• In Bayern gibt es bereits seit Anfang September eine neue Corona-Verordnung
  • Nach den Ferien gelten auch für Schülerinnen und Schüler neue Regeln
  • Was gilt im Restaurant, beim Friseur und im Fitnesstudio
  • Für kulturelle Veranstaltungen werden die Regeln gelockert
Für den weiteren Kampf gegen die Pandemie im Herbst und Winter schärfen immer mehr Bundesländer ihre Corona-Maßnahmen nach. Auch in Bayern gelten neue Regeln. Diese umfassen eine „Krankenhaus-Ampel“ als Indikator. 2G sei „theoretisch möglich und nicht verboten, aber nicht vom Staat vorgeschlagen“, hatte Ministerpräsident Markus Söder gesagt.
Nach dem Schulstart am Dienstag müssen nun auch in den Schulen neue Maßnahmen eingeführt werden. Nach den sechswöchigen Sommerferien in Bayern kehrten rund 1,64 Millionen Kinder wieder in die Schule zurück, darunter 121 000 Erstklässler. Der Freistaat stetzt auf Maskenpflicht und Coronatests an den Schulen, um eine mögliche Ansteckung mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Auch im bayerischen Kabinett stand der Schulstart am Dienstag, 14. September im Mittelpunkt. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie Schülern, die älter als 12 Jahre sind, in den kommenden Wochen Impfangebote gemacht werden können und wie bei Jüngeren die Infektionsgefahr möglichst gering gehalten werden soll.
Die Delta-Variante des Virus hatte sich in den vergangenen Wochen insbesondere unter den jüngeren Menschen, die nicht geimpft sind, massiv verbreitet. In anderen Bundesländern waren nach dem dortigen Ferien-Ende auch immer wieder Schulen von Corona-Fällen betroffen.
Rechtzeitig vor dem Ferienende in Bayern hatte die Gesundheitsministerkonferenz neue Quarantäne-Regeln für Schülerinnen und Schüler beschlossen: Hat einer oder eine von ihnen Corona, muss nicht mehr zwingend die ganze Klasse in Quarantäne. Was gilt für Geimpfte und Genesene? Mehr Infos hier.

Inzidenz und Hospitalisierung: Das gilt zum Schulstart in Bayern

Zum Beginn des Schuljahres ist für den Ablauf des Unterrichts nicht mehr primär die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche maßgeblich, sondern die Auslastung der Krankenhäuser. Bei jüngeren Menschen sind die Krankheitsverläufe verglichen mit Älteren zwar meist weniger problematisch. Gleichwohl gibt es aber auch hier Risiken, auch hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen.

Söder: Schulen bleiben offen

Trotz der Dauersorgen vor Infektionen an den Schulen, gibt sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuversichtlich: „Ich glaube insgesamt, dass wir ein sicheres Schuljahr erleben werden - trotz Corona“, sagte er am Dienstag vor Schülern eines Gymnasiums in München.
Bei seinem Besuch zusammen mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) räumte Söder aber erneut Nachholbedarf bei der Beschaffung von Luftreinigern für Klassenzimmer ein. Der Wunsch sei nach wie vor, viele Luftreiniger anzuschaffen. „Da gibt es tatsächlich noch bei einigen Nachholbedarf“, gestand Söder. Wie hoch der Bedarf aber konkret ist, konnte das Kultusministerium am Dienstag auch auf Nachfrage zunächst nicht beantworten.
Um weitere Schulschließungen zu vermeiden, wurde außerdem die Quarantäne-Regel neu angepasst: Bei einem Corona-Fall soll nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden. Stattdessen sollen die Kinder eine Woche lang täglich getestet werden. Enge Kontaktpersonen, die doch in Quarantäne mussten, können diese nach fünf Tagen mit einem negativen Testergebnis vorzeitig beenden.

Corona Kita Bayern: Lolli-Tests für Kinder

Bayern will die sogenannten Lollitests auch an den bayerischen Kitas einführen. „Wir wollen noch mehr Sicherheit in den Kitas“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag), „wir werden daher auf Wunsch der Eltern die Lollitests ermöglichen.“ Die Kommunen sollen demnach die Wahl haben, ob sie die Lollitests mit PCR-Standard einführen oder weiter auf freiwillige Selbsttests setzen. „Der Freistaat wird dafür die Kosten übernehmen“, erklärte Söder.
In Bayern müssen sich Schulkinder nicht selbst durch die Nase auf Corona testen. Stattdessen können sie einen sogenannten Lolli-Test machen.
In Bayern müssen sich Schulkinder nicht selbst durch die Nase auf Corona testen. Stattdessen können sie einen sogenannten Lolli-Test machen.
© Foto: Roland Weihrauch/dpa
Bei den Lollitests lutscht jedes Kind an zwei Tupfern. Im Labor werden die Proben von allen gesammelt und als Pool untersucht. Diese Pool-PCR-Tests gelten als zuverlässiger als die Schnelltests.

Corona Schule: Lehrerverbände kritisieren Lolli-Tests

Unmittelbar nach Beginn des neuen Schuljahrs haben sich Lehrervertreter am Mittwoch zornig zu Wort gemeldet. Grund für den Unmut ist einmal mehr das Vorgehen des Kultusministeriums - speziell die Vorgaben zu den kurzfristig einzuführenden Lolli-Tests an Grund- und Förderschulen sowie die Organisation von Impfangeboten.
„Das Schuljahr beginnt, wie das alte geendet hat: Hektik, Stress und großer Druck. Musste das so sein?“, so die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, in München. Erst am Freitag habe das Ministerium die Schulen über die neuen PCR-Pooltests informiert, bemängelte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit den kindgerechten Lolli-Tests zum Lutschen soll es bereits am nächsten Montag flächendeckend losgehen. „Das ist Wahnsinn“, so Landesvize Florian Kohl.
Binnen weniger Tage sollten die Eltern informiert, Einverständniserklärungen eingeholt, Elternabende abgehalten, Zugänge zu einer digitalen Schnittstelle erstellt und die Logistik geklärt sein. „Das ist schlicht unmöglich“, betonte Kohl. Fleischmann kritisierte zudem, dass die Schulleitungen obendrein noch Impfangebote direkt an den Schulen zu organisieren hätten. Die Verbände forderten, den Zeitdruck rauszunehmen und Schulen von nicht-pädagogischen Aufgaben zu entlasten.

Konzerte, Theater und Co. – Regeln für kulturelle Veranstaltungen gelockert

Für die Kulturbranche in Bayern gibt es in der Corona-Pandemie weitere Lockerungen. So dürfen kulturelle Einrichtungen nun selbst entscheiden, ob sie Gäste im Abstand von 1,5 Meter platzieren - dann ohne Maskenpflicht für die Besucher - oder ob auf Mindestabstände verzichtet wird - dann jedoch mit Maskenpflicht. Das geht aus dem neuen Rahmenkonzept hervor, dass das Kunstministerium am Sonntag vorstellte.
Bei kulturellen Veranstaltungen gilt ab einer Inzidenz von 35 die 3G-Regel, Besucher müssen also geimpft, genesen oder negativ getestet sein. Bei mehr als 1000 Besuchern gilt die Regel draußen und drinnen unabhängig davon, wie hoch die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen ist. Draußen gilt auch bei größeren Veranstaltungen nun keine Maskenpflicht mehr.
Mitwirkende müssen keine Maske tragen, wenn diese die künstlerische Darbietung behindert. Zudem kann aus künstlerischen Erwägungen auch auf den Mindestabstand bei den Mitwirkenden verzichtet werden. Kontakte werden zwar weiter erfasst, aber nicht mehr bezogen auf den Sitzplatz. Nun reichen die Kontaktdaten des Kartenkäufers aus.

Umfrage: Mehrheit für 2G-Regel

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland findet es richtig, wenn nur gegen das Coronavirus Geimpfte und davon Genesene (2G) ins Restaurant gehen oder Veranstaltungen besuchen dürfen. In einer Insa-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ äußerten sich 57 Prozent dahingehend. 33 Prozent halten es für falsch, wenn Gastronomie und Veranstaltungen nur noch Geimpften und Genesenen offen stehen. Von den Befürwortern wünschen sich 66 Prozent, dass 2G-Regeln verpflichtend eingeführt werden, 31 Prozent meinen, dass die Einführung jedem Gastronom oder Veranstalter überlassen werden sollte.

Restaurants und Cafés in Bayern: Was gilt für die Sperrstunde?

Zur Belebung der Innenstädte wäre nach Ansicht von Städtetagspräsident Markus Pannermayr (CSU) eine Verschiebung der Sperrstunde für die Außengastronomie nach hinten ein guter Ansatz. „Bis Mitternacht könnte ich mir gut vorstellen“, sagte er am Montag nach einem digitalen runden Tisch mit Vertretern der Staatsregierung, kommunalen Spitzenverbänden, zehn Oberbürgermeistern aus ganz Bayern, sowie den Kammern und Verbänden in München. Viele Innenstädte stünden vor großen Herausforderungen und bräuchten kreative Lösungen.

Corona-Verordnung für Bayern: Das gilt beim Friseur

Muss ich einen Corona-Test machen, bevor ich zum Friseur gehe? Wann muss ich dort eine Maske tragen? Und wo gilt die 3G-Regel? Alle Infos dazu gibt’s in diesem Artikel.

Diese Corona-Regeln gelten im Fitnessstudio

Geimpfte und Genesene haben in Fitnessstudios Vorteile gegenüber Ungeimpften. Es gilt flächendeckend die 3G-Regel, sie ist aber nicht komplett unabhängig von der Inzidenz. Die Details gibt’s hier:

Aiwanger: Antikörper-Tests sollten kostenlos sein

Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat kostenlose Antikörpertests auf das Coronavirus gefordert. Diese kosteten höchstens 20 Euro, bei zugleich sehr großem Nutzen, sagte Aiwanger dem „Donaukurier“. Denn: „Viele wissen ja gar nicht, ob sie bereits infiziert waren. Andere wissen es; doch der Status als "genesen" endet nach nur sechs Monaten und dann muss ich wieder – bald selbst zu bezahlende – Tests machen oder mich impfen lassen. Dabei haben viele Genesene deutlich länger ausreichend Antikörper.“
Zudem könne man erkennen, ob eine Impfung gewirkt habe oder ob eine dritte Spritze sinnvoll sei, argumentierte Aiwanger. Renommierten Immunologen zufolge ist jedoch unklar, ab welchem konkreten Grenzwert die Menge der gemessenen Antikörperkonzentration im Blut ausreichend vor einer Infektion schützt.