Die Zahl der Impfungen in Bayern steigt und steigt: Fast eine Million Menschen ließen sich in der ersten Dezemberwoche gegen Corona impfen. Einer Studie zufolge tragen dazu auch die 2G-Regeln bei. Doch ausgerechnet bei den Erstimpfungen sinken die Zahlen erstmals wieder.Und dennoch: „Bayerns Impfkampagne ist wieder auf hohem Niveau“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in München. Binnen zwei Wochen seien die Zahlen fast verdoppelt worden.

Söder will Impfpflicht für Kinder ab 12 Jahren diskutieren

Während die Corona-Inzidenzen in Bayern leicht zurückgehen, hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Debatte um eine mögliche Impfpflicht ab zwölf Jahren angestoßen. „Das muss man diskutieren“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. „Generell wäre es natürlich gut, wenn die Impfpflicht zumindest bei denen, bei denen der Impfstoff schon erprobt ist - ab zwölf - auch stattfinden würde“, sagte Söder. Das würde schnell gehen und die Schulen „absolut sicher machen“.
Allerdings betonte Söder nach einer Bund-Länder-Beratung, dass er sich offen für eine Diskussion gezeigt habe: „Ich habe nicht gesagt, es muss so sein.“ Dafür spreche aber, dass die Inzidenzen bei den Kindern und Jugendlichen besonders hoch seien, sie sich über Impfungen freuten und Impfungen in den Schulen gut umsetzbar seien. Söder fügte hinzu: „Wichtig ist: Wer und wie, auch welche Altersgruppen, da haben wir uns jetzt darauf verständigt, da soll der Ethikrat einen Vorschlag machen. Ich halte das für richtig. Ich bin da offen in allen Bereichen.“

Kritik an Söders Vorstoß zur Impfpflicht für über 12-Jährige

Kritik an Söders Vorstoß kam aus der bayerischen FDP: „Die Alten nicht rechtzeitig boostern, aber eine Impfpflicht für 12-Jährige diskutieren? Ein völlig verfehlter Vorschlag von Markus Söder“, erklärte der FDP-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Landtag, Martin Hagen. Der größte Teil der Corona-Intensivpatienten sei über 50. „Diese Altersgruppe sollte man in den Blick nehmen, wenn man über eine Impfpflicht diskutiert“, sagte der FDP-Politiker.

Söder: Verstöße gegen mögliche Impfpflicht müssten bestraft werden

Markus Söder hat zudem empfindliche Geldstrafen für Verstöße gegen eine mögliche Impfpflicht ins Spiel gebracht. Es gebe verschiedene Pflichten im Leben, die Gurtpflicht beim Autofahren gehöre beispielsweise dazu. „Alles wird im Zweifelsfall durchgesetzt, mit Zwangsgeldern, die sich dann auch steigern können“, so Söder. „Impfpflicht bedeutet dann aber, dass beispielsweise mit Geldstrafen belegt wird, wer sich weigern sollte“, sagte Söder. Diese könnten dann in Wiederholungsfällen auch steigen.
Es müsse nun sehr viele Booster-Impfungen geben, betonte der Ministerpräsident. Ab etwa Februar sei eine allgemeine Impfpflicht vorstellbar. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom Dienstag sei fundamental gewesen und habe das Eingreifen des Staates in persönliche Rechte zum Schutz von Leben gebilligt. Auf dieser rechtlichen Basis sei auch eine Impfpflicht denkbar.
In Österreich greift ab 1. Februar 2022 eine allgemeine Impfpflicht. Wer sich nicht impfen lässt, dem droht eine Geldstrafe. Mehr dazu in folgendem Artikel:

Umfrage: Fast 70 Prozent der Bayern sind für Impfpflicht

Im Kampf gegen Corona befürworten fast 70 Prozent der Bayern eine generelle Impflicht. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Bayerischen Rundfunks ergeben. Demnach antworteten 58,8 Prozent mit „ja, auf jeden Fall“ und 10,1 Prozent mit „eher ja“ - das sind zusammen 68,9 Prozent. 24,5 Prozent sind kategorisch dagegen, 3,5 Prozent sagten „eher nein“. Unentschieden in der Impfpflichtfrage sind 3,1 Prozent.
6,4 Prozent der Befragten lehnen alle Covid-Impfstoffe ab. 15,5 Prozent stimmten der Aussage „Bin skeptisch gegenüber mRNA-Impfstoffen“ zu. 10,1 Prozent wollen auf einen Totimpfstoff warten. Die Ansicht, das Virus sei „nicht so gefährlich wie gesagt wird“, vertreten 11,9 Prozent. 41,4 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine allgemeine Impflicht bereits ab 12 Jahren gelten soll - falls sie kommt. 31,1 Prozent sind für eine Einführung ab 18 Jahren, 25,2 Prozent befürworten laut der Befragung eine Impflicht ab fünf Jahren.
Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey 1000 Menschen in Bayern online befragt.

Erste Impfpflicht in Deutschland: Pflichtimpfung gegen Pocken in Bayern

Der erste Staat weltweit, der eine Impfpflicht gegen eine Krankheit einführte, war im Jahr 1807 das Königreich Bayern. 1874 wurden dann alle alle Deutschen durch das „Reichsimpfgesetz“ verpflichtet, ihre Kinder im Alter von einem und zwölf Jahren gegen die Pocken impfen zu lassen – ein Impfschein wurde ausgestellt. Die allgemeine Impfpflicht gegen die Pocken bestand bis Ende des Jahres 1975.