Seit knapp zwei Wochen gilt in Deutschland der sogenannte Lockdown Light. Die schärferen Regeln sollen helfen, die seit Wochen kontinuierlichen steigenden Corona-Kennzahlen wieder nach unten zu bringen.
Wirken die ergriffenen Maßnahmen schon und können wir sich die Menschen in Deutschland auf Lockerungen einstellen? Virologen haben in der vergangenen Woche wiederholt gesagt, dass es für eine Einschätzung wahrscheinlich zu früh sei. Am Montag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich aber dennoch mit den Ministerpräsidenten in einer Telefon-Konferenz treffen und über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Und das nicht zuletzt auf der Basis der aktuellen Zahlen.
Zuvor dämpfen sowohl Merkel als auch einige der Ministerpräsidenten, aber auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. „Wenn es so weitergeht wie gegenwärtig, werden wir mit massiven Personalproblemen und am schlimmsten Bettenmangel kämpfen müssen“, sagte er. „Es ist eine Illusion davon auszugehen, dass wir jetzt schon über Lockerungen oder Ausstiegsszenarien aus dem Teil-Lockdown reden können, der ja eher ein Teil-Shutdown ist - richtige Ausgangssperren wie in Frankreich oder Italien gibt es bei uns ja gar nicht“, sagte Montgomery. „Eher das Gegenteil ist der Fall.“
Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, sieht angesichts der aktuellen Fallzahlen-Entwicklung in der Corona-Krise keinen Raum für Lockerungen.
Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, sieht angesichts der aktuellen Fallzahlen-Entwicklung in der Corona-Krise keinen Raum für Lockerungen.
© Foto: DPA

Corona in Deutschland: Die aktuellen RKI-Zahlen am Sonntag, 15.11.2020

Viele politische Entscheidungen in der Corona-Krise werden also auf der Basis der Entwicklung der aktuellen Fallzahlen und der Einschätzung und Expertise von Ärzten und Wissenschaftlern getroffen.
Wie also haben sich die Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen entwickelt? Und was sind die an das RKI übermittelten Fallzahlen heute?
  • Neuinfektionen: Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 16.947 Neuinfektionen. Zum Vergleich: Das sind 5514 Fälle, weniger, als am Freitag, als 23.542 Neuinfektionen gemeldet worden waren - was damals einen neuen Rekord bei den Neuinfektionen binnen eines Tages bedeutete. Am Samstag wurde dann ein minimaler Rückgang der Neuinfektionen binnen 24 Stunden bekanntgegeben. Am vergangenen Sonntag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 16.017 gelegen.
  • Infizierte: Nach RKI-Angaben haben sich seit Beginn der Pandemie mindestens 790.503 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert.
  • Todesfälle: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid 19 liegt bei 12.485. Das sind 107 vermeldete Tote mehr als am Vortag.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut dem RKI auf etwa 502.300

    Wichtiger Hinweis:
    An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.


Diesen R-Wert weist das RKI in seinem Dashboard für Deutschland aus

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,05 (Vortag: 0,99). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
Die Kurve der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen, das zeigt auch eine Grafik des RKI Dashboards.
Die Kurve der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen, das zeigt auch eine Grafik des RKI Dashboards.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI
Wer sich nicht nur die Entwicklung in nationaler Betrachtung, sondern auch in näherer Umgebung interessiert - also in Bundesländern oder Landkreisen - der findet die aktuellen Corona-Zahlen dazu im RKI-Dashboard.

Corona-Zahlen in Deutschland: So schätzt das RKI die Lage ein

Die Corona-Lage in Deutschland ist nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) weiter sehr ernst. Das Infektionsgeschehen nehme immer noch praktisch in ganz Deutschland zu, hatte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag gesagt. Dennoch sei er „vorsichtig optimistisch“. Auch wenn am Freitag eine neue Rekordzahl an Neuinfektionen bekanntgegeben wurde, hatte Wieler von einer sich abflachenden Kurve gesprochen. Ob dafür tatsächlich die derzeit geltenden Corona-Maßnahmen verantwortlich sind, sei noch nicht ganz sicher. „Das müssen wir in den nächsten Tagen noch genau beobachten.“
Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland vom 15.11. in dieser Grafik der Nachrichtenagentur DPA
Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland vom 15.11. in dieser Grafik der Nachrichtenagentur DPA
© Foto: DPA

Bundesregierung veröffentlicht Video unter dem Hashtag #besonderehelden und landet Viral-Hit

Unterdessen hat die Bundesregierung am Samstagabend Videos veröffentlicht, in dem sie „Helden“ der Corona-Zeit ehrt. Die fiktiven älteren Erzählerinnen und Erzähler Luise und Anton Lehmann berichten davon, wie sie und andere damals - als junge Menschen - im Jahr 2020 nichts taten und zuhause blieben und sozialen Abstand hielten.

Kanzlerin Merkel und Ministerpräsidenten dämpfen Erwartungen der Bevölkerung

Mehrere Ministerpräsidenten hatten bereits Ende der Woche Erwartungen an neue Beschlüsse bei den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie am kommenden Montag gedämpft. Die Runde der Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Merkel hatte den seit dem 2. November geltenden Teil-Lockdown beschlossen, der am Montag zwei Wochen anhält und zunächst bis Ende November in Kraft bleiben soll. Lokale und andere Freizeiteinrichtungen sind derzeit geschlossen, Hotels dürfen keine Touristen beherbergen. Und die Corona-Lage bleibt ernst - für Hoffnungen auf Lockerungen scheint es derzeit keinen Anlass zu geben.
Merkel hatte die Bevölkerung am Donnerstag bereits auf „schwere Wintermonate“ eingestimmt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im rbb-Inforadio, Veranstaltungen mit mehr als 10 bis 15 Personen wie etwa Weihnachtsfeiern sehe er „in diesem Winter nicht mehr“ stattfinden. „Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen“, kündigte der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, an.

Zu hohe Corona-Zahlen: Österreich geht in zweiten Lockdown

Nachbarland Österreich geht ab Dienstag, 17. November, in einen zweiten harten Lockdown. Das hat Kanzler Sebastian Kurz am Samstag angesichts sehr hoher Infektionszahlen bekanntgegeben.