Muss man sich bei Husten, Niesen und Kratzen im Hals in diesem Herbst besondere Sorgen machen? Die Symptome der vom Coronavirus verursachten Erkrankung können denen von Grippe oder Erkältung sehr ähnlich sein. Bei Husten und Halsschmerzen ist oft nicht klar: Ist es Covid-19 oder eine Grippe? Wie lassen sich die Krankheiten unterscheiden?

Husten und Fieber: Können Laien Corona und Grippe unterscheiden?

„Für Laien ist es in den ersten Tagen nicht möglich, zu unterscheiden, ob sie an Covid-19 oder einer Erkältung erkrankt sind“, sagte Prof. Dr. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. der Apotheken-Umschau. Das liege zum Teil an den unspezifischen Symptomen, aber auch an Ähnlichkeiten zwischen den Erkrankungen. Beide gingen zum Beispiel mit Husten und Halsschmerzen einher. Ein besonders für das Coronavirus typische Symptom ist der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns wie eine Studie in Heinsberg nachweisen konnte. „Schlechter schmecken oder riechen kann man aber auch bei einer Erkältung, wenn die Nase verstopft ist. Sicherheit bringt letztlich nur ein Corona-Test", stellt Infektiologe Salzberger klar.

Husten und Corona: Ist starker Husten ein Anzeichen für Covid-19?

Der Gesundheitsexperte der Techniker Krankenkasse, Dr. Johannes Wimmer, erklärt in einem Video welche Symptome für Grippe, Erkältung und Covid-19 typisch sind. „Trockener Husten ist ein Anzeichen für Corona“, so Wimmer. Allerdings handle es sich dabei um einen typischen Reizhusten, bei dem kein Schleim produziert wird. „Dieser tritt auch bei einer Grippe häufiger auf“, gibt Wimmer zu Bedenken. Auch Kurzatmigkeit könne bei Corona in Kombination mit dem Husten vorkommen - was bei einer Grippe selten der Fall sei.

Ansteckung mit Corona: Erhöht Husten das Risiko?

In der Corona-Pandemie ist die Angst vor einer Ansteckung bei vielen Menschen groß. Wie gefährdet ist man, wenn der Sitznachbar im Zug hustet oder die Arbeitskollegin vom Schreibtisch den ganzen Morgen niest? Laut Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spielen bei der Übertragung des Coronavirus Tröpfchen (größer als fünf Mikrometer) und Aerosole (Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne kleiner als fünf Mikrometer) eine große Rolle. Während größere Tröpfchen schneller zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen schlecht belüfteten Räumen verteilen. Beim Atmen und Sprechen, vor allem bei höherer Lautstärke, werden vorwiegend Aerosole ausgeschieden. Beim Husten und Niesen entstehen zusätzlich deutlich mehr Tröpfchen. Eine Ansteckung kann erfolgen, wenn solche virushaltigen Flüssigkeitspartikel an die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. der Augen einer anderen Person gelangen.

Corona oder Grippe: Ist Fieber ein Symptom von Corona?

In der kalten Jahreszeit bekommt man auch gelegentlich Fieber. Ist das ein Grund sich wegen Corona zu sorgen? „Nach den bisherigen Erkenntnissen haben sehr viele Corona-Erkrankte Fieber“, so Wimmer. Bei einer Grippe sei Fieber ebenfalls typisch, komme allerdings wie aus dem Nichts und steige innerhalb von kurzer Zeit auf 41 Grad. „Bei einer Grippe kann es den Betroffenen in der Regel innerhalb weniger Stunden sehr schlecht gehen“, erklärt der Arzt. „COVID-19 verläuft dagegen in 80% der Fälle deutlich milder.“ Das ist jedoch lediglich eine Tendenz und sagt nichts über den Einzelfall aus.

Corona ansteckender als Grippe

Das große Problem ist: SARS-CoV-2 ist nach der bisherigen Datenlage ansteckender als die Grippe. Außerdem verläuft bei manchen Menschen insbesondere Kindern und Jugendlichen die Erkrankung asymptomatisch. Dies zeigen Studien aus China, Italien, Japan und Südkorea. Viele Patienten hätten nach Angaben des RKI zudem gerade bei Erkrankungsbeginn nur leichte Symptome wie z.B. Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase. Gefährlicher als die Grippe ist das Virus außerdem, weil es eine wesentlich höhere Chance für schwere Krankheitsverläufe. Außerdem gibt es gegen SARS-CoV-2 keine Impfung.
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Husten, Fieber, Schnupfen und Halsschmerzen: Das sind die Symptome bei Corona

Laut Angaben des Robert-Koch-Insituts (RKI) sind diese Symptome bei Corona besonders häufig:
  • Husten 46%
  • Fieber 39 %
  • Schnupfen 21 %
  • Störung des Geruchs- und Geschmackssinns 15%
  • Pneumonie 3%
  • Weitere Symptome sind: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, Somnolenz

Halsschmerzen und Schnupfen: Was tun bei Verdacht auf Corona?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät nachdrücklich dazu bei Symptomen wie
  • Husten
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Kurzatmigkeit
  • Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • und allgemeiner Schwäche
zu Hause zu bleiben.
Betroffene sollten die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten und sich telefonisch beraten lassen. Unter der Telefonnummer 116117, der lokalen Corona-Hotline oder beim Hausarzt erhalten Patienten weitere Informationen. In Notfällen, zum Beispiel bei akuter Atemnot, sollten Sie die Notfallnummer 112 anrufen. Um sich und andere zu schützen sollten Menschen mit Krankheitssymptomen auf keinen Fall ohne Termin eine Arztpraxis aufsuchen. Alle Informationen hat die Bundeszentrale zusätzlich in einem Merkblatt zusammengefasst.
So verhält man sich richtig bei Verdacht auf Corona.
So verhält man sich richtig bei Verdacht auf Corona.
© Foto: Merkblatt BZgA

Ansteckung mit Corona-Virus: Tragen einer Alltagsmaske schützt andere

Weil beim Sprechen, Niesen und Husten viele Tröpfchen ausgeschieden und im Raum verteilt werden, ist es besonders wichtig sich umsichtig zu verhalten. Muss man husten oder niesen, sollte man das in die Armbeuge oder aber in ein Taschentuch, das direkt danach entsorgt werden sollte. Das Tragen einer Alltagsmaske kann nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu bei tragen, andere Menschen vor feinen Tröpfchen und Partikeln zu schützen (Fremdschutz). Für diesen Fremdschutz gäbe es inzwischen erste wissenschaftliche Hinweise. Der Eigenschutz durch Mund-Nasen-Bedeckungen hingegen sei bisher wissenschaftlich nicht belegt.

Helfen Corona-Schutzmaßnahmen auch gegen Grippe?

Helfen die allgemeinen Corona-Schutzmaßnahmen dabei, die Ausbreitung des Influenza-Virus zu verhindern und so die Grippewelle 2020/2021 einzudämmen? Gesicherte Erkenntnisse waren nicht zu erfahren, aber man kann offenbar davon ausgehen. Die Ständige Impfkommission des RKI weist auf Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit der Grippesaison 2019/2020 hin. Deren Daten für den Monat März 2020 würden zeigen, „dass die Influenza-Meldungen mit Beginn der Kontaktbeschränkung im Vergleich zu den Vorjahren sehr deutlich und abrupt sanken“.
Dazu beigetragen haben dürften auch die Schulschließungen - und vermutlich auch die immer wieder angemahnten Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regel:
  • Abstand
  • Hygiene
  • Alltagsmaske.
Dazu heißt es beim RKI auf Anfrage: Inwieweit sich die AHA-Regeln und weitere derzeit ergriffene Maßnahmen auf die nächste Grippewelle auswirken, könne man nicht vorhersagen – das hänge davon ab, wie gut sie umgesetzt würden.