Spendenaufruf im Landkreis Tübingen: „Das darf einfach nicht aufhören“

Magdalena Bausenhart, 36, arbeitet in Rottenburg beim WP Wohnprojekt. Außerdem koordiniert sie die Angebote des Zentrums für Gemeindepsychiatrie.
Carolin Albers- Das Zentrum "Eckpunkt" in Rottenburg bietet wichtige Angebote für psychisch kranke Menschen.
- Finanzierungslücken gefährden Projekte wie Kunsttherapie und Yoga; Spenden sind dringend nötig.
- Die Kochgruppe musste bereits wegen fehlender Mittel eingestellt werden.
- Magdalena Bausenhart wirbt aktiv um Spenden, um den Betrieb des "Eckpunkt" langfristig zu sichern.
- Spenden können auf das Konto des Schwäbischen Tagblatts mit Projektangabe überwiesen werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Irgendwie war es Magdalena Bausenhart wohl schon ziemlich früh klar, dass sie in Rottenburg bleiben wird. Vielleicht nicht ab der achten Klasse, vermutlich aber nach dem Abitur, als sie ein Freiwilliges Soziales Jahr beim WP Wohnprojekt machte. Das Wohnprojekt betreut Menschen mit psychischen Schwierigkeiten in ambulant betreuten Wohngruppen, in Appartementhäusern, auch in eigenen Wohnungen. Und Magdalena Bausenhart wusste schon als Schülerin, dass sie in einen sozialen Beruf möchte, sich für Menschen engagieren, die es nicht so gut haben.
Heute betreut die 36-Jährige eine der fünf Wohngruppen, acht Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Sie hilft ihnen bei dem, was für die meisten selbstverständlich ist: Wäsche waschen, Körperhygiene, Organisation des Alltags, auch, wenn es Konflikte gibt. „Meine Anwesenheit gibt ihnen auch Struktur“, sagt Bausenhart. Denn einige können wegen ihrer psychischen Erkrankungen nicht mehr arbeiten. Umso wichtiger sei es, ihnen auch außerhalb ihrer Wohnung eine Tagesstruktur und Gemeinschaft bieten zu können, sagt Bausenhart.
Schon 2020 schuf das WP Wohnprojekt deshalb zusammen mit dem Freundeskreis Mensch das Zentrum für Gemeindepsychiatrie (ZGP), einen Namen, den es nur noch offiziell geben wird. Das Zentrum hat sich beim vergangenen Sommerfest umbenannt in „Eckpunkt“, „der andere Name war für viele zu sperrig“, sagt Bausenhart. Eigentlich hat jeder Landkreis ein Gemeindepsychiatrisches Zentrum mit Angeboten für psychisch kranke Menschen. Im Landkreis Tübingen ist das die Tagesstätte AKKU, eine offene Begegnungsstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung und ihre Freunde. Tübingen ist aber für jemanden aus Rottenburg, der vielleicht eine Angststörung, Depressionen oder ganz allgemein Schwierigkeiten hat, seinen Alltag in den Griff zu bekommen, ziemlich weit weg. „Allein die Fahrt in einem womöglich vollen Zug ist für manche psychisch Erkrankte ein Hindernis“, sagt Bausenhart. Deshalb bemühte sich Angela Hau, Geschäftsführerin des WP Wohnprojektes, eigene Angebote in Rottenburg zu schaffen.
Zur Person
Magdalena Bausenhart wurde 1989 in Tübingen geboren, hat aber ihr gesamtes bisheriges Leben in Rottenburg gelebt. Nach dem Abitur am Eugen-Bolz-Gymnasium machte sie 2009 ein Freiwillliges Soziales Jahr beim WP Wohnprojekt, wo sie auch anschließende in den Semesterferien arbeitete. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaft in Tübingen fing sie dort 2014 hauptberuflich an.
Zunächst war das Zentrum für Gemeindepsychiatrie im sogenannten Bader-Haus in der Königstraße 86 untergebracht. Doch der Mietvertrag für die vom ZGP zusammen mit dem städtischen Seniorenzentrum „i-Dipfele“ genutzten Räume lief aus. Fündig wurde das ZGP auf der anderen Seite der Königstraße, am St. Moriz Platz 6. In dem Haus am Ehinger Platz betreibt die KBF eine Pflegewohngemeinschaft, bis Ende Mai vergangenen Jahres verkauften im Erdgeschoss des KBF-Hauses Menschen mit und ohne Handicap Lebensmittel und anderes aus der Region. Jetzt gibt es dort Gruppenangebote, eine „Tüftel-Stube“, Kunsttherapie, Yoga, ein Kontakt-Café. Lauter total sinnvolle und gut angenommene Angebote, sagt Magdalena Bausenhart, die neben ihrer Arbeit im Wohnprojekt auf einer halben Stelle das ZGP-Angebot koordiniert.
Weil diese Stelle durch den Landkreis Tübingen im Rahmen der Freiwilligkeitsleistungen finanziert wird, hofft Bausenhart, dass es sie auch über das Jahr 2026 hinaus – trotz der angespannten Haushaltslage – noch geben wird. Ihre halbe Stelle ist aber auch schon alles, was finanziert wird, für alles andere, insbesondere für die professionellen Honorarkräfte (darunter etwa eine Kunsttherapeutin), die die Gruppen leiten, müssen Spenden eingeworben werden. Ende 2022 erhielt der Eckpunkt von der Deutschen Postcode Lotterie eine Förderzusage über zwei Jahre. Seitdem wird es eng. Die Koch- und Backgruppe musste bereits eingestellt werden, weil das Geld dafür fehlt.

Das Logo der Weihnachtsspendenaktion des Schwäbischen Tagblatts
Sepp Buchegger„Es ist extrem schwierig geworden, an Fördergelder heranzukommen“, sagt Magdalena Bausenhart. „Ich habe so viele Anträge gestellt, aber nichts Positives zurückbekommen.“ Deshalb freut sie sich umso mehr, Teil der TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion zu sein. Weil die Angebote für die Menschen so wichtig seien. „Das ist der Motor, warum ich nicht aufgebe: die Rückmeldungen der Teilnehmer. Daran merke ich: Das darf einfach nicht aufhören. Wir brauchen diesen Ort.“ Ein bisschen frustriert sie das manchmal schon, sagt sie. „Es gibt so viel Geld in und für die Wirtschaft. Wenn man nur ein bisschen davon in unsere Arbeit stecken würde, könnten wir so viel bewirken. Diese Angebote sind so sinnvoll.“ Angebote, die sich übrigens nicht nur an Menschen mit psychischer Beeinträchtigung richten, sondern auch an deren Freunde und Angehörige. Manchmal schaffen es einige Teilnehmer auch erst zu kommen, weil sie eine Begleitung haben.
Auch wenn sich Magdalena Bausenhart momentan ziemlich viel Gedanken über die weitere Finanzierung des Eckpunkt machen muss, hat sie die Entscheidung, nach dem Studium im WP Wohnprojekt anzufangen, niemals bereut. Ihre Sprachbegabung lebt sie nun eben anders aus, momentan lernt sie Japanisch. Außerdem ist sie dem FC Rottenburg verbunden, seit 23 Jahren. Bis vor Kurzem hat sie dort noch Fußball gespielt. „Das ist meine Leidenschaft bis heute“, sagt sie. Nach ihrer Knieverletzung im vergangenen Jahr ging es aber einfach nicht mehr. Irgendwann, sagt sie – und da kommt wieder ihre Leidenschaft zum sozialen Engagement hervor – werde sie vielleicht noch einen Trainerschein machen, zumal die Jugend dringend jemand braucht, der sie betreut.
Alles zur Weihnachtsspendenaktion 2025/26
Das waren die Artikel zu den acht Projekten, für die das SCHWÄBISCHE TAGBLATT zwei Monate lang Spenden gesammelt hat.
- Spendenaktion in Tübingen und der Region: Achtmal Gutes tun
- Weihnachtsspendenaktion: Wir können so vielen helfen!
- Rollstuhlsport – „Kinder haben noch keine Bilder im Kopf“
- Die Eselsbrücke gibt psychisch kranken Kindern eine Stimme
- Erstaufnahmestelle: Das Leben in der Warteschleife erträglicher machen
- Der Tübinger Vesperkirche geht das Geld aus
- WP Wohnprojekt: „Das darf einfach nicht aufhören“
- Pfunzkerle: Kein gesetzlicher Anspruch auf Beratung für männliche Gewaltopfer
- Pfunzkerle: Was bedeutet vielfältiges Mannsein, Herr Krohe-Amann?
- „Man läuft bei Parkinson Gefahr, sich einzuschließen“
- Die ganze Familie im Rollstuhl unterwegs
- „Wie gut die Kinder mit Tieren umgehen“ – ein Morgen auf dem Lebenshof
- Tischtennis gegen Parkinson: Nach der Diagnose war die Welt zunächst eine andere
- Vesperkirche: Eine Gemeinschaft, die wachsen soll
