Ist es wirklich die schlimmste Krise seit 30 Jahren? So titelte zumindest eine britische Zeitung am 6. Januar 2023, vier Tage vor dem Erscheinen des Enthüllungsbuchs von Prinz Harry. Das Buch ist nun, am 10. Januar erschienen. Es war vorher aber versehentlich in den Buchhandel in Spanien gekommen. Und innerhalb weniger Stunden haben sich die Nachrichten um die Autobiografie wie ein Lauffeuer verbreitet: Sex, Koks, eine böse Stiefmutter und ein Nazi-Kostüm – all das und noch mehr soll in den Harry-Memorien drinstehen. Wer geben den Überblick:
  • Was steht im Buch von Prinz Harry?
  • Wie hat das britische Königshaus bisher reagiert?
  • Gibt es das Buch auch auf Deutsch?

Buch von Prinz Harry ab 10. Januar 2023: Kosten, Verfügbarkeit & Co.

Wer sich das Buch von Prinz Harry selbst holen will hat Glück: Die deutsche Ausgabe erscheint ebenso wie die englische am 10. Januar 2023. Auf deutsch heißt es „Reserve“, was eine Übersetzung des englischen Titels „Spare“ ist. Das Buch kostet als gebundene Ausgabe 26 Euro.
Mit dem Titel spielt der Prinz auf seine designierte Rolle im Königshaus an: Die Reserve, für den Fall, dass seinem älteren Bruder etwas passiert. Seitdem Prinz William und Prinzessin Kate mindestens drei Erben haben, gilt es als quasi unmöglich, dass Harry noch „gebraucht“ werden könnte – als Thronnachfolger, versteht sich.
Harry soll für die Biografie, die er gemeinsam mit dem Ghostwriter J.R. Moehringer verfasst hat, eine Vorauszahlung von umgerechnet 20 Millionen Euro erhalten haben. Er hat angekündigt, einen Teil der Erlöse zu spenden. Nach Angaben in dem Buch hat der Herzog von Sussex bereits 1,5 Millionen Dollar (1,4 Mio Euro) an die von ihm mitgegründete Organisation Sentebale gestiftet, die an Aids erkrankte Kinder und Aidswaisen im südlichen Afrika unterstützt.

Was steht drin in Harrys Buch?

Bietet das neue Buch von Prinz Harry tatsächliche Enthüllungen über sein Leben am englischen Königshof oder ist das nur die übliche PR-Maschine? In diesem Extraartikel gibt es alle Infos zum Inhalt von „Spare“.

Spare von Prinz Harry: Das sind die Reaktionen auf das Buch bisher

In seinen Memoiren hat Prinz Harry Einblicke in das Leben und die Auseinandersetzungen der britischen Royals gegeben, wie sie bislang unvorstellbar waren. Das Buch sollte eigentlich erst am 10. Januar veröffentlicht werden, doch es gelangte bereits am Donnerstag versehentlich in Spanien in den Buchhandel. Seitdem bahnen sich die brisanten Details ihren Weg in die Öffentlichkeit und lassen den Briten die Kinnlade herunterfallen.
Die Londoner „Times“ bezeichnete die Memoiren als „vernichtend“ und der „Daily Telegraph“ und die „Sun“ zitierten den Prinzen mit Äußerungen zu der Bitte an seinen Vater, Camilla nicht zu heiraten („Please don't marry Camilla“) und seinen Geständnissen zum Konsum von Kokain und Marihuana („I did coke and weed“). Der „Daily Express“ warf Harry Heuchelei vor: „Renconcile? But you sold your soul, Harry“ („Versöhnen? Aber du hast deine Seele verkauft, Harry“.)
Harry schreibt in dem Buch darüber, wie er Kokain genommen hat, wie sein erster Sex mit einer älteren Frau war und, dass sein Bruder und Kate ihn dazu ermutigt haben, vor vielen Jahren das Nazi-Kostüm zu tragen, dass ihm später in der Presse zum Verhängnis wurde. Er erzählt, dass er immer wusste, dass Camilla „die andere Frau“ im Leben seines Vaters war und, dass ihn der Tod seiner Mutter Diana bis heute beschäftigt. Sein Vater, König Charles III. habe ihn nicht mal umarmt, als er die Nachricht vom Tod seiner Mutter erhielt. Er berichtet auch über seine Zeit im Kriegsdienst und dass er 25 Menschen in Afghanistan das Leben genommen hat. „Es war nichts, was mich mit Genugtuung erfüllt hat, aber ich hab mich auch nicht geschämt“, schreibt Harry dazu.
Die Titelseite der "Sun" im Jahr 2005: Prinz Harry nennt dies sein größter Fehler.
Die Titelseite der „Sun“ im Jahr 2005: Prinz Harry nennt dies sein größter Fehler.
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Reaktionen des Königshauses: Das denken William und Charles über „Spare“

Die auf fast 600 Seiten ausgebreiteten Einzelheiten aus dem innersten Zirkel des sonst so zugeknöpften britischen Königshauses dürften noch tagelang die Schlagzeilen in Großbritannien dominieren. Harry hat hiermit eines der größten Tabus gebrochen, die für das britische Königshaus gelten: Das Schweigen. Schon wird spekuliert, der Palast könne Harry und Meghan ihre Titel als Herzog und Herzogin von Sussex aberkennen. Ob es soweit kommt, ist ungewiss, doch eines scheint klar: Eine Aussöhnung der zerstrittenen Brüder ist in weite Ferne gerückt. Offiziell schweigt der Buckingham-Palast weiter zu der Flut an Vorwürfen und Enthüllungen. In den britischen Medien erscheinen aber zunehmend Stellungnahmen aus dem Umfeld von Harrys Bruder und seinem Vater.
Der 40-jährige Thronfolger William sei "besorgt und traurig" und koche innerlich, werde aber nicht "zurückschlagen", sagte ein Freund der beiden Brüder der "Sunday Times".
Auch Harrys Vater ist den Medienberichten zufolge "verletzt". Laut "Sunday Telegraph" sieht König Charles III. eine Versöhnung mit seinem jüngsten Sohn aber als einzigen "Ausweg aus dem Schlamassel". Demnach sollen Harry und seine Frau zur Krönung des 74-Jährigen am 6. Mai eingeladen werden.

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