Jugendwort des Jahres
: Diese Wörter wollen unsere Redakteurinnen und Redakteure (wieder) cool machen

Die Top 3 für das Jugendwort des Jahres steht fest. Unsere Redakteurinnen und Redakteure liefern Begriffe, die sie für absolut peak halten. Kein Grund, Crashout zu gehen. Nur ein paar davon sind Ragebait.
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Jugendwort des Jahres 2026: ILLUSTRATION - 27.07.2026, Hamburg: Das Wort „Crashout“ ist auf dem Display eines Smartphones zu lesen. Die Top 10 vor der Wahl zum Jugendwort des Jahres 2026 im Oktober stehen fest. Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Crashout, Ragebait und Peak – diese Wörter stehen in der engeren Auswahl zum Jugendwort des Jahres. Unsere Redaktion hat einige Vorschläge gesammelt, die sie gerne auf dieser Liste gesehen hätten.

Marcus Brandt/dpa
  • Top 3 beim Jugendwort dieses Jahr: Crashout, Ragebait und Peak.
  • Redaktion nennt Alternativen, die sie gerne in der Auswahl gesehen hätte.
  • Vorgeschlagene Wörter reichen von „Fisimatenten“ und „Brimborium“ bis „Büffelmozart“.
  • Auch dabei: „mipasieren“, „den Swag aufdrehen“, „Klärchen Bärchen“ und „Bruderzucker“.
  • Begründungen reichen von Nostalgie und Spaß bis zu prägnanten Abkürzungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jedes Jahr wird über das Jugendwort des Jahres abgestimmt. Mittlerweile steht die Top 3 für dieses Jahr fest: Crashout, Ragebait und Peak. Übrigens alles drei Anglizismen, die es in den Sprachgebrauch von deutschen Jugendlichen geschafft haben.

Unsere Redaktion hat alternative Vorschläge. Klar, eingereicht werden können sie nicht mehr. Aber verdient hätten sie es alle mal. Weil sie coole Abkürzungen sind. Weil sie Underdogs unter den Jugendwörtern sind und es deshalb nicht in die Liste geschafft haben. Oder weil sie schlicht und einfach schöne Wörter sind.

Miri Watson

Miri Watson ist für mehr Unfug im Sprachgebrauch.

Carolin Albers

Miri Watson: „Fisimatenten“

Why so serious? Unfug gehört einfach zu einem guten Leben dazu. Und deswegen sollte er in unserem Sprachgebrauch ruhig auch präsenter sein. Im Englischen mag ich die Wendung „to be up to some mischief“, also den Schelm im Nacken haben. Auf Deutsch gefallen mir die Fisimatenten, die man macht – volksetymologisch erklärt werden sie mitunter mit dem Schäferstündchen, zu dem Anfang des 19. Jahrhunderts französische Besatzungssoldaten die Mädchen in Deutschland in ihre Zelte luden („Visitez ma tente“). Heute geht es bei den Fisimatenten aber nicht mehr unbedingt um geheime Treffen mit dem Gspusi, sondern um alle Arten von Blödsinn, die man so treibt.

Eike Freese derbe üblest end

Eike Freese findet diese Adjektiv-Verstärker einfach derbe-üblest-end-gut.

Carolin Albers

Eike Freese: „derbe“, „übelst“, „end“

Wann hat es eigentlich aufgehört, dass es zum guten gesellschaftlichen Umgang gehörte, Adjektiv-Verstärker in jeden Satz einzubauen, um die generelle Heftigkeit des Daseins in Worte zu gießen? Waren es in den übelst endkrassen Neunzigern einfach die monster derben Lines, die man auf Clubtoiletten schniefte, die zu einer allgemeinen Spektakularisierung der Welt führten? Vielleicht. Bei Bedarf nach noch mehr Sprach-Tamtam funktionierte man jedenfalls einfach weitere Substantive zu Adjektiven um und konnte sie nach Belieben kombinieren. Das Leben damals war mal mörder bombe, mal arsch brutal – aber es war immer sowohl so hammer fett als auch so schweine hammer, dass man es einfach lieben musste.

Los geht’s Tübingen

News für junge Menschen aus Tübingen und Reutlingen: Wir berichten über Nachtleben, Studium, Ausbildung und Mental Health in der Region.

Lotta Bürker benutzt das Wort mipasieren, statt Mittagspause machen.

Lotta Bürker benutzt das Wort mipasieren, statt Mittagspause machen.

Carolin Albers

Lotta Bürker: „mipasieren“

Aus „Guten Morgen“ wird „GuMo“ und aus „Guten Appetit“ „GuAp“. Also lässt sich aus „Mittagspause“ einfach „MiPa“ machen, behaupte ich. Und daraus lässt sich wunderbar ein Verb basteln: mipasieren, also Mittagspause machen. So lässt es sich dann cool und einfach den Kollegen / die Kommilitonin / die Freundin fragen: „Hey, wollen wir heute gemeinsam mipasieren?“

Benjamin Breitmaier Den Swag aufdrehen

Benjamin Breitmaier dreht auch 16 Jahre später gerne noch den Swag auf.

Carolin Albers

Benjamin Breitmaier: „den Swag aufdrehen“

In einem völlig unerwarteten Moment randomisierter Genialität präsentierte einer der großen Philosophen unserer Zeit, Sebastian Meisinger, aka Money Boy, im August 2010 den Terminus „Swagaufdrehen“. Ein sprachlicher Energieball, der 250 Jahre nach der Entstehung des Sturm und Drang, die Wildheit einer unverstandenen Jugend auf den Punkt destillierte. Den Swag aufdrehen – vor 16 Jahren war Jungsein noch mit Hoffnung verbunden, mit einem Selbstbewusstsein, das niemandem Gründe abverlangte. Was zählte, war der bloße Glaube an die Überzeugungskraft des Ichs. So bleibt der schüchterne Wunsch für die kommenden Generationen, dass sie selbst den eigenen Swag wiederfinden – und ihn ordentlich aufdrehen.

Julian Ettema benutzt gerne Klärchen Bärchen.

Braucht unser Sprachgebrauch mehr Diminutive? Julian Ettema findet: Na Klärchen Bärchen.

Jacqueline Schuon

Julian Ettema: „Klärchen Bärchen“

Es lebe der Diminutiv. Klingt doch auch gleich viel schöner. Aus dem schnöden Haus wird das heimelige Häuschen, der anprangernde Fehler verwandelt sich in das harmlose Fehlerchen und ein schnödes „OK“ erhebt sich zum von Charisma nur so strotzenden „Alles Klärchen“. Gerade in Zeiten, in denen jeder zweite „Alpha-Podcaster“ einem einzutrichtern versucht, man(n) müsse sich angeblich ach so maskulin verhalten, darf es ruhig ein wenig mehr Verniedlichung im allgemeinen Sprachgebrauch sein. Ob das auch für Ende-20-Jährige mit Vollbart gilt? Aber Klärchen Bärchen.

Constantin Zeyer

Constantin Zeyer schickt den Büffelmozart ins Rennen. Den Meister des mangelnden Fingerspitzengefühls.

Jacqueline Schuon

Constantin Zeyer: „Büffelmozart“

Filigrane Lösungsansätze sind dem „Büffelmozart“ ein Graus. Er beherrscht die hohe Kunst, Probleme mit möglichst wenig Fingerspitzengefühl, aber dafür viel Überzeugung zu lösen. Frei nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht!

Mia Dumont hat sich von ihren Kindern das Wort „Bruderzucker“ abgeschaut.

Mia Dumont hat sich von ihren Kindern das Wort „Bruderzucker“ abgeschaut.

Jacqueline Schuon

Mia Dumont: „Bruderzucker“

Meine Kinder sind echte Cracks, wenn es um Wortneuschöpfungen geht. Also hey, lasst uns von ihnen lernen! Der Ausdruck „Bruderzucker“ ist ein gutes Beispiel. Er steht für: 1. Zucker („Eine Waffel mit Apfelmus und viel Bruderzucker“) und 2. fein durchgesiebten Sand. Unter guten Kumpels könnte man dann sagen: „Ey Bro, du bist echt Bruderzucker!“ und macht damit einem engen Freund ein echtes Kompliment. Es drückt einfach entspannte Nähe aus.

Sophie Holzäpfel Brimborium

Sophie Holzäpfel hat Brimborium aus dem Vintage-Schrank gekramt.

Jörg Romanowski

Sophie Holzäpfel: Brimborium

Die Tragik jeder noch so trendigen Mode ist, dass alles mal aus der Mode kommt. Mit Wörtern verhält es sich ganz ähnlich. Deshalb nominiere ich Brimborium. Ein Kaffee wird zum Coffee-Date. Ein Spaziergang zum Walk-and-Talk. Eine Besprechung zum Deep Dive. Und aus einem Pasta-Gericht wird plötzlich Content für Insta. Ich mag Wörter, die schon beim Aussprechen ein bisschen nach dem klingen, was sie bedeuten. Brimborium klingt nach Glitzer, Tamtam, vor allem aber nach unnötig viel Aufwand. Modetrends kehren irgendwann zurück. Die Schlaghose aus den 70er-Jahren ist plötzlich wieder lässig. Vintage ist wieder in, ein Hauch Nostalgie ausdrücklich erwünscht. Warum also nicht auch bei der Sprache mal weiter hinten im Schrank kramen? Vintage kann schließlich auch vier Silben haben.