Es soll ein stiller Advent werden im Südwesten. Ministerpräsident Kretschmann schiebt öffentlichen Menschenansammlungen einen Riegel vor. Viel ist noch offen. Aber klar ist bereits: Glühweintrinker*innen, Nachtschwärmer*innen und Fußballfans haben das Nachsehen. Die Intensivstationen laufen voll – deshalb schreitet das Land mit harten Maßnahmen voran. Freizeit- und Sportveranstaltungen sollen untersagt werden – auch für Geimpfte.
  • Es kommen neue Corona-Maßnahmen für Baden-Württemberg
  • Spätestens ab Samstag, 04.12.21, soll eine neue Verordnung gelten
  • Werden Veranstaltungen in Freizeit und Kultur komplett untersagt?
  • Welche Corona-Regeln gelten aktuell in BW?
  • Ulm, Heidelberg, Freiburg: Welche Weihnachtsmärkte finden 2021 statt?

Weihnachtsmärkte in BW werden wohl abgesagt

Eigentlich sollten schon heute neue Maßnahmen im Kabinett beschlossen werden. Nun will die Landesregierung aber abwarten, was bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag, 02.12.21, besprochen wird. Eine endgültige Verordnung soll dann erst ab Samstag gelten. Kretschmann hat im Voraus allerdings schon enttäuschende Nachrichten für viele Bürger in Baden-Württemberg – und besonders für Weihnachtsmarktverstanstalter und Beschicker.

Veranstaltungen sollen eingeschränkt werden

Großveranstaltungen sollen bundesweit stark eingeschränkt werden. Für Fußballspiele soll laut des Entwurfs der Beschlussvorlage für die Ministerpräsident*innenkonferenz bald eine maximale Personenobergrenze von 30 Prozent der Auslastung gelten – oder maximal 10.000 Zuschauer zugelassen werden. Baden-Württemberg will sogar noch weiter gehen und Großveranstaltungen verbieten.

Clubs und Diskos müssen schließen – alle Großverantstaltungen werden wegen Corona verboten

Dass Baden-Württemberg die Corona-Maßnahmen verschärfen will, ist klar. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage eine scharfe Einschränkung öffentlicher Veranstaltungen angekündigt. Man werde „ziemlich sicher“ regeln, dass Fußballspiele und Sportgroßveranstaltungen nur noch ohne Publikum stattfinden können, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Freizeitbetriebe wie Clubs und Diskotheken werde man schließen. Weihnachtsmärkte sollen verboten werden.

Alkoholverbot im öffentlichen Raum geplant

Die Abgabe von Alkohol im öffentlichen Raum und dessen Konsum sollen zudem untersagt werden, sofern sich die Lage auf den Intensivstationen nicht bessert, sagte Kretschmann. Über die Beschränkung von Kulturveranstaltungen müsse man noch beraten. Die neue Corona-Verordnung solle sehr wahrscheinlich am Freitag in Kraft treten.
Die Lage sei dramatisch, begründete der Regierungschef die geplanten Schritte. Kontakte müssten nun radikal reduziert werden, um die Corona-Welle vor Weihnachten abzuflachen. Trotz der bereits sehr weitreichenden Maßnahmen in Baden-Württemberg müsse man noch einen Schritt weitergehen. Die neue Corona-Variante Omikron bereite Sorgen, das Wachstum der Infektionszahlen sei weiter exponentiell.

Corona Regeln BW: Schausteller und Club-Betreiber fürchten um ihre Existenz

Die baden-württembergischen Schausteller fordern finanzielle Hilfen, um durch den Winter zu kommen. „Die Vorlaufkosten müssen wir wieder reinholen, außerdem geht es um entgangene Erträge“, sagte der Chef des Schaustellerverbands im Südwesten, Mark Roschmann. „Zum Teil waren die Fritteusen schon gefüllt und der Glühwein stand bereit. Da sind tonnenweise Lebensmittel und Material im Müll gelandet.“ Roschmann forderte „entweder einen 100-prozentigen Ausgleich in Höhe des Umsatzes aus der Vergleichszeit 2019 oder finanzielle Hilfen analog zu den November- und Dezember-Hilfen des vergangenen Jahres“.
Die baden-württembergische Clubszene fürchtet angesichts der angekündigten erneuten Zwangspause als Treiber der Pandemie gebrandmarkt zu werden. „Wir sind bereit, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Aber wir wollen das nicht alleine tragen“, sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg, Simon Waldenspuhl. Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage, die belege, „dass es bei uns riskanter ist als in Stadien oder Theatern“, sagte Waldenspuhl der dpa. Für die Clubs sei die erneute Schließung ein „Desaster“. Auch er forderte Hilfsprogramme.

FDP in BW lehnt Verbot von Weihnachtsmärkten ab

Die FDP im Landtag hat kein Verständnis für das Verbot von Weihnachtsmärkten. „Ich wüsste nicht, was gegen eine Veranstaltung "2G plus" unter freiem Himmel spricht“, sagte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke mit Blick auf die derzeitige Regel, wonach die Besucher der Weihnachtsmärkte geimpft oder genesen sein und zudem einen negativen Test vorweisen müssen. Rülke kritisierte auch, dass Grün-Schwarz bereits erneut neue Regeln beschließen wolle. Es ließen sich mehr Leute impfen als „Lucha und Kretschmann impfen könnten“, zudem flache sich der Anstieg der Inzidenzen seit mehreren Tagen ab. AfD-Fraktionschef Bernd Gögel sprach sogar von der Vorstufe zur Unfreiheit: „Statt Adventsstimmung stimmt uns der Ministerpräsident auf ein Freiluftgefängnis ein.“

Corona-Regeln für Geimpfte in BW – „Lage ist dramatisch“

Die Lage sei dramatisch, erklärte Kretschmann die geplanten Schritte. Nun müsse man die Kontakte radikal reduzieren, um die Corona-Welle vor Weihnachten abzuflachen. Es brauche eine schnelle Verständigung der alten und neuen Regierung in Berlin. Trotz der bereits sehr weitreichenden Maßnahmen in Baden-Württemberg müsse man noch einen Schritt weitergehen. Die neue Corona-Variante bereite Sorgen, das Wachstum der Infektionszahlen sei weiter exponentiell.

Weihnachtsmärkte 2021 in Ulm, Heidelberg, Mannheim sind aktuell mit 2G+ geöffnet

Anfang der vergangenen Woche war der Stuttgarter Weihnachtsmarkt abgesagt worden. Aus Sicht des Rathauses wäre der Besucherandrang unter Corona-Bedingungen nicht kontrollier- und beherrschbar gewesen. Weitere Weihnachtsmärkte im Südwesten reagierten kurz danach mit Schließung, beispielsweise in Freiburg und Konstanz. Es gab noch ein paar Städte, die an ihren Märkten festgehalten haben. Unter strengen Regeln und Kontrollen: Auf dem Weihnachtsmarkt in Heidelberg gilt die 2G-plus-Regel. Das gilt auch auf dem stattfindenden Mannheimer Weihnachtsmarkt am Wasserturm – und in Karlsruhe. Unter strengen Kontrollen werden nur Geimpfte und Genesene Gäste hereingelassen. Überall gilt die Maskenpflicht, wenn nicht gerade Getränke oder Speisen verzehrt werden. In Ulm, auf dem Münsterplatz, gilt ebenfalls die 2G-plus-Regel. Nun müssen auch die letzten Weihnachtsmärkte ab Donnerstag vermutlich schließen.

MPK zur Corona-Lage heute: Bundeseinheitliche Regeln geplant

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz (SPD) haben am Dienstag mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder über die Corona-Lage (13.00 Uhr) beraten. Die Rufe nach einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen und Beschränkungen waren in den vergangenen Tagen nochmals lauter geworden. Grund sind die rasant steigenden Infektionszahlen und die Verbreitung der neuen Omikron-Variante.
Baden-Württemberg ist verhältnismäßig stark von der sich derzeit bundesweit zuspitzenden Corona-Lage mit hohen Coronazahlen betroffen. Die Inzidenz lag am Montag bei 511,5, am vorherigen Sonntag bei 519,5. Mehrere Covid-19-Patienten sind bereits in andere Bundesländer verlegt worden.