• Der Lockdown gilt nun bis mindestens zum 07.03.2021.
  • Friseure dürfen bereits am 01.03.2021 öffnen – auch in Bayern
  • Welche Regeln gelten künftig beim Friseurbesuch?
Erleichterung bei den Friseuren in Bayern: Die Salons dürfen am 1. März wieder öffnen. Das verkündete Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern. Als weitere Lockerung sollen Grundschulklassen ab dem 22. Februar an die Schulen zurückkehren – aber nur im Wechselunterricht und nur in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 100. Auch Kitas sollen an diesem Termin wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen.

Corona-Regeln Bayern: Diese Lockerungen treten in Kraft

Darüber hinaus ist die landesweite nächtliche Ausgangssperre ausgelaufen. Lediglich in Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100 soll es weiterhin nächtliche Ausgangssperren geben, künftig ab 22 Uhr - also nur regional.
Ansonsten setzt Söder seinen harten Kurs im Kampf gegen die Pandemie fort. Der harte Lockdown wird verlängert und gilt vorerst bis zum 7. März. Das Motto in Bayern heiße: „Vorsicht mit Perspektive“, sagte Söder. Bayern werde einen vorsichtigeren Kurs als andere Bundesländer fahren. „Zumachen erfordert Mut, öffnen erfordert Klugheit“, sagte Söder. Es dürfe kein Stop-and-Go bei den Corona-Maßnahmen geben, weil dies die Akzeptanz für die Maßnahmen in der Bevölkerung untergrabe.

Söder begründet Öffnung der Friseure: Hat „mit Würde zutun“

Die Entscheidung, die Friseursalons früher zu öffnen, habe laut Söder „auch etwas mit – für die einen – Hygiene, aber auch mit Würde zu tun in diesen schwierigen Zeiten“. Er kündigte an, dass der Friseurbesuch nur unter strengen Infektionsschutz-Maßnahmen ablaufen darf.
Die Regeln beim Friseurbesuch waren auch schon vor dem Lockdown streng. So war es unter anderem Pflicht, einen Termin zu vereinbaren. Friseure mussten die Kontaktdaten der Kunden aufnehmen und darüber hinaus durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Arbeitsgeräte waren regelmäßig zu desinfizieren, jedem Kunden mussten die Haare gewaschen werden. Darüber hinaus galt im Salon die gängige AHA-Formel.
Diese Hygieneanforderungen werden zum Neustart im März nochmals verschärft. Der aktualisierte Arbeitsschutzstandard, den die zuständige Berufsgenossenschaft BGW am 8. Februar herausgegeben hat, sieht strenge Handlungsempfehlungen vor:
  • Eine Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person darf nicht unterschritten werden, wenn sich mehrere Personen im Raum befinden.
  • Pausenräume müssen durchgängig gelüftet werden, wenn sich mehrere Personen darin aufhalten.
  • Beschäftigte tragen immer mindestens Mund-Nasen-Schutz (medizinische Gesichtsmaske), auch bei Hausbesuchen.
  • Für Kunden gilt die vorgeschriebene Bedeckung von Mund und Nase nach den jeweiligen Verordnungen der Länder.
  • Die Verwendung von FFP2-Masken beim Bedienen von Kunden, die keine vorgeschriebene Bedeckung von Mund und Nase tragen können, ist präzisiert.

Video Lockdown-Verlängerung: Das sind die Beschlüsse

Friseure öffnen am 1. März: Zahlreiche Mails und Anrufe

Unabhängig davon gehen bei den Friseuren in Bayern und dem Rest Deutschlands gerade zahlreiche Anfragen ein. „Wir bekommen unzählige Mails und Anrufe - eigentlich will jeder Kunde schon in der ersten Woche drankommen“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Harald Esser aus Köln.
In seinem eigenen Salon in der Domstadt werde er aber erst Mitte nächster Woche mit der Terminvergabe starten, schließlich müssten erst noch Details aus den Länder-Schutzverordnungen bekannt werden - erst dann wäre klar, wie viele Bedienplätze der Salon habe.
Der Branchenvertreter ist erfreut über die Berliner Entscheidung. „Das ist eine Perspektive, nun sehen wir endlich wieder Licht am Ende des Tunnels.“ Gut sei auch, dass Friseure seit kurzem einen Antrag stellen können für staatliche Unterstützung - die sogenannte Überbrückungshilfe III. Zumindest die Teilzahlung werde wohl relativ bald kommen, sagt Esser. „Unsere Branche braucht das Geld dringend.“

Friseur aus Bayreuth will ersten Termin für guten Zweck versteigern

Weil der Andrang auf den ersten Termin nach dem Lockdown riesig ist, will ein Bayreuther Friseur diesen nun für einen guten Zweck versteigern. Mehr als 150 Anrufe habe er erhalten, seit klar ist, dass er am 1. März wieder öffnen dürfe, sagte Friseur Andreas Nuissl auf Nachfrage.
Immer wieder sei nach dem ersten freien Termin am 1. März um 8 Uhr gefragt worden, deshalb habe er sich entschlossen, ihn nicht direkt zu vergeben, sondern auf Ebay zu versteigern. Das Schlussgebot will Nuissl anschließend an die Tafel Bayreuth und eine Hilfsorganisation spenden, die sich für bedürftige Kinder einsetzt. Am frühen Freitagnachmittag lag das höchste Gebot bei 282 Euro.
Nach Bekanntwerden der Versteigerung hatte eine Kundin die Spendenaktion erweitert: Sie hat einen späteren Termin am selben Tag gebucht - für 500 Euro, die Nuissl ebenfalls spenden will.
Zwar könne er das Geld gerade selbst gut gebrauchen, sagte der 57-Jährige aus Oberfranken, aber „auf einen Haarschnitt mehr oder weniger“ komme es jetzt auch nicht mehr an.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko beim Friseur?

Das Papier ist sehr kurz - und überaus aktuell: Während Deutschland ein Ende des allgemeinen Corona-Lockdowns herbeisehnt, haben Forscher der Technischen Universität Berlin Berechnungen zum Ansteckungsrisiko für verschiedene Innenraum-Szenarien veröffentlicht: vom Friseur über den Supermarkt bis hin zu Kino und Fitnessstudio. „Es geht darum, dass wir jetzt in die Lockerungsphasen kommen“, sagt Studienleiter Martin Kriegel.
In den Kalkulationen, die nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurden und nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht sind, fokussieren sich Kriegel und seine TU-Kollegin Anne Hartmann auf gängige Orte wie etwa
  • Theater,
  • Restaurants
  • und Schulen.
Berücksichtigte Einflussfaktoren sind vor allem die Dauer des jeweiligen Aufenthalts (im Supermarkt mit einer Stunde veranschlagt), der Aktivitätsgrad (im Fitnessstudio hoch) und die Luftzufuhr im Raum. Die Einhaltung der Hygiene- und Lüftungsregeln wird vorausgesetzt, die Schutzwirkung einer Maske mit 50 Prozent einbezogen. Weitere Bedingung: Eine infizierte Person ist zusammen mit anderen im Raum.

Risiko in Fitnessstudios und Mehrpersonenbüros höher als beim Friseur

Unter den gesetzten Voraussetzungen ist das Risiko beim Friseur, in wenig ausgelasteten Museen, Theatern und Kinos, aber auch in Supermärkten demnach vergleichsweise gering. Deutlich höher sei es in Fitnessstudios und vor allem in Oberschulen und Mehrpersonenbüros. Beispiele: Beim Einkaufen im Supermarkt würde sich demnach - unter den festgelegten speziellen Voraussetzungen - maximal eine weitere Person anstecken. In einem zur Hälfte besetzten Mehrpersonenbüro, in dem sich Menschen acht Stunden ohne Maske aufhalten, läge der Wert unter den für die Studie angenommenen Bedingungen acht Mal höher. In einem Theater mit 30 Prozent Auslastung und Maskenpflicht wäre das Risiko nur halb so hoch wie im Supermarkt - trotz doppelter angenommener Aufenthaltsdauer von zwei Stunden.