WG-Leben in Tübingen
: Unsere fünf nervigsten WG-Mitbewohner – ihr entscheidet, wer gewinnt

Wir kennen sie alle: Mitbewohner, die sich nicht an den Putzplan halten, oder WG-Küchen, die aussehen, als hätte dort seit einem Jahr niemand mehr abgespült. Fünf junge Autorinnen und -Autoren erzählen, was sie schon alles erleben mussten.
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Eine Studenten-WG räumt den Kühlschrank ein

Bei den Einkäufen scheiden sich die Geister: Es gibt WGs, in denen der Wocheneinkauf gemeinsam erledigt wird, und solche, in denen sich nicht mal Salz und Pfeffer geteilt wird.

Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn/dpa
  • Fünf WG-Erlebnisse zeigen typische Konflikte des Zusammenlebens.
  • Wäscheständer-Ärger: Feuchte Wäsche wurde verdrängt und roch muffig.
  • Stromausfall in der Nacht vor einer Prüfung – der Sicherungskasten war unbekannt.
  • Einzimmerwohnung stank nach Thunfisch, Gelbe Säcke stapelten sich.
  • Baustelle statt Privatsphäre und ein oberkörperfreier Klavierspieler im Zimmer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Man liebt sie oder man hasst sie: WGs. Aber einmal in einer gelebt haben, muss man während des Studiums irgendwie schon. Gemeinsame Koch- und Spieleabende, nie allein sein und dabei noch Geld sparen – am Anfang klingt das alles nach der perfekten Zeit. In der Realität sieht es oft anders aus: Der Putzplan wird ignoriert, das Geschirr stapelt sich in der Küche, der andere macht bis spät in die Nacht Party, obwohl man am nächsten Tag die wichtigste Klausur des Semesters schreibt.

Fünf junge Autorinnen und -Autoren erzählen, welche WG-Erfahrungen ihnen bis heute nachhängen. Ihr könnt am Ende des Artikels abstimmen, welche Situation euch dazu gebracht hätte, sich wieder „WGgesucht“ herunterzuladen.

Wäscheständer/ Lotta Bürker

Volontärin Lotta Bürker hatte mal einen Mitbewohner der die noch nicht ganz trockene Wäsche beiseite schob, um seine Sachen auf dem Wäscheständer unterzubringen. Das Ergebnis: stockig riechende Wäsche. Verziehen hat sie ihm das bis heute nicht.

Robert Michael/dpa / Carolin Albers

Lotta Bürker: Das Wäscheständer-Gate

Mitbewohner R. und ich verstanden uns nie sonderlich (ich war gerade in meiner Findungsphase, er hat einen auf Corporate-Macker gemacht). Besonders eine Sache habe ich ihm bis heute nicht verziehen: das Wäscheständer-Gate.

Wir trockneten unsere Wäsche in der großzügigen WG-Küche. Schon schlimm genug – bei drei Bewohnern war der Wäscheständer praktisch im Dauereinsatz. Dazu kam: In unserer Studi-Bude gab es natürlich keine Dunstabzugshaube. Egal wie lange man lüftete, die Sachen rochen zuverlässig nach den Gerichten der letzten drei Tage. Schon mal in Bettwäsche geschlafen, die nach Zwiebeln riecht? Kein Lenor dieser Welt konnte das retten, egal wie überzeugend die Frauen aus der Werbung lächelten.

Jetzt denkt ihr: Gut, doof gelaufen – aber was hat das mit R. zu tun? Nun, R. hatte die Angewohnheit, seine Klamotten in die Trommel zu schmeißen, obwohl der Wäscheständer noch komplett vollhing. Statt einfach zu warten – wie jeder zivilisierte Mensch –, schob er die noch feuchte Wäsche zur Seite und hängte seine daneben. Das Ergebnis: Alles brauchte doppelt so lange zum Trocknen. Bettwäsche, Unterhosen, Jeans und Co. rochen nicht mehr nur nach dem Abendessen vom Vorabend, sondern zusätzlich nach dieser leicht muffigen „zu lange in der Waschmaschine vergessen“-Note.

Ihr merkt, ich trage es ihm noch Jahre später nach. R., falls du das liest: Ich hoffe, deine Wäsche riecht für immer leicht stockig.

Sicherungskasten, Sicherung herausgeflogen

In WGs hat man es oft mit nur begrenzt überlebensfähigen Leuten zu tun. Sie sind sie ja eben erst bei Hotel Mama ausgezogen. Volontär Julian Ettema hat mit so einem Exemplar zusammen gewohnt, dass noch nie von der Existenz eines Sicherungskastens gehört hatte.

Christin Klose/dpa-tmn/dpa; Jacqueline Schuon

Julian Ettema: Da haut’s einem die Sicherung raus

Ich weiß, wenn man mit zarten 18 Jahren in das erste eigene WG-Zimmer in einer noch fremden Stadt zieht, ist vieles neu und unbekannt. Seinen eigenen Haushalt zu schmeißen, muss man erst mal lernen. Wie läuft das mit dem Stromtarif? Wie viele Einkäufe brauche ich für eine Woche? Und was hat es eigentlich mit dem Einwohnermeldeamt auf sich? Durchaus berechtigte Fragen.

Und für die meisten habe ich Verständnis. Doch wenn mich in der Nacht vor einer mündlichen Prüfung noch einmal ein junger Mann aus dem Zimmer klopft, weil er sich wundert, dass 30 Jahre alte Stromleitungen kein Fan davon sind, wenn im Bad gleichzeitig Waschmaschine, Föhn, Wasserboiler, Lüftung und drei Lampen an sind, nach einem plötzlichen Knall jetzt alles aus ist und mich dann ansieht wie ein Reh im eben ausgefallenen Scheinwerferlicht, als ich trocken antworte: „Dreh halt die Sicherung wieder rein“, so gnade mir Thor (wegen Gott des Donners und Elektrizität und so – Ihr versteht).

Natürlich ist eine abgeschlossene Elektrikerausbildung keine Grundvoraussetzung fürs Alleinleben. Ich bin auch absolut kein Experte auf dem Gebiet. Aber zumindest das Konzept „Sicherungskasten“ zu kennen, sollte man doch voraussetzen können, oder?

Und bevor ihr fragt: Ja, ich habe ihm noch erklärt, was Sinn und Zweck einer Sicherung ist, wo unser Sicherungskasten hängt und wie man die passende Sicherung wieder reinmacht. Ja, er hat sich die Haare fertig föhnen können. Und ja, ich war bei der Prüfung gnadenlos übermüdet.

Volontär Constantin Zeyer ist ohnehin kein Fan von Fisch (außer Fischstäbchen, die sind in Ordnung). Dass sein Mitbewohner drei Wochen lang nicht ohne Thunfisch auskam, machte ihm ganz schön zu schaffen.

Volontär Constantin Zeyer ist ohnehin kein Fan von Fisch. Dass sein Mitbewohner drei Wochen lang nicht ohne Thunfisch auskam, machte ihm ganz schön zu schaffen.

Lidl/obs/dpa/Jacqueline Schuon

Constantin Zeyer: Fischige Zeiten in der Einzimmerwohnung

In einer richtigen WG habe ich noch nie gelebt. Als mein guter Kumpel M. nach dem Abschluss seines Studiums jedoch nicht wusste, wie es für ihn weitergehen sollte, gewährte ich ihm im vergangenen Oktober für einige Wochen Unterschlupf in meiner kleinen Einzimmerwohnung.

Wir verstanden uns bestens. Es gab nur ein Problem: Um für den optimalen Muskelaufbau auf täglich 150 Gramm Eiweiß zu kommen, löffelte M. Abend für Abend – ohne eine einzige Ausnahme, an die ich mich erinnern könnte – mindestens eine Dose Supermarkt-Thunfisch in sich hinein. Bis dahin hatte ich mich stets damit gebrüstet, als Fan des SV Werder Bremen nicht dem Klischee zu entsprechen, nach Fisch zu stinken. Während jener Wochen ließ sich dieser Anspruch vermutlich nicht aufrechterhalten.

Parallel dazu stieg mein Verschleiß an Gelben Säcken im Rekordtempo. Um ja nicht in ein Kaloriendefizit zu rutschen, konsumierte M. neben dem Thunfisch täglich erhebliche Mengen Skyr und Fertiggerichte – und musste die dabei entstehenden Abfälle irgendwo unterbringen. Das Stapeln der Gelben Säcke in meinem winzigen Abstellraum sowie die infrastrukturell eher eingeschränkten Möglichkeiten, die Wohnung ordentlich durchzulüften, verbesserten die Raumluft auch nicht gerade.

Ende Oktober zog M. wieder aus. Der Geruch aber schien sich bei mir so wohlgefühlt zu haben, dass er seinen Aufenthalt um einige Wochen verlängerte.

Als Redakteurin Miri Watson in ihre erste WG zog, dachte sie: Endlich weg von zu Hause und niemand, der mehr ungefragt in dein Zimmer latscht! Aber Pustekuchen: Der Vermieter und seine Presslufthammer fühlten sich gar zu wohl in der WG.

Als Redakteurin Miri Watson in ihre erste WG zog, dachte sie: Endlich weg von zu Hause und niemand, der mehr ungefragt in dein Zimmer latscht! Aber Pustekuchen: Der Vermieter und seine Presslufthammer fühlten sich gar zu wohl in der WG.

imago/ imagebroker, Carolin Albers

Miri Watson: Home sweet home auf der Baustelle

Ein richtiger Traum ging in Erfüllung, als sich nach dem Abi ein Vermieter auf unsere WG-Gesucht-Anzeige meldete und uns eine 4-Zimmer-Wohnung zur Miete anbot. Ich wollte mit meinem damaligen Freund und zwei Friends zusammenziehen und die Wohnung schien perfekt dafür: Es gab zwei Einzelzimmer und zwei weitere Zimmer, die mit einer Tür miteinander verbunden waren. Die Durchgangszimmer wollten mein Freund und ich bewohnen (und eigentlich auch die neugewonnene Freiheit ausgiebig für Schäferstündchen nutzen).

Dumm nur, dass sich erst nachdem wir den Mietvertrag unterschrieben hatten, herausgestellt hat, dass eins der beiden Durchgangszimmer-Zimmer noch komplett saniert werden musste. Der Vermieter machte das selbst. „In zwei Wochen bin ich damit durch“, erklärte er bei unserem Einzug.

Mehr als sechs Monate teilten mein Boyfriend und ich uns dann ein kleines Zimmer, das nur mit einer Plastikplane von der Baustelle getrennt war, auf der unser Vermieter zu allen Tages- und Nachtzeiten, die ihm gerade passten, vor sich hinwerkelte. Nix mit Schäferstündchen, wenn man nicht riskieren will, dass der Vermieter zwischendrin reinplatzt.

Staub, Lärm und absolut keine Privatsphäre – Ausziehen von zu Hause hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Wir hatten zum Glück eine tolle Mietrechtsanwältin, die uns zuerst dabei unterstützte, eine Mietminderung durchzusetzen, und später dann auch dabei, die Kaution wiederzubekommen, mit der unser Vermieter auch nicht rausrücken wollte.

Für Volontärin Salome Hanselmann ging das viel zu weit: Sie musste mit ansehen, wie der Freund ihrer Mitbewohnerin, nicht barfuß, aber oberkörperfrei, in ihrem Zimmer am Klavier saß.

Für Volontärin Salome Hanselmann ging das zu weit: Der Freund ihrer Mitbewohnerin saß nicht barfuß, aber oberkörperfrei und ungefragt am Klavier im WG-Zimmer der Volontärin. Der ungebetene Gast hat sich auch öfter mal am Kühlschrank bedient.

Pixabay/Marcel Kessler; SWP

Salome Hanselmann: Piano Man – eine unvergessliche Melodie

Ach M., wie gerne denke ich an dich zurück – nicht! Genau genommen war M. nicht mein Mitbewohner, er war der Freund (mittlerweile safe Exfreund) meiner damaligen Mitbewohnerin. Ich war gerade zur Zwischenmiete in diese hübsche WG in Mainz gezogen. Das Zimmer war günstig, komplett möbliert, und es stand sogar ein Klavier drin. Perfekt, dachte ich: Das wird ein tolles halbes Jahr.

Einen Tag nach meinem Umzug bin ich für ein paar Tage verreist. Als ich zurückkam, traf mich der Schlag. Ich war gerade dabei, die Haustür aufzuschließen, da vernahm ich eine Melodie. Spielt da etwa jemand …? Nein, das kann nicht sein. Als ich dann im Flur stand, war klar – da spielt gerade jemand Klavier – und das in meinem Zimmer! Ich klopfte an die Zimmertür (wieso habe ich angeklopft???), und öffnete sie. Da saß er. Als wäre es nicht schon schräg genug, ohne davor zu fragen, in einem fremden WG-Zimmer Klavier zu spielen – nein, M. saß da. Seelenruhig und oberkörperfrei.

„Oh, sorry! Ich wusste gar nicht, dass du heute heimkommst“, stammelte M. Dann sah ich sein T-Shirt auf dem Klavier liegen. In diesem Moment folgte seine Erklärung dafür, warum er es ausgezogen hatte. „Ich glaube, ich habe etwas am Klavier kaputt gemacht.“ Weil er versucht hatte, es wieder zu reparieren, habe er „ganz schön geschwitzt“. Danke M., dass du vielleicht das Klavier zerstört hast und dazu noch diese wertvollen Einblicke in die biochemischen Prozesse deines Körpers gibst.

Abgesehen von diesem unvergesslichen Erlebnis hat er, wenn er zu Besuch war, immer übertrieben lang geduscht und dabei laut (und sehr schief) mitgesungen. Und fast immer, wenn er vorbei kam, fehlte ein Snack aus meinem Kühlschrankfach.

Los geht’s Tübingen

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