• Die Corona-Zahlen in Deutschland sind unverändert sehr hoch
  • Insbesondere die Fallzahlen bei den Toten gibt Anlass zur Sorge - seit Tagen liegt sie rund um den Wert von 1000 pro Tag
  • Unter der Woche ist daher von Bund und Ländern der harte Lockdown bis Ende Januar verlängert worden.
Wirkt die auf dem Corona-Gipfel beschlossene Verlängerung des Lockdowns? Vorerst sieht es laut Experten noch nicht nach einer Entspannung des Infektionsgeschehens in der Pandemie aus. Das haben auch die Corona-Zahlen in den vergangenen Tage verdeutlicht Sie lagen in Deutschland teils deutlich über den Fallzahlen der Vorwochen-Tage. Und am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen neuen Rekord bei den Todesfällen binnen eines Tages. Das alles kann noch immer mit den Verzögerungen bei Tests und Meldungen durch die Gesundheitsämter über die Feiertage an Weihnachten und Silvester zusammenhängen, wie das RKI bereits seit Tagen betont.
Werden die Werte also allmählich „belastbarer“? Wie hoch sind die Corona-Zahlen heute, am Montag, 11.1.21, in Deutschland? Und wie hoch sind die Fallzahlen bei Neuinfektionen und Todesfällen im Vergleich zum Montag der Vorwoche, dem 4.1.21?

Corona-Zahlen in Deutschland heute: Neuinfektionen, Tote und Inzidenz laut RKI & JHU am 11.1.21

  • Da am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten übermitteln, liegen die Zahlen des RKI sonntags und montags in der Regel niedriger als an anderen Wochentagen.
  • Zudem bleibt eine Interpretation der Daten weiter schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden.
  • „Zeit Online“ berichtet, dass es heute 14.297 neue Infizierte gibt. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Infektionen der letzten sieben Tage: Nach Angaben von „Zeit Online“ haben sich in den letzten sieben Tagen 145.970 Menschen mit dem Virus angesteckt.
  • Infizierte: Insgesamt wurden, wie das RKI berichtet, seit Beginn der Pandemie in Deutschland 1.921.024 positive Fälle registriert.
  • Tote: Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt heute deutschlandweit 40.686 Personen. Das sind 343 Tote mehr als am Tag zuvor. Das ist ein neuer Höchstwert. „Zeit Online“ zufolge gab es 368 neue Todesfälle zu verzeichnen. Bei den Todesfällen wurde am Freitag, 8. Januar 2021, mit 1188 Fällen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Höchstwert registriert worden. Bereits seit mehreren Tagen liegt die Zahl der gemeldeten täglichen Todesfälle um die Tausend.
  • Genesene: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI wieder 1.545.500 Menschen von der Erkrankung erholt.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde mit 1,18 (Vortag: 1,16) angeben. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz ist weiter deutschlandweit sehr hoch. Der Wert beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen und liegt aktuell bei 166,6. Gestern war ein Wert von 162,2 gemeldet worden. Der bisherige Höchststand war am Dienstag, 22.12., mit 197,6 erreicht worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken.
  • Geimpfte: Insgesamt wurden laut RKI - Stand 8.1.2021 - 532.878 Menschen geimpft. Das entspricht einer Quopte von 6,4 Geimpften pro 1.000 Einwohner.

Aktuelle Corona-Zahlen in Deutschland laut RKI Dashboard: Bundesländer und Landkreise

Das Robert Koch-Institut ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage „das Public-Health-Institut für Deutschland“. Während der Corona-Pandemie veröffentlicht das RKI in seinem Dashboard täglich die neuen Fallzahlen - für die gesamte Bundesrepublik, die Bundesländer, aber auch die darunter liegenden Kreise.
Ziel des RKI: Die Bevöl­ke­rung in Deutschland vor Krank­heiten zu schützen und ihren Gesundheits­zu­stand zu verbessern. Daran arbeiten und forschen im RKI jeden Tag gemein­sam 1100 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen. Hier geht es zum RKI-Dashboard.
Das RKI hat am Montag, 11.1.21, die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland veröffentlicht - mit Fallzahlen der Neuinfektionen und Toten.
Das RKI hat am Montag, 11.1.21, die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland veröffentlicht - mit Fallzahlen der Neuinfektionen und Toten.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Johns-Hopkins-Universität: Das sind die aktuellen Corona-Zahlen weltweit

Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) in der US-Stadt Baltimore, welche die Corona-Daten global erfasst, meldet am Montagmorgen (Stand 6 Uhr) weltweit
  • Rund 90.260.468 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus bisher.
  • Gestorben sind demnach auf der Welt bisher mehr als 1.934.784 Millionen Menschen. Die drei am stärksten Betroffenen Länder sind:
  • USA: 22.404.484 Infizierte und 374.322
  • Indien: 10.450.284 Infizierte und 151.160 Tote
  • Brasilien: 8.105.790 Infizierte und 203.100 Toten
  • Deutschland folgt auf dem 10. Rang mit laut JHU 1.929.410 bisher Infizierten und 40.936 Toten

Corona-Zahlen in Deutschland heute: Sachsen bleibt Corona-Hotspot

Sachsen bleibt der bundesweite Corona-Hotspot. Alleine von Samstag auf Sonntag wurden 2061 Neuinfektionen registriert, insgesamt schlagen für den Freistaat seit Beginn der Pandemie im vergangenen März 155.627 Corona-Infektionen zu Buche, wie aus den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen liegt demnach bei 359,8, am Donnerstag lag die Inzidenz noch bei 269. Sachsen bleibt mit Blick auf die Inzidenz bundesweit negativer Spitzenreiter. Deutschlandweit lag der Wert am Montag bei bei 166,6. Den niedrigsten Wert aller Bundesländer erreichte der Stadtstaat Bremen mit einer Inzidenz von 90,9.
Die Daten sind derzeit aber noch schwierig zu interpretieren, weil es über den Jahreswechsel Verzögerungen gegeben hat. Das RKI geht davon aus, dass die Meldedaten zum Infektionsgeschehen frühestens Ende nächster Woche/Anfang übernächster Woche wieder belastbar sind. Landesweit und bundesweit hat laut RKI nach wie vor der Landkreis Meißen mit 546,9 den höchsten Inzidenzwert.

Video Schärfere Corona-Regeln treten in Kraft

Corona Hotspots Deutschland: In diesen Kreisen ist die Inzidenz am höchsten und niedrigsten

Seit heute gelten in einigen Bundesländern Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit in Hotspots mit einer Inzidenz über 200. Folgende Kreise weisen am Montag die höchste Inzidenz auf:
  • Kreis Meißen in Sachsen (546,9)
  • Kreis Bautzen in Sachsen (533,4)
  • Kreis Saalfeld-Rudolstadt in Thrüringen (531)
Die niedrigsten Inzidenzen in Deutchland weisen Kreise im Norden auf:
  • Kreis Friesland in Niedersachsen (47,6)
  • Kreis Plön in Schleswig-Holstein (42,7)
  • Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein (40,5)

Nach erstem Lockdown weniger Fälle anderer Krankheiten gemeldet

Nach dem ersten Lockdown in der Corona-Pandemie 2020 haben die gemeldeten Fallzahlen vieler anderer Infektionskrankheiten laut einer Analyse des RKI um gut ein Drittel abgenommen. Zwischen März und Anfang August 2020 seien rund 140.000 Fälle gemeldet worden - 35 Prozent weniger als aufgrund der Daten von Januar 2016 bis Februar 2020 zu erwarten gewesen wären, teilte Sonia Boender vom RKI-Fachgebiet Surveillance auf Anfrage mit. Saisonale Effekte und Trends seien berücksichtigt worden.
Für die Analyse wurden Zahlen von meldepflichtigen Krankheiten und Erregern wie beispielsweise Grippe, Tuberkulose, Windpocken, Syphilis und Noroviren berücksichtigt. Die Gründe für den Rückgang beschreibt das RKI als vielschichtig und erregerspezifisch.
Sicherlich hätten auch die Corona-Maßnahmen einen Einfluss auf die Übertragung von anderen Krankheiten gehabt, erläuterte Boender. So hätten Maßnahmen wie etwa Schul- und Kitaschließungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Handhygiene insbesondere die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern von Mensch zu Mensch verhindert. Rückgänge gab es zudem bei Krankheiten wie Malaria, die bisher bei Reiserückkehrern diagnostiziert wurden. Die einzige Zunahme wurde für die Hirnentzündung FSME verzeichnet, die von Zecken übertragen wird.
Auch die aktuelle Grippe-Saison 2020/21 hat nach bisherigen Meldedaten sehr verhalten begonnen. Erfasst sind 266 im Labor bestätigte Fälle seit Anfang Oktober, wie aus dem Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza hervorgeht. Im Vorjahr seien um diese Zeit wesentlich mehr solcher Infektionen übermittelt worden, hieß es. Bereits im Frühjahr 2020 hatte die Grippesaison ein verfrühtes Ende gefunden. Das wurde auch auf die Corona-Maßnahmen zurückgeführt.

R-Wert, Neuinfektionen, Inzidenz und Co.: Die Kennzahlen der Corona-Pandemie

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Fallzahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.
  • Reproduktionszahl (R-Wert)
Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.
  • Neuinfektionen
Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.
  • Siebentage-Inzidenz
Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.
  • Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung
Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.