• Beim Corona-Gipfel von Kanzlerin Angel Merkel und der Ministerpräsidenten wurde der Lockdown verlängert, die Corona-Regeln wurde verschärft und erweitert.
Alle Pläne der Bundesregierung und der jeweiligen Landesregierungen zu erhofften Lockerungen der Corona-Regeln hängen von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland ab. Diese sinken zwar leicht, aber ist das schon die Trendwende in der Corona-Krise, die eigentlich angesichts der zahllosen Toten eine Corona-Katastrophe ist? Schließlich schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem täglichen Lagebericht: „Nach wie vor ist eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein.“ Die gute Nachricht: Das RKI spricht nach einem Anstieg der Fallzahlen in der ersten Januarwoche davon, dass „die Fallzahlen in den meisten Bundesländern (jedoch nicht allen) nun leicht sinken“.
Geht es so positiv weiter? Hier die wichtigsten Zahlen für den heutigen Samstag, 23.1.2021:

Das RKI meldet Neuinfektionen, Tote und 7-Tage-Inzidenz am Samstag, 23.1.2021

  • „Zeit Online“ berichtet, dass es aktuell 16.319 Neuinfektionen gibt. Die Zahlen von Zeit Online fußen auf direkten Mitteilungen aus den Landkreisen, deswegen gibt es weniger Verzögerungen in den Melde-Ketten als in der Statistik des RKI - sagt die „Zeit“. Deswegen können die Zahlen abweichen. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.
  • Infektionen der letzten sieben Tage: Nach Angaben von „Zeit Online“ haben sich in den letzten sieben Tagen 101.215 Menschen mit dem Virus angesteckt.
  • Infizierte: Insgesamt wurden, wie das RKI berichtet, seit Beginn der Pandemie in Deutschland 2.122.679 positive Fälle registriert. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.
  • Tote: Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt heute deutschlandweit 51.521 Personen.
  • Das sind 879 Tote mehr als am Tag zuvor. „Zeit Online“ zufolge gab es 887 neue Todesfälle zu verzeichnen. Zum Vergleich: Am Freitag waren laut RKI 859 neue Todesfälle gemeldet worden. Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde am Mittwoch mit 0,97 (Freitag: 0,93) angegeben. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 97 weitere Menschen anstecken. Am Donnerstag lag er bei 0,87. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz ist weiter deutschlandweit sehr hoch. Der Wert beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen und liegt aktuell bei 112,6. Gestern war ein Wert von 115,3 gemeldet worden. Der bisherige Höchststand war am Dienstag, 22.12.2020, mit 197,6 erreicht worden.
  • Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell groß: Die höchsten Inzidenzen haben laut „Zeit“
    Thüringen mit 237,8,
    Sachsen-Anhalt mit 215,5 und
    Brandenburg mit 203,1.
    Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 78,2.
    Baden-Württemberg liegt laut Landesgesundheitsamt bei einer 7-Tage-Inzidenz von 90,3,
    und Bayern laut RKI bei 108,8.

Weitere Corona-Zahlen zu aktuellen Infektionen und Covid-19-Fällen auf Intensivstationen

Auch der Sender NTV erhebt - ähnlich wie Zeit Online - eigene Zahlen zur Corona-Epidemie. Das sind die Zahlen für Deutschland am Samstag, 23.1.2021:
  • Corona-Infizierte bisher: 2.116.542.
  • Corona-Neuinfektionen: 16.805
  • Covid-19-Todesfälle insgesamt bisher: 51.290.
  • Neu hinzugekommene Covid-19-Todesfälle: 882.
  • Aktive Corona-Infektions-Fälle: 272.950.
  • Das sind 4322 aktive Corona-Fälle weniger als am Vortag.
  • Corona-Kranke auf Intensivstationen: 4768.
  • Invasiv Beatmete auf Intensivstationen: 2692.

Das sind die Corona-Zahlen weltweit laut Johns-Hopkins-Universität

Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, welche die Corona-Daten global erfasst, meldet am Freitagmorgen (Stand 6 Uhr) weltweit
  • rund 98,17 Millionen (Vortag: 97,4 Millionen) Infektionen mit dem Coronavirus bisher.
  • Gestorben sind demnach auf der Welt bisher mehr als 2.1 Millionen (Vortag: 2.088.799) Menschen. Die drei am stärksten Betroffenen Länder sind:
  • USA: 24.818.779 Infizierte (Vortag: 24.626.884) und 414.004 Tote (Vortag: 410.102).
  • Indien: 10.639.648 Infizierte (Vortag: 10.610.883) und 153.184 Tote (Vortag: 152.869).
  • Brasilien: 8.753.920 Infizierte (Vortag: 8.697.368) und 215.243 Tote (Vortag: 214.147).
  • Deutschland folgt auf dem 10. Rang mit laut JHU bisher 2.125.261 Infizierten (Vortag: 2.108.895) und 51.713 Toten (Vortag: 50.381).
Die Johns-Hopkins-Universität erfasst die Corona-Zahlen weltweit. Global gibt es bisher mehr als 98 Millionen Coronainfektionen und 2,1 Millionen Tote.
Die Johns-Hopkins-Universität erfasst die Corona-Zahlen weltweit. Global gibt es bisher mehr als 98 Millionen Coronainfektionen und 2,1 Millionen Tote.
© Foto: Screenshot Dashboard JHU

Zahlen zur Corona-Impfung

In Deutschland läuft die Impfung gegen das Coronavirus mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna immer noch schleppend. Baden-Württemberg hat mit Hessen die niedrigste Impfquote in Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern die höchste. Das sind die neuesten bundesweiten Impf-Zahlen, Stand Freitag:
  • Corona-Impfungen insgesamt: 1.501.639
  • Menschen mit einer Erstimpfung: 1.386.464
  • Das sind 54.988 mehr als am Vortag
  • Menschen mit einer Zweitimpfung: 115.175
  • Das sind 31.528 mehr als am Vortag
  • Die Impfquote in Deutschland insgesamt beträgt 1,7 Prozent.
  • Zum Vergleich: Aktuelle Impfquote in Baden-Württemberg: 1,3 Prozent
  • In Bayern beträgt die Impfquote 1,8 Prozent.
  • In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Impfquote 2,9 Prozent

Ermutigende Corona-Zahlen, aber kaum Hoffnung auf Lockerungen der Regeln

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte die Zahlen der vergangenen Tage "ermutigend", aber immer noch zu hoch. RKI-Chef Lothar Wieler sagte, die seien Erfolge des Lockdowns, es dürfe aber nicht nachgelassen werden, sagte Wieler. Er betonte aber die Notwendigkeit, die Corona-Maßnahmen weiterhin strikt einzuhalten. „Wir können nur zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren, wenn wir die Fallzahlen massiv senken und auch auf Dauer niedrig halten.“
Der Virologe Christian Drosten sagte mit Blick auf mögliche Lockerungen: "Man sollte nicht naiv in so eine Situation reingehen." Er warnte vor der Annahme, dass die Zahlen im Sommer automatisch sinken. Drosten verwies darauf, dass 2020 ganz früh die Corona-Maßnahmen beschlossen wurden, "so dass sich das Virus die ganze Zeit ruhig verhalten hat im Sommer". In anderen, warmen Ländern, etwa in Spanien, sei das aber nicht geschehen.

Neuer Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll kommen - Weniger Impf-Dosen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich zuversichtlich, dass trotz der Lieferschwierigkeiten des Impfstoffherstellers Astrazeneca im Februar viele Menschen mit dem Vakzin geimpft werden können. Er erwarte die Zulassung des Impfstoffs in einer Woche, und es werde „dann auch im Februar Lieferungen geben von Astrazeneca, und zwar in einer Größenordnung, da bin ich weiterhin zuversichtlich, die schon im Februar einen Unterschied machen wird im Vergleich zu, wenn wir Astrazeneca nicht hätten“, sagte der CDU-Politiker in den ARD-„Tagesthemen“. Allerdings hat Astrazeneca angekündigt, nicht die versprochene Menge an Impfdosen liefern zu können.

Warnung: Dritte Welle bei Corona-Infektionen verhindern

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, gab trotz der sinkenden Zahl intensivmedizinisch betreuter Corona-Patienten gab er aber keine Entwarnung.
Aktuell seien rund 4.800 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. In der Spitze seien es Anfang Januar fast 5.800 gewesen. Die Intensivmedizin spüre erste positive Wirkungen des Lockdown, sagte Marx. Man sei aber noch weit entfernt von einer Situation, die man als Entspannung bezeichnen könne.
Er plädierte dafür, die derzeitigen Einschränkungen auch wegen der Gefahr der Virusmutation bis Ende Februar oder sogar Ende März beizubehalten. „Wir müssen verhindern, dass die dritte Welle kommt, bevor wir die zweite bewältigt haben“, sagte er.
Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner hält in der Corona-Pandemie nicht nur eine dritte Welle, sondern auch eine vierte Welle und fünfte Welle für möglich. Womöglich würden diese aber flacher als die erste und zweite Welle verlaufen.

Die wichtigsten Kennzahlen der Corona-Pandemie: Was sind Reproduktionszahl, Neuinfektionen und Inzidenz?

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Fallzahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.