Aus 100 Bücher, die man lesen sollte
: Zerrissene Leben in kontroversen Gesellschaften

Schicksale, Fotografien, fiktive Orte, Allegorien und Klassenkampf: Keine der anderen Kategorien spannt ein solch weites Themenband, wie das der Gesellschaft.
Von
Valerie Zöllner
Berlin
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Keine der anderen Kategorien spannt ein solch weites Themenband, wie das der Gesellschaft.

Georgi Dyulgerov/Pixabay

Renommierte Literaturkritiker, Literaten und Redakteure der Zeit haben sich zusammengesetzt und 100 Werke ausgewählt, die für unsere Gegenwart als besonders bewahrenswert gelten.

Wir haben die 100 Bücher in einer Liste in Kategorien unterteilt, zeitlich nach den jeweiligen Erscheinungsjahren sortiert und mit kurzen Inhaltsangaben versehen.

In diesem Artikel finden Sie die neunzehn Bücher, deren Protagonistinnen und Protagonisten eines gemeinsam haben: Sie leben in einer Gesellschaft, von der sie entweder profitieren, ausgeschlossen oder gejagt werden.

  • Secondhand–Zeit von Swetlana Alexijewitsch (2013)

In ihrem dokumentarischen Roman stellt die Autorin Russinnen und Russen, die auf den Trümmern des Sozialismus leben, Fragen zu ihren Erfahrungen zwischen Neuanfang und Nostalgie — einem Russland der gebrauchten Ideen und Worte.

Die Jahre von Annie Ernaux (2008)

Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen von Melodien und Gegenständen: In Die Jahre schreibt die Autorin von einem Leben in einem vergangenen Frankreich.

Elementarteilchen von Michel Houellebecq (1998)

Zwei glücklose Brüder, eine lieblose Mutter — und die von kalter Einsamkeit geprägte lebenslange Verstörung. Ein visionärer Gesellschaftsroman voll Verachtung für den Materialismus und ein Abgesagt auf unsere Zeit.

Sommerhaus, später von Judith Hermann (1998)

In neun Erzählungen an unterschiedlichen, teils fiktiven Orten in oder um Berlin verbringen die Hauptfiguren ihre Zeit mit Warten auf den Lebensbeginn, während die große Angst der Veränderung gegenübersteht.

  • Faserland von Christian Kracht (1995)

Es ist 1995 und der Autor stellt eine Generation dar, die sich weder für Politik noch für Ökologie oder Kunst interessiert, sondern sich über Markenkleidung und Drogenexzesse identifiziert. Der Roman gilt als erster Vertreter der deutschen Popliteratur.

Der Report der Magd von Margaret Atwood (1985)

Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. In diesem totalitären Staat werden die, die noch Kinder bekommen können, als Gebärmaschinen rekrutiert. Eine stille Heldin versucht den Ausbruch.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll (1974)

Eine Frau verliebt sich zufällig in einen radikalen Rechtsbrecher, sofort wird ihr gesamtes Leben durchleuchtet und öffentlich gemacht. Die Erzählung Bölls sorgte bei ihrem Erscheinen für eine heftige Auseinandersetzung um die Methoden des Boulevardjournalismus.

  • Der geteilte Himmel von Christa Wolf (1963)

In ihrem Roman zeichnet die Autorin ein vielschichtiges und kritisches Porträt der DDR um 1960: Von Missständen der Planwirtschaft und verrußten Städte über die Sturheit von Parteifunktionären und sinnlosen ideologischen Vorgaben.

Das goldene Notizbuch von Doris Lessing (1962)

Zwei Frauen, um die vierzig, geschieden und ein Kind. Die Autorin erzählt die Geschichte zwei ungebundener Freundinnen, die gemeinsam viel durchleben. Ein Buch über das geistige und moralische Klima der 1950er, zugleich eine Geschichte über weibliche Intellektualität.

Wer die Nachtigall stört von Harper Lee (1960)

Zwei Geschwister wachsen im Amerika der 1930er in Alabama heran, durch dessen Gesellschaft sich tiefe Risse zwischen Schwarz und Weiß ziehen. Ein Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen.

1984 von George Orwell (1949)

Ein totalitärer Überwachungsstaat, der das Leben der Menschen bis ins letzte Detail bestimmt. Ein dystopischer Klassiker.

Die Haut von Curzio Malaparte (1949)

Neapel 1943: Mit der Befreiung der Alliierten verbreitet sich ein anderes Übel in der Stadt. Der Autor beginnt das Buch mit: „Es waren die Tage der Pest in Neapel“.

Der Fremde von Albert Camus (1942)

Ein junger Algerier, der zuerst seine Mutter verliert und später wegen Mordes zum Tode verurteilt wird — obwohl es sich um Notwehr handelte. In seinem Roman macht der Autor die Entfremdung zwischen einem Einzelgänger und der Gesellschaft sichtbar.

Sämtliche Erzählungen von Heinrich von Kleist (1908 — 1911)

Politik, Philosophie, Kunst, Gedichte und journalistische Beiträge: dieser Band umfasst die gesamte erzählerische Spannung des Prosa–Autors.

Die Judenbuche von Annette von Droste–Hülshoff (1842)

In einem kleinen westfälischen Dorf erschlägt der Protagonist im Streit einen Juden und flieht. Knapp 30 Jahre später kehrt er zurück und erhängt sich am Ort des Verbrechens, der sogenannten Judenbuche.

Rot und Schwarz von Stendhal (1830)

Der Aufstieg eines ehrgeizigen Bauernsohns, geebnet von zwei Frauen bis ins Großbürgertum. Doch am Ende steht sein Verderben. Der Roman zählt zu den wichtigsten Klassikern der europäischen Literatur.

Über Deutschland von Germaine de Staël (1813)

Ein subjektives Bild Deutschlands einer Pariser Salondame, deren Flucht ins Exil zu einer Entdeckungsreise wird. Das Werk prägte mehr als ein Jahrhundert lang das Bild der Franzosen über Deutschland als „Volk der Dichter und Denker“.

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing (1779)

Ein Ideendrama in fünf Akten. Das zentrale Thema ist, dass es die „eine wahre Religion“ nicht gebe. Ein Werk, das sich für Harmonie, Akzeptanz und Toleranz ausspricht.

Die Göttliche Komödie von Dante Alighieri (1307 — 1321)

Ein empfindsamer, oft schwermütiger Protagonist begibt sich durch die drei Reiche des Jenseits: Die Hölle, das Fegefeuer und das Paradies. Ein Werk, das Theologie, Philosophie und Wissenschaft vereint.

Weitere Kategorien der 100 Bücher, die man lesen sollte

Sie gilt als die hohe Kunst der Sprache: die Satire. Oft hochpolitisch, scharf analysiert, ein wenig Salz in die Wunde — aber immer mit viel Humor.

Das Sprichwort lautet: Unter jedem Dach ein Ach. Kurz und knackig. Doch ein längerer Blick hinter die Fassade lohnt sich, denn diese elf Bücher zeigen, wie stark Familien wirklich sein können.

Nichts zeichnet das geistige und moralische Klima der menschlichen Vergangenheit so klar wie die Geschichte. Vierzehn Bücher, die durch die verlorene Zeit führen.

Sehnsucht, Schwäche, Scham, Begierde, Scheitern, Erfolg: Siebzehn Bücher, in denen sich Protagonistinnen und Protagonisten sich voll Hoffnung auf den Weg machen, um sich selbst und vielleicht auch ein besseres Leben zu finden.

Zwölf Bücher voll leichter und schwerer Gefühle, flackerndem Glück, heimlichen Affären, Demütigung — und Liebe, die die Grenzen der Länder sprengt.

Es geht um äußere und innere Wunden, es geht ums Überleben. Sechs Bücher, die Geschichten des Kriegs aus Konzentrationslagern, sowjetischen Gulags, dem Donbass und der Nachkriegszeit erzählen.

Innere Kämpfe und toten Träumen hinterherjagen, Freundschaften zerbrechen. Oder Verzweiflung, die morden lässt. Hier sind sechzehn Bücher über die Seele und die Suche nach mehr.