Mehr als 10.000 Corona Tote in Belgien und eine rasant steigende Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die Bundesregierung hat wegen steigender Corona-Infektionszahlen für ganz Belgien eine Reisewarnung ausgesprochen.
Das wichtigste in Kürze:
  • In Belgien wurde zuletzt nur die Hauptstadt Brüssel als Corona-Risikogebiet geführt.
  • Die Ausweitung auf das ganze Land betrifft nun auch Grenzregionen zu Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
  • Die Schwelle von 10.000 Toten ist überschritten.

Coronavirus Belgien: Das sind die Corona-Zahlen

Laut der Johns Hopkins University (JHU) in Baltimore haben sich in Belgien seit Beginn der Pandemie mehr als 118.000 Menschen infiziert. (Stand: 1.10., 06:23 Uhr). Innerhalb der vergangenen 24 Stunden gab es 1.337 Neuinfektionen. Der höchste Wert wurde im April erreicht mit 2.454 Infektionen innerhalb eines Tages.
  • Infektionen gesamt: 118.452
  • Neuinfektionen: 1337
  • Todesfälle: 10.016
  • Genesene: 19.454
Die Corona-Zahlen in Belgien steigen rasant an.
Die Corona-Zahlen in Belgien steigen rasant an.
© Foto: Screenshot JHU

Risikogebiet Belgien: Wann kommt es zur Reisewarnung der Bundesregierung?

Eine Reisewarnung erfolgt, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Sie ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung speziell für Touristen haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Urlaubern, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Polen als einziges Nachbarland von Deutschland kein Risikogebiet

Es wurde erwartet, dass noch am Abend auch die vom Robert Koch-Institut geführte Liste der Corona-Risikogebiete aktualisiert wird. Bisher sind 15 von 27 EU-Länder zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Belgien, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz.
Polen ist das einzige der neun Nachbarländer Deutschlands, das noch nicht auf der Risikoliste steht. Aber auch dort steigen die Infektionszahlen. Die Kriterien für die Einstufung als Risikogebiet und eine Reisewarnung sind für die Länder der EU identisch. In beiden Fällen gilt die Zahl der Neuinfektionen als Maßstab. In Dänemark beschränkt sich die die Reisewarnung des Auswärtigen Amts unterdessen nach wie vor auf die Hauptstadt Kopenhagen und ihr Umland (Region Hovedstaden“).

Auswärtiges Amt Belgien Corona: Das müssen Reisende wissen

Einreise, Durchreise und Quarantäneregeln in Belgien. Das müssen Reisende wissen:
  • Einreise: Das belgische Außenministerium stuft eine Reihe von Ländern und Regionen als „rote“ bzw. „orange“ Zonen ein. In Deutschland sind derzeit zahlreiche Regionen als orange eingestuft. Einreisenden aus diesen Gebieten wird eine 7-tägige häusliche Quarantäne nach Einreise nach Belgien dringend empfohlen. Ausnahmen gelten für Berufspendler, Saisonarbeiter und Berufskraftfahrer sowie bei bestimmten Reisegründen.
  • Flughafen Brüssel: Am Flughafen Brüssel erfolgen Temperaturmessungen bei allen Passagieren mit Wärmekameras. Zutritt wird bei über 38°C verweigert. Abholer erhalten keinen Zutritt in das Flughafengebäude.
  • Online-Formular: Reisende müssen ein elektronisches Formular mindestens 48 Stunden vor der Einreise ausfüllen.
  • Reiseverbindungen: Der grenzüberschreitende Flug-, Zug- und Busverkehr funktioniert, ist allerdings teilweise reduziert.

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Corona Regeln Belgien: Maskenpflicht, Bußgeld und Kontaktbeschränkungen

Belgien gelten ähnliche Corona-Maßnahmen wie in Deutschland. Das wichtigste im Überblick:
  • Restaurants und Einzelhandel: Geschäfte, Hotels, Cafés, Restaurants und Fitnessstudios sind, unter Beachtung der einschlägigen Hygiene- und Abstandsregeln, geöffnet.
  • Diskotheken: Discotheken und Clubs bleiben geschlossen.
  • Großveranstaltungen: Alle Großveranstaltungen sind abgesagt.
  • Kontaktbeschränkungen: Maximal zehn Personen dürfen sich öffentlich treffen. Das gilt auch für Restaurantbesuche.
  • Private Feiern: Die Kontaktbeschränkungen gelten nicht für private Feiern wie etwa Hochzeiten. Allerdings gelten dort strenge Auflagen für die Gastronomie.
  • Maskenpflicht: Es gilt Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie an Haltestellen und Bahnsteigen. Auch beim Einkaufen, in Kirchen und beim Betreten von Restaurants muss eine Maske getragen werden.
  • Bußgeld: Bei Missachtung der Coorna-Regeln wird ein Bußgeld von bis zu 250 Euro fällig.

Einreise Belgien: Das müssen Pendler wissen

Gerade an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen pendeln viele Deutsche zum arbeiten nach Belgien. Das ist trotz der Reisewarnung weiter möglich - selbst wenn die Pendler aus orangen Zonen kommen und deshalb eigentlich sieben Tage in Quarantäne müssten. Grundsätzlich gelten Ausnahmen von den Quarantäneregeln bei der Einreise für:
  • Berufspendler
  • Saisonarbeiter
  • Berufskraftfahrer
  • Sowie bei bestimmten Reisegründen

Risikogebiet Belgien: Rheinland-Pfalz plant Ausnahmen von Quarantäneregeln in Grenzregionen

In den Grenzgebieten von Rheinland-Pfalz soll es - wie im Saarland - nach Einführung der bundesweiten Quarantäneregeln Ausnahmen geben. „Grenzpendler“ dürften sich auch dann ein paar Stunden in dem als Risikogebiet eingestuften Nachbarland aufhalten, kündigte die Staatskanzlei in Mainz am Donnerstag. Dies gelte nach den Worten von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auch, wenn sie einkaufen gehen wollen. Einzelheiten der Ausnahmeregelungen würden noch geprüft.
„Für Ein- und Ausreisen aus Risikogebieten wird es einheitliche Regelungen in ganz Deutschland geben“, betonte Dreyer. Dies sehe die neue Verordnung des Bundes für die Quarantäneregelungen vor. Für die Ausnahmeregelungen in Grenzregionen habe sie sich eingesetzt.

Belgien Risikogebiet: Belgische Grenzregion enttäuscht über deutsche Reisewarnung

Angesichts der deutschen Reisewarnung für ganz Belgien herrscht in der belgischen Grenzregion zu Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Unverständnis. Er bedaure, dass ganz Belgien zur roten Zone erklärt worden sei, sagte der Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Man habe offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass Grenzbeschränkungen kein wirksames Instrument gegen Covid-19 seien.
„Der europäische Alltag hier in der Grenzregion wurde massiv eingeschränkt“, sagte Paasch nach der deutschen Entscheidung. Für die Bürger gebe es im Alltag nun ganz konkrete Probleme. Freunde treffen, einkaufen oder ein Restaurantbesuch auf der anderen Seite der Grenze sei nun nicht mehr ohne weiteres möglich. Die „europäische Selbstverständlichkeit“ sei eingegrenzt worden. Man fühle sich in die „unselige Zeit“ zwischen März und Mitte Juni zurückversetzt.
Dabei sei das Risiko für einen Aachener, der nach Berlin reise, viel größer als bei einem Ausflug ins ostbelgische Eupen. In der ostbelgischen Gemeinschaft habe es in den vergangenen zwei Wochen gerade mal 38 Infektionen auf 100.000 Einwohner gegeben, sagte Paasch. „In Wahrheit gibt es in Belgien eine ganze Reihe an grünen Zonen, zu denen auch das Grenzgebiet gehört.“
Zugleich betonte Paasch, dass es einen engen Austausch mit den Landesregierungen von NRW und Rheinland-Pfalz gebe. Beide Länder seien bemüht, Ausnahmeregeln zu beschließen.

Video Ganz Belgien und fast ganz Frankreich Corona-Risikogebiet