Immer vehementer wird über eine allgemeine Impfpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus diskutiert. In Deutschland wäre das nicht die erste Impfpflicht. Eine solche liegt vor, wenn die Schutzimpfung gesetzlich vorgeschrieben ist. Doch für welche Krankheiten gab es in der Geschichte bereits eine Pflichtimpfung?

Geschichte der Impfpflicht in Deutschland: Gab es schon andere Pflichtimpfungen?

In der Bundesrepublik Deutschland bestand eine Impfpflicht für Diphtherie und teilweise Scharlach bis ins Jahr 1954 sowie eine für Pocken. Letztere wurde bis 1983 schrittweise aufgehoben. Bei ihr musste im Deutschen Kaiserreich der Impfschein bei der Einschulung vorgelegt werden.
In der DDR waren im Laufe der Zeit verschiedene Impfungen für Kinder und Jugendliche verpflichtend, etwa gegen Tuberkulose, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten sowie Masern.

Gegen welche Krankheiten gibt es aktuell eine Impfpflicht in Deutschland?

In Deutschland gilt die spezielle Impfpflicht gegen Covid-19 (Stand Dezember 2021) nur für Soldatinnen und Soldaten. Für Pflegekräfte soll sie auf den Weg gebracht werden. In der Bundeswehr gibt es zudem die Pflicht zur Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten, Grippe, Mumps, Masern, Hepatitis und FSME. Seit 1. März 2020 gilt die Masern-Impfpflicht für bestimmte Gruppen.

Erste Impfpflicht in Deutschland: Pflichtimpfung gegen Pocken

Der erste Staat weltweit, der eine Impfpflicht gegen eine Krankheit einführte, war im Jahr 1807 das Königreich Bayern. 1874 wurden dann alle alle Deutschen durch das „Reichsimpfgesetz“ verpflichtet, ihre Kinder im Alter von einem und zwölf Jahren gegen die Pocken impfen zu lassen – ein Impfschein wurde ausgestellt. Die allgemeine Impfpflicht gegen die Pocken bestand bis Ende des Jahres 1975. Ab 1976 entfiel die Erstimpfung, es erfolgten nur noch Wiederholungsimpfungen. Bereits in den 50ern wurde diese Impfpflicht diskutiert, weil sie nach Meinung einzelner Kritiker gegen das im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht verstoße. Seit 1983 ist die Pockenimpfpflicht komplett aufgehoben, da die Pocken drei Jahre zuvor als erste Krankheit überhaupt für weltweit ausgerottet erklärt worden waren.

Polio Pflichtimpfung: Impfpflicht in der DDR

In den 50er-Jahren brach Polio (Kinderlähmung) immer wieder aus, vor allem bei Kindern. Das Polio-Virus befiel bei schweren Verläufen der hochansteckende Viruserkrankung Nervenzellen in Rückenmark und Gehirn. Das wiederum kann zu Lähmungen führen und zum Ausfall der Atemmuskulatur. Viele Patienten benötigten die maschinelle Atemhilfe in Form der Eisernen Lunge. Teilweise kam es zur Triage. Wegen dieser Gefahr wurde in der DDR 1960 die Impfpflicht gegen Polio eingeführt. Erst im Jahr 1962 begann auch der Westen, mit Impfstoffen aus den USA gegen Polio zu immunisieren.

Bisherige Impfpflichten in Baden-Württemberg

In manchen Bundesländern wurden nach dem 2. Weltkrieg, neben der noch bestehenden bundesweiten Pocken-Impfpflicht, die Impfpflichten ausgeweitet. Ab 1950 etwa beispielsweise im damaligen Nord-Württemberg und Nord-Baden für Diphtherie und Scharlach. Zudem war die Impfung gegen Diphtherie in Baden-Württemberg bei Aufnahme in Betreuungseinrichtungen vorgesehen. Das ist aktuell nicht mehr der Fall.

Für Masern gibt es eine Impfpflicht: Für wen und wann gilt sie?

Eine auf eine bestimmte Gruppe bezogene Impfpflicht gibt es in Deutschland auch bereits für die Masern-Impfung – und zwar für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten. Kitas dürfen ungeimpfte Kinder, die nicht gegen die Masern immunisiert sind, nicht aufnehmen.
Die Masern-Impfpflicht gilt auch für Erzieherinnen, Lehrer und Tagesmütter, wenn sie nach 1970 geboren wurden; Ältere werden als immun eingestuft. Vor Einführung der Impfpflicht waren laut RKI bei den Schuleingangsuntersuchungen 97 Prozent einmal und 93 Prozent doppelt gegen Masern geimpft.
Schulen dürfen Kinder übrigens nicht ausschließen, es können jedoch Bußgelder bis zu 2500 Euro gegen die Eltern verhängt werden.