Die CDU-geführten Bundesländer haben sich am Mittwoch bereits für ein weiteres Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag, 13.12.2020, ausgesprochen. Bund und Länder wollen gemeinsam entscheiden, ob und wann es einen bundesweiten harten Lockdown geben wird. Die Landesregierung Baden-Württemberg geht derweil seinen eigenen Weg. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte am Freitag (11. Dezember) einen Lockdown nach Weihnachten an, sofern keine bundeseinheitliche Lösung gefunden werden könne. Wie genau der Lockdown aussehen soll, blieb zunächst offen.
Baden-Württemberg soll sich mit der Forderung den CDU-geführten Ländern angeschlossen haben, die traditionell als „B-Länder“ bezeichnet werden. Zu den A-Ländern gehören hingegen die SPD-regierten Länder und Thüringen. Diese sollen dem möglichen Termin am 13. Dezember - Stand Mittwoch - noch nicht zugestimmt haben, berichtet n-tv. Allerdings hatte Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke im Vorfeld bereits signalisiert, dass man sich einem Gipfel vor Weihnachten nicht verschließen werde.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch im Bundestag für schärfere Regeln nach den Feiertagen geworben. Sie forderte eine weitere Reduzierung der Kontakte und verwies auf die Lockdown-Vorschläge der Wissenschaftsakademie Leopoldina.

Dresden/Stuttgart

Am Mittwochabend und Donnerstagmorgen nun machen Bayern und Sachsen weiter Druck für bundesweit noch schärfere Auflagen, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Für dringend notwendig halten dies auch Ärztevertreter, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Möglicherweise beraten Bund und Länder noch einmal über ein gemeinsames Vorgehen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, dies könne wegen der Termine der Kanzlerin beim EU-Gipfel aber frühestens am Wochenende oder Anfang nächster Woche geschehen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte im ZDF-„heute journal“ auf die Frage, ob eine solche Runde am Sonntag zusammenkomme, es gebe viele Gespräche.
Söder sprach sich für einen „kompletten Lockdown“ von Weihnachten bis zum 10. Januar aus. „Einfach mal alles runterfahren von den Geschäften bis hin zu den Betriebsferien in vielen Unternehmen. Wenn alle mitmachen, wäre das super. Dann hätten wir knapp drei Wochen, in denen wir einfach Kontakte reduzieren können. Eine bessere Zeit als diese Zeit zwischen Weihnachten und 10. Januar wird man im ganzen Jahr nicht mehr finden“, sagte der CSU-Chef.

Leopoldina-Planspiel mit 6 Wochen Lockdown

„Merkel fleht“, so die Schlagzeile von „Bild Online“. Auch NRW-Ministerpräsident Laschet soll sich indes bereits für einen Lockdown zum Jahreswechsel ausgesprochen haben, während der Handelsverband HDE eine Verlegung der möglichen Ladenschließungen auf die zweite Januarwoche fordert. Im Papier der Leopoldina ist unterdessen viel vom „Beispiel Irland“ die Rede. Dort hatte der Lockdown jedoch nicht wenige Tage „zwischen den Jahren“ gedauert, sondern satte sechs Wochen. Für einen Lockdown in Deutschland wurde noch kein genauer Zeitrahmen publik. Mögliche Themen beim Gipfel mit Angela Merkel sind auch eine nationale Schnellteststrategie sowie ein besserer Schutz von Risikogruppen als Lockdown-Alternative. Zudem will die Gesundheitsbehörde FDA in den USA kurzfristig über eine Notzulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer entscheiden. Die EU könnte möglicherweise schnell folgen.

Corona Zahlen Deutschland

  • Nach RKI-Angaben haben sich am Mittwoch (9. Dezember) in den letzten 24 Stunden 20.815 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am Dienstag hatte es 14.054 Neuinfektionen gegeben. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es am Mittwoch 18.630 Neuinfektionen. Die Zahlen von Zeit Online sind genauer als die des RKI.
  • Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, lag laut RKI in den letzten 24 Stunden bei 590 (Stand: 9. Dezember). Auf die Einwohnerzahl bezogen ist das deutlich weniger als in den Nachbarländern Österreich und Schweiz. Die Lage auf den Intensivstationen in Deutschland galt bislang als stabil und unter Kontrolle.