Nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert ist und der Krieg begann, sind auch hier schnell die Folgen bemerkbar geworden. Innerhalb weniger Wochen stiegen die Preise für Benzin und Diesel auf den höchsten Stand jemals. Um Bürgerinnen und Bürger zu entlasten hat die Bundesregierung dann ein Entlastungspaket geschnürt. Dazu gehörte auch der sogenannte Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Kraftstoffe wurde gesenkt, damit die Preise an der Tankstelle gedrückt werden. Aber: Diese Maßnahme ist jetzt seit dem 1. September 2022 vorbei.

Wie viel billiger war Tanken wegen des Tankrabatts?

Der Tankrabatt endete am 1. September 2022. Das hat wohl auch zu einer Entlastung der Bürgerinnen und Bürger geführt: Laut ADAC vergünstigt der Tankrabatt den Preis an den Zapfsäulen um 35 Cent pro Liter.
Inklusive Mehrwertsteuer sank für Diesel die Energiesteuer um 16,7 Cent pro Liter, für Superbenzin um 35,2 Cent pro Liter. Dies wurde laut einer ersten RWI-Untersuchung im Juni "im Wesentlichen" von den Konzernen an die Autofahrer weitergegeben.
Das RWI nutzt für die Auswertung den Vergleich der Spritpreise zwischen Deutschland und Frankreich. Die im Juni noch hohe Differenz der Super-E10-Preise nahm demnach im Juli und August sukzessive ab: Sie schrumpfte von 29 Cent je Liter im Juni auf knapp 25 Cent im Juli und auf nur noch rund 15 Cent im August.
Im Vergleich der Monate Mai (vor dem Tankrabatt) und August ergibt sich laut RWI eine Differenz von rund 18,5 Cent. Diese Differenz betrage nur etwa die Hälfte der steuerlichen Entlastung von rund 35 Cent pro Liter Superbenzin - und "deutet darauf hin, dass der Tankrabatt bei Superbenzin E10 von preistreibenden deutschlandspezifischen Faktoren überlagert wurde".
Beim Diesel ist von den preisdämpfenden Wirkungen des Tankrabatts an der Zapfsäule sogar kaum mehr etwas zu spüren. Fiel die Differenz zum Vergleichswert in Frankreich im Juni noch deutlich aus, so drehten sich die Verhältnisse im Laufe des Juli um: Die Dieselpreise sind in Deutschland mittlerweile wieder höher als in Frankreich.

Wie viel teurer ist der Sprit im Herbst 2022?

Die seit 1. September 2022 aufgehobene Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe macht sich an vielen Tankstellen deutlich bemerkbar. Das zeigt eine Schnellauswertung der Preise an knapp 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg im Zeitraum zwischen 6.00 und 6.30 Uhr durch die Deutsche Presse-Agentur mithilfe der Spritpreis-Daten des ADAC. Dabei lagen die Preise bei vielen Tankstellen deutlich höher als im gleichen Zeitraum am Mittwoch.
E10 kostete am Donnerstagmorgen bei einem Großteil der untersuchten Tankstellen mehr als 2 Euro. Am Mittwochmorgen hatte der Preis bei keiner einzigen untersuchten Tankstelle jenseits dieser Schwelle gelegen, sondern in der Regel noch unter 1,90 Euro, in vielen Fällen auch unter 1,80 Euro.
Diesel dagegen kostete bereits am Mittwoch an der Mehrheit der untersuchten Tankstellen mehr als 2 Euro. Am Donnerstag lag der Preis bei einem Großteil der Tankstellen deutlich jenseits von 2,10 Euro, teils auch bei mehr als 2,30 Euro.
Allerdings waren die Preise in den vergangenen zwei Wochen bereits deutlich in die Höhe gegangen. Außerdem kauften auch Tankstellenbetreiber bis Mittwoch noch zum gesenkten Steuersatz ein und könnten Benzin und Diesel daher zunächst weiter günstiger abgeben. Bis die Aufhebung der Steuersenkung voll auf die Kunden durchschlägt, könnte es also noch etwas dauern.

Wird der Tankrabatt doch verlängert?

Der ADAC erklärte, vordergründig erscheine eine Fortsetzung zwar wünschenswert - das würde den Energiesparbedarf in der für den Herbst erwarteten Energieknappheit aber nicht hinreichend unterstützen. Der ADAC schlug stattdessen direkte Entlastungen im Mobilitätssektor für besonders Betroffene vor - also "Berufspendler". Die Regierung solle die Entfernungspauschale für den Arbeitsweg bereits ab dem ersten Kilometer auf 38 Cent erhöhen.
Angesichts stark steigender Energiepreise hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gefordert, den auslaufenden Tankrabatt zu verlängern. „Ich bin für die Fortsetzung“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das helfe „vor allem Pendlern, die nun einmal viel unterwegs sein müssen“. Nötig sei zudem ein ausgeweitetes Wohngeld, eine Deckelung der Strompreise sowie die steuerliche Entlastung auch von mittleren Einkommen. Auch in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ sprach er sich dafür aus, den Tankrabatt zu verlängern.

Entlastungspakete 2022: Das hat es schon gegeben

Bei der Frage nach neuen Entlastungspaketen lohnt sich nochmal ein Blick darauf, was es schon alles gegeben hat. Hier die Liste der Maßnahmen, die es 2022 gegeben hat oder die noch in der Umsetzung sind: