Die Ebners im Gespräch: Drei Generationen, drei Menschen – und die Zeitung

80 Jahre Südwest Presse Gespräch mit Familie Ebner. Florian Ebner, Frau Ruth Ebner und Annabel Ebner.
Volkmar KönnekeWenn man einen 80. Geburtstag feiert, muss man über Tradition reden. In der Familie Ebner hält man die Tradition des Unternehmens hoch. Immerhin reicht die Geschichte des Verlagshauses rund 200 Jahre zurück, bis hin zu den Anfängen in Stuttgart, wo alles mit einem Kunstverlag begann. Aber der Blick in die Vergangenheit muss nicht angestaubt sein, schon gar nicht, wenn man sich an einem Herbstabend zum Drei-Generationen-Gespräch am Tisch trifft: Ruth Ebner, 91 Jahre, ihr Sohn Florian Ebner, 67 Jahre, der bei der Neuen Pressegesellschaft die Anteile der Familie Ebner vertritt, und die Enkeltochter Annabel Ebner, 32 Jahre, die seit zweieinhalb Jahren ebenfalls im Unternehmen arbeitet und die Zukunft verkörpert.
Bereits auf der Schwelle des Heims von Ruth Ebner merkt der Interviewer bei der Begrüßung durch die Hausherrin: Hier geht es locker und herzlich zu. Lachende Augen, ein warmer Händedruck und schon sitzt man am Familientisch in der guten Stube. Damit sich alle wohlfühlen, steht ein gut gefüllter Teller mit Schokolade auf dem Tisch. Ein Gespräch über die schwere Zeit des Beginns, die Zukunft und warum man eigentlich ohne Zeitung nicht leben kann.
Frau Ebner, Sie sind ja eine echte Augenzeugin, auch wenn Sie bei der ersten Ausgabe der „Schwäbischen Donau-Zeitung“ noch elf Jahre jung waren. War das damals ein großes Thema?
Ruth Ebner: Ach wissen Sie, wir hatten damals als Kinder ganz andere Sorgen. Natürlich war man froh, dass es eine Zeitung gab. Aber wir sorgten uns um andere Dinge: Zum Beispiel waren wir froh, dass die Amerikaner in Ulm waren und nicht etwa die Russen. Oder wo es Wasser gab. Wir hatten einen kleinen Hausknecht. Das war ein Bollerwagen zum Ziehen mit vier kleinen Rädern. Untertags war man damit unterwegs, um alltägliche Dinge zu besorgen. Wasser gab es zum Beispiel in der Wilhelmstraße zwischen zehn und elf Uhr. Und um sechs Uhr abends begann die Ausgangssperre. Es ging um das nackte Überleben.

80 Jahre Südwest Presse Gespräch mit Familie Ebner. Frau Ruth Ebner
Volkmar KönnekeWo haben Sie damals in Ulm gewohnt?
Ruth Ebner: In der Jugend in der Oststadt, später im Verlag, in der Riemerschmid-Villa an der Olgastraße. 13 Jahre haben wir dort gewohnt, zu Beginn direkt nach dem Krieg war jedes Zimmer mit einer anderen Familie besetzt. Viele Häuser waren ja ausgebombt oder von den Amerikanern besetzt.
Annabel Ebner, Ihre Generation ist ganz anders aufgewachsen, Sie sind ein „Digital Native“, also jemand, für den die Nachrichten aus dem Netz selbstverständlich sind. Wie schauen Sie auf die Zeit, von der Ihre Großmutter berichtet?
Annabel Ebner: Ich finde den Alltag natürlich total spannend – eine Zeit, in der die Tageszeitung die einzige Informationsquelle war. Heute erleben wir ja fast einen Overflow an Informationen. Für uns stellt sich heute die Frage: Woher stammen diese Informationen? Und über welche Kanäle beziehe ich sie? Vor diesem Hintergrund könnte die Tageszeitung weiterhin wichtig bleiben oder sogar noch einmal an Bedeutung gewinnen. Auf jeden Fall brauchen wir den Journalismus, der diese Fragen beantwortet.
Gewinnspiel: 80 Jahre SÜDWEST PRESSE
Wir feiern Geburtstag! Im November vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der „Schwäbischen Donauzeitung“ und heutigen SÜDWEST PRESSE. Zu diesem Anlass können Sie vom 1. bis zum 30. November zahlreiche Geschenke gewinnen:
- Tagespreise: Täglich 5 Drogerie- oder Tankgutscheine im Wert von je 10 Euro
- Wochenpreise: Einmal pro Woche jeweils ein iPad oder Samsung Tablet
- Monatspreis: unter allen Teilnehmenden verlosen wir zusätzlich einen Reisegutschein im Wert von 1.500 Euro
Wie informieren Sie sich heute?
Annabel Ebner: Natürlich zunächst über die SÜDWEST PRESSE – ich habe aber auch die „New York Times“ abonniert. Allerdings geht das meist nicht mehr über das Papier, sondern per Handy oder iPad.
Wie ist es denn so, in einer Familie aufzuwachsen, die sich ganz den Medien verschrieben hat?
Annabel Ebner (lacht und schaut ihren Vater an): In meiner Erinnerung ist es immer das Bild mit der aufgeschlagenen Zeitung am Frühstückstisch. Als es in der Schulzeit um einen Aufsatz über den Beruf meines Vaters ging, habe ich geschrieben, er geht ins morgens ins Büro zum Kaffeetrinken und Zeitunglesen.
Ruth Ebner (ruft dazwischen): Für mich ist das am Morgen immer noch das Wichtigste! Wenn es keine Zeitung zum Frühstück gibt, bin ich todunglücklich. Deshalb mag ich auch keine Feiertage und Sonntage...
Wieviel Zeit verbringen Sie am Morgen denn mit der Lektüre?
Ruth Ebner (schmunzelt): Bis ich mein Knäckebrot gegessen und den Kaffee getrunken habe. Und dann bekommt meine Nachbarin die SÜDWEST PRESSE – weil sie immer meinen Hund ausführt.
Gutes Stichwort, Herr Ebner: Das Ritual des morgendlichen Lesens einer gedruckten Zeitung ist nicht mehr selbstverständlich...
Florian Ebner: Das ist tatsächlich ein spannender Punkt. In der Generation meiner Mutter, aber auch in meiner Generation gibt es das noch, die Zeit für die Zeitung am Morgen. Dieses Ritual müssen wir für eine jüngere Generationen ganz neu entwickeln.
Aber nicht mehr in Papierform...
Florian Ebner: Eine wichtige Herausforderung, der man sich als Zeitungshaus stellen muss. Die Information als solche muss weiterhin die Zielgruppen erreichen. Ganz gleich, ob in zehn Jahren noch über die gedruckte Zeitung oder in einer ganz anderen Form. Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sich gerade befinden. Wenn das morgens am Frühstückstisch ist, dann passt das – doch dieses Ritual verliert an Bedeutung. Das Wichtigste ist, dass hinter der Information, die wir anbieten, eine gute Recherche, ein guter Journalismus steckt.
Wo werden Journalisten diese Informationen in Zukunft anbieten? Und wie können wir gewährleisten, dass es sich eben nicht um Fake News handelt?
Florian Ebner: Es wird sich auf viele Kanäle verteilen. Die Zeiten, dass 90 Prozent der Kunden sich über ein Medium – Papier – informieren, sind längst vorbei. Unsere Chance als Informationsanbieter liegt zum einen in der Personalisierung der Nachrichten; das wäre in Print unmöglich. Und dass wir die Informationen, die eine KI nur sammelt, verarbeitet und verbreitet, kritisch prüfen und dann erst verteilen. Dieses Potenzial müssen wir nutzen.
Dazu gehört auch die Regionalität...
Florian Ebner: Natürlich. Das ist der wesentliche Kern unseres journalistischen Angebots. Auch wenn wir einen Mantel, also die nationale und überregionale Berichterstattung, herstellen und an Kunden verkaufen, ist dessen Bedeutung im Gegensatz zu den lokalen Inhalten deutlich geringer. Das Entscheidende ist, was wir hier vor Ort machen. Eine KI wird nie über die Probleme in einem Kindergarten berichten oder mitbekommen, was sich in der Politik in einer Kleinstadt abspielt. Diese Kompetenz kann man nicht ersetzen. Die lokale Verankerung ist für die Zukunft der Zeitung und der digitalen Ausspielkanäle der entscheidende Faktor. Das Geschäft der Zeitung kann nur im lokalen Regionaljournalismus bestehen.

80 Jahre Südwest Presse Gespräch mit Familie Ebner. Florian Ebner,
Volkmar KönnekeDas Geschäftsfeld Regionaljournalismus hat sich für die Neue Pressegesellschaft (NPG) seit August verdoppelt: Sie haben die Zeitungsgruppe Stuttgart gekauft. Mit den Titeln „Stuttgarter Zeitung“, „Stuttgarter Nachrichten“ und „Schwarzwälder Bote“ ist die NPG zum drittgrößten regionalen Medienhaus der Republik aufgestiegen. Was bedeutet das für die Zukunft des Verlages?
Florian Ebner: Diese Investition war natürlich vorrangig betriebswirtschaftlich bedingt. Alleine durch den Zusammenschluss werden wir keinen besseren Journalismus machen. Aber auf der Verlagsseite werden wir dadurch viele Effekte nutzen können und Prozesse, die es in beiden Häusern gibt, gemeinsam optimieren und so Kosten sparen. Wir gewinnen durch die Größe mehr Zeit, den Transformationsprozess ins Digitale hinein stringent zu organisieren. Trotzdem wollen und werden wir jetzt keinen journalistischen Einheitsbrei produzieren, sondern weiterhin eine differenzierte Meinungsbildung anbieten.
Glauben Sie, dass sich die Konzentrationsprozesse fortsetzen werden?
Florian Ebner: Die Konsolidierung geht weiter - ob über Zukäufe oder über Zusammenschlüsse, das wird man sehen. Aber es ist sicherlich auch für uns als Verlag der SÜDWEST PRESSE nur ein Zwischenschritt. Die Märkte sowohl in Baden-Württemberg als auch in Deutschland werden in fünf Jahren anders aussehen. Das ist eine zwingend notwendige Voraussetzung für ein langfristiges Überleben und gesundes Wachstum.
Hat sich die Rolle des Verlegers in den vergangenen Jahrzehnten geändert?
Florian Ebner: Ganz sicher. Als einer von zwei Beiratsvorsitzenden muss ich betriebswirtschaftlich handeln, ansonsten könnte ein Medienhaus nicht überleben. Das war für die Verleger nach dem Kriegsende anders, als es noch um die grundsätzliche Ausrichtung der neu entstandenen Blätter ging. Aber immer noch gilt: Wir verkaufen nicht einfach ein paar Schuhe oder einen Tennisschläger. Sondern ein journalistisches Produkt, das von den Redaktionen recherchiert und geprüft wird. Es geht um die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und publizistischem Anspruch. Diese Balance zu finden, ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht immer einfach.
Hat Sie ein Stück auch die Verlegerrolle gereizt, in das Familienunternehmen einzusteigen, Frau Ebner?
Annabel Ebner: Nein, das war nicht der Grund. Ich finde den Zeitungsmarkt und die gesamte Branche so spannend, weil sie gerade im Wandel ist. Weil einfach so viel passiert. Das geht es nicht um irgendeine Rolle als Verlegerin, sondern um die Transformation einer ganzen Industrie.
Anfänge in Stuttgart
Seit über 200 Jahren ist die Familie Ebner im Verlagswesen tätig – zunächst in Stuttgart, später mit einer Druckerei in Ulm. 1954 erwirbt die Familie 50 Prozent an der „Schwäbischen Donau-Zeitung“, der späteren SÜDWEST PRESSE (1968). 2018 übernimmt Florian Ebner einen Beiratsvorsitz der Neuen Pressegesellschaft, die die SÜDWEST PRESSE herausgibt. Seit zweieinhalb Jahren ist seine Tochter Annabel Ebner, studierte Betriebswirtin, ebenfalls in der Leitung der Verlagsgruppe tätig.
Ein Ausdruck der Veränderung ist der Neubau des Verlagshauses in der Olgastraße: Ein Haus, das schon von außen mit seinen großen Fensterflächen Transparenz und Aufbruch ausstrahlt. Was bedeutet dieser Neubau für das Unternehmen?
Florian Ebner: Er wird viel verändern. Es geht schon damit los, dass das Architekturbüro Allmann-Wappner auch die Deutschlandzentrale von Google in München entworfen hat. Diejenigen, die einen Weltkonzern beraten durften, wie man moderne Arbeitsumgebungen gestaltet, haben das auch für uns getan – das hat schon einen Stellenwert. Es ist ein wunderbares Verlagsgebäude geworden, das alle Funktionen, die ein Verlag benötigt, erfüllt. Es ist aber andererseits auch ein Signal an die Stadt Ulm: Wir investieren. Wir glauben an den Standort Ulm. Wir bauen an einer wichtigen innerstädtischen Straße, die direkt zum Bahnhof führt und damit zur Schnellbahnstrecke nach Stuttgart. Für mich persönlich ist es auch der Abschluss der ersten 80 Jahre dieses Blattes. Jetzt öffnen wir das Tor zu einer Zeit, in der wir zwar immer noch Nachrichten produzieren – aber nicht dauerhaft auf Papier. Wir können jetzt Menschen auf aller Welt erreichen – und das alles von unserem Haus in Ulm aus.
Annabel Ebner: Ich finde, das Haus ist ein tolles Statement für die Mitarbeiter und für alle Personen, die damit zu tun haben. Moderne Arbeitsplätze in einer modernen Arbeitswelt. Ich glaube, es ist heutzutage extrem wichtig, wie der Arbeitsplatz aussieht und wie man sich dort fühlt. Auch für potenzielle neue Arbeitnehmer schafft das einen Anreiz, zu uns zu kommen.
Florian Ebner: Unser größter Wert sind unsere Mitarbeiter. Wir wollen ihnen Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gerne an ihren Arbeitsplatz kommen. Sozusagen dem Trend zum Homeoffice, den ich kritisch sehe, entgegenzuwirken. Da kommt dieses neue Verlagsgebäude genau zum richtigen Zeitpunkt.
80 Jahre jung und die Voraussetzungen für die kommenden Jahrzehnte sind gelegt: Zukäufe getätigt, ein neues Verlagsgebäude fast fertiggestellt, der Übergang an die kommende Generation ist geregelt – welche guten Wünsche geben Sie der SÜDWEST PRESSE zum 80. Geburtstag mit auf den Weg?
Florian Ebner: Dass sie weiterhin so vital bleibt – und ein Unternehmen mit vielen tollen Mitarbeitern.
Annabel Ebner: Mein Wunsch ist ganz ähnlich: Viele gute Geschichten, über die man schreiben kann, und viele gute Mitarbeiter!
Als die Älteste haben Sie das letzte Wort, Frau Ebner...
Ruth Ebner: Dass es die Zeitung weiterhin gibt – jeden Morgen um sechs Uhr. Das genieße ich. Die Zeitung gehört einfach zu meinem Leben.
80 Jahre SÜDWEST PRESSE
1945 erschien die erste Ausgabe der „Schwäbischen Donauzeitung“ und der heutigen SÜDWEST PRESSE. Zu diesem Geburtstag und begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die vergangenen 80 Jahre. Was waren die prägendsten Ereignisse in der Ulmer Stadtgeschichte?
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