• Sehr hohe Zahl an Neuinfektionen und Todesfällen
  • Reisewarnungen für Großbritannien, Nordirland und Irland
  • Es droht Überlastung des Gesundheitssystems

Aktuelle Lage in Großbritannien und Nordirland: Neuinfektionen und Todesfälle

Die Zahl der Neuinfektionen ist im Vereinigten Königreich nach Regierungsangaben sehr hoch. In den letzten sieben Tagen wurden demnach 417.570 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet. Im Vergleich zur Vorwoche entspricht das einem Anstieg von 14 Prozent. Insgesamt gibt es im Vereinigten Königreich seit Beginn der Pandemie 3.072.349 positive Corona-Fälle. Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt laut Regierung aktuell 82.624 Personen - das sind nur diejenigen, die in den vier Wochen vor ihrem Tod positiv auf das Virus getestet wurden. Zum Vergleich: Deutschland zählt am Montag, 11. Januar, 40.686 Todesfälle.
Auch in Irland sind die Infektionszahlen zuletzt stark angestiegen. In den letzten sieben Tagen haben sich dort 926 Personen pro 100.000 Einwohner mit Corona infiziert (7-Tage-Inzidenz). Seit Beginn der Pandemie gab es laut Angaben der irischen  Regierung in Irland 147.613 positive Corona-Fälle, 2.344 Menschen sind mit oder an einer Corona-Infektion gestorben. Das Auswärtige Amt hat ganz Irland als Risikogebiet eingestuft.
Zudem seien in Irland vermehrt Fälle der neuen Corona-Mutation festgestellt worden. Die Variante des Virus ist im Herbst vergangenen Jahres erstmals in Großbritannien aufgetreten. Sie besitzt offenbar eine noch größere Ansteckungsgefahr als die ursprüngliche Form des Virus. Nun ist auch in Japan eine neue Corona-Mutation entdeckt worden.

Höchste Alarmstufe in Großbritannien: So ist die Lage in den Krankenhäusern

Nach Angaben des Auswärtigen Amts muss angesichts der aktuellen Entwicklung mit einer Überlastung des Gesundheitssystems im Vereinigten Königreich gerechnet werden. Aktuell gilt dort das Alert Level 5, die höchste verfügbare Alarmstufe. Die Einstufung basiert auf Empfehlungen des Joint Biosecurity Centers (JBC). Stufe 5 wird dann ausgerufen, wenn die Fallzahlen exponentiell wachsen und die Gesundheitsdienste Gefahr laufen, überfordert zu werden.
Insbesondere in London ist die Lage bedenklich. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, geraten die Krankenhäuser dort an ihre Belastungsgrenzen: Krankenwagen müssten teilweise stundenlang warten, bis Patienten ein Bett bekommen. Die Bedrohung, die das Coronavirus für die Stadt darstelle, sei an einem kritischen Punkt, sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan. „Wenn wir nicht unverzüglich handeln, könnte unser Gesundheitsdienst NHS überwältigt werden und mehr Menschen werden sterben.“
In Großbritannien und Irland sind die Corona-Infektionszahlen stark angestiegen. Vor allem in London sind die Krankenhäuser aufgrund der Pandemie an ihren Belastungsgrenzen.
In Großbritannien und Irland sind die Corona-Infektionszahlen stark angestiegen. Vor allem in London sind die Krankenhäuser aufgrund der Pandemie an ihren Belastungsgrenzen.
© Foto: Tolga Akmen/DPA
Auch der medizinische Berater der britischen Regierung, Chris Whitty, äußerte sich besorgt. Er sagte im BBC-Interview, die nächsten Wochen würden die „schlimmsten Wochen“ der Pandemie werden. In einem Gastbeitrag für die Times on Sunday warnte er vor einem Kollaps des Gesundheitssystems. „Wenn das Virus so weitermacht, werden Krankenhäuser in echten Schwierigkeiten sein, und zwar bald“, schrieb der Medizinprofessor. Das könne schon in wenigen Wochen der Fall sein.
Die Wartezeit für eine Behandlung der Patienten werde sich auf ein potenziell gefährliches Niveau erhöhen, so Whitty weiter. Das Verhältnis von Krankenhauspersonal zu Patienten werde inakzeptabel werden. Der Gesundheitsdienst sei in manchen Teilen des Landes derzeit der gefährlichsten Lage seit Menschengedenken ausgesetzt. „Es wird Todesfälle geben, die vermeidbar gewesen wären.“
Vor den Notaufnahmen stauen sich schon jetzt die Rettungswagen. Patienten müssten teilweise bis zu neun Stunden auf ein Krankenhausbett warten, sagte die Geschäftsführerin des britischen Verbands der Rettungssanitäter (College of Paramedics), Tracy Nicholls, dem Nachrichtensender Sky News.

Lockdown und Mund-Nasen-Schutz: Diese Regeln gelten vor Ort

Die Regierung in Großbritannien hatte in der vergangenen Woche den inzwischen dritten landesweiten Lockdown ausgerufen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes darf man in England das Haus grundsätzlich nicht verlassen. Treffen mit Personen, die nicht zum eigenen Haushalt oder zu einer bestehenden Unterstützungsgemeinschaft („support bubble“) gehören, sind demnach bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich verboten.
Alle Schulen, Universitäten und nicht essentiellen Geschäfte sind geschlossen. Reisen im In- und Ausland sind untersagt, es sei denn, es liegen rechtliche Gründe vor. Legitime Gründe das Haus zu verlassen sind derzeit: Arbeit, Pflege oder auch geteiltes Sorgerecht. Grundsätzlich besteht die Pflicht, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis, Supermärkten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Auch in Schottland gilt dem Auswärtigen Amt zufolge ein Lockdown mit erheblichen Bewegungseinschränkungen. Einreisen nach Schottland sind nur noch in dringenden Fällen erlaubt. Das gesamte Gebiet von Wales unterliegt den strengen Regeln der Stufe 4: „Stay at home“.
In Nordirland gelten seit 26. Dezember für mindestens 6 Wochen weitreichende Beschränkungen. Es ist verboten, sich in der eigenen Wohnung mit anderen Haushalten, Familien, Freunden zu treffen, es sei denn, man gründet mit einem anderen Haushalt eine Gemeinschaft. Private Übernachtungen sind mit wenigen Ausnahmen verboten. Restaurants und Pubs bleiben bis auf Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf geschlossen. Nicht essentielle Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Ein Mund-Nasen-Schutz ist in öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten, Geschäften vorgeschrieben.

Reisen nach Großbritannien, Nordirland und Irland: Was aktuell erlaubt ist

Reisen aus touristischen Gründen sind in und nach Großbritannien und Nordirland untersagt. Die britische Regierung hat angekündigt, dass voraussichtlich ab 14. Januar 2021 bei Einreisen aus allen Ländern mit Ausnahme Irlands ein negativer Corona-Test vorzulegen ist. Für Reisende aus Deutschland gilt eine 10-tägige Quarantänepflicht und die Pflicht, sich elektronisch anzumelden.
Bei der Einreise nach Irland ist ein Formular mit Angabe von Name, Telefonnummer und der Wohnadresse in Irland auszufüllen. Grundsätzlich sind alle Einreisenden, auch Iren und Bürger mit Wohnsitz in Irland, aufgefordert, für 14 Tage nach Einreise ihre Bewegungen stark einzuschränken.
Die Bundesregierung hat am 21. Dezember 2020 beschlossen, dass Einreisende aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland neben der bestehenden Anmelde- und Quarantänepflicht den Nachweis eines negativen COVID-19-Tests vorweisen müssen. Die gleichen Regel gilt für Einreisende aus Irland.

Corona-Impfung in Großbritannien: Regierung erhöht das Tempo

Die Hoffnung ruht nun darauf, dass so schnell wie möglich breite Bevölkerungsschichten geimpft werden können. Am Freitag ließ die Regierung in London mit dem Impfstoff des US-Herstellers Moderna bereits das dritte Präparat zu. Bereits im Einsatz sind das Mittel von Biontech/Pfizer und der Impfstoff der Universität Oxford und des Konzerns Astrazeneca.
Die 90-jährige Margaret Keenan aus England bekommt den Pfizer/BioNtech-Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Regierung möchte das Tempo bei den Impfungen erhöhen.
Die 90-jährige Margaret Keenan aus England bekommt den Pfizer/BioNtech-Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Regierung möchte das Tempo bei den Impfungen erhöhen.
© Foto: Jacob King/DPA
Bislang sind in Großbritannien nach Angaben der Regierung bereits knapp zwei Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, will die britische Regierung im Kampf gegen eskalierende Corona-Fallzahlen das Tempo beim Impfen erhöhen. In England nahmen am Montag sieben große Impfzentren ihren Betrieb auf, weitere sollten im Laufe der Woche folgen, wie der staatliche Gesundheitsdienst NHS ankündigte. Bis Mitte Februar sollen die 13 Millionen gefährdetsten Bürger in England eine Impfung angeboten bekommen haben.