Tübinger Weihnachtsspendenaktion
: „Wie gut die Kinder mit Tieren umgehen“ – ein Morgen auf dem Lebenshof

Auf dem Lebenshof Tierlieben in Pfäffingen verbringen Schüler und Schülerinnen aus Tübingen Zeit mit Tieren. Der Verein Eselsbrücke finanziert dieses Angebot.
Von
Rebecca Felchle
Ammerbuch
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Gitta Haas geht mit zwei Schülern der Pestalozzischule die Ziegen auf dem Lebenshof besuchen.

Gitta Haas geht mit zwei Schülern der Pestalozzischule die Ziegen auf dem Pfäffinger Lebenshof besuchen.

Rebecca Felchle
  • Schüler der Pestalozzischule Tübingen besuchen montags den Lebenshof Tierlieben in Pfäffingen.
  • Das Programm „Mit Tieren Kindern helfen“ wird vom Verein Eselsbrücke finanziert.
  • Kinder lernen durch tiergestützte Pädagogik, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte zu vermeiden.
  • Aktivitäten wie Stockbrot backen, Holz hacken und Tierpflege fördern Teamarbeit und Selbstbewusstsein.
  • Viele Kinder stammen aus schwierigen Verhältnissen und erleben hier Erfolgsmomente und Gemeinschaft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist matschig am Eingangstor, aber die Kinder der Pestalozzischule sind vorbereitet. In Gummistiefeln stapfen sie durch die Pfützen. Steffen Krieger begleitet sie. Ein Junge fragt zögerlich nach Ori, dem Hund – Krieger bietet dem 10-Jährigen seine Hand zum Halten an. Als Gitta Haas vom Lebenshof Tierlieben das Tor öffnet, wuselt Ori durch die Kindergruppe. Die Angst des Jungen ist schnell verflogen und er streichelt den Hund mit beige-braunem Fell. „Das ist Ori, mein Lieblingshund!“ Später sagt der Fünftklässler, er habe das Tier so lieb, dass er es Haas abkaufen wolle.

„Wie gut die Kinder mit Tieren umgehen“, sei besonders schön, so Haas. Die Leiterin des Lebenhofs ist in tiergestützter Pädagogik ausgebildet. Jeden Montagvormittag kommt eine halbe Klasse der Tübinger Pestalozzischule nach Pfäffingen, um Zeit auf ihrem Hof zu verbringen. Das Angebot nennt sich „Mit Tieren Kindern helfen“ und gehört zum Programm der Tübinger Eselsbrücke. Der Verein ist Teil der TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion und finanziert die pädagogische Betreuung auf dem Lebenshof.

An dem kalten, aber sonnigen Montag im Dezember sind es sieben Kinder, die sich an der Feuerstelle inmitten des Geländes versammeln. Es ist ihr letzter Tag vor den Weihnachtsferien. Dann ist erst einmal Winterpause auf dem Lebenshof, nach den Faschingsferien ist die andere Hälfte der Klasse dran.

„Freundlichkeit üben“

Für den Abschied hat Krieger eine Schüssel voll Teig mitgebracht: Die Kinder wollen über dem Lagerfeuer Stockbrot backen. Damit eine Glut in der Feuerstelle schwelt, hackt der Betreuer Holz. Die Kinder dürfen alles einmal ausprobieren und lernen so, wie ein Feuer entsteht. Nacheinander hacken sie Holz und wechseln sich mit dem Feuerstahl ab, der durch Reibung Funken erzeugt. Es gibt Streit, wer als Nächstes dran ist. „Die Gruppe muss manchmal noch Freundlichkeit üben“, sagt Krieger. Wenn die Kinder bei den Tieren sind, ist das einfacher: „Sie wissen, dass sie ruhig sein müssen und nicht streiten können“, erklärt Haas.

Eines der Mädchen aus der Gruppe hilft der Pädagogin beim Schweinestall ausmisten. Ferkel schnuppern im Stroh. Sie haben Knopfaugen, kleine Rüssel und blasse Streifen im Fell. Die Jungtiere sind erst wenige Wochen alt – ihr Wachstum von Woche zu Woche fasziniert die Schülerinnen und Schüler. „Gerade für die Kinder ist es so wichtig, regelmäßig zu kommen“, sagt Haas. Die zwei Stunden Montagvormittags „gehen immer so schnell rum“.

Steffen Krieger fährt die Schülerinnen und Schüler mit einem 9-Sitzer nach Pfäffingen und wieder zurück zur Pestalozzischule. Der Kleinbus gehört der KIT-Jugendhilfe, wo Krieger arbeitet. Auf dem Lebenshof sei die Pädagogik eine ganz andere im Vergleich zum Schulalltag, sagt der Tübinger: „Hier dürfen die Kinder selbst entscheiden, was sie machen.“

Ziegenbock Puck frisst gemütlich sein Heu. In der Heuraufe hat es sich ein Huhn bequem gemacht.

Ziegenbock Puck frisst sein Heu. In der Heuraufe hat es sich ein Huhn bequem gemacht.

Rebecca Felchle

Klettern und spielen

Wenig später besucht Gitta Haas mit drei Kindern weitere Bewohner des Hofs. Im Gehege der Ziegen entdecken sie ein Huhn in der Heuraufe. Das macht Ziegenbock Puck wenig aus, er kaut weiterhin genüsslich an den Halmen. Arm in Arm schleichen zwei Jungen auf eine Ziege mit großen Hörnern zu. Haas nimmt einen der Jungen an der Hand und gemeinsam nähern sie sich. Das Tier lässt sich kurz streicheln. „Sie wird gerne am Po gekrault“, sagt Haas. Aber die Kinder erkennen, wenn die Ziegen keine Lust mehr haben. Auf der Wiese nebenan staksen Hühner durchs nasse Gras. Das Mädchen, das auch im Schweinestall dabei war, antwortet dem krähenden Hahn: „Hör auf, wir sind schon wach!“

Der Eingang zum Ziegengehege wird von einem Holzgerüst umrahmt, auf das die Kinder über eine Leiter klettern können. Ein Baumhaus gibt es auch, das ist aber im Winter nicht zugänglich. Wenige Meter entfernt steht eine Jurte, die an kalten, regnerischen Tagen Schutz bietet. Krieger erinnert sich an einen Montagvormittag, den die Gruppe ausschließlich in dem großen Zelt verbracht hat. Er habe sich damals wegen des schlechten Wetters Sorgen gemacht. Aber die Kinder überraschten ihn: „Sie haben in der Jurte ein Theaterstück improvisiert.“ Haas sagt dazu: „Sie konnten ihre Geschichte verarbeiten.“

Stockbrot ist beliebt

Auf der Pestalozzischule sind einige Kinder, die mit ihren Familien nach Deutschland flüchten mussten. Andere kommen aus schwierigen Verhältnissen und sind psychisch belastet. „Erfolgsmomente haben die Kinder in den Familien nicht oft“, sagt Krieger.

Beim Stockbrot am Lagerfeuer sitzen alle beisammen. Die Schülerinnen und Schüler drehen ihre Stöcke und blicken ins Feuer. „Weißt du, dass wir alle eigentlich den gleichen Gott haben, aber der heißt nur anders?“, sagt ein Schüler zu seinem Klassenkameraden. Reihum teilen die Kinder, was ihnen an diesem Montag auf dem Lebenshof am besten gefallen hat. Das Stockbrot ist beliebt, sowie die Ferkel und Ori, der Hund. Beim nächsten Mal, nach Ostern dann, will der 10-jährige Ori-Fan mit ihm spazieren gehen. „Das ist aber mutig“, findet Krieger. Zum Abschied rollen ein paar Tränen die Wange des 10-Jährigen hinunter.

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