Lesen, lesen, lesen
: Diese sechs Bücher solltet ihr NICHT kaufen

Statt Buchpreis-Content gibt es bei uns die Anti-Buchempehlung. Auf diese Bücher hätten unsere Autorinnen und Autoren getrost verzichten können.
Von
Lotta Bürker
Tübingen
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Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht fest

Buchempfehlungen geben kann jede oder jeder. Unsere Redakteurinnen und Redakteure schreiben euch, welche Bücher sie schlecht bewertet haben.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Redaktion sammelt Anti-Buchempfehlungen – Bücher, die sie nicht weiterempfehlen.
  • Kritik an „All die Liebenden der Nacht“: passive Protagonistin, schöne Sprache, dennoch enttäuschend.
  • „Gereon-Rath“-Romane: trocken und eintönig, Serie „Babylon Berlin“ wirkt dagegen lebendig.
  • „1999 Meter über dem Meer“: wiederholtes Erfolgsrezept, Wunsch nach neuen Motiven.
  • Ablehnungen: Heidenreichs „Altern“ als überladen empfunden, „48 Gesetze“ nach Gesetz 14 abgebrochen, „Manacled“ bei Seite 84.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Zeiten von Booktok, Spiegel-Bestseller und Buchpreis wird einem dauerhaft empfohlen, welches gehypte Buch man unbedingt als nächstes lesen soll. Da wir aber alle einen Monster-SuB (Stapel ungelesener Bücher) haben, wird es Zeit, zu deinfluencen. Diese Bücher haben unseren Autorinnen und Autoren nicht gefallen, hier würden sie keine Kaufempfehlung aussprechen. Denn das Leben ist ohnehin viel zu kurz, um alles zu lesen, was man gerne möchte.

Miri Watson

Miri Watson hat genug von Geschichten à la Jungfrau in Nöten.

dumont/ Carolin Albers

Miri Watson: „All die Liebenden der Nacht“

Ich liebe ja zeitgenössische Romane aus Japan. Und ich liebe diese Bücher von Frauen, die als „Frauenliteratur“ kleingeredet werden, weil sie von Gefühlen oder so handeln. „All die Liebenden der Nacht“ von Mieko Kawakami war also ziemlich vielversprechend für mich. Hat mich aber ends enttäuscht, weil es immerzu nur darum ging, dass die Protagonistin irgendwie darauf wartet, von einem Mann gerettet zu werden. Jungfrau in Nöten auf emotional. Zwar wurde das – Spoiler – ganz am Schluss dann aufgelöst, aber der Rest des Buches hat mich so genervt, dass es eine absolute Qual war, überhaupt dahin zu kommen. (Auf Goodreads habe ich trotzdem 3 von 5 Sternen vergeben, weil die Sprache wirklich sehr schön war.)

Eike Freese weiß besseres mit den Gereon-Rath-Romanen anzufangen, als sie zu lesen.

Eike Freese weiß besseres mit den Gereon-Rath-Romanen anzufangen, als sie zu lesen.

Ulrich Metz, Piper Verlag

Eike Freese: Die „Gereon-Rath“-Romane (Babylon Berlin)

Nazis, Sex, Gewalt, Party: Alle gucken gerade die letzte Staffel der stilgewaltigen 1920er/30er-Serie „Babylon Berlin“. Dürfen sie, ist okay, ist nicht verboten. Was aber nun wirklich gar nicht okay ist, ist es, die graubrotigen Romane von Volker Kutscher zu lesen, die der Serie ihren Anstoß gaben: „Der nasse Fisch“ und die anderen – Bücher so dick wie Hermann Göring. Krimis in der Nazi-Zeit? Geniale Idee! Eine Idee, die sich aber in den Romanen nach zehn Seiten erschöpft und zu oft in einer trockenen, eintönigen und inspirationslosen Handlungswüste mündet. Alles, was die Serie wild, klug und sexy macht, machen die Bücher falsch, die sich riesig, grau und freudlos geben wie der Berliner Alexanderplatz im Nieselregen. Nutzt die Ziegelstein-großen Schwarten lieber, um sie in einer Straßenschlacht stilecht auf ein Rudel SA-Schergen zu werfen!

Lotta Bürker hat sich an Caroline Wahl satt gelesen.

Lotta Bürker hat sich an Caroline Wahl satt gelesen.

rowohlt/ Carolin Albers

Lotta Bürker: „1999 Meter über dem Meer“

Ich habe Caroline Wahl mal so gern gelesen. Und nach wie vor mag ich ihre freche Sprache, sowie die wahl'sche Art Dialoge zu schreiben. Nur hatte ich bei ihrem vierten Roman „1999 Meter über dem Meer“ ein Déjà-vu! Denn die sich wiederholende Erfolgsformel der Autorin scheint wie folgt: Junge Frau mit Issues muss sich von etwas emanzipieren. Junge Frau, auch ein bisschen Antiheldin, weil leicht unsympathisch. Junge Frau entdeckt ihre „Superpower“ (in dem Fall das Fotografieren) und wird darin erfolgreich. Und als wäre das Muster damit nicht schon komplett, taucht natürlich auch wieder ein wunderschöner Mann auf, der verdächtig nah am Märchenprinzen gebaut ist. Nö. Deshalb mein Wunsch für Roman Nummer fünf: Möge die Bestsellerautorin sich selbst von ihren Geschichten emanzipieren und endlich mal was anderes zu Papier bringen. Das geht übrigens auch ohne Love Interest.

Los geht’s Tübingen

News für junge Menschen aus Tübingen und Reutlingen: Wir berichten über Nachtleben, Studium, Ausbildung und Mental Health in der Region.

Benjamin Breitmaier

Benjamin Breitmaier hat sich „Altern“ nicht intelektuell gewachsen gefühlt.

Hanser/ Carolin Albers

Benjamin Breitmaier: „Altern“

Was bleibt von Elke Heidenreichs „Altern“ in meinem Kopf? Ein diffuses Gefühl der intellektuellen Unzulänglichkeit. Ein Werk, bis zum Rand gestopft mit Zitaten schlauer Menschen, deren Namen ich nicht kannte. Anekdoten aus Biografien, deren lyrische Dichte den schlichten Landschreiber in Demut gen Boden starren lässt. „Wie viel Leben passt hier eigentlich rein?“, hat einst die Band Jupiter Jones gefragt. Heidenreich hat auf diesen 110 Seiten eine Antwort: sehr viel. Alles an diesem Buch ist intelligent, tiefgründig, einfühlsam – ich hasse es.

Nach dem 14. Gesetz war für Paul Fideler Schluss.

Nach dem 14. Gesetz war für Paul Fideler Schluss.

Hanser/ Jacqueline Schuon

Paul Fideler: „Die 48 Gesetze der Macht“

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: „Das hätte er doch wissen müssen.“ Und eigentlich wusste ich es auch. Aber als mir ein (mäßig) befreundeter Politikwissenschafts-Studi ausschweifend von der analytischen Brillanz und machtpolitischen Scharfsinnigkeit dieses Bestsellers erzählte, war ich hooked. Und ein bisschen mehr Macht im Alltag kann nicht schaden, dachte ich mir. Die 48 Kapitel haben dann Tipps parat wie „Lass andere für dich arbeiten, doch streiche immer die Anerkennung dafür ein“ und „Mache Menschen von dir abhängig“. Nach dem 14. Gesetz („Gib dich wie ein Freund, aber handle wie ein Spion“) wurde es mir zu doof. Warum habe ich überhaupt so lange durchgehalten?

Salome Hanselmann hat die beliebte Harry Potter Fanfiction abgebrochen.

Salome Hanselmann hat die beliebte Harry-Potter-Fanfiction abgebrochen.

Jacqueline Schuon

Salome Hanselmann: „Manacled“ (Harry-Potter-Fanfiction)

Obwohl ich früher viel gelesen habe, sind Fanfictions komplett an mir vorbeigegangen. Vor kurzem habe ich im Urlaub nach einer gegriffen: „Manacled“ von SenLinYu. Spoiler: Ich habe sie nicht zu Ende gelesen. Fanfictions sind häufig von Fans geschriebene Geschichten, die auf bereits existierenden Welten wie „Twilight“ oder „Harry Potter“ basieren. In „Manacled“ hat Hermine den Krieg überlebt, Harry und Ron sind tot. An sich ein spannendes Setting. Wenn da nicht der zweite Plot wäre, den die Autorin ihrer Geschichte übergestülpt hat. Es ist ein Crossover aus der beliebten Zauberwelt und „The Handmaid’s Tale“. Wer Letzteres kennt, kann sich vorstellen, was Hermine erwartet. Das ist dann aber keine neue Idee mehr (wie es Harry Potter oder The Handmaid’s Tale waren) und hat nichts mehr mit der bahnbrechenden Zauberwelt meiner Kindheit zu tun. Mal davon abgesehen, dass ich die deutsche Übersetzung absolut grottig geschrieben finde. Einige Sätze sind ein grammatischer Albtraum und damit mein persönlicher Cruciatus-Fluch #Berufskrankheit. Ich habe jedenfalls bei Seite 84 (von 1600) aufgegeben! Damit habe ich immerhin fünf Prozent gelesen – absolut ausreichend für eine fundierte Meinung im Internet. Side Note: Die Fanfiction „Manacled“ wurde überarbeitet und offiziell veröffentlicht unter dem Namen „Alchemised“.