Tübingen ist ein Dorf!: How to: Flüchtigen Bekannten ausweichen wie ein Profi (oder dabei grandios scheitern)

Besonders im Sommer sind die Straßen in der Tübinger Innenstadt gut gefüllt und oft genug trifft man auf Menschen, die man kennt.
Carolin Albers- Fünf Strategien, um flüchtigen Bekannten in Tübingen auszuweichen.
- Zeitungstrick im Café oder Bus: hinter Papier verbergen, gern mit Sonnenbrille.
- „I don't speak German“ für Straßenwerber – ungewöhnliche Sprachen oder erfinden.
- Im Zug Telefonat vortäuschen: Business-Talk oder Drama, Handy stumm schalten.
- Zwillingsschwester spielen oder im Supermarkt hinter Regalen und Dosen verstecken.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Berühmtheiten, Exzellenz-Uni und eine ziemlich gute Tageszeitung. Tübingen hat einiges zu bieten. Dennoch hat es sich den Kleinstadt-Charme bewahrt. Dass man Leute trifft, die man kennt, wenn man in die Stadt geht, ist wirklich keine Seltenheit. Nicht umsonst dürften wohl die meisten den Satz „Tübingen ist ein Dorf“ schon mal gesagt oder zumindest gehört haben.
Nicht immer hat man Lust, ein Gespräch anzufangen, sei es mit der ehemaligen Vermieterin, dem Ex oder der Pfarrerin, die einen vor zig Jahren konfirmiert hat. Wir haben fünf Exit-Strategien für euch.

Der Ex-Lover läuft an dem Café vorbei, in dem du gerade chillst? Miri Watson schlägt vor, sich hinter einer Zeitung zu verstecken.
Carolin AlbersMiri Watsons Strategie:
Der gute alte Zeitungstrick
Über Papierzeitung kann man ja sagen, was man will (z.B. unhandliches Format oder „Die armen Bäume!“), aber in einer Sache ist sie dem E-Paper einfach gnadenlos überlegen: als mobiles Versteck. Klar, es geht auch, abgelenkt ins Smartphone zu starren und dabei die Schlagzeilen auf der SWP-App zu lesen, aber viel stilvoller ist es nun mal, das eigene Gesicht hinter einer großen aufgeklappten Zeitung zu verbergen.
Du sitzt im Café und willst einfach nur dein bestes Leben leben, aber dann kommt dein Ex-Lover die Straße entlangspaziert? Kein Problem! Einfach die Todesanzeigen sehr interessiert studieren und chances are, dass dein Ex dich nicht einmal sieht. Du fährst Bus und hast WIRKLICH keinen Bock auf ein Gespräch mit der Kommilitonin, mit der du mal auf Ersti-Hütte warst; mit der du aber seitdem nichts mehr zu tun hast? Einfach die Zeitung zücken und gemütlich herausfinden, was in der Stadt gerade so los ist.
- Pro-Tipp: Sonnenbrille dabei tragen, dann gibt’s Audrey Hepburn-Vibes.

In der Neckargasse stehen wieder diese penetranten Leute, die einem eine Mitgliedschaft andrehen wollen? Julian Ettema tut dann gerne so, als würde er kein Deutsch sprechen.
IMAGO/Zoonar.com/Axel Bueckert/ Jacqueline SchuonJulian Ettemas Strategie:
Der „I don't speak German“
Zugegeben, diese Strategie funktioniert nicht bei Leuten, die einen bereits kennen. Aber für die penetranten Anfragen auf der Straße, die einem eine Mitgliedschaft bei irgendwas andrehen wollen, Spenden für den Wald in Borneo sammeln oder was auch sonst noch, ist sie bestens geeignet. Nur dass wir uns nicht falsch verstehen: Selbstverständlich ist der Wald in Borneo schützenswert und Spenden sammeln eine noble Sache, aber manchmal hat man einfach keinen Nerv für solche Unterhaltungen.
Das nächste Mal, wenn einen jemand anspricht, also einfach so tun, als spreche man kein Deutsch. Englisch ist hier allerdings nicht die erste Wahl, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ihr euch dann ein noch unangenehmeres ungewolltes Gespräch antun müsst, ist hoch. Gut geeignet sind die letzten Fetzen Katalanisch, die noch aus einem Kurs an der Uni hängen geblieben sind, oder die paar Phrasen Koreanisch, die man aus einer Serie aufgeschnappt hat. Je ungewöhnlicher die Sprache, desto besser.
- Und zur allergrößten Not: einfach eine Sprache erfinden.

Die Pfarrerin, die einen konfirmiert hat, ist im gleichen Zug? Lotta Bürker rät dazu, einen wichtigen Business-Call zu fingieren.
Fernando Gutierrez-Juarez/dpa/ Carolin AlbersLotta Bürkers Strategie:
Wichtige Business-Calls fingieren
Vor ein paar Monaten habe ich meine ehemalige Pfarrerin, die mich konfirmiert hatte, im Zug gesehen. Versteht mich nicht falsch, ich habe kein Problem mit zwei Minuten Smalltalk. Aber im Zug ist es nun mal so: Wenn ich ihr da „Hallo“ sage, dann müssen wir die ganze Strecke miteinander quatschen. Ich kann ja schlecht zwei Stationen früher aussteigen …
Die Lösung: So tun, als ob man telefoniert. Einfach einen wichtigen Business-Call fingieren und irgendwas von Shareholdern und Stakeholdern labern. (Um ehrlich zu sein, habe ich bis heute nicht gecheckt, was damit genau gemeint ist, aber hört sich wichtig an.) Andere Option: Schauspielern, dass die Bestie in der Leitung ist und gerade erfahren hat, dass ihr Macker sie betrügt. Von „HOW DARE HE?!“ bis „Ich konnte ihn ja noch nie leiden, das weißt du ja …“ lässt sich das ganze Repertoire rausziehen. Und dann zwei Minuten bevor der Zug ankommt sich am Telefon verabschieden, auflegen und schnell bei der Pfarrerin „Hallo“ sagen gehen.
- Achtung: Immer drauf achten, dass das Handy stummgeschaltet ist. Stell dir vor, wie peinlich es wäre, wenn das Handy laut klingelt, während ihr gerade eurer Bestie Fake-Emotional-Support leistet.

Um nicht in ungewollte Gespräche hineingezogen zu werden, schlüpft Salome Hanselmann in die Rolle der eigenen fiktiven Zwillingschwester.
dpa/ Jacqueline SchuonSalome Hanselmanns Strategie:
Die Zwillingsschwester
Für die „Zwillingsschwester“ schlüpft ihr kurzzeitig in eine andere Rolle. Wer befürchtet, von einer Person angesprochen zu werden, auf die man gerade gar keinen Bock hat, gibt sich einfach als sein erfundener Zwilling aus. Wird man angesprochen, kann man ganz einfach sagen: „Oh, nein, du verwechselst mich. Ich bin Matilda, Salomes Zwillingsschwester!“ Selbst, wenn die Person euch schon lange kennt, könnte es immer passieren, dass irgendwo ein verschollenes Geschwisterkind auftaucht. (Im Zweifel sind eure Eltern schuld!)
Die „Zwillingsschwester“ lässt sich auch gut mit dem Telefonier-Trick kombinieren. Das eignet sich super, wenn man gar nicht erst mit der unliebsamen Person sprechen will. Hier empfehle ich, einfach im Vorbeigehen ins Smartphone reinzulabern und den Namen der Person (die ihr im Reallife eigentlich seid) so oft wie möglich, zu wiederholen und mit solchen Sätzen zu ergänzen: „Ja, Salome, Mama und Papa wissen Bescheid“ oder „Nein, Salome, ich kann heute Abend nicht kommen.“
- Profi-Trick: Kleidet euch mit Accessoires, die zum Charakter eurer ausgedachten „Zwillingsschwester“, aber nicht zu euch selbst passen. Das erhöht die Chancen, wirklich unerkannt zu bleiben. Method Acting at its best.

Constantin Zeyer trifft im Supermarkt oft auf Bekannte, will aber kein Gespräch anfangen. Die Lösung? Sich hinter Regalen verstecken und die Zutatenliste der Dosensuppe studieren.
Oliver Berg/dpa/ Jacqueline SchuonConstantin Zeyers Strategie:
Versteckspiel im Supermarkt
Im Supermarkt lässt sich eine drohende Begegnung zwischen den vielen Gängen und Regalen eigentlich gut umgehen. Eigentlich. Mein Stammsupermarkt in der Mohlstraße ist allerdings klein, hat nur wenige, dafür ziemlich lange Gänge – ungünstig, wenn dort jemand auftaucht, den ich gut genug kenne, um Hallo sagen zu müssen, aber nicht gut genug, um anschließend zu wissen, worüber wir eigentlich reden sollen. Wird die Person am anderen Ende des Gangs bei den Müsliriegeln erspäht, heißt es deshalb: Schnell in Deckung gehen! Am besten zu den Konserven. Dort lässt sich wunderbar mit besorgtem Blick die Zutatenliste einer Dose studieren. Danach vorsichtig um die Regalecke spähen. Niemand zu sehen? Weiter.
Kompliziert wird es, wenn mein Gegenüber dieselbe Strategie verfolgt: Wir wechseln beide mit höchster Vorsicht die Gänge, warten hinter Regalen – und laufen uns trotzdem immer wieder fast über den Weg. Mein Einkauf folgt keiner sinnvollen Reihenfolge mehr: erst Kühlregal, dann Nudeln, zurück zum Gemüse und sicherheitshalber noch einmal zum Fisch. Dabei mag ich gar keinen Fisch! Aus den geplanten fünf Minuten werden zwanzig. Aber die Mühe scheint sich gelohnt zu haben: Von meiner flüchtigen Bekanntschaft fehlt seit Minuten jede Spur. Sie muss den Laden verlassen haben. Begegnung erfolgreich vermieden! Also ab zur Kasse, Einkauf aufs Band – geschafft. Bis plötzlich direkt hinter mir eine Stimme ertönt: „Ach, hallo!“
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