Trend im Netz aufgegriffen: Fünf Gebäude mit Maincharacter-Energy in Tübingen

41.000 Wohnungen in etwa 13.200 Wohngebäuden gibt es in Tübingen. Unter all diesen Gebäuden haben wir uns fünf ausgesucht, die unserer Meinung anch das Label „Maincharacter-Energy“ verdienen. Spoiler: Das Tübinger Rathaus was hier so selbstbewusst in der Mitte thront. ist keines davon. Das war uns zu basic.
Ulrich Metz, Archivfoto- Fünf Tübinger Gebäude werden als „Maincharacter-Energy“ vorgestellt.
- Neue Aula: klassizistischer Bau von 1846, liefert Dark-Academia-Atmosphäre.
- Panzerhalle: einst Militärhalle, heute Treffpunkt für Sport, Feiern und Alltag.
- TAGBLATT-Gebäude: „Schiff“ an der Neckarbrücke mit Blick auf die Neckarfront.
- Brechtbau komplex und eigen, Marktplatz-Fenster „Brotstüble“ mit besonderer Geschichte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Main Character Energy“ ist ein Begriff aus Social Media und Popkultur. Gemeint ist meist eine Person, die wirkt, als wäre sie die Hauptfigur eines Films oder einer Geschichte. Junge Leute sagen dann über diese Person: „Die oder der hat einfach Maincharacter-Energy.“ Wir finden, nicht nur Personen können diese sagenumwobenen Energien und Chakren haben, sondern auch Gebäude.
Jetzt fallen einem in Tübingen direkt Main-Character-Gebäude ein – etwa das Rathaus, der Hölderlinturm oder die oft fotografierte Neckarfront. Langweilig! Fünf junge TAGBLATT-Schreiberinnen und -Schreiber erzählen im Folgenden, welche Gebäude sie für die wahren architektonischen Hauptfiguren der beliebten Universitätsstadt halten.

Ein Traum für alle Booktok-Girls oder Boys oder Non-Binarys: Volontär Julian Ettema findet in der Neuen Aula der Uni lässt es sich ganz wunderbar mit Bundefaltenhose oder Midirock ausgestattet von einem Dark-Academian Setting schwärmen.
Jacqueline Schuon/ Hans-Jörg SchweizerJulian Ettema: Neue Aula fürs Dark-Academia-Setting
Hier ein besonderer Spot für alle Fans von Romantasy, Murder-Mysteries und Co.: ein 1846 fertiggestellter klassizistischer Prachtbau im Herzen Tübingens. Die Rede ist natürlich von der neuen Aula. Wer mal so richtig die Dark-Academia-Vibes (dank meiner Freundin bin ich zu tief in der Booktok-Bubble) fühlen möchte, der muss nur Bundfaltenhose oder Midirock anziehen, den burgunderfarbenen Tweed-Blazer drüberwerfen und bei schlechtem Wetter durch die Gänge der neuen Aula flanieren.
Die hohen Stuckdecken, die Säulen, die Büsten von hellen Köpfen der vergangenen Jahrhunderte, das leichte Hallen der Oxford-Schuhe, die auf dem Marmorfußboden klackern. Hier stimmt einfach alles. Zugegeben, an die düstere Theatralik eines Dellecher College (ich sag’ ja, ich bin zu tief drin) kommt es vielleicht nicht ganz ran, und eine Leiche trieb in den Springbrunnen vermutlich auch noch nicht, aber Maincharacter-Feeling kommt trotzdem auf.

Volontär Constantin Zeyer findet: Die Panzerhalle hat eine wilde Vergangenheit aber inzwischen ihre Soft Side entdeckt.
Jacqueline Schuon/Ulrich Metz/ArchivConstantin Zeyer: Die Panzerhalle mit wilder Vergangenheit
Die Panzerhalle im Französischen Viertel ist die Art von Main Character, die zuerst unterschätzt wird und am Ende trotzdem allen im Kopf bleibt. Früher standen in der Halle noch französische Panzer. Heute stehen dort eher Kinder mit Fahrradhelm bei der Fahrradführerschein-Prüfung und versuchen angestrengt, beim Handzeichen nicht gleichzeitig in den nächsten Hütchenparcours zu fahren. Genau das macht die Panzerhalle zum perfekten Main Character: Sie hat eine wilde Vergangenheit, aber inzwischen ihre Soft Side entdeckt.
Überhaupt kann die Panzerhalle irgendwie alles sein. Skatehalle, Basketball- oder Bolzplatz, Treffpunkt, Fitnessstudio ohne Wände, Abifeier-Location oder Regenunterstand für die halbe Südstadt. Unter dem riesigen Dach wird gekickt, geskatet, Fahrrad gefahren oder einfach herumgehangen. Die Panzerhalle versucht nie, besonders cool zu sein. Genau deshalb ist sie es wahrscheinlich. Während andere Orte in Tübingen geschniegelt aussehen wollen, ist die Panzerhalle einfach da. Ein bisschen roh, ein bisschen chaotisch, irgendwie sympathisch.
Und direkt daneben sitzt mit dem Café Panzer natürlich auch noch der perfekte Sidekick. Jede Hauptfigur braucht schließlich jemanden für den emotionalen Support und einen guten Espresso.

Für Redakteurin Miri Watson ist das Tagblatt-Gebäude mit Premium-Aussicht auf den Neckar auf jeden Fall ein Main-Character in ihrem Leben. Noch immer genießt es den Moment wenn sie morgens ihre Arbeiststelle – den „Newsroom Tübingens“ – betritt.
Carolin Albers/ Uli MetzMiri Watson: Das TAGBLATT-Gebäude sticht in See
Okay, wir sind wahrscheinlich ein wenig voreingenommen, aber es ist wirklich einfach jeden Morgen eine Freude, den Schlüsselchip zu zücken und in das TAGBLATT-Schiff direkt an der Neckarbrücke hineinzuspazieren, um dann den ganzen Tag die Premium-Sicht auf die Neckarfront zu genießen. Wie ein fetter Dampfer thront der Newsroom Tübingens über dem Fluss und ist jederzeit bereit, in See zu stechen; angetrieben nicht von Holzkohle, sondern von all den großen und kleinen Tübinger Nachrichten, die hier zusammenlaufen.
Das TAGBLATT-Gebäude ist meistens Main Character eines Abenteuerfilms, manchmal eines Polit-Thrillers, aber oft genug auch einfach Schauplatz von miesem Highschool-Drama (wir müssen es ja wissen). Wie alle Stars hat auch das TAGBLATT-Gebäude übrigens gute Visagisten: Obwohl es stets fresh und herausgeputzt aussieht, war in der Uhlandstraße 2 schon vor der Gründung des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs vor mehr als 80 Jahren ein Zeitungsverlag: Nämlich der der Tübinger Chronik. Wir stechen in See und sagen: Ahoi, ihr Landratten!

Volontärin Rebecca Felchle hat im Brechtbau (streng genommen Neuphilologikum) studiert, sie muss es also wissen, wenn sie behauptet: Bei dem Gebäude in der Wilhelmstraße handelt es sich um einen complex female character.
Privat/ Uli MetzRebecca Felchle: Der Brechtbau als complex female character
Wer weit genug die Wilhelmstraße hinaufradelt, schlappt oder – Gott bewahre – brummt, gelangt an ein Relikt der 70er. Das Neuphilologikum, wie es von genau niemandem in Tübingen genannt wird, scheint von außen vielleicht schlicht und nicht unbedingt als Main-Character-Material. Aber wie so oft zählen die inneren Werte! Und die könnten im Brechtbau vielfältiger nicht sein: der Keller, der auch als Set für einen drittklassigen Horrorfilm dienen könnte. Die Holzfliesen im Erdgeschoss, die im Theater so locker sind, dass sie regelmäßig aus dem Boden rutschen. Die geometrische Kunstlandschaft der Liegewiese, inklusive unentfernbarer Flecken. Dieser eine Seminarraum mit dem Gemälde William Shakespeares im dritten Stock, in dem das Schiebefenster noch nie zuging.
Der Brechtbau ist so komplex wie seine Studiengänge. Es werden ja immer „Complex Female Characters“ verlangt, aber in Tübingen haben wir sie längst schon: die Brechthöhle. Noch dazu ist die Frau über 50 Jahre alt – eine der seltensten Main Characters, die es gibt!

Wer sich die Fenster am Marktplatz genauer anschaut, entdeckt einen Ausreißer. Das weiße Fenster unter den schwarzen Fenstern schreit förmlich: „Ich bin nicht wie die anderen.“ Volontärin Lotta Bürker findet: ein klassischer Fall von Pick-me-Girl.
Carolin Albers/ Lotta BürkerLotta Bürker: Ein typischer Fall von Pick-me-Girl
Wer es auf dem Tübinger Marktplatz schafft, den Blick vom sonderlichen Laden „Jesus Live“ zu lösen und nach oben wandern zu lassen, dem fällt eine kleine Besonderheit auf: Nicht alle Fensterstreben sind schwarz angepinselt. Im vierten Stock findet sich ein Ausreißer. Das rechte Fenster ist weiß gestrichen. Ein architektonisches „Ich bin nicht wie die anderen“. Na, wenn das mal kein klassischer Fall von Pick-me-Girl ist, wie man sie zuhauf aus Filmen und Büchern kennt.
Eigentlich ist so etwas im Tübinger Bebauungsplan ungefähr so vorgesehen wie Neonlicht am Hölderlinturm. Doch der eigentliche Clou kommt erst noch: Das Fenster gehört gar nicht zu dem Haus, in dem es steckt. Plot Twist. Es gehört zum Nachbargebäude und ist bis heute auch nur von dort aus zugänglich. Dahinter verbirgt sich das sogenannte „Brotstüble“.
Der Legende nach soll der Besitzer des linken Hauses die kleine Stube während einer Hungersnot an den Bäcker im rechten Nachbarhaus vermietet haben – für einen täglichen Laib Brot. Wohnraummangel, aber make it mittelalterlich. Man kann also sagen: Das Brotstüble ist die Hauptfigur unter den Fenstern. Und der Rest der Fassade? Leider nur Ensemblecast.
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