• Bayern hat erste Lockerungen des Lockdowns beschlossen, die ab dem 1. März gelten sollen und unter anderem Friseure, Floristen und Fahrschulen betreffen.
  • Was gilt bei Inzidenzwert, Kosmetikstudios, Ausgangssperre, Treffen und Baumarkt in Bayern?
Lange galt der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht nur als zurückhaltend bei Lockerungen der Corona-Regeln, sondern als Verfechter strikter Verordnungen. Doch das Bild hat sich in den vergangenen Wochen deutlich gedreht: Als Söder nach der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz mit seinem Kabinett in Bayern entschied, die Grundschüler schon vom 22. Februar an in Regionen mit einer Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche wieder in den Wechselunterricht zu holen und dort auch die Kitas wieder zu öffnen, rieben sich viele Menschen auch im übrigen Deutschland ungläubig die Augen. Merkel hatte sich für Schul- und Kitaöffnungen erst ab 1. März eingesetzt.
Und damit nicht genug: Erst verkündete Söder die Öffnung von Blumenläden, Gärtnereien und Gartenmärkten von diesem Montag (1. März) an. Und am Tag darauf beschloss das Kabinett plötzlich, zum Ärger des Nachbarn Baden-Württemberg, auch die Öffnung von Baumärkten. Söder plötzlich mit als Vorreiter bei Öffnungen - das ist neu. Ab Montag, 1. März, wird es also Öffnungen in zahlreichen Bereichen geben. Eine Übersicht zu:
  • Den neuen Regeln allgemein

Nächster Corona-Gipfel März 2021: Diese Lockerungen könnten kommen

Die Hoffnung auf weitere Lockerungen ist vor dem nächsten Corona-Gipfel hoch. Das wird vor dem nächsten Corona-Gipfel diskutiert:
  • Lockdown Verlängerung,
  • Lockerungen in

Ab 1. März neue Corona Regeln in Bayern

Ab Montag 1. März sollen zahlreiche Geschäfte in Bayern öffnen dürfen. Trotz der Lockerungen in manchen Bereichen in seinem Bundesland mahnt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor den Bund-Länder-Beratungen dennoch zur Vorsicht bei möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen. „Wir wollen schrittweise öffnen, aber mit Vernunft und Vorsicht. Wir dürfen angesichts der Mutation keinen Blindflug starten“, sagte Söder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). „Die Politik darf jetzt nicht die Nerven verlieren. Öffnen ja, aber klug und umsichtig“, betonte der CSU-Chef.
Kernelemente eines neuen Konzepts, das Bund und Länder am Mittwoch diskutieren, dürften weiterhin die Inzidenzstufen 35, 50 und 100 bleiben. Je nach Infektionslage wären dann etwa unter 35 regional mehr Öffnungen für Geschäfte, mehr Kontakte und mehr Schulunterricht möglich, bei schlechteren Werten aber auch Verschärfungen festgeschrieben. Im Grunde wäre das also wieder eine Corona-Ampel, wie es sie so ähnlich schon im vergangenen Jahr gab.
Letztlich warnt Söder weiter vor überstürzter Hektik, unüberlegten Experimenten und dem Ende der bundeseinheitlichen Philosophie. Dazu passend will er am Montag mit seinem sächsischen Kollegen Michael Kretschmer (CDU) einen Zehn-Punkte-Plan für eine Covid-19-Allianz beider Länder präsentieren. Söder hatte eine engere Kooperation zuletzt schon angekündigt, etwa was Test- und Quarantänekonzepte angeht - Ziel sei insgesamt ein möglichst einheitliches Vorgehen.
Bayern und Sachsen sind durch ihre Grenzen zu Tschechien derzeit besonders herausgefordert: Landkreise in Grenznähe zählen seit einiger Zeit zu den auffälligsten Corona-Hotspots in Deutschland. Deshalb laufen inzwischen auch verschärfte Kontrollen an den Grenzen zum Nachbarland Tschechien. Klarheit gibt es aber erst am Mittwoch.

Welche Baumärkte haben geöffnet?

In Bayern dürfen alle Baumärkte wieder öffnen. Nicht zuletzt wegen des frühlingshaften Wetters erwartet der Handelsverband Bayern am Montag und die kommende Woche viele Kunden zur Öffnung der Bau- und Gartenmärkte. Auch auf Shoppingtourismus aus Baden-Württemberg sind die Geschäfte vorbereitet. Denn dort haben die Baumärkte noch nicht geöffnet.

Baumschulen in Bayern: Diese Regeln gelten

Baumschulen sind eine Untergruppierung des Gartenbaus - weshalb auch diese erwerbsmäßig bewirtschaftete Anbauflächen öffnen dürfen. Die Baumschulen in Bayern wollen ein deutlich höheren Vorsorge- und Hygienestandard erreichen als es beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel oder auf Wochenmärkten besteht. Der Verkauf und die Beratung sollen ausschließlich im Freien stattfinden. Der Mindestabstand wurde auf zwei Meter erweitert.
Der Bund deutscher Baumschulen, Landesverband Bayern und der Erzeugerring für Hochbaumschulpflanzen Bayern e.V. arbeitete mit Mitgliedsbetrieben an einem optimierten Hygienekonzept, dass das Risiko, sich unter freiem Himmel mit Corona zu infizieren, auf ein Minimum reduzieren oder sogar ausschließen soll. Ziel sei es unter anderem, die Eigenversorgung der Bevölkerung mit Obstgehölzen, Gemüsepflanzen und Sämereien zu ermöglichen.

Blumen, Pflanzen: Das sagt die Verordnung für Floristen und Blumengeschäfte

Stiefmütterchen, Primeln, Hornveilchen und andere Frühlingspflanzen stehen bereit - in manchen Gewächshäusern sogar bis zu Hunderttausenden. Denn die sogenannten Frühlingsblüher sprießen Anfang März. Zahlreiche Blumen mussten mit dem Lockdown im vergangenen Jahr vernichtet werden. Da man sich nicht sicher war, wann wieder geöffnet werden darf, wurde in manchen Gewächshäusern das Wachstum der Pflanzen künstlich verzögert.
Um auf die fehlenden Umsätze und unsichere Perspektive aufmerksam zu machen, zog eine Floristin aus Unterfranken auf Facebook blank. Die Aktion „#ihrmachtunsnackt“ ist eigentlich von Tätowierern initiiert worden - um auf die stockende Auszahlung der Corona-Hilfe aufmerksam zu machen. Durch die Schließungen bangten aber auch Floristen buchstäblich um das letzte Hemd.

Öffnung Kosmetikstudios Bayern: Ab wann dürfen Nagelstudios wieder öffnen?

Anders als in anderen Bundesländern wie etwa dem Nachbarbundesland Baden-Württemberg dürfen ab Montag, 1.März, Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen in Bayern ebenfalls ihre Arbeit wieder aufnehmen. Das gilt für Kosmetikstudios, Nagelstudios und die Fußpflege.

Wann haben Friseure wieder auf?

Aber nicht nur über eine gute Maniküre, Pediküre oder Gesichtspflege können sich die Bayern ab 1. März wieder freuen. Auch der Corona-Frisur geht es an den Kragen. Denn die Friseursalons dürfen ebenfalls öffnen.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Die Scheren liegen bereit und die Salons sind geputzt. Denn ab Montag können Friseure in Bayern wieder öffnen.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Die Scheren liegen bereit und die Salons sind geputzt. Denn ab Montag können Friseure in Bayern wieder öffnen.
© Foto: Kira Hofmann/DPA

Ausgangssperre Bayern Regeln: Hier gilt eine nächtliche Ausgangsbeschränkung

Doch es gibt nicht nur Lockerungen der Regeln. Einige haben noch Bestand. So gilt in den bayrischen Corona-Hotpots weiter eine nächtliche Ausgangssperre. Überschreitet der Inzidenzwert in einem Kreis an nur einem Tag dern Wert 100, darf man das Haus zwischen 22 und 5 Uhr nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Das sind:
  • Medizinische Behandlungen
  • Arbeit
  • Wahrnehmung des Sorge- und Umgangsrechts
  • Betreuung von Pflegebedürftigen oder Minderjährigen
  • Begleitung Sterbender
  • Versorgung von Tieren (z.B. auch Gassi gehen)
  • ähnliche gewichtige Gründe

Kontakte: Wie viele Personen dürfen sich treffen Bayern?

Auch die Kontaktbeschränkungen gelten in Bayern weiter. Man darf also nur die Mitglieder des eigenen Haushalts und maximal eine andere Person treffen. Für die Kinderbetreuung gelten Ausnahmen.

Lockerung der Kontaktbeschränkungen nach dem nächsten Corona-Gipfel?

Ministerpräsident Markus Söder stellte nach der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche erneut merkliche Lockerungen des Lockdowns in den Regionen in Aussicht, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 35 liegt. Dort müsse es «deutliche Erleichterungen geben», etwa eine Lockerung der Kontaktregeln mit einer Ausdehnung auf zwei Haushalte oder fünf Personen.

Wann öffnen die Schulen?

„Nummer eins aller Überlegungen“ sei bei Lockerungen immer die Schule so Söder: Bei niedrigen Inzidenzen könne man etwa an den Grundschulen vom Wechsel- in den Präsenzunterricht übergehen. Zudem könne es dann in weiteren Klassenstufen Wechselunterricht geben, beginnend etwa mit Klasse elf und weiteren Vor-Abschlussklassen.

Aktuelle Corona-Regeln Bayern: Das gilt laut Corona-Verordnung im Freistaat

  • Ausgangssperre: Die nächtliche Ausgangsperre gilt nur noch für Kreise mit einer Inzidenz über 100. Auch dort wird sie verkürzt auf 22 bis 5 Uhr (statt wie bisher 21 bis 5 Uhr). Wo die Inzidenz seit sieben Tagen unter 100 liegt, gibt es keine nächtliche Ausgangssperre mehr.
  • Treffen: Es sind nur Treffen mit Mitgliedern des eigenen Haushalts bzw. einer Person aus einem fremden Haushalt erlaubt (Ausnahmen gelten für die Kinderbetreuung)
  • Maskenpflicht: In Geschäften, beim Arzt und im ÖPNV gilt Pflicht zur FFP2-Maske. Das gilt nicht für Kinder bis 14 Jahre.
  • Schulen und Kitas: Schulen und Kitas bleiben noch eine Woche geschlossen. Ab dem 22. Februar dürfen Grundschulen im Wechsel Präsenzunterricht anbieten. Das gilt auch für Abschlussklassen. Auch Kitas sollen wieder öffnen.
  • Gastronomie: Restaurants, Bars und Kneipen sind geschlossen, dürfen allerdings einen Abhol- oder Lieferservice anbieten.
  • Einzelhandel: Geschäfte sind mit Ausnahme von Läden des täglichen Bedarfs geschlossen. Click & Collect ist aber möglich und ab 1. März dürfen bestimmte Geschäfte wieder öffnen.
  • Veranstaltungen: Veranstaltungen alles Art sind untersagt. Das gilt nicht für Gottesdienste.
Die bayrische Landesregierung hat auf ihrer Seite ein FAQ zu den Corona-Regeln verfasst. Hier werden Nachfragen und Konkretisierungen zu den Regeln erklärt.

Weitere Öffnungen in Bayern erst ab Inzidenzwert 35

Zentrales Steuerungsinstrument sollten aus Sicht Söders die Inzidenzzahlen sein. „Eine intelligente Öffnungsmatrix sollte sich an den Zahlen von 35 und 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen orientieren.“ Diese Werte stünden aus gutem Grund fest. Öffnungen müssten dann nach Daten und nicht nach einem Datum erfolgen und für alle nachvollziehbar sein. „Eine generelle Öffnungshektik hilft niemandem“, warnte der Regierungschef.

Lockerung der Corona-Regeln in Bayern: Söder unter Druck

Zuletzt war der interne Druck auf Söder gestiegen, und das nicht nur von seinem heimischen Koalitionspartner, den Freien Wählern. Auch CSU-intern, etwa im Parteivorstand und in der Landtagsfraktion, mehren sich beständig die Stimmen, die sukzessive weitere Lockerungen fordern. Auch Landräte und Oberbürgermeister mit niedrigen Sieben-Tage-Inzidenzen verlangen dringend Öffnungen. Der Augsburger Landrat (und CSU-Vize!) Martin Sailer drohte zuletzt sogar damit, gegen die Corona-Regeln der Staatsregierung zu klagen.
Knickt Söder also vor dem wachsenden internen Druck ein? Tatsächlich findet, wer seinen Kurs im Corona-Frühling 2021 genau betrachtet, auch ein anderes Bild: Im Gegensatz zu anderen Ländern setzt Bayern weiterhin in Hotspots ab einer Inzidenz von 100 auf strenge Maßnahmen wie nächtliche Ausgangsbeschränkungen - gerne auch Ausgangssperren genannt. Alle bayerischen Schüler sind angehalten, medizinische Masken auch im Unterricht zu tragen. Bayernweit gilt in Geschäften wie im ÖPNV eine FFP2-Maskenpflicht und an den Grenzen nach Tirol und Tschechien gibt es Kontrollen samt Testpflicht bei Einreisenden.
In Bayern dürften damit weiterhin die mit strengsten Corona-Auflagen in Deutschland gelten.

Corona Regeln Baden-Württemberg

Welche Regeln gelten laut Corona-Verordnung aktuell in Baden-Württemberg? Alle Infos zu Schule, Kita, Friseuren, Wahlen, Ausgangsbeschränkungen und Co.