Wie geht es weiter in der Corona-Pandemie in der Bundesrepublik? Klar ist, dass die Zahlen und -Nachrichten in Deutschland in den vergangenen Tagen alarmierend waren: neuer Rekord bei den Todesfällen innerhalb von 24 Stunden am Mittwoch; eine selten emotionale Ansprache von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Corona-Lage in Deutschland in der Generaldebatte zum Haushalt; das Infektionsgeschehen und die Lage in den Kliniken sind von Entspannung weit entfernt; die Sorge vor einem harten Lockdown in Deutschland. Es sind bloß vier Ausdrücke der aktuellen Lage in der Corona-Pandemie in Deutschland, in der es zurzeit keine Verschnaufspause gibt, stattdessen immer neue Rekordwerte - und das trotz der Verlängerung des Teil-Lockdowns.
Sachsen bleibt in Deutschland der Corona-Hotspot.Am Donnerstag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) für den Freistaat 310 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Das ist mit deutlichem Abstand der höchste Wert aller Bundesländer.
Einer der Gründe, weshalb viele Politiker und Experten auf ein baldiges Treffen und schärfere Maßnahmen drängen: Im Zuge des seit Anfang November geltenden Maßnahmen stagnierten die Fallzahlen zunächst. Seit dem 4. Dezember sei aber erneut ein leichter Anstieg der Fallzahlen zu beobachten, hieß es im Lagebericht des RKI vom Dienstagabend. Dass die Zahl täglicher Todesfälle nach oben geht, war nach dem zeitweise steilen Anstieg bei den Neuinfektionen erwartet worden.
Auch in den nächsten Wochen sei mit weiter steigenden Totenzahlen zu rechnen, hieß es am Mittwoch von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). „Der Peak wird wahrscheinlich erst im Januar erreicht und dann auf einer stetigen Zahl verweilen.“
Würden die Corona-Fallzahlen in Deutschland ab sofort sinken, würde die Welle der Intensivpatienten nach Divi-Angaben noch etwa zwei bis drei Wochen nachrollen. Ähnlich lang sei die Liegedauer. Somit wäre mit sinkenden Todeszahlen erst etwa vier bis sechs Wochen nach einer solchen Trendumkehr zu rechnen.
Wie hoch also sind die Corona-Zahlen in Deutschland heute, am Donnerstag, 10.12.2020?

Corona Zahlen in Deutschland heute - Die aktuellen Fallzahlen vom Donnerstag, 10.12.2020

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst täglich die aktuelle Corona-Lage für Deutschland, bewertet nach eigenen Angaben auf der Homepage „alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein“. Zudem stellt das RKI Empfehlungen für die Fach­öffentlich­keit zur Verfügung wie Fallzahlen und Informationen zu allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen, Diagnostik und Teststrategie und Prävention in Gesundheitseinrichtungen.
  • Neuinfektionen: Laut RKI-Angaben haben sich deutschlandweit mindestens 23.679 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am Mittwoch hatte es  20.815 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gegeben. Am Donnerstag der vergangenen Woche, dem 3.12.20, waren knapp über 20.000 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet worden. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es heute 23.867 Neuinfektionen. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Bestätigte Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen: Wie „Zeit Online“ berichtet, registrierten die Ämter 3940 neue Fälle in den letzten sieben Tagen.
  • Infizierte: Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie in Deutschland beträgt laut jüngsten Werten des RKI 1.242.203 Fälle.
  • Tote: Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, liegt bei 20.372 Das sind 440 Tote mehr als am Vortag. Am Mittwoch erreichten die Zahl der neuen Todesfälle mit 590 einen neuen Höchstwert. Der bisherige mit 487 Tote binnen eines Tages wurde am 2. Dezember gemeldet.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 922.100.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde heute mit 0,99 angeben. nicht vom RKI bekanntgegeben (Vortrag: 1,02). Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Corona in den Bundesländern: Aktuelle Infektionszahlen im Dashboard

Wie viele Infizierte gibt es heute in den einzelnen Bundesländern? Das Dashboard des RKI weist auf seiner interaktiven Karte auch die Corona-Zahlen für einzelne Bundesländer aus. Die Angaben werden täglich um 0 Uhr aktualisiert.

Lockdown ab Klasse 8: Fernunterricht in Extrem-Hotspots

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat am Donnerstag neue, einschneidende Corona-Regeln an Schulen in Regionen mit ausufernden Corona-Infektionszahlen bekannt gegeben: Spätestens vom kommenden Montag, 14.12.2020 an sollen in Regionen mit mehr als 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen (7-Tage-Inzidenz) alle allgemein bildenden und beruflichen Schulen ab Klassenstufe 8 vollständig in den Fernunterricht übergehen. Ausgenommen sind nur Abschlussklassen.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland, die Bundesländer und die Landkreise.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland, die Bundesländer und die Landkreise.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Inzidenz und Neuinfektionen - Die Kennzahlen der Corona-Pandemie erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 23.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit liegt sie inzwischen bei 139.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.

Kinderärzte gegen verlängerte Schulferien zur Pandemiebekämpfung

In der Debatte um das weitere Vorgehen zur Eindämmung des Coronavirus haben sich Kinderärzte gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien ausgesprochen. Geschlossene Schulen, Kindergärten und Kitas sollten „nur als allerletzte Maßnahme im Rahmen eines allgemeinen Lockdowns“ erwogen werden, teilten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie am Mittwoch mit.
Man sei „dezidiert gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien auf (un)bestimmte Zeit in den Januar hinein“, heißt es in der Stellungnahme, die vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt wird. Bisherige Daten aus Deutschland gäben keinen Anlass, generelle Schulschließungen als „taugliches und angemessenes Mittel“ zur Pandemiebekämpfung anzusehen. Die belastenden Folgen selbst kurzfristiger Schulschließungen auf das Wohlbefinden und die Zukunftsperspektiven von Kindern würden in der Debatte zu wenig berücksichtigt.
Unter anderem die EU-Kommission hatte dazu geraten, eine Verlängerung der Schulferien oder des Online-Unterrichts nach den Feiertagen zu erwägen, um das Infektionsrisiko zu begrenzen. Die Politik in Deutschland hatte zuletzt - anders als im Frühjahr - das Ziel ausgegeben, Kitas und Schulen offen halten.