• Die Corona-Zahlen in Deutschland sind unverändert hoch
  • Insbesondere die Fallzahlen bei den Toten gibt Anlass zur Sorge
  • Unter der Woche ist daher von Bund und Ländern der harte Lockdown bis Ende Januar verlängert worden
Der vergangene Freitag hat verdeutlicht, worauf das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits seit Wochen hinweist: Die Corona-Zahlen für Deutschland werden nach Weihnachten und Silvester/Neujahr erst allmählich wieder belastbar sein. Wegen der Feiertage war es über rund zwei Wochen zu Verzögerungen bei den Meldungen der Coronavirus-Fallzahlen gekommen - sowie schlichtweg zu weniger Testungen. Sind Neuinfektionszahlen unterhalb der Schwelle von 10.000 also schon als Zeichen zu werten, dass der Lockdown wirkt?
Wohl kaum, wenn man einen Blick auf das Ende der Woche blickt. Einen ersten, traurigen „Vorgeschmack“ darauf, dass die Experten des RKI hinsichtlich der Entwicklung des Infektionsgeschehens haben könnten, bot der Freitag, als ein neuer Rekord bei den Todeszahlen, die im Zusmamenhang mit dem Virus stehen, binnen eines Tages gemeldet wurde.
Wie also steht es um die Neuinfektionen und die Todesfälle heute? Wie hoch sind die Corona-Zahlen in Deutschland am Sonntag, 10.1.21, laut RKI? Und wie hoch sind sie laut JHU?

Corona-Zahlen in Deutschland heute: Neuinfektionen, Tote und Inzidenz laut RKI & JHU am 10.1.21

  • Neuinfektionen: Wie das RKI berichtet, wurden binnen 24 Stunden mindestens 16.946 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland registriert. Zum Vergleich: Am Samstag waren 24.694 Neuinfektionen gemeldet worden. Am Sonntag vor einer Woche, dem 3.1.21, waren rund 10.300 neue Corona-Fälle binnen eines Tages gemeldet worden. Eine Interpretation der Daten bleibt weiter schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden.
  • „Zeit Online“ berichtet, dass es heute 19.368 neue Infizierte gibt. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen.
  • Infektionen der letzten sieben Tage: Nach Angaben von „Zeit Online“ haben sich in den letzten sieben Tagen 142.350 Menschen mit dem Virus angesteckt.
  • Infizierte: Insgesamt wurden, wie das RKI berichtet, seit Beginn der Pandemie in Deutschland 1.908.527 positive Fälle registriert.
  • Tote: Die Gesamtzahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, beträgt heute deutschlandweit 40.343 Personen. Das sind 465 Tote mehr als am Tag zuvor. Vor einer Woche waren am Sonntag 312 Tote binnen 24 Stunden gemeldet worden. „Zeit Online“ zufolge gab es sogar 636 neue Todesfälle zu verzeichnen. Bei den Todesfällen wurde am Freitag, 8. Januar 2021, mit 1188 Fällen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Höchstwert registriert worden. Bereits seit mehreren Tagen liegt die Zahl der gemeldeten täglichen Todesfälle um die Tausend.
  • Genesene: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI wieder 1.525.300 Menschen von der Erkrankung erholt.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert wurde mit 1,16 (Vortag: 1,17) angeben. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
  • 7-Tage-Inzidenz: Die zur Lagebeurteilung und für Beschlüsse rund um den Lockdown maßgebliche 7-Tage-Inzidenz ist weiter deutschlandweit sehr hoch. Der Wert beziffert die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen und liegt aktuell bei 162,2. Gestern war ein Wert von 153,9 gemeldet worden. Ihr bisheriger Höchststand war am Dienstag, 22.12., mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten Sachsen mit 269,8 und Thüringen mit 232,4. Den niedrigsten Wert hatte Bremen mit 74,0. Wegen der Feiertage sind die Wochenwerte aber ebenfalls mit Vorsicht zu bewerten. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken.


Corona-Fallzahlen: Die meisten Neuinfektionen in NRW - gefolgt von Bayern und BW

Die meisten Ansteckungen gab es „Zeit Online“ zufolge mit 3634 Fällen erneut in Nordrhein-Westfalen. Dahinter lagen, wie schon am Vortag, Bayern und Baden-Württemberg. Im Freistaat wurden demnach 2941 neue Fälle binnen 24 Stunden registriert, im Südwesten der Republik 2278. Auch bei den Städten ein ähnliches Bild wie in den Vortagen: Berlin rangiert mit 732 neuen Fällen vorne, in München waren es 513 und in Hamburg 353 bestätigte Ansteckungen.

Johns-Hopkins-Universität: Das sind die aktuellen Corona-Zahlen weltweit

Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) in der US-Stadt Baltimore, welche die Corona-Daten global erfasst, meldet am Sonntagmorgen (Stand 6 Uhr) weltweit
  • Knapp 90 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus bisher.
  • Gestorben sind demnach auf der Welt bisher mehr als 1,92 Millionen Menschen. Die drei am stärksten Betroffenen Länder sind:
  • USA: 22.132.369 Infizierte und 372.428
  • Indien: 10.450.284 Infizierte und 150.999 Tote
  • Brasilien: 8.075.998 Infizierte und 202.631 Toten
  • Deutschland folgt auf dem 10. Rang mit laut JHU 1.928.462 bisher Infizierten und 40.597 Toten

Aktuelle Corona-Zahlen in Deutschland laut RKI Dashboard: Bundesländer und Landkreise

Das Robert Koch-Institut ist nach eigenen Angaben auf seiner Homepage „das Public-Health-Institut für Deutschland“. Während der Corona-Pandemie veröffentlicht das RKI in seinem Dashboard täglich die neuen Fallzahlen - für die gesamte Bundesrepublik, die Bundesländer, aber auch die darunter liegenden Kreise.
Ziel des RKI: Die Bevöl­ke­rung in Deutschland vor Krank­heiten zu schützen und ihren Gesundheits­zu­stand zu verbessern. Daran arbeiten und forschen im RKI jeden Tag gemein­sam 1100 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen. Hier geht es zum RKI-Dashboard.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen, Neuinfektionen, Todesfälle und Inzidenz für Deutschland, die Bundesländer und Landkreise.
In seinem Dashboard veröffentlicht das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen, Neuinfektionen, Todesfälle und Inzidenz für Deutschland, die Bundesländer und Landkreise.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Fallzahlen in Deutschland: Heute verschärfen weitere Bundesländer die Corona-Regeln

In weiteren Bundesländern treten an diesem Sonntag schärfere Corona-Regeln in Kraft. Nachdem sie in Hamburg bereits seit Freitag gelten, ziehen nun Berlin, Niedersachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern nach. Weitere Bundesländer folgen am Montag. Bund und Länder hatten am Dienstag eine Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar mit verschärften Kontaktbeschränkungen beschlossen. Diese seien „leider erforderlich“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet der „Bild am Sonntag“.

Corona-Zahlen in Deutschland: Notfallmediziner rechnen noch nicht mit Entspannung der Lage

Notfallmediziner rechnen noch nicht mit einer Entspannung der Lage. „Da die Fallzahlen genau vor Weihnachten konstant sehr hoch waren, ist in den nächsten Tagen keinesfalls mit rückläufigen Todeszahlen zu rechnen“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) auf Anfrage.
„In den nächsten Tagen werden wir die Auswirkungen von Weihnachten und Silvester auf den Intensivstationen erleben“, so Divi-Präsident Gernot Marx vom Universitätsklinikum Aachen. Angesichts der validen Meldedaten bis 23. Dezember werde mit täglich etwa 600 Neuaufnahmen gerechnet. Von den Patienten, die auf Intensivstationen beatmet werden, stirbt nach bisherigen Erfahrungen etwa die Hälfte. Auf Intensivstationen werden nach Divi-Daten derzeit rund 5500 Covid-19-Patienten behandelt.

R-Wert, Neuinfektionen, Inzidenz und Co.: Die wichtigsten Kennzahlen der Corona-Pandemie erklärt

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden jeden Tag Fallzahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.
  • Reproduktionszahl (R-Wert)
Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.
  • Neuinfektionen
Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 30.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.
  • Siebentage-Inzidenz
Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.
  • Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung
Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.