Es ist ein Ausrufezeichen, das die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina diese Woche gesetzt hat: Die Institution fordert angesichts der dramatischen Corona-Lage die Schulpflicht-Aufhebung bis Weihnachten. Die Schüler sollen also nicht mehr in die Schule kommen, sondern den Unterrichtsstoff zuhause lernen.
Die Politik nimmt Empfehlungen der Leopoldina sehr ernst. Die Kultusministerkonferenz (KMK) berät am Donnerstag unter dem Vorsitz der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in einer Videoschalte über das weitere Vorgehen. Im Vorfeld hat sich Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann geäußert. Sie kritisiert den Vorschlag scharf. „Das bedeutet nichts anderes als landesweite Schulschließungen – und noch nicht mal Fernunterricht“, sagte die CDU-Politikerin unserer Zeitung. „Diesen drastischen Schritt der flächendeckenden Schulschließungen wollen wir weiterhin zwingend vermeiden.“

Eisenmann ist von Leopoldina-Vorschlag überrascht

In Regionen mit sehr hohen Inzidenzwerten wolle man stattdessen einen Wechselbetrieb zwischen Präsenz- und Fernunterricht ermöglichen. Zudem seien die Zahlen der geschlossenen Schulen und Schulklassen nach wie vor vergleichsweise gering. Einen landesweiten Stillstand für die Bildung im Land wolle man unbedingt verhindern. Dass ausgerechnet eine wissenschaftliche Institution dies fordert, überrascht doch ein bisschen“, sagte Eisenmann.
Sachsen hat hingegen als erstes Bundesland flächendeckende Schulschließungen angekündigt. Die neue Corona-Verordnung soll am Freitag im Kabinett beschlossen werden. Das Virus habe eine viel stärkere Kraft als im Frühjahr, die Menschen würden die Lage aber bei Weitem nicht so ernst nehmen, wie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte.

Sachsen hat flächendeckende Schulschließungen angekündigt

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) wies den Leopoldina-Vorschlag als „untauglich“ ab. Sie gehe davon aus, dass diese Haltung auch bei der Videoschalte zum Tragen kommen werde. NRW wolle am Lernen im Klassenraum festhalten und keinen flächendeckenden Wechselunterricht einführen. Dieser sei aber in Einzelfällen vor Ort in Corona-Hotspots „schulscharf“ möglich, dann auch sinnvoll und geboten.
Es gilt also als unwahrscheinlich, dass sich die Kultusministerkonferenz dem Leopoldina-Vorschlag geschlossen anschließt. Während der zweitägigen Sitzung soll die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur KMK-Präsidentin für das kommende Jahr gewählt werden. Die Teilnehmer der Sitzung wollen sich darüber hinaus mit dem Bedarf der Einstellung von Lehrern bis 2020 befassen und dazu Modellrechnungen der Länder betrachten.

Die aktuelle Corona-Lage in Deutschland

Die Corona-Zahlen und -Nachrichten in Deutschland waren in den vergangenen Tagen alarmierend: neuer Rekord bei den Todesfällen innerhalb von 24 Stunden am Mittwoch; eine emotionale Ansprache von Kanzlerin Angela Merkel zur Corona-Lage in Deutschlandin der Generaldebatte zum Haushalt; das Infektionsgeschehen und die Lage in den Kliniken sind von Entspannung weit entfernt; Sorge vor einem harten Lockdown in Deutschland.
  • Neuinfektionen: Laut RKI-Angaben haben sich deutschlandweit mindestens 23.679 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am Mittwoch hatte es  20.815 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gegeben. Am Donnerstag der vergangenen Woche, dem 3.12.20, waren knapp über 20.000 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet worden. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es heute 23.867 Neuinfektionen. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Bestätigte Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen: Wie „Zeit Online“ berichtet, registrierten die Ämter 3940 neue Fälle in den letzten sieben Tagen.
  • Infizierte: Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie in Deutschland beträgt laut jüngsten Werten des RKI 1.242.203 Fälle.
  • Tote: Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, liegt bei 20.372 Das sind 440 Tote mehr als am Vortag. Am Mittwoch erreichten die Zahl der neuen Todesfälle mit 590 einen neuen Höchstwert. Der bisherige mit 487 Tote binnen eines Tages wurde am 2. Dezember gemeldet.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 922.100.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde heute mit 0,99 angeben. nicht vom RKI bekanntgegeben (Vortrag: 1,02). Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.