Nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert ist und der Krieg begann, sind auch hier schnell die Folgen bemerkbar geworden. Innerhalb weniger Tage und Wochen stiegen die Preise für Benzin und Diesel auf den höchsten Stand jemals. Um Bürgerinnen und Bürger zu entlasten hat die Bundesregierung dann ein Entlastungspaket geschnürt. Dazu gehörte auch der sogenannte Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Kraftstoffe wurde gesenkt, damit die Preise an der Tankstelle gedrückt werden. Aber: Diese Maßnahme soll nicht für immer gelten.

Wie viel billiger ist Tanken wegen des Tankrabatts?

Zu Beginn der Einführung des Tankrabatts am 1. Juni hat es viele Befürchtungen gegeben, dass die Mineralölkonzerne die Vergünstigung nicht an die Endverbraucher weitergeben würden. Das hat sich jedoch nicht bewahrheitet: Laut ADAC vergünstigt der Tankrabatt den Preis an den Zapfsäulen um 35 Cent pro Liter.
Laut einer Auswertung des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI lagen die Dieselpreise in Deutschland im Mai im Mittel etwas mehr als 13 Cent je Liter höher als in Frankreich. Nach Einführung des Tankrabatts fielen die Preise in Deutschland im Juni im Mittel um mehr als acht Cent pro Liter geringer aus. Die Summe beider Differenzen von rund 21 Cent je Liter Diesel weise darauf hin, dass der Tankrabatt von rund 17 Cent je Liter Diesel zumindest zu sehr großen Teilen, wenn nicht gar gänzlich an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden ist, resümierte das RWI.
Ein ähnliches Bild zeigt sich demnach für die Preise von Superbenzin E10: Sie lagen im Mai in Deutschland im Mittel um rund 3,5 Cent je Liter höher als in Frankreich, im Juni lagen sie um rund 28 Cent je Liter tiefer. Die Summe der Differenzen von rund 31,5 Cent unmittelbar vor und nach der Einführung des Tankrabatts sei nahe der steuerlichen Entlastung von rund 35 Cent pro Liter Superbenzin, so das RWI. Auch bei Superbenzin E10 sei der Rabatt also offenbar weitgehend an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden.

Tankrabatt 2022: Wann steigen die Spritpreise wieder?

Die Preise sind also durch die Absenkung der Energiesteuer an der Zapfsäule gesunken. Doch damit ist bald wieder Schluss: Der Tankrabatt gilt nur noch bis zum 31. August. Danach wird die Energiesteuer wieder in vollem Umfang erhoben – was zu steigenden Spritpreisen führen wird. Das wird vermutlich nicht direkt zum 1. September spürbar sein. Eher sollten sich Verbraucher darauf einstellen, dass im Laufe des Septembers die Preise in die Höhe gehen.

Wie viel teurer wird Sprit im Herbst 2022?

Aktuell kostet Diesel in Deutschland durchschnittlich 1,90 Euro/Liter, Super E10 ist deutlich günstiger bei rund 1,80 Euro/Liter. Wenn man davon ausgeht, dass wie vom ADAC berechnet der Tankrabatt zu einer Vergünstigung von rund 35 Cent pro Liter führt, dann werden die Tankpreise im Herbst entsprechend steigen. Damit wäre Diesel bei rund 2,25 Euro und Super E10 bei 2,15 Euro. Das würde ungefähr dem Niveau vom Mai entsprechen, bevor der Tankrabatt eingeführt wurde.

Wird der Tankrabatt doch verlängert?

Wenige Wochen vor dem Auslaufen des Tankrabatts hofft der Vorsitzende des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost weiter auf eine Verlängerung. „Ich kann mir vorstellen, dass das letzte Wort da noch nicht gesprochen ist“, sagte der Verbandsvorsitzende Hans-Joachim Rühlemann mit Blick auf die politischen Entscheidungen. Andernfalls könnten die Kraftstoff-Preise wieder auf bis zu 2,40 Euro und 2,50 Euro steigen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte sich gegen eine Fortsetzung ausgesprochen.
Verbandsvorsitzender Rühlemann sagte, im vergangenen Vierteljahr seien Rückgänge beim Kraftstoffverbrauch in Berlin und Brandenburg spürbar gewesen. „Es gibt ein Bewusstsein beim Verbraucher, Kraftstoff zu sparen“, sagte er. Zugleich könne dies auch eine Folge der Urlaubszeit sein. Auch der Tanktourismus von Brandenburg nach Polen sei noch vorhanden, aber sehr viel weniger geworden als zu Beginn des Jahres.