Es ist September, langsam wird es kälter und die Tage werden dunkler. Spätestens mit dem Herbst kommt dann auch die Erkältungs- und Grippesaison.
Das Paul-Ehrlich-Institut hält die Mengen an Grippeimpfstoff zum Start der neuen Influenzasaison zwar für ausreichend. „Wir können derzeit keinen Mangel an Grippeimpfstoff für die Influenzasaison 2020/21 in Deutschland erkennen“, sagte etwa Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), der Deutschen Presse-Agentur.
Dem gegenüber steht offenbar die Ansicht der Ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO) befürchtet einen Engpass des Grippeimpfstoffs, sollte sich in diesem Herbst angesichts der Coronapandemie ein Großteil der Deutschen gegen Influenza impfen lassen. "Wenn wir jetzt eine Impfung für die gesamte Bevölkerung empfehlen würden, dann würden wir sozusagen Impfstoff absaugen und die Gruppe, die eigentlich geimpft werden soll, hätte nicht genug Impfstoff", sagte der Vorsitzende Thomas Mertens am Freitag im Interview mit RTL und ntv.
Jenseits der Verfügbarkeit eines Grippe-Impfstoffs fragen sich angesichts der aktuellen Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus viele Menschen bei Halsschmerzen, Schnupfen und Fieber: Ist es eine Erkältung oder Covid-19? Wie lassen sich die Symptome der unterschiedlichen Krankheiten unterscheiden?

Halsschmerzen und Schnupfen: Können Laien Corona und Grippe unterscheiden?

„Für Laien ist es in den ersten Tagen nicht möglich, zu unterscheiden, ob sie an Covid-19 oder einer Erkältung erkrankt sind“, sagte Prof. Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. der Apotheken-Umschau. Das liege zum Teil an den unspezifischen Symptomen, aber auch an Ähnlichkeiten zwischen den Erkrankungen. Beide gingen zum Beispiel mit Husten und Halsschmerzen einher. Ein besonders für das Coronavirus typische Symptom ist der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns wie eine Studie in Heinsberg nachweisen konnte. „Schlechter schmecken oder riechen kann man aber auch bei einer Erkältung, wenn die Nase verstopft ist. Sicherheit bringt letztlich nur ein Corona-Test", stellt Infektiologe Salzberger klar.

Grippe, Erkältung und Corona: Wie unterscheiden sich die Symptome der Krankheiten?

Auch die Grippe ist insbesondere am Anfang der Erkrankung kaum von einer Infektion mit dem Coronavirus zu unterscheiden. Laut Salzberger gäbe es auch keine charakteristische Kombination aus Symptomen, anhand derer sich Covid-19, Erkältung und Grippe unterscheiden lassen. „Als einigermaßen sicheren Hinweis für eine Grippe würde ich das schlagartige Krankheitsgefühl nennen, das Betroffene regelrecht überfällt. Bei Corona oder einer Erkältung berichten Erkrankte tendenziell von einem langsameren Verlauf mit einer steigenden Intensität der Beschwerden“, berichtet Infektiologe Salzberger. Das ist jedoch nur eine Tendenz. Krankheitsverläufe können sich davon deutlich unterscheiden.
Tendenziell unterscheidet sich jedoch auch die Dauer der Erkrankungen. „Ein grippaler Infekt ist nach einigen Tagen ausgestanden, eine Grippe fesselt Kranke auch mal eine ganze Woche ans Bett. Anschließend brauchen sie noch eine längere Zeit, um sich vollständig zu erholen“, so Salzberger.

Husten und Corona: Ist starker Husten ein Anzeichen für Covid-19?

Der Gesundheitsexperte der Techniker Krankenkasse, Dr. Johannes Wimmer, erklärt in einem Video welche Symptome für Grippe, Erkältung und Covid-19 typisch sind. „Trockener Husten ist ein Anzeichen für Corona“, so Wimmer. Allerdings handle es sich dabei um einen typischen Reizhusten, bei dem kein Schleim produziert wird. „Dieser tritt auch bei einer Grippe häufiger auf“, gibt Wimmer zu Bedenken. Auch Kurzatmigkeit könne bei Corona in Kombination mit dem Husten vorkommen - was bei einer Grippe selten der Fall sei.

Ansteckung mit Corona: Erhöht Husten das Risiko?

In der Corona-Pandemie ist die Angst vor einer Ansteckung bei vielen Menschen groß. Wie gefährdet ist man, wenn der Sitznachbar im Zug hustet oder die Arbeitskollegin vom Schreibtisch den ganzen Morgen niest? Laut Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spielen bei der Übertragung des Coronavirus Tröpfchen (größer als fünf Mikrometer) und Aerosole (Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne kleiner als fünf Mikrometer) eine große Rolle. Während größere Tröpfchen schneller zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen schlecht belüfteten Räumen verteilen. Beim Atmen und Sprechen, vor allem bei höherer Lautstärke, werden vorwiegend Aerosole ausgeschieden. Beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich mehr Tröpfchen. Eine Ansteckung kann erfolgen, wenn solche virushaltigen Flüssigkeitspartikel an die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. der Augen einer anderen Person gelangen.

Husten, Fieber, Schnupfen und Halsschmerzen: Das sind die Anzeichen bei Corona

Laut Angaben des Robert-Koch-Insituts (RKI) sind diese Symptome bei Corona besonders häufig:
  • Husten 46%
  • Fieber 39 %
  • Schnupfen 21 %
  • Störung des Geruchs- und Geschmackssinns 15%
  • Pneumonie 3%
  • Weitere Symptome sind: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, Somnolenz
Wer erkältet ist, sollte aufgrund der aktuellen Situation lieber zuhause bleiben. (Symbolbild)
Wer erkältet ist, sollte aufgrund der aktuellen Situation lieber zuhause bleiben. (Symbolbild)
© Foto: Maurizio Gambertini/DPA

Grippe oder Covid-19? Diagnose anfangs laut Virologin Ciesek knifflig

Die üblicherweise zum Winteranfang beginnende Grippesaison und die gleichzeitig andauernde Corona-Pandemie werden die Ärzte nach Ansicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek vor besondere Herausforderungen stellen. Es lasse sich anfangs nicht leicht beantworten, ob eine Grippe oder eine Infektion mit der vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Krankheit Covid-19 vorliege, sagte Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.
„Die Symptomatik kann insbesondere in der Frühphase der Infektion sehr ähnlich sein“, erklärte die Professorin für Medizinische Virologie an der Frankfurter Goethe-Universität. „Bei beiden Erkrankungen sind Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schnupfen und abdominelle Beschwerden wie Bauchschmerzen und Erbrechen häufige Symptome.“ Ohne einen Test könnten die Symptome nicht sicher unterschieden werden.
Ob eine Grippe oder Covid-19 für den Einzelnen gefährlicher sei, lasse sich nur sehr schwer sagen. „Die Gefahr, an Covid-19 zu sterben, ist nämlich sehr stark altersabhängig“, sagte Ciesek. „Insgesamt kann man festhalten, dass bei älteren Menschen Covid-19 noch viel gefährlicher ist als Influenza.“ Die Corona-Pandemie müsse ernstgenommen werden und sei nicht mit einer Grippewelle zu vergleichen.

Corona-Symptome erkennen: Unspezifische und subjektive Symptome des Coronavirus

Die Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus sind oft nicht eindeutig zu bestimmen. Neben den objektiv feststellbaren Symptomen wie Fieber oder starker Husten gibt es eine Reihe von sogenannten unspezifischen oder subjektiven Symptomen. Auf diese Schwierigkeit bei der Bestimmung der Symptome wies Sandra Ciesek, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, im NDR Coronavirus Update hin.
Unspezifische Symptome können sein:
  • geröteter Hals
  • Müdigkeit
  • Unwohlsein
  • Übelkeit

Corona ansteckender als Grippe

Das große Problem ist: SARS-CoV-2 ist nach der bisherigen Datenlage ansteckender als die Grippe. Außerdem verläuft bei manchen Menschen insbesondere Kindern und Jugendlichen die Erkrankung asymptomatisch. Dies zeigen Studien aus China, Italien, Japan und Südkorea. Viele Patienten hätten nach Angaben des RKI zudem gerade bei Erkrankungsbeginn nur leichte Symptome wie z.B. Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase. Gefährlicher als die Grippe ist das Virus außerdem, weil es eine wesentlich höhere Chance für schwere Krankheitsverläufe. Außerdem gibt es gegen SARS-CoV-2 keine Impfung.

Corona und Grippewelle: Ist eine Grippe-Impfung sinnvoll?

Auch deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission des RKI sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. Die Empfehlung gilt dabei ausdrücklich besonders für Risikogruppen. Dadurch soll das Gesundheitssystem geschützt werden.

Youtube

Halsschmerzen und Schnupfen: Was tun bei Verdacht auf Corona?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät nachdrücklich dazu bei Symptomen wie
  • Husten
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Kurzatmigkeit
  • Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • und allgemeiner Schwäche
zu Hause zu bleiben.
Betroffene sollten die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten und sich telefonisch beraten lassen. Unter der Telefonnummer 116117, der lokalen Corona-Hotline oder beim Hausarzt erhalten Patienten weitere Informationen. In Notfällen, zum Beispiel bei akuter Atemnot, sollten Sie die Notfallnummer 112 anrufen. Um sich und andere zu schützen sollten Menschen mit Krankheitssymptomen auf keinen Fall ohne Termin eine Arztpraxis aufsuchen. Alle Informationen hat die Bundeszentrale zusätzlich in einem Merkblatt zusammengefasst.
Lokal und regional können auch leicht abweichende Regeln gelten, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, wo auch Kinder mit leichtem Husten, Halsschmerzen oder erhöhter Temperatur in Kitas und Schulen betreut werden. Sie dürften nicht mit Verweis auf die Covid-19-Pandemie nach Hause geschickt werden, hatte das Sozialministerium des Landes klargestellt.
Bei Symptomen wie Halsschmerzen, Husten oder Fieber sollen sich Betroffene an ihren Hausarzt oder die zuständige Hotline wenden.
Bei Symptomen wie Halsschmerzen, Husten oder Fieber sollen sich Betroffene an ihren Hausarzt oder die zuständige Hotline wenden.
© Foto: Screenshot infektionsschutz.de

Helfen Corona-Schutzmaßnahmen auch gegen Grippe?

Helfen die allgemeinen Corona-Schutzmaßnahmen dabei, die Ausbreitung des Influenza-Virus zu verhindern und so die Grippewelle 2020/2021 einzudämmen? Gesicherte Erkenntnisse waren nicht zu erfahren, aber man kann offenbar davon ausgehen. Die Ständige Impfkommission des RKI weist auf Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit der Grippesaison 2019/2020 hin. Deren Daten für den Monat März 2020 würden zeigen, „dass die Influenza-Meldungen mit Beginn der Kontaktbeschränkung im Vergleich zu den Vorjahren sehr deutlich und abrupt sanken“.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann macht es vor: Masketragen ist das Gebot der Stunde.
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© Foto: DPA
Dazu beigetragen haben dürften auch die Schulschließungen - und vermutlich auch die immer wieder angemahnten Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regel:
  • Abstand
  • Hygiene
  • Alltagsmaske.
Dazu heißt es beim RKI auf Anfrage: Inwieweit sich die AHA-Regeln und weitere derzeit ergriffene Maßnahmen auf die nächste Grippewelle auswirken, könne man nicht vorhersagen – das hänge davon ab, wie gut sie umgesetzt würden.

Sars-CoV-2 nur eins unter vielen Coronaviren

Das Coronavirus, das zur Zeit die Welt in Atem hält ist Sars-CoV-2. Es ist allerdings nicht das einzige Coronavirus. Es gibt viele, die zu einer großen Familie gehören. Das ist nach Informationen des RKI über die Viren bekannt:
  • Coronaviren wurden erstmals Mitte der 1960er Jahre identifiziert.
  • Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere.
  • Mit SARS-CoV-2 sind insgesamt sieben humanpathogene Coronaviren bekannt.
  • Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS).