Von etwa 2300 Neuinfektionen in 24 Stunden hatten Medien am Samstag aus Österreich berichtet, bevor sich herausstellte, dass es sich um eine Zahlenpanne innerhalb der Regierung handelte. Wie es zunächst in Online-Medien hieß, sollen Daten von einem Mitglied der konservativen ÖVP in einer Tabelle falsch addiert und unter der Hand an Medienvertreter weiter gegeben worden sein. Darüber berichteten unter anderem „Kurier“ und „Standard“.
Am Ende wurde dann aber klar, dass „nur“ 1747 neue Corona-Fälle zu verzeichnen waren – auch das ein Rekordwert und ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Freitag, als die Zahlen noch knapp über 1500 lagen. Am Montag, 19. Oktober, wurden dann 1121 Neuinfektionen gemeldet, und am Dienstag, 20. Oktober, dann 1524. Einen neuen Höchststand gab es am Mittwoch, 21. Oktober, mit 1958 neuen Fällen in 24 Stunden.
Inzwischen wurde bekannt, dass offenbar ganz Österreich bis auf Kärnten vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wird. Allerdings war der Server des RKI im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit längere Zeit nicht erreichbar, und der aktuelle Stand der Risikogebiete konnte nicht eingesehen werden. Beim RKI gab es zudem Probleme mit der Telefonanlage, und das zuständige Ministerium von Jens Spahn wies Rückfragen in unfreundlichem Ton zurück. Pressemitteilungen zur Einstufung von neuen Risikogebieten oder Begründungen mit Hintergrundinformationen verschickt die Bundesregierung generell nie – aus welchen Gründen auch immer.

Wien

Feiern und private Treffen in Österreich auf 6 Personen begrenzt

Kanzler Sebastian Kurz hat nach einem Corona-Gipfel mit den Ländern neue Corona-Maßnahmen angekündigt. Beschlossen wurde unter anderem eine bundesweite Obergrenze von 6 Personen bei Treffen in Innenräumen (egal ob privat oder in der Gastronomie) sowie von 12 Personen in Outdoor-Bereichen. Außerdem haben die Bundesländer die Möglichkeit eine verschärfte Maskenpflicht, eine vorgezogene Sperrstunde und eine Gästergistrierung in der Gastronomie einzuführen, berichtet die Tageszeitung „Der Standard“. Darüber hinaus wird bei Events wie Fußballspielen die Zuschauerzahl weiter begrenzt. Die neuen Regeln treten am Freitag in Kraft.

Corona Regeln Österreich: Private Treffen eingeschränkt

Während Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) für eine moderate Verschärfung eingetreten war, wollte Kanzler Sebastian Kurz offenbar ein möglichst hartes Vorgehen erreichen. Gleichzeitig setzt ÖVP-Innenminister Karl Nehammer dabei auch stark auf die Polizei, und in der Bevölkerung sinkt laut Medienberichten die Kooperationsbereitschaft. In sozialen Netzwerken kursieren sogar Boykottaufrufe gegen die Abriegelung von Ortschaften wie Kuchl im stark von Corona betroffenen Tennengau im Salzburger Land. Im Frühjahr hatte Nehammer noch mit der Aussage von sich reden gemacht, Infektionsketten notfalls „mit der Flex“ durchtrennen zu wollen. Einen harten Lockdown gibt es unterdessen auch im unmittelbar an Österreich angrenzenden Landkreis Berchtesgadener Land.

„Corona-Zahlen in Österreich trotzdem nicht mit dem Frühjahr zu vergleichen“

Die Zahlen seien trotz allem nicht mit dem Frühjahr vergleichbar, weil mehr getestet werde, meinte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vor Kurzem. Er nannte die Situation dennoch „schwierig“. Bereits seit einiger Zeit laufen Spekulationen über einen „Lockdown light“ wegen steigender Corona-Zahlen in Österreich.

Hotelier aus Tirol fordert Lockdown im November

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) wollte einen zweiten Lockdown jedenfalls nicht ausschließen. „Ich habe keine Glaskugel. Israel hätte sich auch nicht gedacht, dass es dazu kommen wird“, so Schramböck kürzlich zur Tageszeitung „Kurier“. Der Tiroler Hotelier Christian Harisch macht unterdessen mit Forderungen nach einem Lockdown im Herbst von sich reden. "Opfern wir den November und retten die restliche Wintersaison", forderte der Immobilienunternehmer im ORF. Er bekam dafür sowohl Zustimmung als auch heftigen Widerspruch. Harisch gehören unter anderem die Hotels Schwarzer Adler, Weißes Rössl und Schloss Lebenberg in Kitzbühel.

Wollte Österreich weniger testen, um den Winter in Tirol und Vorarlberg zu retten?

Am Montag wurde laut Standard und Kurier im Übrigen auch ein internes Papier von Bundesrettungskommandant Gerry Foitik bekannt, das für Verwunderung sorgt. In dem „Policy Brief“ an das Bundeskanzleramt und das Gesundheitsministerium wird vorgeschlagen, einfach auf das Testen von Corona-Kontaktpersonen ersten Grades zu verzichten, diese jedoch trotzdem in Quarantäne zu schicken. Ziel wäre es gewesen, auf diese Art eine Aufhebung von Reisewarnungen anderer Länder zu erreichen. „Die Inzidenz sinkt dann sofort um 500 täglich (absolut – Zahlen der vergangenen Woche) bei gleichzeitigem leichten Sinken der Positivitätsrate“, zitiert der Standard aus dem Papier.
Corona Österreich Tirol Vorarlberg Wie lange bleibt Tirol noch Risikogebiet?

Innsbruck/Bregenz

Unabhängig davon gibt es in Deutschland inzwischen erste Lockerungen für Österreicher. So dürfen Vorarlberger und Tiroler seit dem Wochenende wieder in Baden-Württemberg einkaufen und sich 24 Stunden lang ohne Quarantäne im Ländle aufhalten. Sowohl Tirol als auch Vorarlberg werden von der deutschen Reisewarnung besonders hart getroffen.

Corona-Inzidenz über 50 in allen 9 Bundesländern in Österreich

  • Wien: 154
  • Tirol: 174
  • Vorarlberg: 178
  • Salzburg: 197
  • Burgenland: 81
  • Kärnten: 51
  • Niederösterreich: 88
  • Oberösterreich: 116
  • Steiermark: 72
  • Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner und Woche
  • Stand: 21. Oktober, 17.41 Uhr
    Quelle: AGES-Dashboard