• Auf dem Corona-Gipfel werden Beschlüsse verabschiedet, welche die Zahl der Infektionen senken helfen sollen.
  • Politiker und Forscher setzen auf eine Herdenimmunität und Impfungen gegen das Coronavirus und seine steigende Zahl an Mutationen.

Corona-Impfung eines der wichtigsten Themen beim Corona-Gipfel

Einer der Hauptkritikpunkte an der aktuell desolaten Corona-Situation ist die Impfstrategie der Bundesregierung unter Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Im Land wurden riesige Kreisimpfzentren aufgebaut, die täglich tausende Menschen gegen das Virus impfen könnten. Doch vielerorts herrscht Stillstand, weil es zu wenig Impfstoff gibt. Dazu kommt, dass Biontech/Pfizer Lieferprobleme hat.
Der Status der Impfungen war auch Thema beim Corona-Gipfel am 19.1.2021 mit Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder. Denn bis zum Gipfeltag waren laut RKI nur knapp 1,32 Millionen Menschen in der Bundesrepublik geimpft, das entspricht etwa 1,58 Prozent der Bevölkerung.
Zum Vergleich: In den USA sind mehr als 15 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden - 4,55 Prozent der Bevölkerung.

Müller: Brauchen mehr Zuverlässigkeit bei der Lieferung

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller dringt auf mehr Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit bei den Lieferungen von Corona-Impfstoffen. „Das Entscheidende gerade in den erste Wochen ist die Verlässlichkeit“, sagte der SPD-Politiker bereits am Dienstag, 19.1.2021 nach Bund-Länder-Beratungen in Berlin. Auf den Lieferterminen baue das System der Einladungen in die Impfzentren auf. Nur bei pünktlicher Lieferung sei sichergestellt, dass die unterschiedlichen Altersgruppen dort geimpft werden könnten.

Video Lockdown verlängert und verschärft: Das sind die Beschlüsse

Corona-Impfungen sollen Pandemie überwinden und Normalität bringen

Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern war die Impfung gegen Corona ein Kern-Thema: Dort hieß es: „Zum Beginn des Jahres 2021 ist die Corona-Pandemie von großer Hoffnung geprägt. Die Zulassung von inzwischen zwei Impfstoffen, der Beginn der Impfungen und die Aussicht auf weitere erfolgreiche Impfstoffkandidaten sind verbunden mit der Hoffnung, dass die Pandemie in diesem Jahr überwunden werden kann.“ Sobald bei entsprechender Verfügbarkeit allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot gemacht werden könne, gebe es eine „Perspektive für eine Normalisierung unseres Alltags und die Rückkehr zu einem Leben ohne pandemiebedingte Einschränkungen.“
Welche Stoffe gibt es überhaupt und was ist in der Entwicklung? Bisher sind zwei Impfstoffe auf dem Markt in Deutschland zugelassen. Mehrere weitere sollen folgen.

Bis zu sieben Corona-Impfstoffe in 2021 erwartet

Der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen (Hessen), Klaus Cichutek, rechnet in diesem Jahr mit "sechs bis sieben" weiteren Anträgen auf die Zulassung von Impfstoffen. „Da bestehen gute Aussichten, dass weitere Impfstoffprodukte im Laufe des Jahres auf den Markt kommen", sagte er im Interview mit RTL und NTV. Nach der Zulassung durch die EMA prüft das Paul-Ehrlich-Institut die Impfstoff-Chargen für Deutschland. Weitere Kandidaten und Unternehmen für Corona-Impfstoffe sind neben Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson unter anderem Curevac, Sanofi-GSK und Valneva.

Bisher zwei Impfstoffe in Deutschland gegen Corona zugelassen - zwei weitere folgen

Aktuell sind zwei Impfstoffe in Deutschland zugelassen. Der erste war das von der Mainzer Firma Biontech und dem US-Pharma-Riesen Pfizer entwickelte Mittel „Comirnaty“, der zweite, Moderna, kommt aus den USA. Zwei weitere Impfstoffe sollen bald von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen werden: Der britisch-schwedische Impfstoff von Astrazeneca und ein Stoff des Konzerns Johnson & Johnson.

Wirksamkeit, Kosten, Eigenschaften: Vier aktuelle Impfstoffe im Vergleich

Die beiden Impfstoffe, mit denen bereits Menschen in Deutschland geimpft werden und die beiden weiteren, welche bald folgen sollen, unterscheiden sich teilweise in Bezug auf Wirksamkeit, Wirkweise, Kosten, Lagerung und Zahl der notwendigen Impfdosen. Unklar ist zurzeit, wie lange die Impfungen genau schützen und ob der Geimpfte ansteckend ist, also ob er das Virus noch weitergeben kann. Optimistisch sind Experten, dass die Impfungen auch bei der Coronavirus-Variante B117 funktionieren, die in Großbritannien entdeckt wurde und als besonders ansteckend gilt. Einen Anspruch auf eine Auswahl des Impfstoffes hat man im Zuge der Massenimpfung derzeit nicht.
Hier die aktuell vier wichtigsten Impfstoffe im Vergleich:

Corona Impfstoff von Biontech/Pfizer

Bei Biontech handelt es sich um den ersten in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoff.
  • Biontech ist ein „mRNA-Impfstoff“. Das Kürzel steht für „Messenger“ (Bote) und „RNA“ für ribonucleic acid (Deutsch: Ribonukleinsäure). Vorher wurde noch kein Impfstoff dieser Art für den Menschen zugelassen. Mit der mRNA enthalten die Impfstoffe quasi die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers SARS-CoV-2. Auf dieser Grundlage stellen die menschlichen Zellen das Virusprotein her. Gegen dieses entwickelt der Körper dann seine Immunantwort. Entgegen kursierender Gerüchte wird die mRNA dabei nicht in das Erbgut (DNA) des Menschen eingebaut.
  • Bei Biontech/Pfizer sind zwei Impfungen notwendig, der zu Impfende bekommt im Abstand von etwa 21 Tagen jeweils eine Dosis.
  • Der Pfizer-Impfstoff zeigte in Studien eine Wirksamkeit von 95 Prozent, gemessen sieben Tage nach der zweiten Dosis.
  • Der Impfstoff von Biontech/Pfizer muss bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Der Pfizer-Impfstoff kann nach dem Auftauen im Kühlschrank gelagert, muss aber binnen fünf Tagen aufgebraucht werden.
  • Der Impfstoff von Biontech und Pfizer kostet 12 Euro pro Dosis.

Corona Impfstoff von Moderna

Das Präparat von Moderna mit dem offiziellen Namen „mRNA-1273“ ist der zweite in der EU zugelassene Corona-Impfstoff.
  • Auch bei Moderna handelt es sich um einen so genannten mRNA-Impfstoff.
  • Bei Moderna sind zwei Impfungen notwendig, der zu Impfende bekommt im Abstand von etwa vier Wochen jeweils eine Dosis.
  • Das US-Unternehmen Moderna nennt eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent - gemessen 14 Tage nach der zweiten Dosis.
  • Der Moderna-Impfstoff muss bei etwa minus 20 Grad Celsius gelagert werden. Nach dem Auftauen ist er 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil.
  • Das Moderna-Mittel ist mit umgerechnet 14,81 Euro pro Dosis am teuersten.

Corona Impfstoff von Astrazeneca kommt bald

Der schwedisch-britische Pharmakonzern Astrazeneca hat die Zulassung seines Corona-Impfstoffes bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt. Der Impfstoff könnte Ende Januar 2021 zugelassen werden und wäre damit nach den Wirkstoffen von Biontech/Pifzer und Moderna das dritte in der EU eingesetzte Vakzin. Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz twitterte am Donnerstag, 21.1.2021, beim EU-Gipfel seien sich alle einig gewesen, dass Impfstoffe so schnell wie möglich ausgeliefert werden müssten. Er erwarte die Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca spätestens in der Woche vom 25.1.2021 bis 31.1.2021.
Der Impfstoff von Astrazeneca könnte das Problem der Impfstoff-Knappheit in der EU erleichtern.
  • Der Impfstoff basiert auf einer abgeschwächten Variante eines Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt. Dieses sogenannte Vektorvirus wurde genetisch so verändert, dass es beim Menschen eine Immunabwehr gegen das Coronavirus erzeugt.
  • Der Impfstoff ist im Vergleich zu den anderen mit weniger als 2 Euro deutlich preiswerter als die anderen.
  • Er kann im Gegensatz zu dem von Biontech/Pfizer und Moderna bei normaler Kühlschranktemperatur für sechs Monate gelagert werden.
  • Nach vorläufigen Daten ist das Mittel etwas weniger wirksam als die neuartigen mRNA-Wirkstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Durch Zufall stellte Astrazeneca fest, dass die Wirksamkeit seines Impfstoffes 90 Prozent betrug, wenn Probanden zunächst nur eine halbe Dosis und bei der zweiten Injektion einen Monat später eine ganze Dosis erhielten. Wenn beide Male eine volle Dosis gespritzt wurde, lag die Wirksamkeit hingegen nur bei 62 Prozent.
  • Dem Mittel von Astrazeneca hatte Großbritannien Ende 2020 als erstes Land der Welt eine Genehmigung erteilt.

Corona Impfstoff von Johnson & Johnson

Der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) könnte schon im Februar 2021 als vierter Hersteller einen Antrag auf Zulassung seines Corona-Impfstoffes in der EU stellen. Über diesen Stoff gibt es noch nicht so viele Informationen. Bekannt ist:
  • Es soll sich wie bei Astrazeneca um einen so genannten Vektorviren-Impfstoff handeln.
  • Der J&J-Impfstoff soll gegenüber den bisher zugelassenen Mitteln den Vorteil haben, dass nur eine Dosis für einen umfassenden Schutz ausreicht.
  • Zur Wirksamkeit gibt es noch keine Daten. In zwei bis drei Wochen werden die Ergebnisse der großen Phase-3-Patientenstudie mit den klinischen Daten wohl vorliegen, meldet „Business Insider“. Die Daten der vorherigen Studien hätten aber eine gute Wirksamkeit gezeigt.
  • Er soll leichter zu verarbeiten, zu lagern und zu transportieren sein als der Biontech/Pfizer-Impfstoff.
  • Das Mittel von Johnson & Johnson soll mit 6,98 Euro pro Dosis bedeutend billiger sein als die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, und etwas teurer als der Stoff von Astrazeneca. Das Mittel wird für Europa in den Niederlanden produziert.
  • Laut „Wirtschaftswoche“ wird unter Wissenschaftlern „JNJ-78436735“, so der vorläufige Name des Impfstoffkandidaten von J&J, als Geheimtipp im Kampf gegen die Pandemie gehandelt. J&J will eine Milliarde Impfstoffdosen pro Jahr liefern, soll aber Produktionsprobleme haben.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen durch eine Corona-Impfung

Bei den beiden zurzeit angewendeten Impfstoffen gibt es wenige Nebenwirkungen. An der Phase-3-Studie von Biontech/Pfizer beteiligten sich etwa 44.000 Teilnehmer, bei Moderna waren es rund 30.000. Unabhängig vom Präparat gaben viele Studienteilnehmer folgende Symptome und Beschwerden an:
  • Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Müdigkeit
  • Kopf- und Muskelschmerzen
  • Fieber und Schüttelfrost
Im Allgemeinen waren die Nebenwirkungen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit ab. Bei beiden Impfstoffen traten die Begleiterscheinungen öfter bei der zweiten Impfdosis auf. Im Vergleich zu Grippe-Impfstoffen gab es häufiger Nebenwirkungen.

Lauterbach: Mehr Impfungen gegen schwere Mutationen des Virus

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet für den Sommer mit einer deutlichen Verbesserung der Corona-Lage. „Wichtig ist, dass wir so schnell wie möglich impfen, damit wir schwere Mutationen des Virus verhindern“, sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben nur für etwa 25 Millionen Menschen Impfstoff im ersten Halbjahr, also bis ungefähr Ende Juni. Weit über die Hälfte der Bevölkerung wird also bis zur Mitte des Jahres nicht geimpft sein. Aber im zweiten Halbjahr werden wir dann eine deutliche Erleichterung erleben.“