Kein Bundesland hat so viele Corona-Hotspots wie Bayern. Mit Passau hat nun eine weitere Stadt den für den Freistaat geltenden Frühwarnwert gerissen. Die neuen Fälle sollen in Zusammenhang mit einer Panne in einem Krankenhaus stehen.

Corona in Passau: 7-Tage-Inzidenz steigt über Grenzwert

Die Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten Tagen in Passau stark gestiegen. Am Mittwoch überschritt die Stadt den in Bayern geltenden Frühwarnwert von 35 Infektionen pro 100.000 Einwohner über die letzten sieben Tage. Die 7-Tages-Inzidenz erreichte laut einer Mitteilung der Stadt Passau einen Wert von 38,12. Oberbürgermeister Jürgen Dupper hat aufgrund dieser Entwicklungen für morgen die Koordinierungsgruppe Corona-Pandemie einberufen.

Steigende Zahlen in Passau: Corona-Ausbruch nach Krankenhauspanne

Mehr als 30 Corona-Fälle in der Stadt stehen möglicherweise im Zusammenhang mit einer Hochzeit nach einer Panne im Krankenhaus Vilshofen. „Aus der Hochzeitsgesellschaft direkt haben sich bisher rund 25 Infektionsfälle bestätigt“, teilte ein Sprecher des Landratsamts Passau am Donnerstag auf Anfrage mit. Zudem seien acht Personen positiv getestet worden, die im Kontakt mit Hochzeitsgästen gestanden hätten. Zwei Personen sind in stationärer Behandlung. Zuvor hatte es eine Testpanne im Krankenhaus Vilshofen gegeben, bei der zwei Personen mit Symptomen zunächst nicht getestet und isoliert wurden, wie das Krankenhaus bestätigte.

Corona-Fälle in Passau: Haben sich die Infizierten auf einer Hochzeit angesteckt?

Mehrere Medien berichten über einen familiären Zusammenhang zwischen einer Patientin und der Hochzeit. Vom Landratsamt heißt es dazu: Ein Kausalzusammenhang werde sich nie zweifelsfrei feststellen lassen. Vermutungen dazu müssten daher Spekulation bleiben. Die Familie der Braut stellt diesen Zusammenhang allerdings her: Ihr Vater sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Hätten wir das Ergebnis vorher gehabt, hätten wir die Hochzeit natürlich abgeblasen.“ Das Landratsamt äußerte sich dazu zunächst nicht.

Corona-Regeln in Passau: Diese Einschränkungen diskutiert die Stadt

Um die Infektion einzudämmen, will die Stadt Passau eine neue Allgemein Verfügung mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschließen. Folgende Punkte werden nach einer Mitteilung der Stadt diskutiert:
  • Reiserückkehrer im Sinne der Einreisequarantäneverordnung müssen einen Corona-Test am 05. bis 07. Tag nach der Einreise durchführen lassen, um erst dann bei einem negativen Ergebnis eine vorzeitige Aufhebung der Quarantäne zu erreichen.
  • Im öffentlichen Raum werden Kontakte auf maximal fünf Personen beschränkt. Diese Regelung soll auch für die Gastronomie gelten.
  • In allen Schulen im Stadtgebiet Passau, auch in Grundschulen und Grundschulstufen der Förderzentren soll eine Maskenpflicht im Unterricht gelten
  • Dies gilt ebenso bei Lehrveranstaltungen der Universität Passau.
  • Für Veranstaltungen wird die Teilnehmerzahl auf maximal 50 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 100 Personen unter freiem Himmel beschränkt.

Corona-Regeln in Bayern: Diese Einschränkungen beschließen die Städte

Erreicht eine Stadt in Bayern den Grenzwert können neue Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen werden. Welche ist jedoch von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Die Regeln werden in Absprache mit den Gesundheitsbehörden angepasst:
  • In Rosenheim und Landshut gelten Kontaktbeschränkungen. Es dürfen sich nur Gruppen bis fünf statt zehn Personen in der Öffentlichkeit oder in Gaststätten treffen.
  • In Landshut gilt zudem eine Maskenpflicht im Unterricht auch für Schüler der Grundschule.
  • In Rosenheim sollen die bereits am 25. August in Kraft getretenen Beschränkungen. Dort sind Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen begrenzt worden.
  • Memmingen will keine neuen Regeln einführen, weil es sich bei den neuen Fälle fast ausschließlich um Reiserückkehrer handle.
  • Würzburg hat den Konsum von Alkohol auf der alten Mainbrücke an Wochenenden eingeschränkt. Zudem gilt eine schärfere Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen. Am Montag hat die Stadt zudem die Kontaktbeschränkungen weiter verschärft.

Diese Städte in Bayern sprengen den Grenzwert:

In Bayern gibt es besonders viele Städte und Kreise mit einer hohen Zahl an Neuinfektionen. Diese Städte und Kreise sprengen die Grenzwerte:
  • Auch der Kreis Würzburg liegt mit 37,1 mittlerweile über dem Grenzwert für Bayern.
  • Die Stadt Kaufbeuren ist mit einer 7-Tage-Inzidenz von 52,4 ebenfalls stark betroffen.
  • Die Stadt Passau hat am Mittwoch den Frühwarnwert ebenfalls überschritten. Dort lag die 7-Tage-inzidenz bei 36,2. Die Stadt diskutiert Maßnahmen.
  • Die Stadt München ist mit 47,6 wieder weit über dem für Bayern geltenden Frühwarnwert von 35 gerutscht.
  • Memmingen, Landshut, Ingolstadt und Straubing lagen am Donnerstag unter allen Grenzwerten. Dort lagen die Zahlen in der vergangenen Woche jenseits der Grenzwerte.
Bayern ist das Bundesland mit den meisten Hotspots.
Bayern ist das Bundesland mit den meisten Hotspots.
© Foto: Screenshot RKI-Dashboard.

So sehen die RKI-Zahlen für ganz Bayern aus

Laut Angaben des RKI steigen die Infektionszahlen in ganz Bayern an. Mit 63.632 hat der Freistaat im Vergleich zu anderen Bundesländern die die meisten nachgewiesenen Fälle
  • Zahl der Infizierten: 63.632
  • Zahl der Neuinfektionen: 823
  • Zahl der Toten: 2647
  • Fälle pro 100.000 Einwohner: 486,6

Corona in Bayern: Markus Söder warnt - neuer Lockdown möglich?

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder hat sich auf Twitter zur Lage der Corona-Pandemie in Bayern geäußert. Dabei deutete er die Möglichkeit eines neuen Lockdowns an. „Unser Ziel: Einen zweiten Lockdown zu verhindern," so Söder. Überall, wo gelockert würde, würden die Zahlen explodieren.