Nach Monaten von Skandalen und Lügen musste der britische Premierminister Boris Johnson im Juli 2022 seinen Rücktritt verkünden. Er hatte keine Wahl mehr – und ab Herbst wird es in Großbritannien einen neuen Premier geben. Eine der Bewerberinnen ist Liz Truss, die bisherige Außenministerin.
Während sie und ihr Konkurrent Rishi Sunak im Sommer um Stimmen werben werden, fragen sich viele in Deutschland: Wer ist Liz Truss? Hat sie Kinder? Wie war ihre bisherige Laufbahn? Hier sind alle wichtigen Fakten.

Kinder, Ehemann, Beruf: Das ist Liz Truss im Steckbrief

  • Name: Mary Elizabeth Truss
  • Geburtstag: 26. Juli 1975
  • Alter: 47
  • Geburtsort: Oxford, Großbritannien
  • Wohnort: London, Großbitannien
  • Eltern: Mutter Priscilla Mary Truss, war Krankenschwester, Vater John Kenneth, war Mathe-Professor
  • Geschwister: drei
  • Ehemann: Hugh O'Leary (seit 2000)
  • Kinder: zwei Töchter
  • Partei: Konservative Partei (Tories)
  • Beruf: Buchhalterin für Shell, später für Cable & Wireless; seit 2021 Außenministerin von Großbritannien

Liz Truss privat: Familie mit Ehemann und Kinder

Liz Truss ist die Tochter einer Krankenschwester und eines Mathematikprofessors. Sie kam 1975 in Oxford zur Welt, wuchs aber in Nordengland in Leeds auf. Sie hat drei Geschwister, über die sehr wenig bekannt ist. Ihre Eltern sind politisch links gerichtet, ihre Mutter war aktives Mitglied in der Campaign vor Nuclear Disarmament (Kampagne für atomare Abrüstung). Als Truss ihre politische Karriere in der Konservativen Partei begann, hat sie zwar Unterstützung von ihrer Mutter bekommen, nicht aber von ihrem Vater.
Liz Truss ist seit 2000 mit Hugh O‘Leary verheiratet. Sie haben zwei Töchter. 2006 wurde bekannt, dass Truss mit dem Politiker Mark Field eine Affäre hatte. Die Affäre führte zum Aus der Ehe von Field. O‘Leary und Truss sind aber weiterhin verheiratet – und das glücklich, wie Truss sagt.

Lebenslauf von Liz Truss: Ministerin und Brexit-Befürworterin

Die politische Karriere von Liz Truss begann in den frühen 2000er Jahren, als sie Kommunalpolitikerin in London war. 2010 wurde sie zum ersten Mal ins britische Parlament gewählt. Im Kabinett von David Cameron wurde sie 2014 Umwelt- und Landwirtschaftsministerin. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger erkannte sie den Klimawandel an und auch, dass er menschengemacht ist. In dieser Rolle ging eine Rede von ihr 2014 viral, als sie sich über den Import von Käse echauffierte.
2016 wurde Liz Truss im Kabinett von Theresa May zur Justizministerin ernannt. Damit war sie die erste Frau, die diese Rolle in Großbritannien bekam. Nach der Wahl 2017 wurde sie als Staatssekretärin Finanzministerium geschickt, war aber kein vollwertiges Kabinettsmitglied mehr. Im ersten Kabinett von Boris Johnson wurde Truss 2019 Staatssekretärin für internationalen Handel und später zusätzlich Frauenministerin. In ihrer Rolle als Staatssekretärin war sie eine Schlüsselfigur in den Verhandlungen von Handelsabkommen mit anderen Ländern nach dem Brexit. Außerdem hat sie das Verbot von Waffenlieferungen nach Saudi Arabien aufgehoben.
2021 wurde Truss von Boris Johnson zur neuen Außenministerin ernannt. Nach dem Rücktritt von Johnson erklärte sie ihre Absicht, um den Vorsitz der Partei zu kandidieren. Am 5. September 2022 werden die Mitglieder der Tories entscheiden, ob sie oder Rishi Sunak Premierminister werden.

Wahl des Premierministers in Großbritannien: Aktuelle Umfragen

In den Umfragen liegt aktuell (Anfang August) Liz Truss vor ihrem Konkurrenten Rishi Sunak. Nach Angaben von „Politico“ befürworten 56 Prozent der Tory-Parteimitglieder Truss, gegenüber nur 32 Prozent, die für Sunak sind. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sieht ein noch deutlicheren Vorsprung: Demnach bekäme Liz Truss 69 Prozent der Stimmen, Sunak nur 31 Prozent.

Rishi Sunak gegen Liz Truss: Politische Schlammschlacht

Der finale Zweikampf um die Nachfolge von Boris Johnson wird für die Konservative Partei zur Zerreißprobe. Im Duell zwischen Außenministerin Liz Truss und Ex-Finanzminister Rishi Sunak droht eine Schlammschlacht. „Nun werden die Waffen rausgeholt“, zitiert die Zeitung „Times“ einen Truss-Vertrauten. Die 46-Jährige werde Sunaks Finanzpolitik ins Visier nehmen. Die Gegenseite kontert: „Sie ist etwas sonderbar, und das wird sich zeigen.“ Dem politischen London steht ein schmutziger Sommer bevor.
Auf den ersten Blick haben die Tory-Parteimitglieder, die bis Anfang September die letzte Entscheidung fällen, die Wahl zwischen zwei Lagern. Die Außenministerin hat die Unterstützung des erzkonservativen Flügels sowie angeblich auch von Amtsinhaber Johnson - obwohl sie einst gegen den Brexit stimmte. Der Ex-Schatzkanzler, der stets den EU-Austritt unterstützte, gilt als deutlich liberaler. Doch der Graubereich ist groß, zumal beide Bewerber ähnliche Vorhaben ankündigen: Steuern runter, mögliche Brexit-Chancen nutzen, Grenzen dichtmachen.
Experten haben Truss als Favoritin ausgemacht, auch Umfragen legen dies nahe. „Vorteil Truss“, titelt die konservative Zeitung „Telegraph“. Begeisterung ist aber nicht zu spüren. Die Oxford-Absolventin ist vielen zu blass. Bei öffentlichen Auftritten, einer Stärke des Populisten Johnson, versprühe sie so viel Charme wie eine Raufasertapete, höhnen Kritiker.