• In England ist eine Mutation des Coronavirus aufgetaucht, die sich schnell verbreitet
  • Aus Südafrika, wo die Corona-Mutation offenbar auch auftritt, ist am Morgen hingegen in München noch ein Flieger gelandet
  • Wissenschaftler rätseln noch über die Gefährlichkeit der Mutation
  • Das ist der aktuelle Stand zur Corona-Mutation
Eine Mutation des Coronavirus breitet sich schnell in Großbritannien aus. Die Variante B1.1.7 soll ansteckender sein als die bisher verbreiteten Varianten. Die Europäischen Länder haben mit weitreichenden Reisebeschränkungen reagiert. Fragen und Antworten zum mutierten Coronavirus.

Definition Mutation: Was heißt Mutation bei Corona?

Mutationen sind in der Biologie spontan auftretende und dauerhafte Veränderungen des Erbguts - also der DNA. Dass Viren mutieren ist nichts Ungewöhnliches. Mutationen finden sich zum Beispiel auch bei herkömmlichen Grippeviren. Es sind bisher auch etwa 400 Mutationen des Coronavirus Sars-CoV-2 bekannt. In einer Studie haben Forscher jedoch bei keiner der Mutationen feststellen können, dass sie gefährlicher oder ansteckender wäre. Das könnte bei der neuen Variante nun anders sein. Sie trägt den Namen B.1.1.7 bzw. VUI-202012/01.

Wie gefährlich ist die Corona-Mutation aus England und Südafrika?

Die neue Variante weist 17 Mutationen auf, was laut einem Bericht von „Science“ ungewöhnlich viele sind. Niemals zuvor seien mehr als ein Dutzend Mutationen nachgewiesen worden.
Acht der Mutationen befinden sich auf dem Spike-Protein. Zwei dieser Mutationen machen Wissenschaftlern Sorgen. Zum einen die Mutation am Spike Protein N501Y. Denn dieses Protein sorgt dafür, dass das Virus in die menschliche Zelle eindringen kann. Insofern könnte eine Veränderung dafür sorgen, dass sich das Virus besser an eine Zelle binden kann. Das andere Spike Protein ist 69-70del. Die Mutation an diesem Protein könnte dazu führen, dass die Immunantwort schwächer ausfällt.
Mit Hilfe des Spike-Protein kann das Virus in die Zellen gelangen.
Mit Hilfe des Spike-Protein kann das Virus in die Zellen gelangen.
© Foto: NIAID-RML/AP/DPA

Ist die Mutation des Coronavirus weltweit außer Kontrolle?

Die Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber noch nicht außer Kontrolle. „Selbst wenn das Virus sich nun ein kleines bisschen effizienter ausbreitet, kann das Virus gestoppt werden“, sagte der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan, am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Lage sei also „nicht außer Kontrolle“. Ryan rief aber dazu auf, die Maßnahmen zur Eindämmung der neuen Mutation zu verstärken.

Ist das mutierte Coronavirus ansteckender? Was sagt Drosten zu Studie aus England?

Das ist unklar. Jedoch zeigt eine aktuelle Studie aus England, dass das Virus wahrscheinlich leichter übertragbar ist. Mit Blick auf die Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson, wonach die neue Virus-Variante zu 70 Prozent ansteckender sei als die Ursprungsvariante, sagte der Virologe Christian Drosten, dies sei nur ein Schätzwert. Es sei noch unklar, ob die neue Variante tatsächlich stärker übertragbar sei.

Mehr schwere Verläufe durch mutiertes Coronavirus?

Große Sorge besteht auch davor, dass die neue Mutation des Coronavirus zu mehr schweren Verläufen führt. Laut dem Bericht von „Science“ gibt es anekdotische Beweise, dass das bei der südafrikanischen Variante der Fall sein könnte. Dort hätte es schwerere Verläufe bei jungen Menschen und anderen verhältnismäßig Gesunden gegeben, sagte John Nkengasong, Direktor des Afrikanischen Zentrums für Infektionsschutz und Prävention.

Mutiertes Coronavirus Symptome: Kann man die Mutation an den Symptomen erkennen?

Nein, bisher gibt es keine Berichte über eine Veränderung der Symptome bei der mutierten Variante. Diese Symptome können bei einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten:
  • Husten
  • Fieber
  • Schnupfen
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Halsschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen

Coronavirus Mutation Kinder: Ist die Mutation für Kinder ansteckender?

Möglicherweise. Die „Bild“ zitiert den Wissenschaftler Neil Ferguson, wonach es Anhaltspunkte gibt, dass das Virus eine höhere Neigung habe Kinder zu infizieren. Da die neue Variante des Coronavirus aber noch nicht vollständig erforscht ist, ist diese Aussage eine vorläufige Einschätzung.

Wirkt die Impfung auch gegen das mutierte Coronavirus?

Ja. Großbritannien und viele Forscher gehen aktuell davon aus, dass die Impfstoffe gegen das Coronavirus auch gegen die mutierte Variante wirken. Eindeutig geklärt ist dieser Punkt jedoch nicht. Der Virologe Christian Drosten erwartet laut einem Bericht des ZDF nicht, dass die Mutation die Impfung weniger effektiv mache.

Was sagt Biontech zur Wirksamkeit seines Impfstoffs?

Die Mainzer Firma Biontech geht davon aus, dass ihr Impfstoff auch gegen die in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus wirkt. Dafür halte er "die Wahrscheinlichkeit für hoch", sagte Firmenchef Ugur Sahin am Montagabend im Internetprogramm der "Bild"-Zeitung. Das Vakzin war am Montag in der EU zugelassen worden.
Einer der beiden Biontech-Gründer, Ugur Sahin, hält den Impfstoff auch bei der neuen Variante für wirksam.
Einer der beiden Biontech-Gründer, Ugur Sahin, hält den Impfstoff auch bei der neuen Variante für wirksam.
© Foto: Andreas Arnold/DPA

Mutation Corona weltweit: Wo hat sich das mutierte Coronavirus ausgebreitet?

Das mutierte Virus ist bereits in mehreren Ländern Europas nachgewiesen worden:
  • Großbritannien
  • Italien
  • Belgien
  • Niederlande
  • Dänemark

Mutation Corona UK: Mutiertes Coronavirus breitet sich in Südengland aus

Die mutierte Variante des Coronavirus breitet sich vor allem in Südengland aus. Der wissenschaftliche Berater der Regierung Patrick Vallance sagt auf einer Pressekonferenz am Samstag, dass das Virus für 26 Prozent der Fälle Mitte November verantwortlich sei. Nach der Entdeckung der neuen Coronavirus-Variante in Südostengland hat Großbritanniens Premierminister Boris Johnson eine Krisensitzung seines Kabinetts einberufen. In Teilen von Südengland gilt bereits seit Sonntag ein neuer Lockdown zur Eindämmung.

Flugzeug aus London landet in Hamburg - Passagiere infiziert

Für Reisen aus Großbritannien gelten weitreichende Beschränkungen. Am Sonntagabend landeten in Deutschland aber noch die letzten Flugzeuge mit Passagieren - unter anderem aus London, der Hauptstadt Englands. An Bord einer Maschine, die in Hamburg landete, sollen sich einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zufolge Passagiere befunden haben, die bei der Einreise positiv auf Corona getestet wurden. Ob es sich um die Mutation des Coronavirus handelt, stand am Montagnachmittag - Stand: 21.12., 16 Uhr - dem NDR-Bericht zufolge noch nicht fest.
An der Corona-Teststation am Hamburger Flughafen hat sich eine lange Schlange gebildet: In der Hansestadt war eine Maschine aus London mit corona-infizierten Passagieren an Bord gelandet.
An der Corona-Teststation am Hamburger Flughafen hat sich eine lange Schlange gebildet: In der Hansestadt war eine Maschine aus London mit corona-infizierten Passagieren an Bord gelandet.
© Foto: DPA

England ist wegen Corona-Mutation zunehmend isoliert - Johnson meldet sich zu Wort

Wegen der in Großbritannien entdeckten neuen Variante des Coronavirus ist das Land zunehmend isoliert. Seit Montag dürfen in Deutschland bis zum 31. Dezember keine Flugzeuge aus Großbritannien mehr landen, um die Verbreitung der von den Briten als besonders aggressiv eingestuften Mutation zu unterbinden. Zahlreiche weitere Länder stoppten die Einreise aus Großbritannien ebenfalls - allerdings noch lange nicht alle. Aus EU-Kreisen hieß es am Nachmittag, bisher hätten nur 15 der 27 Mitgliedstaaten Abschottungsmaßnahmen unterschiedlicher Art und Dauer ergriffen.
Das ist auch für Deutschland problematisch, weil so eine Einreise aus Großbritannien nach Deutschland über andere EU-Länder möglich bleibt. Innerhalb des Schengen-Raums, dem die meisten EU-Staaten angehören, sind die Grenzen während der zweiten Corona-Welle weitgehend offen geblieben.
Der britische Premierminister Boris Johnson will sich noch an diesem Montag um 18 Uhr (MEZ) in einer Pressekonferenz zu den von vielen Ländern verhängten Einreisestopps für Reisende aus Großbritannien äußern. Vor allem die Entscheidung Frankreichs, auch den Warenverkehr am Ärmelkanal zum Stillstand zu bringen, macht Großbritannien zu schaffen und schürt die Angst vor Engpässen kurz vor Weihnachten. Johnson hatte zuvor sein Krisenkabinett einberufen.

Afrika Corona Mutation: Mutiertes Virus auch in Südafrika - Flieger aus Kapstadt in München gelandet

In Südafrika entdeckten Wissenschaftler ebenfalls eine Mutation des Coronavirus. Sie trägt den Namen 501.V2 und soll für die Ausbreitung der zweiten Welle im Land verantwortlich sein. Mit dieser Variante stecken sich Ärzten zufolge mehr junge Menschen an. Auch komme es zu schwereren Verläufen.
Während für Flieger aus Großbritannien und Nordirland am Münchner Flughafen seit Mitternacht (Nacht von Sonntag auf Montag) wegen des mutierten Virus’ ein Landeverbot gilt, ist in der bayrischen Landeshauptstadt am Montagmorgen eine Maschine aus Kapstadt planmäßig gelandet, wie Bild.de berichtet. Dem Bericht zufolge soll noch m Laufe des Montags an einer Regelung auch für Flüge aus Südafrika getroffen werden.
In der Schweiz - hier in Genf - ist der Flugverkehr angesichts der Corona-Mutation mit Großbritannien und Südafrika bereits eingestellt. In München ist laut "Bild" am Montag, 21.12., hingegen noch ein Flieger aus Kapstadt gelandet.
In der Schweiz - hier in Genf - ist der Flugverkehr angesichts der Corona-Mutation mit Großbritannien und Südafrika bereits eingestellt. In München ist laut „Bild“ am Montag, 21.12., hingegen noch ein Flieger aus Kapstadt gelandet.
© Foto: DPA

Mutation Coronavirus in Deutschland? Bund schränkt Reisen weiter ein

Die Passagierbeförderung von dort per Flugzeug, Schiff, Bahn oder Bus nach Deutschland ist Transportunternehmen von diesem Dienstag an weitgehend verboten, wie eine am Montag im Bundesanzeiger veröffentlichte Verordnung des Gesundheitsministeriums festlegt. Sie gilt bis 6. Januar. Ressortchef Jens Spahn (CDU) erklärte am Abend auf Twitter, dies erfolge „als Vorsichtsmaßnahme“, bis man mehr über die berichteten Coronavirus-Mutationen in beiden Ländern wisse.

Mutation Corona Drosten: Ist das mutierte Coronavirus schon in Deutschland?

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, geht davon aus, dass die in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante Deutschland schon erreicht hat. Die Mutation sei bereits in mehreren europäischen Ländern und sogar in Australien nachgewiesen worden, sagte Drosten am Montag im Deutschlandfunk. „Also warum sollte es nicht in Deutschland sein?“ Mit Blick auf die von der Virus-Variante ausgehende Gefahr zeigte Drosten sich angesichts der unklaren Informationslage zurückhaltend.

Drosten nicht besorgt über Mutation

Er sei angesichts der bestehenden Informationen über die Virus-Mutation „nicht sehr besorgt“, sagte Drosten. Allerdings sei die Datenlage „noch sehr lückenhaft“. Britische Wissenschaftler hätten deutlich gemacht, dass es frühestens Mitte der Woche vorläufige Datenanalysen geben werde.
Für den von der Politik beschlossenen Stopp von Verkehrsverbindungen aus Großbritannien nach Deutschland und weitere Staaten zeigte Drosten angesichts der „äußerst erhitzten Nachrichtenlage“ Verständnis. „Im Moment ist das, was aus England kommt, mit einem ganz schönen Alarm versehen“, sagte er weiter.
Es müsse geklärt werden, ob das mutierte Virus in Südostengland eine neue Infektionswelle ausgelöst habe oder es vielmehr im Zuge der allgemeinen Virus-Ausbreitung hochgespült worden sei. Drosten betonte, dass die Mutation in Ländern wie Belgien, Dänemark, Italien und den Niederlanden zwar bereits nachgewiesen worden sei, aber bisher keine Entwicklung wie in Großbritannien erzeugt habe.

Studie zu neuer Corona-Mutation aus England - Drosten: „Das sieht nicht gut aus“

Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Coronavirus Mutation sehr wahrscheinlich leichter übertragbar ist. Der Virologe Christian Drosten bewertet das eher negativ: „Das sieht nicht gut aus“ schrieb es auf Twitter.

Mutiertes Coronavirus könnte in Baden-Württemberg auftauchen

Aus Sicht des baden-württembergischen Landesgesundheitsamtes könnte diese möglicherweise besonders ansteckende Form auch bald in Baden-Württemberg auftauchen. „Wenn es sich tatsächlich leichter übertragen lässt, werden wir die Mutation über kurz oder lang auch bei uns sehen“, sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz im Landesgesundheitsamt, Stefan Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Stuttgart. „Da jedoch nur ein Bruchteil der Virenisolate sequenziert wird, könnte es sein, dass diese Variante bereits seinen Weg auch nach Deutschland gefunden hat.“ Damit meint Brockmann die Analyse des kompletten Erbguts des Virus, die nur wenige Labore in Deutschland durchführen.

Mutation Corona BW: Bisher keine Infektionen mit mutiertem Virus im Südwesten

Bislang wurden keine Infektionen im Südwesten bekannt. Die Passagiere zweier Flugzeuge, die am Sonntag an den Flughäfen Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden ankamen, wurden alle negativ getestet. Dies teilten Sprecher der zuständigen Landkreise am Montag mit.
Die Landesregierung plant zudem vorerst keine weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Stand jetzt ist nichts geplant“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Man wisse ja noch gar nicht, ob das mutierte Virus wirklich im Land sei. „Die bereits geltenden Kontaktbeschränkungen verhindern hoffentlich auch die Ausbreitung eines mutierten Virus.“

Corona-Mutation: Lateinamerikanische Länder verschärfen Maßnahmen

Weltweit ergreifen Länder Maßnahmen gegen die neue Variante des Coronavirus. Viele Lateinamerikanische Länder verschärfen ihre Maßnahmen und verhängen teilweise Reisestopps.