Jair Messias Bolsonaro, der amtierende Präsident von Brasilien, hat die Stichwahl gegen seinen Konkurrenten Lula da Silva verloren. Damit wird der rechtsextreme Politiker nicht mehr an der Spitze der größten lateinamerikanischen Volkswirtschaft stehen. Seine Amtszeit war geprägt von Skandalen und Krisen.
Wie ist Jair Bolsonaro also privat und im politischen Leben? Ehefrau, Ukraine, Regenwald und Co. – Wir stellen euch den Politiker im Porträt vor.

Jair Bolsonaro: Alter, Geburtsort, Ehefrau

  • Name: Jair Messias Bolsonaro
  • Geburtstag: 21. März 1955
  • Geburtsort: Glicério, Bundesstaat São Paulo, Brasilien
  • Wohnort: Rio de Janeiro
  • Alter: 67 Jahre
  • Größe: 1,85 m
  • Beruf: Politiker
  • Partnerin: Michelle de Paula Firmo Reinaldo Bolsonaro (40 Jahre alt)
  • Kinder: Insgesamt fünf Kinder: Drei Söhne aus erster Ehe (Flávio, Carlos und Eduardo Bolsonaro), einen Sohn aus zweiter Ehe (Renan Bolsonaro) und eine Tochter (Laura Bolsonaro) aus dritter Ehe
  • Mutter: Olinda Bolsonaro
  • Vater: Geraldo Bolsonaro
  • Geschwister: drei Schwestern und zwei Brüder

Jair Messias Bolsonaro: Politische Karriere

Jair Messias Bolsonaro wurde in São Paolo in Brasilien geboren. Noch während seiner letzten Schuljahre verpflichtete sich Bolsonaro zum Militärdienst. Bis 1988 diente er bei der Luftlandebrigade. In dieser Zeit wurde er beschuldigt, in mehreren Militäreinrichtungen Bomben gelegt zu haben. Er beendete seine Militärkarriere mit dem Wechsel zum Rang eines Hauptmanns in der Reserve.
Seine öffentliche politische Karriere begann noch im selben Jahr mit der Wahl zum Stadtrat in Rio de Janeiro für den Partido Democrata Cristão (PDC). Zwei Jahre später gewann er ein Mandat in der Abgeordnetenkammer für die PDC, welches er für sechs weitere Amtszeiten behielt. 2018 trat Bolsonaro aus der PDC aus und trat der Partido Social Liberal (PSL) bei. Dort verfolgte er eine politisch rechtskonservative Linie und wurde zum Parteiführer und Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen 2018.
In seinem ersten Wahlkampf fokussierte sich Bolsonaro vor allem auf die Themen Korruption, Kriminalität, Wirtschaftskrise und Waffenbesitz. Am 28. Oktober 2018 wurde er mit 55,1 Prozent der Stimmen zum Präsidenten Brasiliens gewählt.
2019 trat er aus der PSL aus und gründete das Bündnis Aliança pelo Brasil (Allianz für Brasilien).
Gegen Ende seiner ersten Amtszeit kündigte Bolsonaro an, ein zweites Mal kandidieren zu wollen. Er betonte, dass er für sich und seine politische Karriere nur drei Möglichkeiten sehe: entweder werde er verhaftet, falle einem Attentat zum Opfer, oder er werde wiedergewählt. Um sein Ziel zu erreichen trat er 2021 der Mitte-Rechts-Partei Partido Liberal bei, da Präsidentschaftsbewerberinnen und -bewerber in Brasilien einer Partei angehören müssen. Die Partido Liberal ist die insgesamt neunte Partei, bei der Bolsonaro Mitglied ist. Am 30. Oktober 2022 unterlag er gegen Luiz Inácio Lula da Silva bei einer Stichwahl.

Die politischen Positionen von Jair Messias Bolsonaro

Frauen, LGBTQ+, Klimawandel und der Regenwald, Militärherrschaft, Waffen und Co. – Jair Bolsonaro äußerte sich zu diesen Themen in der Vergangenheit immer wieder auf schockierende und gewaltverherrlichende Art. Ein Überblick über seine politischen Positionen:

Putin und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine

Die Position Bolsonaros zu Putin und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine war zu Beginn noch unklar. Anfangs schien Bolsonaro unwillig, sich eindeutig gegen Wladimir Putin zu stellen. Wenige Tage vor dem 24.02.2022, besuchte er Moskau und erklärte sich solidarisch mit Russland. Bei einem Wahlkampfauftritt in der Stadt Prudentópolis, wenige Wochen vor der Wahl, sprach er sich dann für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aus. Prudentópolis gilt als Brasiliens „kleine Ukraine“, da drei Viertel der 53.000 Einwohner einen ukrainischen Hintergrund haben.

Bolsonaro zu Frauen und Frauenrechten

Immer wieder schockierte Jair Bolsonaro mit abwertenden, frauenfeindlichen Aussagen. Beispielsweise äußerte er sich gegenüber einer Abgeordneten, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, „weil sie sehr hässlich ist“. Ein anderes Mal sprach er über seine Tochter und sagte, er habe „geschwächelt“, weil er nach vier Söhnen ein Mädchen gezeugt hat. Außerdem vertrat er öffentlich die Meinung, eine Frau sei dazu da, Söhne zu gebären. Darüber hinaus ist Bolsonaro auch strikt gegen Abtreibungen. Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt.“

Homophobie und Rassismus

Während andere Politikerinnen und Politiker versuchen, die Bedürfnisse von diskriminierten Gruppen zu berücksichtigen, trägt Jair Bolsonaro seine Ablehnung gegenüber der LGBTQ+-Community und gegenüber afrobrasilianischen Menschen ganz offen zutage. Im Jahr 2011 antwortete Bolsonaro bei einer Fernsehshow auf die Frage, was er tun würde, wenn sich sein Sohn als homosexuell outete, „dass dies nicht geschehen würde, da seine Kinder eine gute Erziehung genossen hätten“. Kurz darauf wurde er gefragt, wie er reagieren würde, wenn sich einer seiner Söhne in eine afrobrasilianische Frau verliebte. Daraufhin antwortete er ebenfalls, „dass dies nicht geschehen würde, da seine Kinder gut erzogen worden seien“. Für diese Aussagen wurde Bolsonaro zu einer Geldstrafe von ca. 41.000 Euro verurteilt. Der brasilianischen Ausgabe des Playboy gegenüber betonte er im Juni 2011, es sei ihm lieber, wenn sein Kind bei einem Unfall stürbe, als wenn es homosexuell wäre.

Militärherrschaft und Waffenrechte

Im Jahr 1993, acht Jahre nach dem Ende der Militärherrschaft in Brasilien sagte Bolsonaro, dass eine erneute Militärherrschaft zu einem nachhaltigeren und wohlhabenderen Brasilien führen würde. Die Militärherrschaft sei seiner Meinung nach eine „glorreiche Epoche“ gewesen. Ein zentrales Versprechen von Bolsonaro während seines ersten Wahlkampfes war, dass jeder Brasilianer eine Waffe tragen dürfen solle, um sich zu verteidigen. 2019 wurden die brasilianischen Waffengesetze daraufhin liberalisiert mit der Folge, dass im Jahr darauf die Anzahl der Waffenverkäufe und die Zahl der Toten durch Waffengewalt im Vergleich mit dem Vorjahr stark anstiegen.

Regenwald, Klimawandel und die indigene Bevölkerung

Jair Bolsonaro glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Den brasilianischen Regenwald sieht er vor allem als wirtschaftliches Nutzgebiet. Brasiliens weltweit anerkanntes Weltraumforschungsinstitut INPE überwacht die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes. Demnach ist die jährlich abgeholzte Fläche seit Bolsonaros Amtsübernahme wieder deutlich angestiegen, auf Werte von mehr als 10.000 km², 2021 sogar über 13.000 km². Anfang 2022 demonstrierten Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker Brasiliens gegen Bolsonaros Pläne, illegale Landnahmen nachträglich zu legalisieren, die Ausweisung neuer indigener Territorien zu stoppen und Bergbau in Schutzgebieten zu ermöglichen.

Das Corona-Virus und Bolsonaros COVID-19-Politik

Bolsonaro bezeichnete die Corona-Pandemie als eine Verschwörung. Er verbreitete die Theorie, das Virus sei von fremden Staaten freigesetzt worden, um die Weltwirtschaft zu schwächen und verfolge das Ziel, ihm und Donald Trump zu schaden. Weltweite Maßnahmen zur Eindämmung seien „Extremismus“, das Virus eine „Hysterie“, „Fantasie“ und „kleine Grippe“. Am 7. Juli 2020 gab Bolsonaro bekannt, er sei positiv auf COVID-19 getestet worden. Seine Erkrankung änderte seinen leichtfertigen Umgang mit der Pandemie allerdings nicht – genau so wenig wie die hohe Zahl an Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Brasilien.

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