 Stunden
  • Bulgarien: 54.364
  • Belgien: 52.750 Stunden
  • Deutschland: 52.662 Stunden
  • Luxemburg: 51.113 Stunden

Im Durchschnitt der EU-Länder liegt die Lebensarbeitszeit bei 57.342 Stunden.

Wie und warum wurde diese Studie erstellt?

Anlass der Studie waren die Diskussionen um Fachkräftemangel, Vier-Tage-Woche und die Erhöhung des Rentenalters. Die Autoren zogen für die Berechnungen Daten der OECD und der EU-Statistikbehörde Eurostat heran. In die Studie flossen auch Daten einiger nicht zur EU zählenden Staaten wie Großbritannien und Island ein. Die Autoren verweisen darauf, dass die Daten aus den einzelnen Ländern wegen Unterschieden bei der statistischen Erhebung eingeschränkt vergleichbar sind und es sich daher um Schätzwerte handelt.

Warum die Deutschen mehr arbeiten sollen?

Ebenso wie viele Ökonomen plädieren die Autoren angesichts von Fachkräftemangel und finanzieller Belastung der Rentenkasse für eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters über die 67 Jahre hinaus, die ab 2031 gelten soll. Daneben empfehlen sie der Bundesregierung, mehr Anreize für freiwilliges Arbeiten - auch in Teilzeit - im Rentenalter zu setzen. Die sogenannten „silver worker“ könnten demnach den Fachkräftemangel zumindest teilweise ausgleichen.

Der große Europa-Vergleich

Lebenserwartung, Durchschnittseinkommen, Geburtenrate, Anzahl der Ferientage, Sex-Häufigkeit: Wir vergleichen in unserer Reihe die einzelnen Länder in Europa miteinander. Hier sind die bislang erschienen Beiträge des großen Europa-Vergleichs: