• Die Corona-Zahlen in Deutschland sind trotz des zweiten Lockdowns noch immer sehr hoch
  • Insbesondere die hohen Fallzahlen bei den Toten geben Anlass zur Sorge - doch auch bei den Neuinfektionen gab es Ende des Jahres keinen klaren Rückgang
  • Droht Deutschland gar eine Dritte Welle, wie einige befürchten?
  • Am Dienstag, 5.1.21, wollen Bund und Länder beim nächsten Corona-Gipfel über eine Verlängerung des Lockdowns beraten
  • Wie hoch sind die Corona-Zahlen in Deutschland heute, am Sonntag, dem 3.1.21?
Steuert Deutschland auf eine Verlängerung des Lockdowns zu? Zuletzt hatte es klare Indikationen in diese Richtungen gegeben - egal ob Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) auf Bundesebene oder die Ministerpräsidenten Armin Laschet (NRW) und Michael Kretschmer (Sachsen, beide ebenfalls CDU) auf Länderebene, die Aussagen und Forderungen waren angesichts der unverändert hohen Corona-Zahlen in Deutschland die gleichen: Der Lockdown geht in die Verlängerung. Am kommenden Dienstag, dem 5.1.21, wollen Bund und Länder beim nächsten Corona-Gipfel darüber beraten.
Eine der Entscheidungsgrundlagen wird dabei wie immer ein Blick auf die Zahlen sein: Wie hoch sind die Neuinfektionen? Wie steht es um die Fallzahlen bei den Toten? Wie hoch ist die 7-Tage-Inzidenz?

Corona Zahlen Deutschland: Neuinfektionen, Todesfälle und Inzidenz laut RKI am Sonntag, 3.1.21

Nachdem über Weihnachten und den Jahreswechsel laut RKI unterschiedlich viel getestet und übermittelt worden war, stellt sich die Frage: Wie hoch sind die Corona-Zahlen in Deutschland heute, am Sonntag, 3.1.21? Und wie stehen sie im Vergleich zu den Fallzahlen vom Sonntag der Vorwoche, dem 27.12.20?
  • „Zeit Online“ berichtet, dass es heute 11.499 neue Infizierte gibt. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Infektionen der letzten sieben Tage: Nach Angaben von „Zeit Online“ haben sich in den letzten sieben Tagen 126.481 Menschen mit dem Virus angesteckt.
  • Infizierte: Insgesamt wurden, wie das RKI berichtet, seit Beginn der Pandemie in Deutschland 1.765.666 positive Fälle registriert.
  • Tote: Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt heute deutschlandweit 34.272 Personen. Das sind 312 Tote mehr als am Tag zuvor. „Zeit Online“ zufolge gab es 359 neue Todesfälle zu verzeichnen. Bei den Todesfällen war am Mittwoch, 30.12.20, ein neuer Höchststand mit 1129 Toten binnen eines Tages registriert worden.
  • Genesene: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI wieder 1.381.900 Menschen von der Erkrankung erholt.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde mit 0,95 (Vortag: 0,8) angeben. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI verweist in seinem Bericht am Samstag aber darauf hin, dass während der Feiertage Covid-Fälle nur verzögert angezeigt, erfasst und übermittelt werden, „so dass der R-Wert zudem ggf. unterschätzt wird“.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz ist weiter deutschlandweit sehr hoch. Der Wert beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen und liegt aktuell bei 139,6. Gestern war ein Wert von 141,2 gemeldet worden. Ihr bisheriger Höchststand war am Dienstag, 22.12., mit 197,6 erreicht worden.

Das sind die Corona-Zahlen weltweit laut Johns-Hopkins-Universität

Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, welche die Corona-Daten global erfasst, meldet am Sonntagmorgen (Stand 6 Uhr) weltweit
  • 84,6 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus bisher.
  • Gestorben sind demnach auf der Welt bisher beinahe 1,8 Millionen Menschen. Die drei am stärksten Betroffenen Länder sind:
  • USA: 20.427.782 Infizierte und 250.186 Tote
  • Indien: 10.323.965 Infizierte und 149.435 Tote
  • Brasilien: 7.716.405 Infizierte und 195.725 Toten
  • Deutschland folgt auf dem 10. Rang mit laut JHU 1.773.540 bisher Infizierten und 34.480 Toten

RKI Dashboard - Aktuelle Corona-Zahlen Bundesländer und Landkreise in Deutschland

In der Corona-Pandemie liefert das RKI in seinem Dashboard täglich die neuen Fallzahlen - für die gesamte Bundesrepublik, die Bundesländer, aber auch die darunter liegenden Kreise. Hier geht es zum RKI-Dashboard. 
Das Robert Koch-Institut ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage „das Public-Health-Institut für Deutschland“. Ziel sei es, die Bevöl­ke­rung in Deutschland vor Krank­heiten zu schützen und ihren Gesundheits­zu­stand zu verbessern. Daran arbeiten und forschen im RKI jeden Tag gemein­sam 1100 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland - zudem aufgeführt sind auch die Fallzahlen der Neuinfektionen und Toten für die Bundesländer sowie die darunter liegenden Landkreise.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland - zudem aufgeführt sind auch die Fallzahlen der Neuinfektionen und Toten für die Bundesländer sowie die darunter liegenden Landkreise.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Zahl der Corona-Todesfälle vor dem Corona-Gipfel am 5.1.21: Sorge vor einer dritten Welle

In Deutschland - genauer: in Sachsen -, aber auch in anderen Ländern Europas wie Italien steigt derweil die Sorge vor einer möglichen dritten Welle. In Sachsen äußerte Ministerpräsident Kretschmer seine Sorgen mit Blick auf die kommenden Wochen. Mit Blick auf den avisierten Corona-Gipfel am Dienstag, 5.1.21, von Bund und Ländern, sagte er, dass er angesichts anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen nicht von einer raschen Normalisierung der Lage ausgehe. „Es gibt noch keine Entwarnung. Es wird noch eine Weile dauern. Vor uns liegen die vielleicht härtesten Wochen dieser Corona-Pandemie. Am 11. Januar können wir nicht mit einer Normalisierung rechnen“, hatte er in seiner vorab veröffentlichten Neujahrsansprache gesagt.
Gesundheitsminister Jens Spahn stimmte ebenfalls darauf bereits ein und sagte am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“, bei der Eindämmung der Pandemie sei Deutschland „bei weitem noch nicht da, wo wir hin müssen“. Deshalb werde es nach dem 10. Januar „ohne Zweifel Maßnahmen geben“. In welchem Umfang, müssten Bund und Länder bei ihrer geplanten Konferenz am kommenden Dienstag entscheiden.
Der verschärfte Lockdown mit strengen Kontaktbeschränkungen, der Schließung der meisten Geschäfte, Schulen und Kitas sowie der schon länger geltenden Schließung von Restaurants, Theatern, Museen und anderen Freizeiteinrichtungen gilt zunächst bis zum 10. Januar. Am 5. Januar wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten beraten, wie es anschließend weiter geht.

Reproduktionszahl und Neuinfektionen - Erklärung der wichtigsten Kennzahlen der Corona-Pandemie

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.