Im Corona-Hotspot Stuttgart gilt die Maskenpflicht jetzt auch für Kinder ab 6 Jahren, und Markus Söder fordert vor dem Gipfel im Kanzleramt eine Verschärfung in ganz Deutschland. Wie weit geht die allgemeine Maskenpflicht, über die am Mittwoch Entscheidungen im Kanzleramt fallen sollten? Klar wurde relativ rasch, dass die Inzidenz von 35 oder 50 bei Corona weiter eine wichtige Rolle spielen soll.
Setzen sich die Hardliner durch, könnte sie so ausfallen wie in Frankreich, Spanien oder Italien (anders nur in Südtirol), wo die Maske sogar dann getragen werden muss, wenn man weit und breit niemandem begegnet – etwa beim Spazieren in freier Natur. Ausnahmen gelten lediglich beim Sport, am Strand, für kleine Kinder oder teilweise im Unterricht auch für größere. Beim Corona-Gipfel im Kanzleramt war laut einer Beschlussvorlage offenbar die Rede von einer Inzidenz von 35 Neuinfektionen, bei der die Länder die Maskenpflicht verschärfen sollen. Außerdem galten Beherbergungsverbote auf Geschäftsreisen als Zankapfel.

Maskenpflicht: Ende oder Lockerung nicht absehbar

Je nach Ort in Europa muss man die Maske auch vor und nach dem Essen am Tisch in der Gastronomie tragen. Beim Warten auf den Apéritif wäre die Maske dann ebenso Pflicht wie nach dem letzten Schluck des Feierabendbiers. Irgendwo stoßen die strikten Regeln dann aber möglicherweise an Grenzen, weil die Leute nicht mehr mitspielen. So geschehen teilweise in Südeuropa oder der Türkei, wo die Maske trotz horrender Strafen oftmals nur noch leger am Kinn getragen wird.
Urteil Beherbergungsverbot Baden-Württemberg Aus für Beherbergungsverbot in mehreren Bundesländern

Berlin

Den explosionsartigen Anstieg der Corona-Zahlen in Frankreich oder Italien konnte das vermeintliche „Wundermittel“ Maskenpflicht jedenfalls nicht verhindern. In Deutschland ist hingegen zu beobachten, dass im Supermarkt gar nicht mehr auf den Abstand geachtet wird, weil die Maske eine falsche Sicherheit gibt. Laut Medizinern können die beiden Faktoren aber nur im Zusammenspiel richtig funktionieren.
Markus Söder Corona-Gipfel Kanzleramt Söder sieht „Maske als Instrument der Freiheit“

München

Abgestufte Maskenpflicht in der Schule

Denkbar ist auch eine abgestufte Maskenpflicht in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation und von den aktuellen Infektionszahlen. So gilt die Maskenpflicht in Stuttgart nur in der belebten Innenstadt, nicht aber in Vororten und Nachbarkreisen. Andernorts in Europa gilt die Maskenpflicht nur in Menschenmengen oder wenn ein Abstand von ein bis zwei Metern nicht möglich ist. Schüler in der Landeshauptstadt müssen jetzt auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen, die Grundschulen bleiben davon aber ausgenommen. Klar war am Mittwochvormittag bereits, dass eine Maskenpflicht auch in der Ludwigsburger Innenstadt gelten soll.

„Historische Corona-Beschlüsse“ oder föderaler Flickenteppich?

Ob überregional einheitliche Regeln kommen werden oder ob sich wie beim Beherbergungsverbot ein Flickenteppich ergibt, gehört zu den großen Fragen des Föderalismus in der Corona-Pandemie. Kanzleramtschef Helge Braun hatte vor dem Gipfel der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel indes wichtige Entscheidungen angekündigt und sogar das Wort „historisch“ in den Mund genommen. Klar ist derweil, dass das Thema eigentlich allein Ländersache ist, und eine Umsetzung allein schon deswegen mehrere Tage Vorlauf braucht. Auch in Österreich und Holland ist die Verschärfung der Maskenpflicht aktuell das große Thema.

Maskenpflicht im Büro in Berlin und im Bordell in Baden-Württemberg

Epidemiologen sehen den wichtigsten Übertragungsweg für das Coronavirus eigentlich vor allem in privaten Feiern sowie im längeren Aufenthalt in geschlossenen Räumen. Dort wird neben dem Lüften auch eine Maske von Experten durchaus für sinnvoll erachtet. Berlin hatte bereits vor einigen Wochen eine Maskenpflicht in Büroräumen beschlossen. Sie gilt aber nicht am eigenen Schreibtisch, wenn immer genug Abstand zu den Kollegen gehalten werden kann.

250 Euro Bußgeld gilt in Bayern schon für Verstöße gegen die Maskenpflicht

Kurioserweise gilt die Maskenpflicht in Baden-Württemberg auch in den Bordellen, die nach einem Gerichtsbeschluss seit Kurzem wieder öffnen dürfen. Zudem sei ein „Abstand von 1,5 Metern“ zu halten, verlangt das Land allen Ernstes in seiner Corona-Verordnung. Zuwiderhandlungen gegen die Maskenpflicht sollen nach dem Willen von Markus Söder in Zukunft mit mindestens 250 Euro bestraft werden. Dieses Bußgeld galt in Bayern schon bisher, während es in anderen Bundesländern 50 Euro waren. „Mehr Maske, weniger Party und neue Zwangsquarantäne“, so das vorläufige Fazit beim Corona-Gipfel in Berlin. Auf eine Sperrstunde für die Gastronomie ab einer Inzidenz von 50 haben sich die Länder am frühen Mittwochabend geeinigt. Sie soll ab 23 Uhr gelten und betrifft unter anderem auch Stuttgart und Esslingen.

Was das Wissenschaftsportal „Quarks“ zu Corona-Masken sagt:

  • Infektiöse Tröpfchen oder Aerosole verfliegen an der frischen Luft schnell. Nur wer ganz nah steht und von angehustet wird oder mit einem Infizierten redet, kann sich dort in der Regel anstecken.
  • In einem geschlossenen Raum ist, ist das Risiko einer Infektion wesentlich höher.
  • Auch ein einfacher Mundschutz schüzt die Mitmenschen von Infizierten, indem er beim Husten oder Sprechen einen Teil der infektiösen Virentröpfchen abhält.
  • Bezüglich Abstand immer so verhalten, als ob man gar keine Maske tragen würde.
  • Maske regelmäßig wechseln.
  • Berührungen im Gesicht und auch an der Maske vermeiden.
  • Weiterhin Abstand zu anderen Menschen halten.
  • Trotz Maske die Nies- und Hustenetikette einhalten (Armbeuge).