Internettrend aufgegriffen
: 6 unpopular opinions über Tübingen

Eine unpopular opinion ist eine Meinung, die sich gegen den Mainstream richtet. Unsere jungen Redakteure und Volontäre haben euch ihre Takes aufgeschrieben. Und nein: Das ist kein Ragebait!
Von
Julian Ettema,
Lotta Bürker,
Rebecca Felchle,
Miri Watson,
Constantin Zeyer
Tübingen
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ARCHIV - 05.09.2025, Baden-Württemberg, Tübingen: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) sitzt bei einer Diskussionsrunde mit dem AfD-Landesvorsitzenden Frohnmaier in der Hermann-Hepper-Halle auf dem Podium. (zu dpa: «Palmer stellt sich vor Wahl hinter Özdemir») Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Zu Boris Palmer maßen wir uns nicht an, eine unpopular opinion abzugeben. Außer vielleicht diese: Es ist immer praktisch, dass man, wenn man Menschen außerhalb von Tübingen erzählt, dass man aus Tübingen kommt, mit Boris Palmer sofort ein Gesprächsthema hat.

dpa
  • Junge Redaktion teilt „unpopular opinions“ zu Tübingen – von Brücken bis Bäder.
  • Fahrradbrücke Ann-Arbor spaltet, doch sie taugt als Gesprächsthema. Mehr Brücken gewünscht.
  • Neckarmauer gilt als überbewertet. Ruhigere Plätze wie Platanenallee werden bevorzugt.
  • Uhlandbad wird verteidigt: zentrale Lage und Architektur, Spaß hängt von Besuchenden ab.
  • Brechtbau als charmantes, menschliches Gegenmodell zur Elite. Ammer bietet Ruhe statt Neckar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er hat auch oft unkonventionelle Meinungen: Boris Palmer. In diesem Artikel soll es aber um die Hot Takes unserer Volontäre und jungen Redakteure zu der Stadt gehen, der Palmer als Oberbürgermeister vorsitzt – Tübingen. Von Loblied auf die Fahrradbrücke, Hallenbad-Liebe und Neckarmauerbashing ist alles dabei.

Lotta Bürker RAdbrücke West

Lotta Bürker findet, die Radbrücke ist immer ein super Gesprächsthema. Sie wünscht sich außerdem eine Fußgängerbrücke von Gleis 12 zum Busbahnhof.

Carolin Albers

Lotta Bürker: Es lebe die Fahrradbrücke!

Sie spaltet ja die Gemüter. Ich glaube sogar, dass in den vergangenen Jahren kaum etwas in Tübingen so viel diskutiert wurde wie dieses Bauwerk. Die Rede ist von der Fahrradbrücke, genauer gesagt der Ann-Arbor-Brücke. Ich finde aber etwas ganz anderes: Ich liebe es, mit der Radbrücke anzugeben. Die ganze Diskussion drumherum ist mir an sich wurscht, sorgt aber dafür, dass auch außerhalb von Tübingen viele über sie Bescheid wissen. Und so habe ich schon immer ein super Gesprächsthema.

Und wenn wir schon bei den Brücken sind, hier noch ein Hot Take: Ich finde, wir sollten noch mehr davon in Tübingen bauen. Und als Allererstes eine von Gleis 12, wo der Zug nach Rottenburg und Horb fährt, zum Busbahnhof. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man die meisten Anschlüsse nicht erreicht und der Weg zum Gleis oder vom Gleis viiiiiiiiiiel zu lang ist. Wegen mir braucht sie auch nicht beheizbar zu sein.

Schön anzusehen vielleicht, aber entspannt Mittagspause machen geht anders. Julian Ettema findet, es gibt wesentlich bessere Sitzplätze in Tübingen als die Neckarmauer.

Schön anzusehen vielleicht, aber entspannt Mittagspause machen geht anders. Julian Ettema findet, es gibt wesentlich bessere Sitzplätze in Tübingen als die Neckarmauer.

Jacqueline Schuon/ Ulrich Metz

Julian Ettema: Auf der Neckarmauer sitzen ist absolut unentspannt!

Zugegeben, sie mag sich auf Bildern ja ganz gut machen, aber als Hangoutspot ist die Neckarmauer absolut overratet. Da sitzt man sich den Hintern auf unbequemen Steinen wund, während sich wenige Zentimeter hinter einem dutzende Menschen durch einen engen Gang zwängen. Es entspricht nicht gerade meiner Vorstellung einer entspannten Auszeit, meine Finger in die alten Steine zu krallen und zu wissen, dass das Einzige, was zwischen mir und einem sehr unangenehmen Sturz steht, ein kurzer Strauchler eines über das unebene Kopfsteinpflaster eilenden Studenten ist.

Vor allem bringt auch jeder Mauer-Sitz-Fan das immer gleiche Argument, warum man dort hingehen sollte: „Da kann man so schön auf Wasser schauen.“ Wisst ihr, wo man das auch kann? Auf der Platanenallee. Und das, ohne hoffen zu müssen, dass einen niemand von hinten anrempelt und man samt Falafel in den Neckar fällt.

Miri Watson behauptet: Nur Menschen ohne Personality haben Probleme damit, sich im zentralsten aller Tübinger Bäder zu amüsieren. Wer selbst fun ist, hat auch fun im Uhlandbad.

Miri Watson behauptet: Nur Menschen ohne Personality haben Probleme damit, sich im zentralsten aller Tübinger Bäder zu amüsieren. Wer selbst fun ist, hat auch fun im Uhlandbad.

Carolin Albers/ Ulrich Metz

Miri Watson: Das Uhlandbad ist das Gegenteil von boring!

Immer die Uhlandbad-Haterinnen und -Hater, die sagen, dass das Uhlandbad langweilig sei. Aber Pustekuchen! Schon allein für die Architektur lohnt sich der Besuch im Bad. Außerdem: Komplett zentral schwimmen gehen und danach ein Käffchen in der Innenstadt – das geht einfach nur in unserem schönen Uhlandbad.

Sauna, Rutschen, Sprungturm sind ja alle schön und gut, aber offen gesagt: Wer selbst fun ist, hat auch fun im Uhlandbad!

Rebecca Felchle/ Brechtbau Tübingen

Rebecca Felchle meint, dass der Brechtbau mit seinen Macken und Problemchen quasi das Gegenteil von elitärem Denken dartsellt.

Privat/ Uli Metz

Rebecca Felchle: Der Brechtbau ist ein Kunstwerk

Ganz ruhig! Bevor ihr euch gleich alle beschwert, dass die Geisteswissenschaften kein Geld bekommen und deswegen in einer Bruchbude verstauben: Ich sehe ja ein, dass der Brechtbau nicht mehr das neueste Gebäude ist und ein paar Überholungen bräuchte. Die Fenster, für die man erst einmal die Arme aufwärmen muss, bevor man sie hochstemmt. Die Flecken auf der Liegewiese. Die Löcher im Holzboden des Theaters. Ich gebe zu, Eliteuni sieht anders aus.

Aber vielleicht ist das ja gerade der springende Punkt. So links ausgerichtet, wie seine Studierenden sind, ist der Brechtbau eben ein Protest gegen elitäres Denken. Er ist zutiefst menschlich, weil von Menschen gemacht. Das gibt ihm einen Charme, dem ich nicht widerstehen kann. Ein ewig währendes Kunstwerk, ein Akt der Co-Kreation. So ähnlich wie Sprache – da passt die Philologie doch gut rein! Und wo wir gerade bei Kunst sind: Wenn mir noch einmal jemand sagt, dass Brutalismus hässlich ist, entführe ich die Person eigenhändig in die Burse zu einem Architekturkurs.

Constantin Zeyer findet: An der Ammer lässt sich hervorragend der Sommer genießen.

Constantin Zeyer findet: An der Ammer lässt sich hervorragend der Sommer genießen.

Christoph Schmidt/dpa / Jacqueline Schuon

Constantin Zeyer: Am Neckar chillen? Lieber zur Ammer!

Der Neckar gehört zu Tübingen wie die Stocherkähne und die Neckarfront. Genau deshalb bekommt die Ammer oft kaum Aufmerksamkeit. Dabei bietet der rund 22 Kilometer lange Fluss etwas, das dem Neckar an vielen Stellen fehlt: Ruhe. Selbst in der Stadt. Der Weg entlang der Ammer führt vorbei an Wiesen, kleinen Brücken und schattigen Bäumen. Statt Touristengruppen und Selfies hört man dort meistens nur das friedliche Geplätscher des Wassers – und vielleicht ein paar Fahrradklingeln.

Wer spazieren gehen oder eine Runde joggen möchte, sollte sich daher eher an die Ammer halten. Von Unterjesingen kommend, zieht sie sich durchs Zentrum bis nach Lustnau. Stellenweise fühlt sich ihr Uferweg eher wie ein kleiner Naturpfad an als wie ein Weg mitten in der Stadt. Die Neckarfront ist ohne Frage das schönere Postkartenmotiv – aber wenn es darum geht, einfach mal abzuschalten, hat die Ammer für mich klar die Nase vorn.

Wir alle: Neckarbrücke ist als Instaspot overrated

Ja, sie ist DAS Postkartenmotiv Tübingens. Aber gefühlt jeder lädt nach seinem Besuch in Tübingen ein Bild der Neckarfront hoch. Wir finden: Das ist basic und overrated! Weil wir ja nicht so sein wollen, haben wir euch ein paar Alternativen aufgeschrieben. Hier findet ihr fünf instagrammable Spots in Tübingen – abseits der altbekannten Neckarfront, Hölderlinturm und Co.