Tübinger Weihnachtsspendenaktion
: Die Eselsbrücke gibt psychisch kranken Kindern eine Stimme

Schülerinnen und Schüler aus Tübingen bekommen vom Verein Kranke Kinder in der Schule Unterstützung. Begleitpersonen im Schulalltag und Freizeit auf dem Bauernhof sind Teil des Programms.
Von
Rebecca Felchle
Tübingen
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Beim Reitprojekt lernen die Kinder der Klinikschule den Umgang mit Pferden.

Beim Reitprojekt lernen die Kinder der Klinikschule den Umgang mit Pferden.

Privat
  • Die Eselsbrücke hilft psychisch kranken Kindern in Tübingen mit Projekten wie Reiten und Zirkus.
  • 150 Kinder profitierten seit 2017 vom Projekt „Mit Tieren Kindern Helfen“ mit tiergestützter Pädagogik.
  • Das Projekt „Warteschleife“ begleitet Kinder mit psychischen Diagnosen im Schulalltag vor Klinikaufenthalten.
  • Die Eselsbrücke benötigt 28.000 Euro, um ihre Projekte im nächsten Jahr weiterzuführen.
  • Spenden für die Eselsbrücke sind über das Konto des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Kinder wegen einer psychiatrischen Diagnose in die Klinik kommen und dort stationär versorgt werden, haben sie oft negative Erfahrungen in der Schule gemacht. So sagt es Judith Janschewski, die stellvertretende Schulleiterin der Klinikschule am Universitätsklinikum. Einige Schülerinnen, die bisher sehr zurückgezogen waren, seien bereits in der ersten Stunde mit dem Zirkuskünstler aufgegangen: „Sie haben sich die Hände gerieben, weil sie so gebannt waren.“ Mit dem Artisten lernen sie Zirkustricks und dürfen sich auf der Bühne ausprobieren. „Ich hätte gedacht, bei der Clownerie ist die Hemmschwelle hoch, aber es ging so schnell“, sagt die Sonderpädagogin im Gespräch mit dem TAGBLATT.

„Wir arbeiten oft mit Kindern, die noch wenig Zugang zu Schule gefunden haben. Über unsere Projekte versuchen wir ihnen alternative Wege zu schulischem Selbstwert zu ermöglichen“, ergänzt Edith Ramminger. Sie ist Sonderschullehrerin im Ruhestand und die erste Vorsitzende von Kranke Kinder in der Schule. Als Beiname heißt der Verein Eselsbrücke. Er ist Teil der Weihnachtsspendenaktion des SCHWÄBISCHEN TAGBLATT. Die Eselsbrücke unterstützt mit drei Projekten Kinder aus Tübingen, die psychisch erkrankt oder hoch belastet sind. Ramminger sagt, sie und ihre Kollegen von der Eselsbrücke wollen klarstellen: „Das Thema psychische Erkrankung ist normal, aber die Erkrankten brauchen Hilfe.“

Die Kinder emotional stärken

Janschewski ist zuständig für das Projekt „Rundum Stark“, welches die Klinikschule unterstützt. Neben dem regulären Unterricht in Deutsch, Mathematik, Englisch und so weiter hat die Schule dadurch auch Angebote, die weniger auf Fachunterricht ausgerichtet sind, die Kinder und Jugendlichen aber persönlich und emotional stärken können. Der Auftrag der Klinikschule sei es, „Schule als Ort von Alltag und Normalität“ zu zeigen, so Janschewski. Darüber hinaus habe sie aber auch das Ziel, die kranken Kinder bei der Persönlichkeitsbildung zu begleiten.

Ein pädagogisches Angebot sind eben die Stunden mit dem Zirkusartisten. Dabei geht es laut der Sonderschullehrerin darum, Erfolgserlebnisse neben den schulischen Leistungen zu haben. „Und, dass die Kinder sich erstmal trauen, auf die Bühne zu gehen.“ Dafür gibt es bald sogar Applaus: „Vor Weihnachten machen wir eine kleine Aufführung.“ Außerdem organisiert die Eselsbrücke ein Reitprojekt für die Schülerinnen und Schüler. Sie lernen, die Tiere zu pflegen, zu führen und zu reiten. „Tiergestützte Pädagogik erweist sich oft als dankbar, weil Tiere die Menschen annehmen wie sie sind und nicht bewerten“, sagt Janschewski.

Weihnachtsspendenaktion Schwäbisches Tagblatt

Weihnachtsspendenaktion Schwäbisches Tagblatt

Sepp Buchegger

Unbeschwerte Zeit mit Tieren

2017 hat der Verein dieses naturpädagogische Angebot auf mehr Schulen in Tübingen ausgeweitet. Von dem Projekt „Mit Tieren Kindern Helfen“ haben seit dessen Beginn etwa 150 psychisch hochbelastete und traumatisierte Kinder profitiert. Angefangen habe das Projekt mit einer Gruppe von Geflüchteten, so Ramminger. „Die Mütter waren emotional so geschwächt, dass sie den Kindern wenig Halt bieten konnten.“ Also beschloss sie: „Die Kinder müssen raus, sie brauchen Tiere.“

Mit Christine Donath von der Rammert-Eselei in Weilheim habe sie eine gute erste Kooperationspartnerin gefunden, so die Vereinsvorsitzende. Kinder aus vier Tübinger Grundschulen nehmen an Donaths Kursen in Vierergruppen teil. Nach ein paar Jahren kam die zweite Kooperation mit Gitta Haas vom Lebenshof Tierleben in Pfäffingen dazu. Eine Klasse der Pestalozzischule darf dort „eine unbeschwerte Zeit mit Tieren und der Natur“ verbringen, sagt Ramminger. „Sie haben eine tolle Heimat in dem Projekt.“

Nicht alleine in der Schule

Für Kinder, die zwar eine psychiatrische Diagnose haben, aber noch keinen Platz in der Klinik bekommen, gibt es das Vereinsprojekt „Warteschleife“. Die Wartezeit kann Monate dauern – in dieser Zeit sollen sich die Kinder nicht alleine durch den Schulalltag durchkämpfen, erklärt Judith Lammel-Schneider, die als Sonderschullehrerin in der Klinikschule arbeitet. Also organisiert die Eselsbrücke Begleitpersonen, die mit den Kindern beispielsweise Lernstrategien entwickeln und versuchen, ihre Selbstständigkeit zu fördern. Die Begleitpersonen erhalten einen Stundenlohn von 15 Euro. Dieses Jahr hat die Eselsbrücke die Begleitung von vier Betroffenen finanziert, so Lammel-Schneider.

Auch die externen Pädagogen für das Zirkusprojekt und die Tierkurse müssen bezahlt werden. Insgesamt 28.000 Euro benötigt die Eselsbrücke, um ihre Projekte im kommenden Jahr so weiterführen zu können, wie bisher. Ramminger sagt dazu: „Ohne zuverlässige Fördermittel kann man es vergessen.“