• Der Lockdown ist bis zum 7. März verlängert.
  • Virologe Hendrik Streeck spricht sich für eine testweise Öffnung der Restaurants aus
In der aktuellen Diskussion um Lockerungen von Corona-Auflagen hat sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck dafür ausgesprochen, Lokale probeweise aufzumachen. „Man sollte jetzt testweise Restaurants öffnen und diverse Hygienemaßnahmen, von der Distanz zwischen den Tischen über die Lüftung bis hin zur Kontaktnachverfolgung auf den Prüfstand stellen“, sagte Streeck dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Derzeit herrsche „die Tendenz vor, alles zu schließen. Dabei könnten Restaurants mit guten Vorkehrungen sicherer sein als der häusliche Bereich“, betonte Streeck.

Inzidenz: Streeck sieht 7-Tage-Richtwert von 35 kritisch

Den von der Bundesregierung und den Bundesländern vereinbarten Schwellenwert der 7-Tage-Inzidenz für Öffnungen von maximal 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen sieht Streeck skeptisch: „Das Problem an diesen Richtwerten ist, dass sie keine wissenschaftliche Grundlage haben, sondern eher politischer Natur sind.“ Anstelle des Kriteriums der Infektionsinzidenz empfiehlt Streeck eine Corona-Ampel. Abhängig von der Belegung der Kliniken mit Covid-19-Patienten, der nach Altersklassen unterteilten Zahl von Neuansteckungen und dem Reproduktionsfaktor sollte sie jeweils auf Rot, Gelb oder Grün gestellt werden.

Hotel, Bar, Restaurant: 39 Prozent weniger Umsatz im Corona-Jahr

Das Gastgewerbe zählt zu den Branchen, die das Coronavirus am härtesten getroffen hat. Die Forderungen nach einer Öffnungsperspektive werden immer lauter – zumal Hotels und Gaststätten 2020 39 Prozent weniger Umsatz gemacht haben als im Vorjahr. Diese Zahl für 2020 veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag, nachdem die Behörde in einer ersten Schätzung Mitte Januar von einem Einbruch von 38 Prozent ausgegangen war. Die „Auswirkungen des andauernden Lockdowns“ seien „deutlich“ sichtbar, erklärten die Statistiker. Die Branche ist hart von der Corona-Pandemie getroffen.
Im Dezember 2020 verzeichnete das Gastgewerbe einen realen Umsatzeinbruch von 14,7 Prozent im Vergleich zum November. Verglichen mit dem Vorjahresmonat stand hier allerdings unterm Strich ein Minus von 72,3 Prozent. Hotels und andere Herbergen machten sogar 83,4 Prozent weniger Umsatz, in der Gastronomie war es ein Minus von 66,8 Prozent verglichen mit Dezember 2019.
Auch das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat Berechnungen angestellt. Demnach setzte das Gastgewerbe im Südwesten 2020 real (preisbereinigt) 38,8  Prozent weniger um als 2019. Die Zahl der im Gastgewerbe tätigen Personen verringerte sich insgesamt um 17 Prozent.
Auch der Einzelhandel ist von der Krise schwer getroffen. Eine Öffnung des Einzelhandels unter Bedingungen wäre möglich, falls die 7-Tage-Inzidenz im Land stabil unter 35 sänke.
 Hendrik Streeck, Virologe an der Uniklinik Bonn, hat sich für eine testweise Öffnung der Gastronomie ausgesprochen.
Hendrik Streeck, Virologe an der Uniklinik Bonn, hat sich für eine testweise Öffnung der Gastronomie ausgesprochen.
© Foto: Oliver Berg/dpa

Altmaier und Wirtschaft wollen Öffnungsstrategie erarbeiten

Unterdessen wollen Wirtschaftsminister Peter Altmaier und die Wirtschaft zum nächsten Corona-Gipfel am 3. März Empfehlungen für eine Öffnungsstrategie erarbeiten. Das kündigte der CDU-Politiker am Dienstag nach dem „Wirtschaftsgipfel“ am Dienstag an. Es gehe um eine gemeinsame Position mit Empfehlungen vom Standpunkt der Wirtschaft, was eine Öffnungsstrategie angehe. Es sei von Verbänden „nachvollziehbar“ beklagt worden, dass Ungewissheit mit das schwierigste sei in der derzeitigen Lage.