Diebstähle, Schreibfehler und mehr: Wenn Verkehrsschilder zu Opfern werden

Physische Gewalt, Hohn für Schreibfehler, politische Instrumentalisierung oder gar Entführungen: Verkehrsschilder machen einiges mit.
Amrei Oellermann, Eugen Leibold, Sven Kaufmann, Matthias Badura- Kunstaktion in Göppingen sorgt mit kuriosen Schildern für Lacher.
- Verkehrsschilder in Baden-Württemberg werden oft verspottet oder beschädigt.
- Ortsschilder von Städten wie Killer und Deppenhausen werden häufig gestohlen.
- Schilder geraten in die Schlagzeilen wegen Schreibfehlern oder Gewalt.
- Manchmal werden sie für politische Proteste oder Straftaten missbraucht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer zurzeit durch Göppingen spaziert, wird sich vermutlich häufiger mal verwundert die Augen reiben: Mehrere kuriose „Verkehrszeichen“ wurden in der Stadt angebracht, unter anderem fordert ein Schild am Rosenplatz Passanten dazu auf, sich sofort die Schuhe zu binden. Die „falschen“ Schilder sind Teil einer Kunstaktion und sorgen auch weit über Göppingen hinaus im Netz für Aufmerksamkeit und viele Lacher.
Abseits von Maischerzen kamen tatsächliche Verkehrsschilder aus Göppingen oder anderen Städten und Regionen in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren hingegen oft aus weniger harmlosen oder lustigen Gründen in die Schlagzeilen. Es wurde über sie gelacht – oder ihnen passierte gar noch Schlimmeres.
Schilder werden ausgelacht
Egal ob wir selbst Opfer davon werden oder es uns gesagt wird: Schon als Kinder lernen wir, dass Mobbing böse und falsch ist. Der Grundsatz, andere nicht anhaltend für Fehler, Eigenheiten oder Unzulänglichkeiten schlecht zu behandeln und auszugrenzen, gilt aber offenbar nicht für Verkehrsschilder. Diese müssen stattdessen immer wieder mal Spott und Hohn über sich ergehen lassen.
Diese Erfahrung musste fast drei Jahren ein Schild in Burladingen (Zollernalbkreis) machen: Eigentlich sollte es Autofahrer davor warnen, über Gauselfingen nach Gammertingen zu fahren, weil auf der Strecke Bauarbeiten liefen. Stattdessen wurde es von den Vorbeifahrenden ausgelacht. Der Grund: Der Hersteller des Schilds hatte sich vertippt und „Guaselfingen“ geschrieben – statt ihm musste aber das Verkehrszeichen selbst schuldlos die hämischen Blicke über sich ergehen lassen.
Eine ähnliche Erniedrigung erlitt ein Verkehrsschild in Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) vergangenes Jahr. Er sollte Menschen den Weg zur nahegelegenen Nebelhöhle weisen, konnte sie aber wegen eines fehlenden Buchstabens lediglich zur „Nebelhöhe“ leiten. Trotzdem konnte sich das Zeichen mit zwei guten Nachrichten trösten: Zum einen fiel vielen Verkehrsteilnehmern der Makel gar nicht auf, zum anderen wurde dieser nach seiner Entdeckung schnell behoben.
Etwas schlimmer hatte es ein Umleitungsschild in Heilbronn, dass sich im Jahr 2024 nicht nur mit Lachern, sondern sogar auch mit ein wenig Empörung herumschlagen musste. Auf diesem wurde der Weg nach Neckarsulm in „Neckars-ulm“ getrennt, obwohl die richtige Trennung „Neckar-sulm“ lautet. Einige Neckarsulmer fühlten sich deshalb in ihrem Lokalstolz verletzt und gegen ihren Willen der Münsterstadt Ulm zugeordnet. Glücklicherweise blieb es aber bei verbalen Attacken – von physischen Angriffen blieb das Verkehrszeichen verschont.
Schilder werden entführt
Nicht alle Schilder haben dieses Glück. Während einige von ihnen regelmäßig in Unfälle verwickelt und beschädigt werden, trifft es Ortsschilder von Städten und Gemeinden mit vermeintlich „lustigen“ Namen oft noch härter: Sie werden brutal aus dem Boden gerissen und entführt.
Die Gemeinde Killer (Zollernalbkreis) kann ein Trauerlied davon singen. Weil ihr Name vermutlich zweifelhaften Kultstatus bei übermütigen jungen Menschen genießt, wurden die Schilder am Ortseingang in der Vergangenheit sehr häufig von Unbekannten entfernt und als Trophäen mitgenommen. Auch andere Städte oder Ortsteile wie Deppenhausen und Schießen (Alb-Donau-Kreis, Kreis Neu-Ulm) sind Opfer von Schildentführern geworden und müssen neben dem finanziellen Schaden auch mit der Ungewissheit leben, wie es den geraubten Verkehrszeichen in ihrer Gefangenschaft ergeht. Die meisten von ihnen tauchen nie wieder auf.
Manchmal gibt es aber doch Gerechtigkeit: Nachdem eine Schilderdiebbande im Jahr 2023 Massenentführungen im Kreis Göppingen durchgeführt und über 20 Ortsschilder an sich gerissen hatte, wurde die Polizei aktiv und setzte sich für die Opfer aus Aluminiumblech ein. Durch umfangreiche Ermittlungen konnte ein Netzwerk aus vielen Tatverdächtigen ausgehoben werden, dass die gestohlene Ware zu einem Festival mitnehmen wollte. Mehrere der Entführungsopfer wurden wohlbehalten wiedergefunden, viele aber auch nicht.
Schilder werden für Straftaten missbraucht
Ihrer Heimat und Freiheit beraubt zu werden, ist leider für manche Verkehrsschilder nicht das Ende ihres Leidenswegs. Teilweise werden sie danach noch weitergequält oder gar unfreiwillig zum Mittäter bei anderen Straftaten gemacht.
In Geislingen (Kreis Göppingen) brach ein Unbekannter im Jahr 2023 zwei Bahnhinweisschilder von einem Mast ab und legte sie auf die Bahngleise. Die Schilder konnten dort nur hilflos auf das Unausweichliche warten, bis sie von einer Regionalbahn überrollt wurden. Die einzige gute Nachricht: Niemand sonst wurde verletzt, der Zug entgleiste nicht und erlitt nur geringe Schäden.
Kurz hinter der Grenze zu Bayern, in Dinkelsbühl (Kreis Ansbach), setzten zwei Männer vergangenes Jahr hingegen ein gestohlenes Verkehrsschild erfolgreich als Waffe gegen einen anderen Menschen ein: Sie schlugen mit ihm auf einen Pizzabäcker ein, weil der ihnen nach Ladenschluss kein Essen mehr machen wollte.
Schilder müssen als politische Symbole herhalten
Und selbst wenn sie nicht gemobbt oder an ihrem Stammort gelassen werden, können Schilder zu Opfern werden. Denn ab und zu sind sie das Ziel von politischen Aktivisten, die sie für ihre eigenen Zwecke zweckentfremden wollen.
Ein gutes Beispiel ist die Klimaprotestaktion im Juni 2023 in Ulm, als Personen auf die Schilderbrücke auf Ulmer Seite der Adenauerbrücke kletterten, sich von ihr abseilten und dort politische Botschaften anbrachten. Auch die Teilnehmer der Bauernproteste nutzten Verkehrszeichen ab und zu, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. In Kirchbierlingen (Alb-Donau-Kreis) drehten die Protestierenden das Ortsschild auf den Kopf, an anderen Orten ließen sie Gummistiefel von Schildern baumeln. Nichtsdestotrotz: Könnten sich Verkehrsschilder ihr Schicksal aussuchen, würden sie wohl dennoch Tatscher und müffelnde Stiefel einer Entführung oder zerstörerischer Gewalt vorziehen.

