• Der Teil-Lockdown in Österreich seit Anfang November zeigt bisher kaum Wirkung
  • Die Zahlen gehen insbesondere in Oberösterreich und Vorarlberg rasant in die Höhe
  • Am Samstag hat Kanzler Kurz neue Maßnahmen für Österreich angekündigt - einen harten Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen
  • Zudem will Kurz Massentests nach Vorbild der Slowakei einführen
Einen Tag, nachdem Österreich bekanntgegeben hat, dass es sich in einen zweiten harten Lockdown begibt, Österreichs Regierung angekündigt, dass sie Corona-Massentests zumindest bei Teilen der Bevölkerung durchführen will. Das kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Sonntag in einem Interview des Senders ORF an.

Corona-Lockdown in Österreich ab Dienstag

Seit Monaten steigen in Österreich wie auch in Deutschland die Corona-Zahlen. Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten erst am Montag eine erste Zwischenbilanz des Lockdown Light in einer Konferenz ziehen und über das weitere Vorgehen beraten, steht in Österreich nach Informationen des ORF offenbar bereits am Samstag eine Verschärfung des Corona-Lockdowns bevor.
Das Infektionsgeschehen ist weiter auf Rekordniveau und so tat die Bundesregierung um Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) am Samstag das, was seit spätestens Freitag erwartet worden war: Sie ergriff Maßnahmen und schickt das Land in einen zweiten Lockdown. Das bestätigte Kanzler Kurz auf einer Pressekonferenz am Nachmittag.
Zuvor hatten am Samstagmittag mehrere Medien bereits über konkrete Schritte für die nächsten Tage berichtet.

Corona in Österreich: Die Zahlen schnellen trotz Maßnahmen in die Höhe

Wie „Der Spiegel“ berichtet, lag der Schnitt von Neuansteckungen in den vergangenen sieben Tagen trotz der ergriffenen Maßnahmen am Freitag österreichweit bei 554,2 Fällen pro 100.000 Einwohner, regional aber bei bis zu 850. Am Freitag lagen 3922 Covid-19-Erkrankte im Krankenhaus, 567 von ihnen in Intensivbetten – ein dem Magazin zufolge zunehmend kritischer Wert für das österreichische Gesundheitssystem.
In Politik und Medien herrscht entsprechend große Sorge um das Infektionsgeschehen. Der ORF schätzte die reale Zahl der Infektionen bereits unter der Woche pro Tag auf mehr als 8000. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte diese Woche über volle Einkaufszentren und „mangelnde Disziplin“ der Bevölkerung geklagt.

Lockdown Österreich: Ausgangssperre und Schulschließungen bis in den Dezember

Nun also geht Österreich am Dienstag zum zweiten Mal in der Corona-Krise für drei Wochen in den sogenannten Lockdown. Geschäfte und Schulen müssen dann schließen, das Verlassen des privaten Wohnraums ist nur aus triftigen Gründen wie Grundbedürfnissen, der Arbeit, der Hilfe etwa für Angehörige und zur Erholung im Freien erlaubt.
„Auch wenn sich niemand einen zweiten Lockdown wünscht, so ist der zweite Lockdown das einzige Mittel, von dem wir verlässlich wissen, dass es funktioniert“, sagte Kurz. Die Beschränkungen gelten ab Dienstag, 0.00 Uhr, und bis zum 6. Dezember. Die Ausgangsregeln müssen alle zehn Tage vom Hauptausschuss des Parlaments neu genehmigt werden.

Lockdown in Österreich: Geschäfte des täglichen Bedarfs bleiben offen

Offen bleiben Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken. Schulen stellen auf Fernunterricht um und bieten wie auch Kindergärten Betreuung bei Bedarf. Private Treffen sind auf einzelne engste Angehörige oder Bezugspersonen beschränkt. „Meine eindringliche Bitte für die nächsten Wochen ist: Treffen sie niemanden! Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel“, sagte Kurz. Das Ziel sei, am 7. Dezember Schulen und Handel wieder öffnen zu können.
Schon seit dem 3. November sind in Österreich die Gastronomie, der Tourismus sowie Kulturbetriebe und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Ausgangsbeschränkungen galten bisher von 20 bis 6 Uhr. Die Infektionszahlen sind seit Anfang November zunächst weiter gestiegen, am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 554,2. Mediziner befürchten einen Zusammenbruch der Intensivversorgung.

Lockdown in Österreich hatte sich am Freitag und Samstag abgezeichnet

Bereits am Samstagmittag hatten mehrere Medien sowie die Nachrichtenagentur DPA gemeldet, dass Maßnahmen wie im Lockdown im März ergriffen werden. Die DPA hatte unter anderem berichtet, dass in dem genannten Zeitraum bis in den Dezember hinein private Treffen nur mit einem Partner, einzelnen engsten Angehörigen oder einzelnen wichtigsten Bezugspersonen erlaubt seien.
Auch über eine Schließung des Einzelhandels sowie über Fernunterricht an den Schulen war bereits spekuliert worden. Kinder bis 14 sollten demnach zwar weiterhin kommen dürfen. Allerdings werde auch für diese Altersgruppe über eine Aussetzung der Schulpflicht und eine Rotation in Gruppen nachgedacht, berichteten etwa die Oberösterreichischen Nachrichten.
Auch eine Kapazitätsbeschränkung im ÖPNV ist im Gespräch. Der „Kurier“ hatte am Freitag sogar geschrieben, dass der harte Lockdown möglicherweise bis 8. Dezember dauern könnte. Nun geht er zwei Tage kürzer.
Risikogebiete Schweiz Reisewarnungen Schweiz verzichtet auf Reisebeschränkungen

Bern

Corona-Inzidenz in den Bundesländern in Österreich

Die Corona-Zahlen sind in den vergangenen Wochen und Monaten in Österreich kontinuierlich in die Höhe gegangen. Hier der aktuelle Stand vom Sonntag, 15.11.2020, 14:02 Uhr, für die einzelnen Regionen:
  • Burgenland: 471,7
  • Kärnten: 618,6
  • Niederösterreich: 385,9
  • Oberösterreich: 736,8
  • Salzburg: 616,0
  • Steiermark: 469,0
  • Tirol: 672,1
  • Vorarlberg: 803,7
  • Wien: 442,4
Die Corona-Zahlen in Österreich sind in den vergangenen Monaten deutlich in die Höhe gegangen, wie das Dashboard der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, kurz AGES, zeigt.
Die Corona-Zahlen in Österreich sind in den vergangenen Monaten deutlich in die Höhe gegangen, wie das Dashboard der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, kurz AGES, zeigt.
© Foto: Screenshot; Quelle: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, kurz AGES

Corona Zahlen Österreich: So ist die Lage am Montag

Die österreichische Regierung gibt die Corona-Zahlen in einem Dashboard bekannt. So ist die Lage in Österreich( Stand 15.11. 14:02 Uhr):
  • Zahl der Infizierten: 203.494
  • Zahl der aktiven Fälle: 108.971
  • Zahl der Genesenen: 92.844
  • Zahl der Toten: 1679

Besonders Vorarlberg und Oberösterreich sind stark von Corona betroffen

In den aktuell am stärksten betroffenen Ländern Vorarlberg und Oberösterreich kommen Intensivstationen schon an ihre Grenzen. Von den Vorarlberger Krankenhäusern hieß es am Freitag, man konzentriere sich nur noch auf Notfallmedizin und die Versorgung von Covid-19-Patienten, eine Triage - Auswahl von Patienten - in den kommenden Tagen sei nicht auszuschließen. Von 63 Intensivbetten seien 46 belegt, 35 davon mit Covid-19-Patienten. Auch andere Teile Österreichs verschieben mittlerweile nicht unbedingt nötige oder dringende Operationen.