• Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein schlagen einen Stufenplan für Lockerungen vor.
  • Die Virologin Melanie Brinkmann warnt vor einem Ende des Lockdowns Mitte Februar und Lockerungen bei einer Inzidenz von 50. Auch das Impfen reiche nicht. Es drohten weitere Lockdowns bis 2022.
Wie lange geht der Lockdown noch? Diese Frage steht vor dem nächsten Corona-Gipfel, der voraussichtlich am 10. Februar stattfindet, im Raum. Einige Bundesländer machen nun einen Vorschlag für eine langfristige Planung der Maßnahmen.

Dauer Lockdown 2021: Thüringen für Lockerungen der Corona-Regeln mit Stufenplan

Die Thüringer Landesregierung arbeitet nach Angaben von Ministerpräsident Bodo Ramelow an einem Corona-Stufenplan. Er soll voraussichtlich in der kommenden Woche vom Kabinett verabschiedet und danach dem Landtag vorgelegt werden, sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. „Das wird ein Fahrplan, und wir können dann verlässlicher sagen, was in den kommenden Wochen möglich ist.“

Ramelow für verbindlichen Corona-Stufenplan für Lockerungen

Thüringen orientiere sich bei diesem Vorgehen an den Ländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die bereits Stufenpläne vorgestellt haben, sagte der Linken-Politiker. „Und mir wäre es am liebsten, wenn wir so etwas bundesweit hätten.“ Er wolle sich dafür in der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 10. Februar aussprechen. „Ich möchte einen verbindlichen Fahrplan für Deutschland.“
Thüringens Ministerpräsident Ramelow sieht Lockerungen der Regeln in Stufen vor (Archivbild)
Thüringens Ministerpräsident Ramelow sieht Lockerungen der Regeln in Stufen vor (Archivbild)
© Foto: Bodo Schackow/DPA

Corona-Lockdown Ende? Kriterien für Lockerungen noch unklar

In Thüringen gehe es zunächst darum, festzulegen, welche Lockerungen abhängig von der Infektionsentwicklung, ihrer Dynamik und der Belastbarkeit des Gesundheitssystems möglich seien - oder auch nicht, so der Regierungschef. Festlegungen zu den Stufen mit bestimmten Sieben-Tages-Inzidenzwerten gebe es noch nicht. „Wir schaffen erst den Rahmen.“ Ramelow kann sich vorstellen, dass bei einem bestimmten Infektionswert die Kommunen selbst entscheiden können, welche Lockerungen möglich sind.

Nach Ende des Lockdowns: Ab welcher Inzidenz gibt es welche Lockerungen in SH?

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat die Stufen dagegen bereits festgelegt. Auch der Landtag stimmte zu. Ausschlaggebend ist der Inzidenzwert eines Bundeslandes:
  • Inzidenz eine Woche unter 100: Treffen von fünf Menschen aus zwei Haushalten erlaubt, körpernahe Dienstleistungen (Friseure) und eingeschränkter Regelbetrieb an den Kitas sowie Wechselunterricht in Schulen möglich .
  • Inzidenz 21 Tage unter 100: Individualsport im Außenbereich erlaubt, Zoos und Wildparks dürfen wieder öffnen.
  • Inzidenz sieben Tage unter 50: Einzelhandel, Gastronomie, kosmetische Fußpflege und Nagelstudios können unter Auflagen öffnen, Besuch in Krankenhäusern von zwei Personen, Kitas offen, Präsenzunterricht für die Klassen eins bis sechs.
  • Weitere 14 Tage Inzidenz unter 50: Schulklassen 7 bis 13 wieder Präsenzunterricht
  • Inzidenz 21 Tage lang stabil unter 50: Öffnung von Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen, keine Gästebeschränkungen in der Gastronomie, Öffnung von Theatern und Kinos für Schulen, Fitnessstudios öffnen
  • Inzidenz sieben Tage stabil unter 35: Treffen von zehn Menschen mehrerer Haushalte, Schulen offen, Bars und Kneipen wieder offen, Schwimmbäder, Saunen, Theater, Kinos und Konzerthäuser.
Daniel Günther will sich auch auf Bundesebene für einen Stufenplan zu Corona-Lockerungen einsetzen.
Daniel Günther will sich auch auf Bundesebene für einen Stufenplan zu Corona-Lockerungen einsetzen.
© Foto: Gregor Fischer/dpa
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will sich angesichts sinkender Infektionszahlen beim kommenden Bund-Länder-Treffen für baldige Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen einsetzen. Dies sagte der CDU-Politiker am Freitag im ZDF-„Mittagsmagazin“ im Blick auf die Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am nächsten Mittwoch. Bei der letzten Konferenz sei ja verabredet worden, für die nächste Runde einen Stufenplan zu erarbeiten. Sein Land habe sich deshalb verpflichtet gefühlt, einen solchen auch vorzulegen. „Was wir das letzte Mal beschlossen haben, gilt, und von daher wird ein Stufenplan definitiv auch kommen.“
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte mit Blick auf Schulen und Kindertagesstätten: „Wenn es weiter in diesem positiven Sinne geht, dann finde ich schon, dass auch im Februar noch zumindest eine schrittweise Lockerung passieren sollte.“ Sie sprach sich für einen bundesweit einheitlichen Stufenplan aus, den sie mit den Jugend- und Familienministerien der Bundesländer bereits vereinbart habe. Man müsse den Eltern eine Perspektive geben und auch die Situation der Kinder und Jugendlichen einbeziehen, sagte Giffey am Freitag im Inforadio des RBB: „Denn Kinderschutz ist auch Gesundheitsschutz.“

Wann öffnen Fitnessstudios? Stufenplan in Schleswig-Holstein sieht Lockerungen vor

Vielen sportbegeisterten Menschen fehlt das Fitnessstudio. Wann die Studios wieder öffnen ist aktuell unklar. Der Stufenplan aus Schleswig-Holstein sieht vor, dass Studios ab einer Inzidenz von unter 50 über 21 Tage öffnen dürfen. Eine Perspektive für Beschlüsse auf dem Corona-Gipfel?

Öffnung Friseure wenn Inzidenz unter 100?

Der Plan der Kieler Regierung sieht außerdem die Öffnung der Friseure ab einem Inzidenzwert von 100 über eine Woche vor. Würde diese Regel bundesweit gelten, könnten in Ländern zahlreichen Bundesländern die Salons bald wieder öffnen.

Kritik an Stufenplan für Lockerungen aus Bayern

Bayern hält starre Stufenpläne für Corona-Auflagen, wie sie Niedersachsen und Schleswig-Holstein vorgelegt haben, für nicht praktikabel. „Diese Modelle sind zu kompliziert für den Alltag. Sie gaukeln eine vermeintliche Planbarkeit vor, die angesichts der Dynamik der Pandemie nicht realistisch ist“, sagte Staatskanzleichef und Corona-Koordinator Florian Herrmann (CSU) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in München. Auch andere Bundesländer, darunter etwa Bremen, hatten sich skeptisch zu den Stufenplänen geäußert und vor einem hin und her bei den Maßnahmen gewarnt.

Lockdown Ende BW? FDP fordert Stufenplan für Lockerungen in Baden-Württemberg

Knapp eine Woche vor dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Krise hat die Opposition die Landesregierung aufgefordert, einen Weg aus dem Lockdown aufzuzeigen. „Die Koalition hat sich auf etwas festgelegt, was ich Inzidentitis nenne“, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke am Donnerstag im Landtag in Stuttgart.
Die grün-schwarze Koalition stochere im Nebel und warte nur darauf, dass die Zahl der Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen auf unter 50 sinke. Rülke verlangte, die Regierung müsse wie Schleswig-Holstein einen Stufenplan für Lockerungen vorlegen, um den Menschen eine Perspektive zu geben.

Verlängerter Lockdown: Wie geht es weiter? Spahn gegen Stufenplan

Vor dem nächsten Corona-Treffen von Bund und Ländern hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Fortsetzung des Corona-Lockdowns und für ein weiter schrittweises Vorgehen der Regierung geworben. „Alle wünschen sich einen Sechs-Monats-Plan, aber den kann es halt in dieser Dynamik, in dieser Pandemie nicht geben“, sagte Spahn am Sonntag in der ARD-Sendung „Anne Will“. Es gehe nur „Zug um Zug“ - und dabei stünden noch einige harte und schwere Wochen bevor.
Es werde weiterhin notwendig sein, die konkreten Maßnahmen, die konkrete Strategie immer wieder anzupassen. „Ich weiß, alle haben eine Sehnsucht nach irgendetwas, das dann hält für sechs oder zwölf Monate. Aber das geht nicht. Das Virus ist zu dynamisch. Die Lage verändert sich zu sehr“, sagte Spahn.

Neue Corona Lockerungen erst ab Inzidenz von 35?

Nach Informationen der Bild haben sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten auf einen neuen Zielwert von einer Inzidenz von 35 geeinigt. Erst ab diesem Wert solle es laut dem Fomrat „Bild live“ Lockerungen für Gastronomie, Geschäfte und Kultureinrichtungen geben. Somit sollen erst ab einem Wert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über sieben Tage weitere Öffnungsschritte über die nun beschlossenen hinaus erfolgen dürfen.
Dieser neue Grenzwert fand sich bereits in der Beschlussvorlage des Kanzleramts. Dort hieß es: „Der nächste Öffnungsschritt soll bei einer stabilen deutschlandweiten 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner erfolgen.“ Der bisherige Zielwert war 50.