Mit der Weiberfastnacht hat für die Narren und Jecken der Höhepunkt der Karnevalssession begonnen. Wochen im Voraus bereiten sie sich auf Kostüme und Feiern vor. Doch coronabedingt sind aktuell viele Fragen ungeklärt: Wie kann die fünfte Jahreszeit in Corona-Zeiten gefeiert werden? Gibt es ein Alternativprogramm zum Straßenkarneval? Schließlich trübt der Krieg in der Ukraine zusätzlich die Stimmung und ist für viele Anlass, um für Frieden auf die Straße zu gehen, anstatt bei Umzügen teilzunehmen.
Wir beantworten euch hier die wichtigsten Fragen zum Karneval 2022:
  • Wann findet der Karneval dieses Jahr statt?
  • Wird es in diesem Jahr wegen Corona Umzüge geben?
  • Warum wird der Karneval überhaupt gefeiert?
  • Was sind die Bräuche und Traditionen?

Karneval 2022 Datum: Weiberfastnacht, Rosenmontag und Aschermittwoch

Die wichtigsten Tage des Karnevals finden in der Woche vom 24. Februar bis 2. März 2022 statt. Der Beginn ist die Weiberfastnacht oder Schmotziger Donnerstag am 24. Februar. In vielen Regionen ist der Höhepunkt des Karnevals der darauffolgende Montag, der Rosenmontag. Abschluss ist dann der Aschermittwoch.
Traditionell startet der Karneval am 11.11. um 11:11 Uhr. Ab dem 6. Januar, dem Dreikönigstag, geht es langsam in die Hochphase der Karnevalszeit. Dabei findet im Rheinland zunächst der Sitzungskarneval statt. Der Straßenkarneval startet dann mit der Weiberfastnacht.

Karneval und Corona: Finden die Umzüge 2022 statt?

Zum dritten Mal findet der Karneval im Zeichen der Corona-Pandemie statt. Auch dieses Jahr ist noch vieles anders: Wegen der erwarteten Welle an Omikron-Fällen fragen sich viele, ob große Umzüge dieses Jahr stattfinden können.

Krieg in der Ukraine: Rosenmontagszug in Köln abgesagt

Eigentlich sollte der Rosenmontagszug 2022 in Köln in kleinem Rahmen stattfinden. ls Ersatz sollte der Zug durchs Fußballstadion rollen, doch das wurde nun ebenfalls gecancelt. An Weiberfastnacht hat das Festkomitee Kölner Karneval entschieden, den Umzug aufgrund der aktuellen Situation in der Ukraine abzusagen. Als Alternative soll es Friedensdemonstrationen in der Stadt geben. Dort sollen auch die Karnevalswagen fahren. Insbesondere die, die den russischen Präsidenten Putin zeigen. „Die Kölner können nicht nur Party machen, die können nicht nur feiern. Die können auch Solidarität zeigen“, sagte Komitee-Sprecher Michael Kramp am Freitag dem Sender WDR5. A

Rosenmontag in Köln: Demo für den Frieden

Zehntausende Menschen haben am Rosenmontag in Köln für Frieden und Demokratie demonstriert. „Es ist beeindruckend, wie viele Menschen in Köln auf der Straße sind“, sagte ein Polizeisprecher. In Reden solidarisierten sich Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn und Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sowohl mit der Ukraine als auch mit den Antikriegs-Demonstranten in Russland. Dazu wurden Lieder gespielt wie „Alle Menschen werden Brüder“ und „Mir sin alle nur Mensche“ (Wir sind alle nur Menschen) von Brings. Kostümierte und Nichtkostümierte marschierten gemeinsam durch die Straßen. Viele trugen Transparente mit Aufschriften wie „Putin Go Home“ und „Dear Russian people, be Russians not Putinians“ („Liebes russisches Volk, seid Russen, keine Putinianer“). Vor dem Start des Marsches ließ das Festkomitee Kölner Karneval weiße Friedenstauben aufsteigen.

Diese Corona-Regeln gelten in Köln an Karneval

Die Stadt Köln teilt mit: „Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sowie der Einschränkungen für Veranstaltungen durch die Corona-Schutzverordnung können die Karnevalsumzüge 2022 nicht stattfinden.“

Was müssen Besucher beachten, wenn sie in Düsseldorf feiern wollen?

Das ganze Kölner Stadtgebiet und die Düsseldorfer Altstadt werden über Karneval zu einer sogenannten Brauchtumszone erklärt. Vom 24. Februar bis zum 1. März sind Karnevalsfeiern damit im gesamten Kölner Stadtgebiet wegen der Corona-Pandemie nur unter 2G-plus-Voraussetzungen erlaubt, erklärte die Stadt Köln. Das bedeutet: Geimpfte und Genesene können den Karneval feiern. Wer einen Booster hat, braucht keinen zusätzlichen Corona-Test. Ungeimpfte können leider nicht mitmachen.

Karneval in Düsseldorf: Absage für Rosenmontagsumzug

In Düsseldorf war der Rosenmontagszug schon vor Wochen wegen Corona auf Ende Mai verlegt worden. Allerdings rollte dort ein einzelner Wagen von Jacques Tilly zum Ukraine-Krieg durch die Stadt. Die überlebensgroße Karikatur aus Drahtgeflecht und Pappmaché zeigte Wladimir Putin, der sich die Ukraine in den Rachen steckt, und den Spruch „Erstick dran!!!“.

Das gilt für den Karneval in Mainz

In Mainz fiel wegen der Pandemie der Straßenkarneval am Fastnachtswochenende aus: Am Wochenende vom 24. bis 27. Februar werde es keine „Veranstaltungen mit Straßenfastnachtscharakter“ geben, darauf haben sich die Stadt und der Mainzer Carneval-Verein (MCV) geeinigt.

Karneval in Mainz: Wie wird gefeiert?

Trotz der Absage des Rosenmontagszugs haben etliche Mainzer den Höhepunkt der Fastnachtszeit zusammen gefeiert. Um 11.11 Uhr am Montag stimmten Dutzende Menschen auf dem zentralen Schillerplatz mit Helau-Rufen das Lied „Am Rosenmontag bin ich geboren“ an. Zur gleichen Zeit begann ein Fastnachter die Zugstrecke abzulaufen - am traditionellen Startpunkt des Rosenmontagszugs in der Neustadt.

Kölner Karneval und Lauterbach: Streit um Corona-Regeln

Nach einem Zwist um Karnevalsfeiern in Corona-Zeiten haben Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Kölns oberster Karnevalist Christoph Kuckelkorn nun versöhnliche Töne angeschlagen. Die beiden Männer hätten sich wenige Tage vor dem Karnevalshöhepunkt digital in „freundschaftlicher und konstruktiver Atmosphäre“ ausgetauscht, teilte die örtliche SPD-Stadtratsfraktion mit.
Lauterbach wurde in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Der Karneval liegt mir als Rheinländer besonders am Herzen.“ Er habe sich sehr über den Austausch und „die vielen Gemeinsamkeiten“ gefreut, die man miteinander habe. Lauterbach sagte auch, er freue sich auf ausgelassenes und unbeschwertes Feiern. Allerdings mit dem Zusatz: „sobald wir die Pandemie langfristig im Griff haben“.
Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, erklärte, alle Beteiligten seien sich einig darin gewesen, dass der Karneval mehr sei als Partys und bunte Kostüme. „In Pandemiezeiten geht das aber eben nicht immer so, wie wir uns das wünschen würden. Deswegen müssen aufgrund klarer Vorgaben durch die Politik immer wieder neue Wege gefunden werden, um den Menschen auch in schwierigen Zeiten ein wenig Fastelovendsjeföhl zu geben.“
Der Zwist war im Dezember ausgebrochen. Lauterbach - geboren in Düren bei Köln - hatte damals erklärt, ihm wäre ein Sommer-Karneval lieber, der „dann unter sicheren Bedingungen“ stattfinden könne. Auf derartige Verschiebe-Vorschläge reagiert man in Köln allerdings allergisch. Kuckelkorn hatte daher in einem Offenen Brief erwidert: „Es ist schade, wie wenig Sie als Rheinländer über den Karneval wissen. Sonst würden Sie sich nicht öffentlich eine Verlegung der Karnevalsaktivitäten in den Sommer wünschen.“
In Köln wird in den kommenden Tagen tatsächlich Karneval gefeiert, allerdings unter besonderen Regeln. Wer feiern will, muss die 2G-plus-Regel erfüllen. Der Rosenmontagszug soll im kleineren Format vor 8800 Zuschauern durch das Kölner Stadion ziehen.

Faschingsferien 2022: Ferien in Bayern, BW, NRW, RLP & Co.

In den Bundesländern gibt es keine einheitlichen Faschingsferien. Das liegt unter anderem daran, dass nicht überall Fasching oder Karneval gefeiert wird. In den Ländern, in denen es keine Faschingsferien gibt, gibt es aber Winterferien, die üblicherweise um die gleiche Jahreszeit stattfinden.
In folgenden Bundesländern sind die Tage um Weiberfastnacht, Rosenmontag und/oder Aschermittwoch 2022 schulfrei:
  • Bayern: 28.02. bis 04.03.2022
  • Rheinland-Pfalz: 21.02. bis 25.02.2022
  • Saarland: 21.02. bis 01.03.2022
  • Sachsen: 12.02. bis 25.02.2022
In den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen gibt es sogenannte bewegliche Ferientage, die häufig über die Faschingszeit genommen werden. Über diese entscheiden die Schulen aber selbst. In allen anderen Ländern finden die Winterferien zu einem anderen Zeitpunkt statt.

Karneval: Herkunft und Bräuche

Im Wesentlichen unterscheidet man in Deutschland zwischen dem Fasching und dem Karneval, die aber zur gleichen Jahreszeit stattfinden und den gleichen Ursprung haben. „Fasching“, „Fastnacht“ oder „Fasnet“ (sowie weitere Abwandlungen) wird im schwäbisch-alemannischen sowie in Bayern, im Saarland, in Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen gebraucht. Im Ruhrgebiet und Rheinland wird hingegen vom Karneval gesprochen.
Die Karnevalszeit kommt aus dem Christentum und findet direkt vor der Fastenzeit statt. Ab Aschermittwoch wird traditionell bis Ostern gefastet. In der Woche davor wird also noch einmal gefeiert, das fettige Essen wird aufgebraucht, früher wurden die letzten Tiere geschlachtet. Früher sollten gläubige Christen nämlich in der Fastenzeit keinen Fleisch, keine Milchprodukte oder Eier essen. Heute gibt die Kirche keine strengen Fastenregeln vor – die Traditionen bleiben aber bestehen. So werden um den Karneval herum oft Krapfen/Berliner/Pfannkuchen oder ähnliche Gebäcke gegessen, fettiges Essen mit Schweinefleisch gehören auch zum Brauchtum. Im englischsprachigen Raum gibt es am Mardi Gras (fettigen Dienstag) oft Eierkuchen.

Karnevalssession: Sitzungskarneval und Straßenkarneval

In der rheinischen Karnevalstradition wird die fünfte Jahreszeit am 11.11 um 11:11 Uhr eingeläutet- Dann beginnt die sogenannte Karnevalssession. Die Karnevalssession hat im Wesentlichen drei Phasen:
  • Der Start am 11. November mit Bekanntgabe des Prinzenpaares
  • Sitzungskarneval nach dem 6. Januar (Heilige Drei Könige)
  • Straßenkarneval
Der Zweck des Sitzungskarnevals ist, die Umzüge des Straßenkarnevals vorzubereiten. Traditionell findet der Sitzungskarneval ab dem Dreikönigstag jeden Sonntag bis zur Weiberfastnacht statt. Das wird heutzutage aber nicht überall so gemacht. Stattdessen gibt es häufig vereinzelte Sitzungen, die dafür größer ausgestaltet werden. Bei den Sitzungen wird getanzt und getrunken, es gibt humorvolle Reden und manchmal (Masken-)Bälle. Es gibt Kostümsitzungen, Herren- oder Frauensitzungen, Sitzungen für Kinder und die Prunksitzungen. Die Sitzungen können zum Teil sehr groß ausfallen: In Köln gibt es regelmäßig Karnevalssitzungen mit zehntausenden Besuchern und Zuschauern.
Eines der wichtigsten Sitzungen im Karneval ist die Prunksitzung. Bei dieser gibt es satirische Jahresrückblicke und es erinnert an ein Kabarett. Häufig wird bei der Prunksitzung das Motto oder Thema der Karnevalssession bekanntgegeben. Nicht selten wird hier auf die politischen Ereignisse des Jahres geschaut.
Am Donnerstag vor Aschermittwoch geht der Sitzungskarneval in den Straßenkarneval über. Dieser zeichnet sich durch Umzüge aus, es wird auf den Straßen der Städte gefeiert. Dabei verkleiden sich die Menschen – im Gegensatz zum schwäbisch-alemannischen Fasching gibt es hier keine festen Regeln. Kostüme wechseln von Jahr zu Jahr. Um Mitternacht am Aschermittwoch geht die Karnevalssession zuende.

Corona-Pandemie bringt Verluste für Karnevalsbranche

Die Corona-Einschränkungen sorgen auch in diesem Jahr für erhebliche Einbußen in der Karnevalsbranche. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln mitteilte, dürften sich die Verluste der Session 2021/22 laut aktuellen Berechnungen auf bis zu 1,62 Milliarden Euro summieren. Wegen der hohen Infektionszahlen sind die meisten Karnevalssitzungen und Umzüge abgesagt oder finden deutlich kleiner als üblich statt.
Unter normalen Bedingungen hätte die Wirtschaft mit Getränken, Hotelübernachtungen und Kostümen rund 1,79 Milliarden Euro eingenommen, hieß es. Mit einem Anteil von über 40 Prozent am Gesamtumsatz treffen die größten Ausfälle wohl wieder die Gastronomen und Hoteliers. Darauf folgen Einzelhändler mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Gesamtumsatz. Bei ihnen sind vor allem Kostümverkäufer betroffen.
Als Verweis auf die sinkenden Umsätze dient dem IW unter anderem das Interesse an Karneval- und Faschingskostümen in der Google-Suchmaschine. Derzeit lägen dort die entsprechenden Suchanfragen nur bei rund einem Zehntel von dem, was normalerweise üblich wäre. Hinzu kämen Ausfälle im Transportsektor, beim Ticketverkauf und weiteren Dienstleistungen.