Im Krieg gegen Russland erhält die Ukraine weitere Unterstützung aus Frankreich. Wie die Regierung in Paris angekündigt hat, sollen "leichte Kampfpanzer" geliefert werden. Das hat der französische Staatschef Emmanuel Macron seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj zugesagt, teilte der Élyséepalast nach einem Telefonat der beiden Präsidenten mit. Frankreich ist somit das erste Land, das Kampfpanzer westlicher Bauart an die Ukraine liefert.
Selenski freute sich in einer Videoansprache: „Frankreich hebt die Verteidigungsunterstützung für die Ukraine auf ein neues Level und ich danke Präsident Macron für diese Führungsrolle“.
  • Was zeichnet den französischen Panzer aus?
  • Was ist über seine Bewaffnung bekannt?
  • Welche anderen Panzer hat die Ukraine bisher bekommen?

Das ist der Spähpanzer aus Frankreich: Bewaffnung, Gewicht, Aufklärung

Beim AMX-10 RC handelt es sich um einen mittleren, allradgetriebenen, amphibischen Spähpanzer. Der AMX-10 RC ist die sechsrädrige und vergleichsweise schwer bewaffnete (105-mm-L/48-Kanone) Version des Schützenpanzers AMX-10P. Beide Fahrzeuge haben die gleiche Baugruppe, aber völlig verschiedene Aufgaben auf dem Gefechtsfeld.
Der AMX-10 RC wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Mit seiner 105-mm-Kanone kann er auch als Panzerjäger eingesetzt werden. Der Erfolg gegen moderne Kampfpanzer hängt dabei jedoch von Schussgelegenheiten gegen die Seiten oder das Heck des Panzers ab, da die 105-mm-Kanone frontale Panzerungen moderner Kampfpanzer nur an wenigen Schwachstellen durchschlagen kann.
Für die Führung des AMX-10 RC bedarf es einer Truppe von mindestens 4 Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Mit seiner Kombination aus Beweglichkeit, Panzerung und schwerem Hauptwaffensystem stellt der AMX-10 RC für die Ukraine eine Verstärkung dar, auf die sie dringend angewiesen ist.

Lieferung von Spähpanzern aus Frankreich innerhalb von zwei Monaten

Frankreich will der Ukraine innerhalb von zwei Monaten die versprochenen Spähpanzer liefern. Das teilte das französische Verteidigungsministerium in Paris am Freitag mit. Verteidigungsminister Sébastien Lecornu und sein ukrainischer Kollege Olexij Resnikow vereinbarten demnach zudem schnelle Schulungen für ukrainische Soldaten zur Bedienung der Panzer des Typs AMX-10 RC. Keine Auskunft gab das Ministerium dazu, wie viele Panzer an die Ukraine gehen sollen.

Die Geschichte des Spähpanzers aus Frankreich

Produziert wurde der AMX-10 RC vom französischen Rüstungsbetrieb GIAT. Erste Entwicklungsarbeiten am AMX-10 RC-Projekt begannen 1970. 1976 begann schließlich die Serienproduktion.
In der französischen Armee wird das Panzerfahrzeug unter anderem im 1er régiment étranger de cavalerie der Fremdenlegion eingesetzt. Um den geplanten Einsatzzeitraum von 2015 bis 2020 zu gewährleisten, wurde der Spähpanzer mehrmals modernisiert und kampfwertgesteigert.
Der AMX-10 RC bewährte sich in diversen Kampfeinsätzen, so wurde er im Tschad (1983/84), im ersten Golfkrieg, in Afghanistan und in der Sahelzone eingesetzt. Sie gelten als extrem mobil und können sowohl für Spähtrupps als auch bei Kämpfen eingesetzt werden.
Die französische Armee besitzt insgesamt 247 davon, die nun nach und nach von dem Jaguar-Panzer ersetzt werden.

Militärhilfen: Bald deutsche Kampfpanzer für die Ukraine?

Die Ukraine hat bisher unter anderem von osteuropäischen Staaten bereits Kampfpanzer sowjetischer Bauart erhalten. Auch Deutschland hat bereits Waffen an die Ukraine geliefert, wie etwa den Gepard.
Die jetzt angekündigte Lieferung der AMX-10 RC aus Frankreich wird allerdings die erste Lieferung von Kampfpanzern westlicher Bauart. Vor dem Hintergrund der heftigen Kämpfe sowie Kriegsverbrechen in der Ukraine geraten auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der designierte Verteidigungsminister Boris Pistorius in Sachen Waffenlieferungen immer mehr unter Druck.
Am Freitag trifft sich auf Einladung von Austin die sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe auf dem US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz, hier soll über weitere Waffen- und Panzerlieferungen an die Ukraine beraten werden. Wichtig für Pistorius wird vor allem die Frage, ob Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 geliefert werden sollen. Deutschland nimmt eine Schlüsselrolle ein, denn da die Panzer hier produziert werden, muss die Bundesregierung deswegen jeden Export auch anderer Länder genehmigen.

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