„Es wäre kompliziert die größte Massenimpfkampagne aller Zeiten in einer laufenden dritten Welle zu initiieren“, sagte der von der Regierung bestellte Kommissar für den Corona-Notstand im Interview mit der Zeitung „La Repubblica“. Wenn Menschen nicht mobil sein können, wäre die Organisation der Impfungen Arcuri zufolge erschwert. Die zuletzt verschärften Corona-Beschränkungen der Regierung seien aber notwendig, erklärte er weiter. Die Ansteckungszahlen hätten sich zwar seit November sichtbar verlangsamt, aber der Kurvenverlauf sei noch nicht abgeflacht.
In Italien gelten weitere Beschränkungen für die Zeit zwischen Weihnachten und Anfang Januar.
In Italien gelten weitere Beschränkungen für die Zeit zwischen Weihnachten und Anfang Januar.
© Foto: Vincenzo Livieri / dpa

Lockdown mit strengen Ausgangs- und Reisebeschränkungen

Für den Impftag am 27. Dezember sollten etwa 10.000 Corona-Impfdosen eintreffen. Kurz darauf sollen rund 1,8 Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Eine Impfpflicht ist nicht vorgesehen, wie Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte am Freitagabend bestätigte. Die Mitte-Links-Regierung beschloss für das Land mit rund 60 Millionen Einwohnern an und vor den Feiertagen einen Lockdown mit strengen Ausgangs- und Reisebeschränkungen. Geschäfte, außer die für den täglichen Bedarf, sind zu. Besuche bei Freunden und Verwandten sind nur zu zweit erlaubt. Kinder unter 14 Jahren werden nicht mit eingerechnet.

Bars und Restaurants bleiben die ganze Zeit geschlossen

Lediglich an vier Tagen (28. bis 30. Dezember und 4. Januar) sollen diese Regeln gelockert werden, so dass Geschäfte wieder offen haben und die Menschen sich freier bewegen können. Bars und Restaurants sind die ganze Zeit geschlossen, außer für Bestellungen zum Mitnehmen. Insgesamt verzeichnete das Gesundheitsministerium seit Pandemiebeginn mehr als 67.800 Menschen, die mit Sars-CoV-2 starben, und mehr als 1,921 Millionen Corona-Infektionen.

Sachsen: Kretschmer befürchtet dritte Corona-Welle nach den Festtagen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) befürchtet eine dritte Corona-Infektionswelle nach Weihnachten und Silvester. „Vor uns liegen die zehn härtesten Wochen der Pandemie“, sagte er bei einer Online-Pressekonferenz. Eine dritte Welle könnte in der Zeit vom 10. bis 15. Januar anrollen. „Wie groß die Welle wird und welchen Schaden sie anrichtet, haben die Menschen in Sachsen und in Deutschland selbst in der Hand.“
Nachdem am Mittwoch, 30.12.20, ein neuer Rekord bei der Zahl der Toten binnen eines Tages erreicht wurde, stimmte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits darauf ein, dass es weitere Maßnahmen geben werde. Er sagte am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“, bei der Eindämmung der Pandemie sei Deutschland „bei weitem noch nicht da, wo wir hin müssen“. Deshalb werde es nach dem 10. Januar „ohne Zweifel Maßnahmen geben“. In welchem Umfang, müssten Bund und Länder bei ihrer geplanten Konferenz am kommenden Dienstag entscheiden.

Lauterbach: Haben die schlimmsten drei Monate der Pandemie vor uns

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet zunächst noch keine Besserung der Corona-Lage. „Wir werden jetzt die schlimmsten drei Monate der gesamten Pandemie mit hohen Infektions- und Todeszahlen vor uns haben“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Samstag). Ab April sei aber durch eine Kombination aus besserem Wetter und mehr verfügbarem Impfstoff ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Ab wann wieder ein weitgehend normales Leben möglich ist, hängt Lauterbach zufolge von der Zulassung des Impfstoffs der Universität Oxford und des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca ab.
Auf Twitter bekräftigte Lauterbach seine Forderung, nicht zu früh aus dem Lockdown zu gehen. Er untermauerte das mit den sehr hohen Infektionszahlen in Irland.

Virologe Drosten erwartet schwierige sechs Monate

Der Berliner Virologe Christian Drosten erwartet hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie ein herausforderndes erstes Halbjahr 2021. „Ich schaue schon optimistisch auf das neue Jahr, aber ich glaube, dass die erste Jahreshälfte sehr kompliziert werden wird“, sagte Drosten der „Berliner Morgenpost “ (Sonntag). Er rechne damit, dass ab der zweiten Jahreshälfte eine Entspannung eintreten könnte - vorausgesetzt, es würden in den ersten sechs Monaten sehr viele Personen geimpft.

Thüringen: Fallzahlen steigen an

Neben Sachsen ist Thüringen aktuell in Deutschland einer der größten Corona-Hotspots. Die landesweite Inzidenz liegt laut RKI am Mittwoch bei über 250. Zahlreiche Kreise kämpfen mit hohen Infektionszahlen.

Kanzler Kurz warnt vor dritter Welle mit massiven Ansteckungszahlen

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz rechnet im kommenden Jahr europaweit mit einer dritten Corona-Welle und einem massiven Anstieg der Infektionszahlen. Zum Sommer sei dann mit einer gewissen Rückkehr zur Normalität zu rechnen, sagte Kurz dem Sender ORF in einem Interview. Für Österreich hat seine Regierung die Corona-Einschränkungen am 2. Weihnachtstag nach einer kurzen Lockerung wieder verschärft. Der Lockdown gilt bis 24. Januar. Zudem hat Österreich die Regeln bei der Einreise verschärft und mehrere kleine Grenzübergänge geschlossen.

Schweiz verschärft Corona-Maßnahmen deutlich: Geschäfte schließen

Nach wochenlangem Zögern verschärft die Schweiz ihre Corona-Maßnahmen deutlich: Von Montag an bleiben alle Geschäfte geschlossen, die keine Güter des täglichen Bedarfs verkaufen. Zudem müssen Arbeitgeber Homeoffice anordnen, wo immer dies möglich ist. An privaten Veranstaltungen dürfen nur noch maximal fünf Personen teilnehmen. Grund sei die Ausbreitung der neuen Virusvarianten, die deutlich ansteckender sind als die früheren Varianten, sagte Präsident Guy Parmelin am Mittwoch in Bern. Ohne neue Maßnahmen drohe im Februar eine schwere dritte Welle.

Markus Söder macht sich für Impfung stark

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in seiner Neujahrsansprache, es habe noch nie so viele Erkrankte wie jetzt gegeben, noch nie so viele Todesfälle. Auch in diesem Moment kämpften unzählige Menschen um ihr Leben. „Wir erleben gerade die zweite Welle. Manche prophezeien sogar schon eine dritte Welle.“ Zugleich rief Söder die Menschen dazu auf, sich impfen zu lassen. „Impfen ist ein Gebot der Vernunft.“ Schon immer habe es Seuchen gegeben in der Menschheitsgeschichte, stets sei Impfen das effektivste Mittel zur Bekämpfung gewesen. Söder mahnte die Menschen aber auch zur Geduld. Der Impfstoff sei eine Langzeitstrategie gegen Corona. „Es wird nicht über Nacht gehen. Aber mit jeder Impfung gewinnen wir ein Stück Normalität und Freiheit zurück.“